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Buchmesse-Nachlese (Teil 1): Platzhirsche, Füchse & Karnickel
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Platzhirsche, Füchse & Karnickel

Auch in diesem Jahr lockte die Frankfurter Buchmesse wieder mit viel Prominenz und ganz Alltäglichem. GeoWis bringt eine kritische Nachbetrachtung in drei Teilen.

Teil 1 von Simone ten Breck (2007-10-20)

Die ersten drei Tage der diesjährigen Buchmesse zu Frankfurt, dem weltgrößten Treffpunkt in Sachen Buch, gehörten wie üblich den Fachbesuchern. Was bereits in den vergangenen zwei Jahren verwunderte, war auch in diesem Jahr zu bestaunen: die Fachbesucher werden immer jünger.

 Schulklasse um Schulklasse strömte durch die Gänge der Hallen, besetzte Rolltreppen und Stände. Hinz und Kunz trugen ans Revers geklippte Fachbesucherausweise, ließen sich an den Bierständen von Beck's, Schöfferhofer oder anderen Anbietern des Gerstensafts nieder. Fachbesucher? Unbekannte Wesen.

Die Hallen waren voll und es darf bezweifelt werden, daß sie überwiegend von Fachbesuchern frequentiert wurden. Soviele Buchhändler, Sortimenter, Verlagsvertreter, Lektoren oder Literaturagenten gibt es gar kaum, die sich als Fachbesucher in den ersten drei Tagen durch die Hallen bewegten.

Die Inflation an Fachbesucherausweisen zeitigte aber auch eine Inflation an prominenten Autoren. Bei einigen muß man sich fragen, wann sie die Zeit gefunden hatten, ein Buch zu schreiben. Haben sie auch etwas Neues mitzuteilen?

Am ehesten kann man noch annehmen, daß der einstige Außenminister der in die Geschichte eingegangenen Sowjetunion (UdSSR) und spätere Präsident Georgiens, Eduard Schewardnaze, mit seinem Buch Thoughts on the Past and Future die politisch interessierte Leserschaft begeistern könnte, hat er doch als ehemaliger Mitentscheider der Weltpolitik etwas zu sagen.

 Doch die anderen? Ex-Straßenkämpfer, Ex-Umweltminister von Hessen und Ex-Bundesaußenminister Joseph Fischer de-brilliert mit seinen Teilzeit-Memoiren Die rot-grünen Jahre (Kiepenheuer & Wisch, Köln), hadert mit seinem Parteierbe, rechnet irgendwie mit den Grünen ab (obwohl er das schon vor knapp 18 Jahren allein aufgrund der Spaltung zwischen Realos und Fundis tat), sieht ein klein wenig ein -"Ja, es gab Fehler" -, und sieht die Bombardierung auf dem Balkan nun kritisch, ohne sie glaubwürdig zu bereuen.

Rechtzeitig zur Buchmesse widmete ihm das deutsche Nachrichtenblatt Der Spiegel ein Titelbild (Spiegel v. 1.10.2007) und eine Story, die das ganze Dilemma der Haßliebe von Journalen offenlegte, die die eierlegende Wollmilchsau im Informationsbereich darzustellen versuchen.

Die Spiegel-Redakteure Georg Mascolo, Dirk Kurbjuweit und Dietmar Pieper nahmen Fischer in ein gefälliges Interview. Wer hier etwa den Anschein von Public Relation vermutete, könnte richtig liegen, wenn er die Zusammenhänge und -spiele der vergangenen 25 Jahre zwischen Blatt und Befragtem kennt.

Kaum schlechter erging es anderen Politgrößen. Bundesaußenminister Steinmeier trat zum Signieren auf. Hans-Dietrich Genscher, einst ein Meister der Diplomatie, dann - so halten ihm Kritiker vor - ein indirekter Mitverursacher des Jugoslawienkriegs, weil er Kroatiens Separatismus ohne Not völkerrechtliche Annerkennung verlieh, wartete mit einem neuen Buch auf, das so unwichtig ist, daß es hier nicht mit Titel genannt zu werden braucht. Und erstmals stellt ein noch aktiver Regierender Bürgermeister Berlins sein Geschriebenes vor, Klaus Wowereit.

 Die ersten Tage der weltgrößten Bussi-Gesellschaft boten ein Schaulaufen aktueller und vergangener Politprominenz, die wohl nur aus purer Eitelkeit schreiben oder schreiben lassen. Erdrückend für alle jene Autoren, die von ihrem Geschriebenen leben müssen.

Die Prominenz heimst die dicken Vorschüsse ein, klebt an den Verlagen wie Egel, und so mancher Verlag ist nicht in der Lage, den Knüppel herauszuholen, um die Egel wegzuklopfen, sondern sieht nur die mit Promi-Titeln vollgepacken Europaletten.

So mancher dieser Titel aber landet auf den Grabbeltischen der Buchhandlungen oder wird beim Online-Buchhändler Amazon verramscht, bevor das Jahr, in dem er erschien, vorüber ist.

Beispiele: Hans-Olaf Henkels Werk Die Kraft des Neubeginns. Deutschland ist machbar (Hardcover, 2004) gibt es in hervorragendem Gebrauchtzustand ab 16 Cent, Boris Beckers Augenblick, verweile doch ... (Hardcover, 2003) ab 58 Cent. Oskar Lafontaines Die Wut wächst. Politik braucht Prinzipien (Hardcover, 2002) kann man ab 1,23 Euro erstehen. Neu und verschweißt kosten die Titel, die beim Erscheinungstermin meist über 20 Euro liegen, etwa bei der Mayerschen Buchhandelskette 4,95 Euro. Bücher müssen also gar nicht teuer sein.

 Wer heute 17, 18 oder 25 Jahre alt ist, mag sich kaum dafür interessieren, was ein Joschka Fischer vor zehn, fünfzehn Jahren gedacht hatte, oder ein Eduard Schewardnaze (siehe Titelbild) in etwa gleichem Zeitraum.

Auch der ehemalige Bundesaußenminister Genscher muß jüngeren Generationen wie ein Fossil aus einer völlig anderen Welt vorkommen, die man eher bebildert im Stil von Dinosaurierbüchern erfahren möchte. Und wenn sich diese Altersgruppe dennoch dafür interessiert, geht sie vorwiegend in die Bibliothek, um sich die wissenschaftspolitischen Texte dazu auszuleihen.

Manche deutsche Verlage, die sich auf solche Dinosaurier spezialisiert haben, leisten so betrachtet gewisse Frondienste an Vergangenes, was im Segment der Wissenschaft doch viel besser aufgehoben wäre. Und sie behindern mit der Vergeudung von Mitteln an die Dinos den Fortschritt in der Literatur, den aber ausgerechnet sie beklagen.

 In Ermangelung von Traute, die Sämlinge und neuen Talente ausreichend in die Mikros und Kameras sprechen zu lassen, schmückten sich viele Verlage zuvörderst wieder einmal mit den üblichen Verdächtigen, von denen einige nur noch vom Ruhm oder Bekanntheitsgrad der Vergangenheit profitieren.

So der in den 1990er Jahren im Fernsehen aktive Talkmaster (!), Autor und rasende Moderator Roger Willemsen - der Mann mit dem rechten Daumen unter der linken Kinnseite -, seit Jahren ein Gast auf der Messe.

Wie für viele andere B-Promis findet sich auch für ihn immer noch ein Sponsor und ein Forum - und ein Autor, neben den er sich hocken kann. Diesmal zum Beispiel Dieter Hildebrandt, dem unverwüstlichen Grandmaster des deutschen Polit-Kabaretts. Der hätte nun gewiß nicht einen wie Willemsen verdient. Oder doch? Sie harmonieren prächtig, haben mit Traudl Bünger ein Buch verfaßt (Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort; 2007).

Eine nette Geste von Willemsen/Bünger, floppte doch beispielsweise Hildebrandts gar nicht so schlechtes Buch Der große Tag des Hans im Glück (1998) grandios. Von Dezember bis in den kommenden Juli sind sie mit 'Ich gebe ihnen mein Ehrenwort - Die Weltgeschichte der Lüge' von Mönchengladbach bis Luzern auf Tournee. 22 Termine weist Willemsens Online-Kalender dazu aus.

 Auf der Messe hatte der Vorleser der Nation sieben Einsätze, war neben Wetten-dass...-Showmaster Thomas Gottschalk präsent wie kaum ein anderer. Am Mittwoch (10.10.) bei der ARD-Veranstaltung Titel, Thesen, Temperamente, danach auf dem Blauen Sofa; am Donnerstag auf dem Stand der Wochenschrift Die Zeit; am Freitag beim Bajazzo-Verlag; abends moderierte er dann die lange HR-Nacht.

Am Samstag setzte er sich am Galore-Stand aufs Sofa, auf dem tags zuvor die Exil-Chinesin Xinren Allgemeinplätze zur chinesischen Kultur von sich gab. Am Sonntag co-moderierte Willemsen für den Hörfunk HR 3.

Streng ökonomisch betrachtet, wird viel Geld auf der Frankfurter Buchmesse für altruistisch anmutende Aktionen verbrannt. Was umso bedenklicher erscheint, da Lektoren inzwischen derart unter Druck gesetzt sind, nur nichts aus dem Rahmen Fallendes, sondern nur noch Plitzi-Platzi oder mindestens Hochliteratur, in jedem Fall aber stur ins Programm Passendes in Produktion zu geben, wofür sie eigentlich in die Beichtkammer abgeordnet werden müßten.

Die Verlage und Fernsehsender kostet die blaue-, rote- oder grüne Sofa-Promotion, von der zweifelhaft ist, ob sie sich rechnet, erstmal viel Geld, das an anderer Stelle schnell fehlt.

 Den 80-jährigen und deren um zwei, drei oder vier Jahrzehnte jüngeren Assistenten, Protegees oder Claqueuren wird das knappe Gut Geld beinahe inflationär hinterhergeworfen, um am Ende jenen, die den Thriller oder den ungewöhnlichen Roman unterzukriegen versuchen ein 'Tut uns leid' in vielerlei Varianten zu präsentieren.

Es ist ein schleichender Aderlaß zu Ungunsten der Förderung neuer Talente, an dem auch andere indirekt beteiligt sind, die im Prinzip wenig mitzuteilen haben. Es sind die künstlerischen und prominenten Multitalente.

Davon gibt es in Deutschland viele. Wahrscheinlich ist Deutschland Weltmeister an Multitalenten. Sie können singen, tanzen, vor allem aber schauspielern. Und schreiben können sie auch. Was für eine Fügung.

So hat Veronica Ferres ein 32-seitiges Kinderbuch verfaßt (Nein, mit Fremden geh ich nicht!, 2007), Ben Becker liest aus der Bibel (2007). Schwester Meret Becker hat - zusammen mit Ulrike Haage, Andreas Grothgar und Ulrike Voswinckel - den Buchmarkt mit Exakte Visionen (2004) bereichert, Joachim Fuchsberger mit Denn erstens kommt es anders (2007), wie auch Michael 'Bully' Herbig mit Lissi und der wilde Kaiser (2007).

 Auch in anderen Tätigkeitsgruppen befinden sich Multitalente, die den Buchmarkt auf zweifelhafte Weise bereichern. Ohne äußeren Zwang macht sich der eine auf den Weg nach dem spanischen Santiago de Compostela und hat hinterher noch die Kraft, ein Buch darüber zu schreiben (Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg; 2006). Immerhin ein amüsant zu lesendes.

Weniger Erbauliches, dafür umso Belehrenderes kam und kommt von der News- und Polittalkfront. Schon 1995 reüssierte die inzwischen vom Bildschirm zurückgetretene ARD-Talkmasterin Sabine Christiansen mit einer Art Reiseführer durch die Armut (Hoffnung hat viele Gesichter. Begegnungen von Tibet bis Sizilien).

Sechs Jahre später ging mit Trendwende. Das Buch zur Lage der Nation (2001) ihr Zeigefinger so richtig nach oben. Ihr prälogischer Counterpart, Eva Herman, begann erst 2004 mit Aber Liebe ist es nicht und brauchte dann nur zwei Jahre zum Umdenken und Das Eva-Prinzip auf den Markt zu bringen. Und dann noch ein weiteres für Das Prinzip Arche Noah.

Mit derartigem Flachsinn beschäftigte sich etwa der Schauspieler Armin Müller-Stahl erst gar nicht. Er nahm statt der Feder den Pinsel und gestaltete die neue, 20-bändige Brockhaus-Ausgabe. Der in diesem Jahr verstorbene Düsseldorfer Maler Jörg Immendorff hätte sie wohl kaum besser zu illustrieren vermocht.

 Wie schlecht es der deutschen Literatur und der deutschen Belletristik geht, kann also durchaus daran gemessen werden, wie sehr Verlage Promi-Texte verlegen und ihr Portmonnaie für die Multitalente öffnen. Klagen, es gehe der deutschen Literatur nicht gut, sind somit begründet. Klagen, es gehe dem deutschen Buchmarkt schlecht, eher unbegründet.

"Touch my skin and tell me what your thinking", eine Textzeile aus dem Lied My Hand der Britin Dido - aus dem Jahr 2000 -, sei im Hinblick auf das Entdecken und Fördern neuer, frischer Autoren gleich welchen Alters abgewandelt in: Read my script and don't tell me what your thinking. Just sell it!

Doch das ist gar nicht so einfach. Zigtausende reichen jährlich Manuskripte bei Verlagen und Literaturagenturen ein. Die meisten werden abgelehnt. Ist die Mehrheit der Manuskripte wirklich so schlecht, daß sie es nicht wert ist, gedruckt zu werden? Kaum zu glauben. In toto aber wahr.

"Die Programmacher müssen mehr Licht am Horizont sehen als vielleicht wirklich vorhanden ist", schreibt der ehemalige Verlagslektor Dirk R. Meynecke¹. Um Lektoren die Erleuchtung nahezubringen, sind Formalien wichtig. Sind diese nicht stimmig oder überzeugend, wird ein Manuskript oft nicht mal angefaßt. Sie beginnen oft schon beim Anschreiben, spätestens aber beim Exposé.

 "Die Vermutung ist nicht ganz von der Hand zu weisen, daß ein guter Autor und ein lausiger Verfasser von Exposés zwei Seiten einer Medaille sind", so Meynecke. Die Vermutung, daß es thematische und stilistische Präferenzen unter Lektoren gibt, wohl auch nicht. So kaufen die Verlage alljährlich reichlich Lizenzen gerade von Amerikanern und Angelsachsen im Segment Thriller.

Sie alle befolgen die Kriterien des Plots, wie sie in verschiedenen How-to- Ratgebern² und Seminaren zum Creative Writing vermittelt werden. Angesichts dessen, daß sich die Ratgeber in Deutschland gut verkaufen, muß man sich wundern, daß jene unbekannten deutschen AutorInnen, die sich an den How-to-Ratgebern orientieren, kaum durchbrechen.

Für junge und nicht mehr ganz so junge Autoren, die sich über die Familiengeschichte oder Autobiographie - wofür es in Deutschland Buchpreise hagelt (Arno Geiger, Julia Franck, Katharina Hacker) - hinauswagen und einfach nur spannende, zumindest aber lesenswerte Belletristik schreiben (wollen), besteht also wenig Platz auf dem deutschen Buchmarkt.

Mitentscheidend sind die Lektorate, aber auch die externen oder internen GutachterInnen, die schon mal einen Text mit verworrenen Argumenten ablehnen. Etwa: zu kompliziert; Protagonist zu unsympathisch; zu exotisch; nichts für die Hauptzielgruppe (Anm. d. Vf.: die weibliche Leserschaft); zu schnell geplottet; kein Drei-Akter; zu schlichte Sprache; und so weiter, und so fort.

 Manches davon mag bei der Mehrzahl der unverlangt eingereichten Manuskripte zutreffen. Erstaunlich ist allerdings, daß häufig Jahr für Jahr die gleiche Suppe - ganz egal von welchem renommierten Verlag - in sich stets ähnelndem Duktus auf den Markt geworfen wird.

Erstaunlich auch, daß selbst im 21. Jahrhundert von deutschen Autoren immer noch der kleine Goethe, der große Grass oder der unverständliche Durs Grünbein gefordert werden, der deutsche Thriller, der deutsche Entwicklungsroman, die Phantasie deutscher Autoren es aber kaum schafft, die Denkschranken der Lektorate und Gutachter zu durchbrechen.

Dabei machen es die deutschen Drehbuchschreiber und Fimregisseure längst vor, dem Klischee und deren Gralshütern und Hausmeistern erfolgreich zu entkommen. Das Buch, einst Vorreiter, lahmt lieber noch. Natürlich wird in der Masse noch viel gelesen und der deutschsprachige Buchmarkt gehört zu den global lukrativsten.

Doch Thriller amerikanischer, angelsächsischer oder schwedischer Machart kommen von deutschen Autoren kaum auf den Markt, sieht man von Einzelfällen einmal ab. So hat Lektor Andreas Paschedag vom Berliner Aufbau Taschenbuch Verlag sich ganz unprogrammatisch Karl Olsbergs Manuskript zum jüngst erschienenen Thriller Das System angenommen, der beinahe stur nach amerikanischen Vorbildern geplottet ist. Allerdings zu einem Thema, das im englischen Sprachraum weitgehend abgearbeitet und vielfach ins Deutsche übersetzt wurde. Das kann's dann ja irgendwie auch nicht sein.

Anders als etwa der amerikanische Buchmarkt, der zwar wesentlich von New York aus dominiert wird und dennoch Vielfalt und immer wieder Ungewöhnliches unter die Leser bringt, erscheint der deutsche Buchmarkt recht festgefahren, fast schon ängstlich, jedenfalls kaum innovativ.

 Abseits des Ganzen, wenn die Messe ihre Pforten für den Tag schließt, geht es dann angstfreier zu. Geraucht, getascht, geflirtet und betascht wurde schon tagsüber reichlich. Wenn die Masse der Fachbesucher dann gegangen war, ging es - natürlich vereinzelt - so richtig los.

Nach vier Glas Rotwein oder fünf großen Pils ist der Unterschied zwischen Autor, Agent, Lektor, Verleger oder Assistenten oft nicht mehr auszumachen. Erst wieder, wenn die Rechnung kommt und einer seine Kreditkarte hinlegt.

Es gab für die vielen Männerhände gar nicht schnell genug parate Weiberhintern. Daß auch anschließend in den umliegenden Hotels und Zimmern mitunter Männer auf Frauen und Frauen auf Männer trafen, gilt als gesicherte Erkenntnis, zumindest, wenn man im Maritim unterwegs war, wo - wie die letzten Jahre schon - die Post abging.

Verträge waren da nicht mehr abzuschließen. Bestenfalls Vistenkarten und Zimmernummern auszutauschen, und wenn es noch ging, auch die Telefonnummer. So mancher Platzhirsch traf auf ein Karnickel, so mancher Fuchs ebenso, und umgekehrt. Das wäre doch auch mal einen guten Roman wert.

¹ Dirk R. Meynecke: Von der Buchidee zum Bestseller. Ehrenwerth Verlag, München, 1991.

² Zum Beispiel: Jean Saunders: How to plot your Novel. Allison & Busby, London, 1999; Sarah Harrison: How to Write a Blockbuster and make £millions. Allison & Busby, London, 1995; Donald Maass: Writing the Breakout Novel. Writer's Digest Books, Cinncinnati, Ohio, USA, 2001.

© Simone ten Breck

© GeoWis (2007-10-20; 17:54:26)

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Teil 2: Von großen und kleinen Tigern >>

Teil 3: Universal Soldiers >>

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