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Deutsche Welle: Mini-Pressure Groups verschicken Offene Briefe
[382]

Offene Briefe mit losen Zungen

Ein von in Deutschland heimisch gewordenen "chinesischen Intellektuellen" verfaßter Offener Brief an den deutschen Bundestag sorgt für Unruhe. Nun schickte auch der "Autorenkreis der Bundesrepublik" einen Offenen Brief an den gleichen Adressaten.

Von Nina Brenthäuser, Hao Feng und Uwe Goerlitz (2008-09-30)

Seit knapp zwei Monaten herrscht Unruhe beim in Bonn ansässigen Radiosender Deutsche Welle. Auslöser war die Suspendierung der stellvertretenden Leiterin der China-Redaktion, Zhang Danhong. Angeblich habe die 42-jährige gebürtige Pekingerin zu chinafreundliche Äußerungen gemacht.

Die Journalistin, die bis zu ihrer Suspendierung eine gern gesehene Gesprächspartnerin in öffentlich-rechtlichen Talkshows gewesen war ('Maybrit Illner/Berlin Mitte, Nachtstudio'), soll etwa geäußert haben, daß unter der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) "über 400 Millionen Bauern aus der Armut" geholt worden seien.

 So abwegig ist die Aussage nicht. Selbst wenn sie etwas unscharf ist, kann nicht darüber hinweggesehen werden, daß kein Land der Welt in den vergangenen 20 Jahren mehr prosperierte und Millionen Arme, vorwiegend landlose Bauern am Wachstum partitipieren ließen.

Trefflich zynisch gegenüberstellen ließe sich der Abbau von Wohlstand, die Verarmung der Mittelschichten und die Verelendung von schon immer vom Wohlstand ausgeschlossenen Gesellschaftsschichten der westlichen Welt.

In Deutschland lebenden Exil-Chinesen - die meisten sind nach der Niederschlagung des Aufstands auf dem Tiananmen-Platz (Beijing) 1989 nach Deutschland gekommen - scheinen den Blick von innen auf ihre Heimat verloren zu haben.

Das heutige China hat mit dem von vor 19 Jahren nicht mehr viel gemeinsam. Und sie, die Exilianten, scheinen vergessen zu haben, daß gesellschaftliche und politische Transformation ihre Zeit brauchen, zumal in China.

Insofern kann nicht von jetzt auf gleich die Trias Demokratie, Menschenrechte und Meinungsfreiheit umgesetzt werden; ebensowenig können Korruption, Ausbeutung von Arbeitnehmern und die Verschmutzung der Umwelt mit einem Wisch erledigt werden. Wer das nicht sieht, denkt entweder naiv oder verfolgt revanchistische Ziele.

Letztere darf man den Verfassern des ersten Offenen Briefs an den Bundestag, die sich selbst als "chinesische Intellektuelle" bezeichnen - darunter die Schriftsteller A Hai (Düsseldorf), Huan Xuewen (Essen), Wang Rongfen (Wiesbaden), der Präsident des Verbandes chinesischer Studenten und Wissenschaftler in Deutschland, Peng Xiaoming (Bonn), der Präsident der Föderation für ein demokratisches China, Fei Liangyong (Nürnberg) oder der Präsident des Vereins der ausländischen Chinesen Taiwan, Dieter Gao (Frankfurt/M.). Allein die Unterzeichnerschaft weist auf eine gute Vernetzung untereinander hin.

Längst ist nicht mehr die seit 18 Jahren bei der Deutschen Welle beschäftigte Zhang Ziel der Angriffe, sondern der Sender selbst. Im SPD-Bundestagsabgeordneten Dieter Wiefelspütz, der selten eine Gelegenheit ausläßt, sich opportunistisch zu äußern, meist mit einem Anflug von Empörung, stets inbrünstig, fand die mit dem Offenen Brief auftretende Mini-Pressure Group einen ersten Befürworter.

Über das reaktionäre Sprachrohr The Epoch Times Deutschland (ETD), in dem man keinen Beitrag findet, der ein noch so winziges Lob für die Anstrengungen des Reichs der Mitte hinsichtlich bisheriger gesellschaftlicher, ökonomischer und politischer Transformation parat hat, wird verlautbart, was die kleine Gruppe der Exil-Chinesen auf dem Herzen hat. Forsch fordert sie den Bundestag zu nichts weniger auf als die "Mitglieder der Redaktion zu überprüfen, ob sie Mitglieder von Chinas KP" seien.

Das erinnert an die vorwiegend in Florida lebenden Exil-Kubaner, die seit 50 Jahren versuchen, Fídel Castro das Leben schwer zu machen und bei noch jeder US-Administration Gehör fanden. Unterstützung bekamen die Exil-Chinesen jetzt vom 'Autorenkreis der Bundesrepublik', einer Intellektuellenvereinigung, der eine Vielzahl deutscher und in Deutschland lebender ausländischer Schriftsteller, Journalisten und Wissenschaftler angehören. Darunter Henryk M. Broder, Freya Klier , Arnulf Baring.

Deutsche Bestseller-Autoren unterhalb der Fünfzig - etwa Daniel Kehlmann - finden sich in diesem Autorenkreis nicht. Auch sind so kritische Geister und literarische Schwergewichte wie Martin Walser nicht dabei. Von den 62 Mitgliedern, die dieser literarisch-politische Zirkel laut Webseite hat, ist niemand darunter, der je etwas über China verfaßt, geschweige denn dort geforscht hat. 

Der Autorenkreis, der sich laut Statut "als kritischer Zeitbegleiter begreift, der zeitgenössische Literatur fördern und universale ethische Werte bewahren will" und "deshalb allen geist- und demokratiefeindlichen Tendenzen, gleichgültig ob von rechts oder links, entschieden entgegen" tritt, stellt sich "bewusst in die intellektuell-politische Tradition der kritischen Geister, der Skeptiker, Renegaten und Dissidenten. Diese Tradition reicht von den europäischen Aufklärern über Heinrich Heine, Georg Büchner und Theodor Lessing bis zu den Emigranten und Gemaßregelten der zwei deutschen Diktaturen des 20. Jahrhunderts."

Die schönen Worte, die sich angesichts der Polemik, die dieser Kreis in seinem Offenen Brief - der GeoWis vorliegt - an den Tag legt, doch arg relativieren, taugen nichts. Der Deutschen Welle attestiert dieser Kreis ein "strukturelles Problem" und fordert die "Prüfung des chinesischen Programms der vergangenen fünf Jahre." Die Journalistin Zhang Danhong bezeichnet der erlauchte Autorenkreis als "politisch verwirrte Journalistin".

Nicht zuletzt, weil sie geäußert haben soll: "Die Kommunistische Partei Chinas hat mehr als jede politische Kraft auf der Welt zur Verwirklichung des Artikels 3 der Erklärung der Menschenrechte beigetragen." Eine derart heikle Aussage, die letztlich einer wissenschaftlichen Überprüfung bedürfte, ist gefundes Fressen für alle, die noch das China-Bild der 1960er-1980er Jahre prägte. Zhang wurde einstweilen von ihrer Position als stellvertretende Redakteurin der China-Redaktion zurückgezogen, ihr Mikrophon abgeschaltet.

Der 'Autorenkreis' fordert nun die Überprüfung gleich mehrerer Sachverhalte: ob die Aufsichts- und Sorgfaltspflicht (der DW) verletzt worden sei; ob Mitarbeiter der DW kommunistische Kader seien, der ehemaligen Stasi angehörten; die Verpflichtung der Mitarbeiter auf einen "werteorientierten Journalismus" und die Einrichtung eines "diktaturimmunen Observers, der Qualitätsstichproben durchführt, die dem Sendeauftrag entsprechen."

 Er fordert demnach nicht anderes als das, was er etwa zu China anprangern. Das ist eine interessante Dialektik, die Schmunzeln nach sich ziehen könnte, handelte es sich nicht um einen Zirkel von Intellektuellen, die da fordern. Jeden anderen Intellektuellen, der nicht diesem Kreis angehört müßte es die Lach- oder Zornestränen aus den Augen treiben, wenn er sich diese Dialektik durch den Kopf gehen ließe.

Und damit das ganze auch sitzt, stellt der Kreis auch schnell noch die "Glaubwürdigkeit" der DW infrage, indem er die wiederhergestellt wissen möchte. Dazu braucht es wohl einen Beobachter, der eine Stasi-Rolle einnähme. Ein wenig kryptisch schließt der von Dr. Ines Geipel unterzeichnete Offene Brief dann auch noch.

"In den Augen des Autorenkreises der Bundesrepublik ist der Sender Deutsche Welle im Kontext zunehmend weltweiter Verflechtung medialer Räume ein existentielles politisches Gestaltungsfeld für Freiheit, unzensierte Meinung und kulturelle Identität. Ein Informationskanal, der Deutschlands Bild in der Welt in Sachen Menschenrechte und Demokratieprophylaxe maßgeblich bestimmt. Eingedenk der rabiaten Veränderungen in der globalen Medienlandschaft muss mit aller gebotenen Aufmerksamkeit verhindert werden, diesen verantwortungsvollen Raum zu verspielen."

Aha! Angesichts des mit Anmaßungen versehenen Forderungspakets an den deutschen Bundestag darf gefragt werden, wie es denn etwa Bürgern in Deutschland erginge, stellten diese offensiv die Systemfrage und griffen zu Mitteln, die in Relation zum System nicht adäquat wären?

Natürlich ist das Werkzeug 'Offener Brief' ein wichtiges und kommt hauptsächlich in Demokratien zum Einsatz ungehinderten. Hingegen kann es wie ein Bumerang auf die Verfasser und Unterzeichner wirken, wenn zu kanalisiert und - dies vor allem - zu polemisch gedeutelt und gefordert wird. Und wenn vergessen wird, zunächst vor der eigenen Haustür zu kehren.

Die Journalistin Zhang Danhong als politische Enkomiastin zu verstehen, kann nur jemand, der das unbedingt will und das innere Gefüge und Zusammenspiel zwischen Erziehung und gesundem, Revanchismus-freiem Patriotismus - also der Verbundenheit mit seinem Heimatland - nicht näher untersucht oder nicht begriffen hat.

Den deutschen Bundestag aufzufordern, strukturelle Änderungen bei der international anerkannten, in Bonn ansässigen Deutschen Welle, die in 30 Sprachen sendet darunter Urdu, Dari, Bengalisch - in Auftrag zu geben, trägt Züge von Psychopathie nieder Intensität. Die Gruppe von Autoren und die Netzwerker der Exil-Chinesen haben sich mit ihren offenen Briefen in kompliziertes Fahrwasser begeben.

Niemand von ihnen scheint zu berücksichtigen, daß zwischen 30. und 40.000 chinesische Studenten in Deutschland studieren, wovon die meisten nach erfolgreichem Abschluß wieder nach China zurückkehren, um dort ihre Zukunft zu gestalten. Bevor sie nach Deutschland kamen, hatten viele von ihnen auf die Materialien zu Deutsch als Fremdsprache und Kurse des Senders - und natürlich der Goethe-Institute/Inter Nations - zurückgegriffen (wie übrigens auch GeoWis-Autoren).

 Einnahmen/Ausgaben der DW 2006 und 2007
Position*
Mio. € 2007
Mio. € 2006
Bundesmittel
277,866282,778
Erträge
11,55715,670
Löhne/Gehälter
76,004
75,601
Sozialabgaben
12,856
13,388
Altersversorgung
45,276
40,166
Honorare/Freie53,441
52,385
Sendekosten
19,059
56,483
Überschuß/Verlust + 7,168
- 27,485
*math. gerundet   
© Tabelle: GeoWis; Quelle: Deutsche Welle

Gemäß des Leitbilds der Deutschen Welle, die laut gesetzlichem Auftrag "Deutschland als europäisch gewachsene Kulturnation und das Verständnis und den Austausch der Kulturen und Völker fördern" solle - dazu gehöre nicht nur die Vermittlung deutscher Sichtweisen, sondern auch die anderer, wie es auf der Webseite des Senders heißt -, sich für Völkerverständigung und Toleranz einzusetzen, wirken die Angriffe der deutsch-chinesischen Gutmenschen schwer.

Man (die DW) vermittle zudem die Werte freiheitlicher Demokratie, setze sich für Menschenrechte ein, berichte umfassend, wahrheitsgetreu und pluralistisch, liefere umfassende und unzensierte Informationen für Länder ohne Medienfreiheit, gebe Wissen an seine Partner weltweit weiter, fördere die deutsche Sprache und das Ansehen Deutschlands in der Welt und wirke am gesellschaftlichen Diskurs in Deutschland mit.

Finanziert wird alles vorwiegend aus Bundesmitteln, die im vergangenen Jahr rund 278 Millionen Euro betrugen, fünf Millionen weniger als in 2006. Mit dem vergleichsweise mikrigen Betrag für Deutschlands Image-Werbung im Ausland - hält man ihn gegen die Preise, die Anzeigen kosten - vermittelt der Sender mehr als jede Art von  Propaganda neutralisieren könnte.

Die Fraktion der Offene Briefe-Schreibenden scheint sich der marginalen Dimension ihrer Anliegen womöglich nicht bewußt zu sein. Die einen sind Exilanten mit Retro-Kenntnissen zu China, die anderen möglicherweise nur publizistische Trittbrettfahrer mit bestenfalls partiellen Kenntnissen des Reichs der Mitte. Beide fordern mit einem gewissen Maß an politischem Infantilismus das Maximum, wohlwissend wahrscheinlich, daß genau dieser Infantilismus noch bei keiner Regierung - gleich welchen Systems - gefruchtet hat. 

Beide unterstreichen zudem ihre Intoleranz gegenüber Andersdenkenden, indem sie sich anzunabeln versuchen an Verhältnisse, die es nicht mehr gibt. Der Blick auf und das Verständnis für gesellschaftliche und politische Transformation in Relation zur bestmöglichen, unfallfreien Geschwindigkeit scheint ihnen abhanden gekommen zu sein.

Was die Deutsche Welle jetzt erst recht braucht, ist die unbedingte Unterstützung des deutschen Bundestages - und mehr Mittel, um ihren gesetzlichen Auftrag und die damit verbundenen Leitbilder weiterhin in die Welt zu tragen.

Anmerkung: Bis Redaktionsschluß dieses Beitrags (16.00 Uhr) war trotz zuvoriger Nachfrage von GeoWis von der Deutschen Welle (hier: Dr. Burghoff) keine Auskunft zum aktuellen Sachstand erfolgt. Soweit möglich, erfolgt ein Update, nachdem GeoWis' Fragen zur Sache beantwortet worden sind.

© Nina Brenthäuser, Hao Feng, Uwe Goerlitz

© GeoWis (2008-09-30)

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