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Appelt, Henning: Wir sind dann bald weg ...

Wir sind dann bald weg ...

Das Artensterben, vor allem bei Säugetieren, verläuft ungebremst. Schuld daran ist heute - anders als früher - vorwiegend der Mensch.

Von Henning Appelt (2007-03-23)

Nur noch knapp 30 Exemplare zählten Forscher Ende 2005 des auf der kanadischen - zum Bundesstaat British Columbia gehörenden - Insel Vancouver Island heimischen Marmot (Marmota vancouverensis). Das Säugetier, etwa doppelt so groβ wie eine Bisamratte, oder das Format einer Hauskatze erreichend, und bis zu sechseinhalb Kilo schwer, ist extrem vom Aussterben bedroht.

Marmot auf Vancouver Island, KanadaDer Nager und Pflanzenfresser muss sich seinen Lebensraum mit den bald 750.000 Einwohnern der Insel teilen. Die stellen ihm zwar nicht nach, sind aber nicht wie er endemisch, sondern eher Flüchtlinge vor allem aus der Metropole Vancouver. Das scheue Tier, eines der seltensten Säugetiere der Welt, braucht um vier Jahre bis es geschlechtsreif ist, hat eine Tragezeit von 30 Tagen und wird im Schnitt zehn Jahre alt.

Zu schaffen macht dem monogamen Marmot, der sich vorzugsweise in sub-alpinen Waldregionen oberhalb von 1000 Metern in Kleinstkolonien aufhält, nicht nur der von kanadischen Loggern vorangetriebene Holzeinschlag. Auch sein Winterschlaf trägt zur Dezimierung seiner Spezies bei. Gerade mal etwas mehr als die Hälfte erwacht wieder. Bei den Jungtieren liegt die Qutoe noch niedriger.

Auch andernorts treibt es Spezies in den Tod, besonders endemische, also nur am Ort oder in der Region vorkommende, sind bedroht. So auch der Chiang Jiang- bzw. Yangtse-Delphin (Lipotes vexillifer), der bei den Chinesen Baiji heiβt. Er ist neben dem Amazonas- und dem Indus-Delphin einer der ganz wenigen, die sich im Süβwasser tummeln. Doch im Gegensatz zum mächtigen Amazonas verkommt der Yangtse zur partiellen Kloake, weil ungleich mehr Metropolen an ihm haften, aus denen unkontrolliert Schadstoffe eingeleitet werden. Was dem Baiji schadet.

Yangtse-Delphin "Baiji"Nicht immer direkt. Der Delphin ist robust, aber wenn ihm die Futtergründe verrecken, magert er bis zum Hungertod ab. Er jagt nur tagsüber und ist spezialisiert auf kleine Fische bis Makrelengröβe. Die Kleinen vertragen nicht das Maβ an Süβwasserverschmutzung, was der Baiji mit seinen zweieinhalb Metern und knapp fünf Zentnern zu ertragen in der Lage ist.

Dabei sind es nicht nur die entlang des Yangtse gelegenen Metropolen, die Schadstoffe in den Fluss einleiten. Auch an dessen hunderten von Zu- und Nebenflüssen liegen Groβstädte. Hinzu kommt, dass die Flieβgeschwindigkeit des massiven Stroms hinter den Turbinen des Drei-Schluchten-Staudamms abnimmt, Giftstoffe somit langsamer ins Meer transportiert werden.

Was der Meeresfauna - und dem Baiji, der sich hinter den Staustufen um Nahrung kümmert - enorm zusetzt. Vor hundert Jahren noch schätzte man die Population des Baiji auf 3000-5000 Exemplare. Inzwischen sind Wissenschaftler froh, wenn es nicht allzu deutlich weniger als 100 gibt.

Eine weitere kritisch bedrohte Spezies ist das australische Wombat, speziell das Haarnasen-Wombat (s. Titelbild), ebenfalls ein Säugetier und nur in Australien vorkommend. Abends wird es aktiv und geht auf Nahrungssuche. Auβer dem Dingo, einem australischen Wildhund, hat der bis zu einmeterzwanzig lange und fast vierzig Kilo schwer werdende Beutelträger keinen natürlichen Feind. 113 Exemplare des Pflanzenfressers gab es Ende 2003. Nicht gerade viel.

Australischen Bauern war das Wombat seit Jahrzehnten ein ungeliebter Dorn im Auge, machte es sich doch gern an deren Gemüse heran. Mittlerweile aber kann der geringe Restbestand des vom Aussterben bedrohten Tieres mit den vielen anderen Schädlingen, die das australische Gemüse befallen, nicht mehr mithalten. Im Gegenteil: Die geringe Population hat Probleme, als Spezies zu überleben.

Bevor der Homo erectus sich entwickelte, waren die physikalisch-chemischen Prozesse auf dem Globus für das Verschwinden und Entstehen von Arten zuständig und verantwortlich. Heute ist es wesentlich der Homo sapiens.

© Henning Appelt

© GeoWis (2007-03-23)

© Fotos: EPA Queensland; Paul Massicot

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