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Diego Garcia - Vertrieben aus dem Paradies
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Diego Garcia - Vertrieben aus dem Paradies

Seitdem die britische Krone das im Indischen Ozean liegende Atoll Diego Garcia unter ihrer Obhut hatte, gab es für die ehemalige Bevölkerung nichts mehr zu lachen. Seit die USA das Atoll beherrschen, ist alles noch ganz anders.

Von Martin Jasper (2007-05-09)

Einigermaβen in Deutschland bekannt geworden ist das zum Chagos-Archipel gehörende, ungefähr 70 Kilometer im Umfang (Küstenlinie) messende Atoll Diego Garcia erst im 21. Jahrhundert, genaugenommen erst, seit dort mutmaβliche al-Quaida- und Taliban-Kämpfer interniert sind.

Atoll 'Diego Garcia'. Foto: NASAEntdeckt und kartographisch verzeichnet wurde es vielleicht bereits im ausgehenden 15. oder frühen 16. Jahrhundert von portugiesischen Seefahrern, wahrscheinlich vom viel unterwegs gewesenen Vasco da Gama, während dessen erster Reise durch den Indik (Frühjahr 1498), möglicherweise auch auf seiner dritten (1524).

Zwei portugiesische Kapitäne, der eine mit Namen Diego, der andere mit Garcia, sollen die Namensgeber des Atolls gewesen sein, wird im deutschsprachigen Wikipedia spekuliert. Doch Genaues weiβ man - noch - nicht. Soviel aber zumindest: Damals sei der schlingenartige Fleck im Indik unbewohnt gewesen.

Erst als Frankreich den Chagos-Archipel den Portugiesen im frühen 18. Jahrhundert abspenstig gemacht hatte, Zwangsarbeiter aus anderen Okkupationsgebieten zum Kopra-Abbau dorthin verschleppte und die Atolle von der bereits unter französischer Knute stehenden Kolonie Mauritius verwalten lieβ, war es zu zaghaften siedlungsähnlichen und bescheidenen demographischen Strukturen und in der Folge zu einer sukzessiven Mischung der Bevölkerung gekommen, die man später mit dem Attribut kreolisch kategorisierte.

Karte von 'Diego Garcia'. Kartographie: USAFSpätestens seit die Franzosen die Oberhand über den Archipel besaβen, dessen gröβtes Atoll Diego Garcia ist, galt dieser als 'Tankstelle' vieler Seeschiffer bei der Durchquerung des Indik.

Nachdem Frankreich während der Napoleonischen Kriege eine Niederlage nach der anderen erlitt, muβte es 1814 den Chagos-Archipel genauso wie das knapp 2000 Kilometer von ihm entfernte Mauritius an die Commonwealth-Macht Groβbritannien abtreten, die den Archipel zunächst weiter von Mauritius aus verwaltete.

Kopra, das getrocknete, weiβe Kokosnuβfleisch, das für die Herstellung von Speise- und später Industrieöl von den nun britischen Kolonialisten begehrt wurde, produzierten die immer noch wenigen, heute allgemein Chagosianer, ethnisch jedoch Ilois genannten Atollaner weiterhin.

24 Jahre nach der Abtretung des Archipels an die Briten, 1838, war die Sklaverei von diesen offiziell abgeschafft worden. Immer noch lebten nur wenige Dutzend Deportierte auf Diego Garcia, nach inoffiziellen Angaben seien es um 1860 knapp 350 gewesen.

Foto: USAF/NASA100 Jahre später hatte sich die Population nach bisherigem Wissensstand gerade mal vervier- bis versechstfacht.

Eine Verifikation dazu steht noch aus, doch sollten die in Enzyklopädien publizierten Angaben stimmen, wäre dies ein demographisches Phänomen und vielleicht ein Hinweis entweder darauf, daβ bereits zu jener Zeit eine demographische, und damit Fertilitätskontrolle bestanden hatte, oder, naheliegender, es zu wenig Frauen gab und Inzest abgelehnt worden war.

Zumindest in Deutschland existiert nach GeoWis-Kenntnisstand keine Forschungsarbeit, die sich eingehend mit den auf den Archipel gebrachten Ersteinwohnern beschäftigt.

Das traurige Dilemma der Chagosianer begann, als das amerikanische Verteidigungsministerium unter Robert S. McNamara acht Jahre nach dem Ende des Korea-Krieges (1950-53) und kurz nach Beginn des insgesamt 16 Jahre andauernden US-Vietnam-Krieges (1959-75) den Archipel als strategisch wichtigen Spot erkannten. Diego Garcia - das längst im offiziellen Jargon zu den British Overseas Territories (BIOT) gehörte, konnte erneut als 'Tankstelle' dienen.

Dorfschule auf Diego Garcia. Foto: Ilois-TrustAngesichts der damals schon geltenden UN-Charta war es allerdings nicht so leicht, mal eben dort 'zu tanken'. Eine Regelung muβte her. Groβbritannien, das seinerzeit Mauritius politisch noch beherrschte, sorgte dafür, daβ der im Süd-Indik gelegene Quasi-Staat, der den Chagos-Archipel verwaltete, ihn an die Krone verkaufte. Für die schmeichelhafte Summe von angeblich drei Millionen Pfund Sterling, damals etwa 30 Millionen D-Mark.

Washington hatte gegenüber den Briten bald sein Interesse am Chagos angemeldet. Die junge Queen und ihr damaliger Premier, Harold Macmillan, verpachteten den Archipel 1966 für die Dauer von 50 Jahren an die USA.

Interessanterweise verpachtete die Queen somit einige über den Meeresspiegel lugende Flecken Land, die weder dem Vereinigten Königreich gehörten, noch irgendeiner anderen Nation.

Den USA erschien Diego Garcia vergleichbar wichtig wie Guam oder Okinawa. Einziges Hindernis auf dem schmalen Atoll waren die Ilois. Deren Kopra-Produktion erschien den Briten seit der Invention neuer, vor allem synthetischer Industrieöle längst nicht mehr profitabel. Die Verpachtung brachte - und bringt - mehr ein.

Protestaktion der Ilois, 1990. Foto: Ilois-TrustDoch wie die Ilois vom Atoll wegbekommen, ohne allzusehr Aufsehen zu erregen? Das Londoner Auβenministerium unter der Labour-Regierung von Harold Wilson bediente sich geradezu konspirativ des Kniffs, die Ilois als Vertragsarbeiter (unter der Krone) mit temporalem Aufenthaltsrecht zu definieren, die nach Mauritius zurückzukehren hätten, wie der Journalist John Pilger in seinem Bericht 'Stealing Diego Garcia' schreibt.

Ein sanftes Vorgehen hatte in London nicht zur Debatte gestanden, da es keine Debatte gab. Das Gegenteil sollte der Fall gewesen sein. Pilger zitiert aus den deklassifizierten Dokumenten den Ständigen Untersekretär des britischen Auβenministeriums, Sir Paul Gore-Booth, mit den Worten: "Wir müssen sicherlich sehr hart vorgehen. (...) Es wird dort keine indigene Population geben, auβer (die der) Möwen.

Nicht minder im 17. oder 18. Jahrhundert verhaftet, gab D. H. Greenhill, der später zum Baron befördert wurde, in Anlehnung an Daniel Defoes Roman Robinson Crusoe laut Pilger im selben Dokument zum Besten: "Mit den Vögeln ziehen auch einige Tarzane und Freitags fort."

Regelmäβig steuerten Schiffe, hauptsächlich aus Mauritius, Diego Garcia an und holten die Kopra und andere Produkte zur Weiterverarbeitung ab. Mit allerlei Tricks hielt man die Ilois sodann nach und nach von ihrem angestammten Lebensraum fern.

Diego Garcia-Flugfeld, 2002. Rechts: Lagunenhafen. Foto: Chagos-TrustIlois, die auf den Schiffen mitfuhren, um die Löschung der Ladung in Port Louis, Mauritius' Hauptstadt, zu überwachen oder sich um andere Dinge zu kümmern, durften plötzlich nicht mehr zurück. Man lieβ sie nicht mehr auf die Schiffe. Proteste verhallten. Aussichten auf Integration in die britisch dominierte Gesellschaft bestanden nicht. Auch in die kreolische fanden die Entwurzelten kaum Einlaβ.

So verdingten sich manche als Tagelöhner auf den mauritischen Zuckerrohrplantagen oder standen an den bestialisch stinkenden Melassewannen in Zuckerrohrfabriken. Andere verfielen dem Alkohol oder prostituierten sich. Nicht wenige nahmen sich das Leben. 1971 waren die letzten noch auf der Insel verbliebenen Ilois nach Mauritius deportiert worden.

Zuvor hatten die USA bereits damit begonnen, sich der für ihre Zwecke notwendigen Infrastruktur anzunehmen. Zwar gab es von den Ilois ins tropische Dickicht planierte und befahrbare Wege, meist Lehmstraβen, sowie einfachste Wohnhäuser, eine Kirche, eine Krankenstation und auch eine Schule, allerdings nicht militärgerecht.

Von der internationalen Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet oder kaum bemerkt, bauten die USA das Atoll fortan zu einem erstklassigen militärischen Stützpunkt aus. Der Kalte Krieg, in den 1970er Jahren besonders kalt, bot den Grund. Um den uneingeschränkten Ölfluβ aus dem Persischen Golf per Tanker in die USA notfalls mit Gewalt sicherstellen zu können, war Diego Garcia nachgerade der Nonplusultra-Standort für Langstreckenbomber und Kampfflugzeuge.

Bewaffneter B-52 auf Diego Garcia. Foto: USAFAuch die Suez-Krise von 1968 hatte dazu beigetragen, daβ Diego Garcia nach Lesart der Briten und Amerikaner entvölkert zu werden hatte, damit dort eine Militärbasis entstehen konnte.

Mit dem Argument, die damalige Sowjetunion könne die von ihr seinerzeit unterstützen Regime am Persischen Golf, etwa Oman, animieren, Attacken gegen die Tankerflotten zu fahren, war derart gehurt worden, daβ der Ausbau des Atolls zu einem der wichtigsten Stützpunkte der USA nicht annähernd in Frage gestellt wurde.

Auf Mauritius darbten die Ilois. Viele Ilois, oft Analphabeten, hatten damals, als sie deportiert worden waren, Verzichtserklärungen unterzeichnet, niemals Ansprüche gegen die Krone oder deren Adlatus - die britische Regierung - zu stellen. Die Analphabeten unterzeichneten mit Fingerabdruck. Jedoch nicht alle Ilois haben sich unterworfen.

Abhoeranlage und Radarstation auf Diego Garcia. Foto: USAFSeit den 1980er Jahren formierte sich alphabetisierter Widerstand mit internationaler Unterstützung. Die Ilois reichten Petitionen in London ein, die nichts bewirkten. Schlieβlich klagten sie. 2000 gewannen sie im Londoner High Court.

Tony Blairs London beeilte sich sodann der Welt mitzuteilen, daβ man einen bestehenden Pachtvertrag (mit den USA) nicht mal eben kündigen könne. 2003 erlitten die Ilois eine Niederlage vor dem Londoner High Court, als es darum ging, ihnen Entschädigung zu zahlen.

Sicherlich: Zahlte die Krone allen von ihr in alle Welt Deportierten und allen von ihr Okkupierten Geld, könnte sie sich gleich von den britischen Steilküsten stürzen. Was mancherorts mitunter mit Beifall honoriert würde.

2006 obsiegten die Ilois endlich. Die Deportation war nicht nur rechtswidrig, wie das Gericht erkannte, sondern auch strafrechtlich relevant. Ob jemand eingefahren ist, konnte GeoWis nicht ermitteln.

B-2-Bomer 'Spirit of Mississippi'. Foto: USAFNutzen wird den Ilois dieser juristische Sieg einstweilen nichts. Bis 2016 hat London Diego Garcia an die USA verpachtet.

Den Pachtvertrag aufzukündigen bedeutete aber, daβ die USA sich dagegen juristisch wehrten und ein solches Verfahren sicherlich bis 2016 zu strecken in der Lage wären. Insofern bleibt den Ilois nur das Abwarten.

Im April 2006 besuchten einige Ilois mit ihrem charismatischen Sprecher und Protagonisten Olivier Bancoult das Atoll. Nach dreieinhalb Jahrzehnten wollten sie endlich die Gräber ihrer Vorfahren und Verstorbenen wiedersehen. Erschüttert vom Verfall, berichtete Bancoult den BBC News, daβ man geweint habe und, zum Beispiel, die Kirche in jämmerlichem Zustand gewesen sei.

Seitdem die Attacken auf das Welthandelszentrum in New York am 11. September 2001 geschehen waren, erlebte Diego Garcia seine wichtigste, noch immer anhaltende Nach-Kalte-Kriegs-Periode. Die Operationen Enduring Freedom (Afghanistan) und Iraqi Freedom (Irak) wurden deutlich von diesem Atoll aus unterstützt. Sowohl B-1-Bomber, als auch B-52er und B-2er hoben von dort ab, um Afghanistan und den Irak zu bombardieren.

Bombenlager auf Diego Garcia. US-Soldat beim Signieren. Foto: USAFEingefangene Taliban und al-Quaida-Soldaten wurden - wenn nicht in Guantanamo - auf Diego Garcia interniert. Hartnäckig halten sich Behauptungen und Gerüchte, beim Weihnachts-Tsunami 2004 seien viele der Kriegsgefangenen auf Diego Garcia, das im Mittel kaum 1,5 Meter hoch ist, abgesoffen.

Genauso hartnäckig wird von GIs und auf dem Atoll Dienst schiebenden Soldaten dagegengehalten, der Tsunami habe das Atoll kaum tangiert.

Begründet wird letztere Version mit der submarinen Topographie. Nun ja. Von Seebeben verursachte Langwellen, die einen Tsunami so richtig in Schwung bringen, sind durchaus in der Lage, einem Atoll ernsthaft Schaden zuzufügen.

Der Tsunami von 2004 hatte im Indik etwa die Malediven recht prächtig getroffen, war aber tatsächlich lokal von der unterseeischen Topographie abgebremst worden. In seiner Gesamtheit aber zog er weiter und bereitete em westlich von Diego Garcia gelegenen afrikanischen Staat Somalia mehr als 300 Tote.

In Internet-Blogs wird denn auch heftig darüber gestritten, ob der Chagos-Archipel, vor allem dessen Atoll Diego Garcia, überspült wurde. So mancher ehemals auf dem Atoll stationierte Soldat beteuert darin, der Tsunami habe nur für nasse Füβe gesorgt. Abgesoffen sei niemand.

Zumindest scheinen die Bombenlager nicht in Mitleidenschaft gezogen worden sein, die von etwa drei Meter hohen Barrieren ummantelt sind und zum Beispiel in Beton-Basins lagern. So mancher der auf Diego Garcia stationierten US-Soldaten signiert einzelne der 1000-Kilo-Bomben zwischen Dienst- und Strandleben. Was sollte man auch sonst tun, wenn man um sich herum nichts als Wasser sieht? Da neigen vor allem die jungen Leute zu dümmlichen Streichen gegen einen Feind, den sie nie zu Gesicht bekamen.

Ob sie von der Geschichte der Ilois wissen, darf bezweifelt werden. Die Ilois indes werden sich wohl angesichts der politischen Groβwetterlage damit abfinden müssen, niemals mehr dauerhaft in ihre Heimat zurückkehren zu dürfen. Heranwachsende US-Soldaten okkupieren sie. Diese aber sehen ihre Heimat schon bald wieder.

© Martin Jasper

© GeoWis (2007-05-09; 19:43:15)

© Fotos: USAF (US-Air Force); NASA; Chagos Trust; Ilois Trust

Links:

John Pilger: Stealing Diego Garcia >>

John Pilger: Stealing a Nation >>

Ilois Trust >>

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