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Norwegen: Kleines Land, große Power - Norsk Hydro
[247]

Wikinger im Zwirn

Eines der größten norwegischen Unternehmen ist Norsk Hydro. Was macht das Unternehmen, wer ist an ihm beteiligt und was macht seinen Erfolg aus?

Von Maik Mensing (2007-09-08)

Wenn es um die Kampagnen zur Rekrutierung von Nachwuchs und Fachleuten geht, kann man dem Osloer Konzern Kreativitiät kaum absprechen. Das Unternehmen, das im Wasser groß geworden ist, vornehmlich im rauhen der Nordsee, versteht es, einem auch die Wüste schmackhaft zu machen. Junge Leute im Freizeitlook hocken da leger auf einer Düne nahe an einem offenen Geländefahrzeug und schauen fröhlich drein. Bacardi-Feeling einmal anders. Fraglich bleibt allerdings, wie zehn Leute plus ein Kind in einen Viersitzer passen sollen.

 Norsk Hydro, einer der Big Player im gobalen Energie- und Aluminiummarkt, hat dieses Schmankerl auf seiner Webseite eingepflegt.

Es geht dabei um das Prestigeprojekt von Qatalum - Qatar Aluminium Limited -, einem gleichberechtigten Joint Venture zwischen Hydro (50%) und Qatar Petroleum (50%), für das viele Junior und Senior Professionals benötigt werden.

Südlich der Hauptstadt Doha, bei Mesaieed, will Qatalum in einem Zug das weltgrößte Aluminiumwerk errichten.

Die gut zwei Milliarden Euro teure Hütte, zu der laut Unternehmensangaben auch eine Gießerei und ein 1,25 Gigawatt starkes Kraftwerk gehören werden, soll in der Entstehungsphase mindestens fünf- bis sechstausend Jobs schaffen. Nach Inbetriebnahme, so die Planungen, sollen mit dann etwa tausend dauerhaft Beschäftigten jährlich 585.000 Tonnen Aluminium produziert werden.

Qatalum, extra für das Mammutprojekt gegründet, nimmt zur Finanzierung kaum eigenes Geld in die Hand. Mehr als 30 Kreditgeber stellen gut 1,73 Millionen Euro bereit. Das Norwegian Guarantee Institute for Export Credits (GIEK), eine Einrichtung ähnlich der deutschen Hermes-Exportkreditabsicherung, macht 270 Millionen locker.

Womöglich wäre dies gar nicht notwendig gewesen, erleichterte aber das Prozedere. Schließlich ist der Staat Norwegen der größte Anteilseigner an Norsk Hydro. Da Norwegen geschickterweise bisher nicht der EU beigetreten ist und sich somit auch nicht viel vorschreiben lassen muß, kann es souverän schalten und walten und muß sich nicht vor EU-Wettbewerbsbürokraten ängstigen, deren Steckenpferd vorzugsweise die Privatisierung von Staatsunternehmen und staatlichen Beteiligungen ist.

 Peik Norenberg, Vize-Präsident der Finanzabteilung von Norsk Hydro verkündete demzufolge im August 2007 zufrieden, die Sicherstellung der Finanzierung sei "ein weiterer Meilenstein für das Projekt".

Die von Qatalum gewählten Finanzberater von BNP Paribas hatten im April des Jahres sogar eine Kreditlinie von drei Milliarden Euro bei kommerziellen Banken erreicht.

Das Werk soll mit das weltweit modernste werden. "Qatalum wird nach den neuesten technologischen und umweltfreundlichsten Standards gebauten werden", so Truls Gautesen, Vize-Präsident der Aluminiumsparte von Hydro und Chef des Qatalum-Projekts, im März 2006. Mit den Bauvorbereitungen wurde im Sommer 2007 begonnen. Gut zwei Jahre soll es Gautesen zufolge dauern, bis das Werk stehe und Ende 2009 die Produktion aufgenommen werden könne.

Damit die mehreren tausend Beschäftigten nicht wie Beduinen in Zelten hausen müssen, wird eigens eine Ministadt unweit des Geländes errichtet. Die Bauleitung für die bisher als The Construction Village bezeichnete Ortschaft obliegt dem Hydro-Mann Erik Bjørlin. Auf 490.000 Quadratmetern (ca. 700 x 700 Meter) sollen um 10.000 Bauarbeiter in 441 Unterkunftseinheiten untergebracht werden, die die kanadische Firma SNC-Lavalin International errichtet. Population: ausschließlich Männer. Frauen werden gemäß den Traditionen Katars anderorts wohnen. Wo und wie? Darüber gibt es bisher keine Informationen.

 Laut Bjørlin strebe Hydro dabei nach "einem höheren Standard als er in dieser Gegend normal" sei. Fraglich ist, was er damit meint. Legt man die pure Division zugrunde, müßten danach in einer Wohneinheit 24 Männer untergebracht werden.

Die Größe der Wohneinheiten gibt er nicht bekannt. "Bis jetzt" wisse man noch nicht, "aus welchen Länderndie Bauarbeiter kommen werden", sagte er im Mai des Jahres, "aber wir erwarten viele aus Asien. Insgesamt könnten rund 20 Nationalitäten vertreten sein". Es werden Moscheen und andere Bet-Einrichtungen gebaut.

Das "Camp", wie es in einer Presseverlautbarung von Hydro heißt, wird umzäunt und durch einen Haupteingang zugänglich sein. Über Dieselgeneratoren wird Elektrizität produziert, Wasser wird aus Tanks bezogen, Abwässer werden innerhalb des Camps entsorgt bzw. aufbereitet. Außerhalb der Arbeiter-Enklave sollen ein Krankenhaus, eine Feuerwehrstation und eine Wäscherei errichtet werden.

Autos innerhalb der Enklave sind verboten, ausgenommen Liefer- und Versorgungsfahrzeuge. Zwischen der Construction Village und der Aluminiumhütte wird ein Bustransfer für die asiatischen Billiglöhner eingerichtet. Das "Norwegische Team", so Hydro, wird im drei Kilometer entfernten Mesaieed wohnen. Läuft alles nach Plan, wird während der Bauphase auch ein neuer Hafen gebaut werden.

 Darin hat Norsk Hydro, 1905 gegründet, Erfahrung. Im hohen norwegischen Norden, etwa 120 Kilometer nördlich von Kristiansund, baute Hydro das Gasterminal Nyhamn (dt.: Neuhafen), nachdem die Firma in der Nordsee auf ein über 320 qkm großes Gasvorkommen gestoßen war, das etwa drei Kilometer unter dem Meeresspiegel liegt.

Die Wassertiefe des als Ormen Lange bezeichneten Feldes beträgt dort zwischen 800 und 1000 Metern, die See ist rauh.

Um das Terminal entstand ein Ort - Nyhamn -, allerdings nicht der Art, wie Hydro ihn bei Mesaieed errichten wird. Nichts ist eingezäunt, kein Camp-Charakter, und die Trennung von Frauen und Männern wird gar nicht erst thematisiert worden sein.

Ormen Lange gehört zu den lukrativsten Gasfeldern, die Geologen von Norsk Hydro je gemacht haben. Etwa 400 Milliarden Kubikmeter Gas hatten sie geortet. Das entspricht in etwa dem Gasverbrauch Deutschlands für vier Jahre und hat einen Verkaufswert von zehn Milliarden US-Dollar.

Es ist der publizistischen Offenheit des Unternehmens zu verdanken - das eine vorbildliche, wenngleich manchmal schwärmerisch daherkommende Webseite betreibt - daß brauchbare Fakten auf den Tisch gelegt werden. Vielleicht muß man auch Geologe oder passionierter Driller sein, um zu verstehen, was Funde wie Ormen Lange bedeuten.

 Per Kjærnes war Chef der Driller, die im September 1997 von Hydro in die Nordsee geschickt wurden, um Gas zu finden. "Wir waren nicht sicher, ob da Gas zu finden wäre", so Kjærnes in einem Statement auf der Webseite von Hydro.

Zuvor, Ende der 1980er Jahre, hatten Geologen des Unternehmens vergleichsweise vage prognostiziert, im Ormen-Lange-Feld könnte sich reichlich Gas befinden - oder vielleicht auch nicht.

Hydro ging das Risiko, über dessen Finanzierung GeoWis keine Informationen vorliegen, ein. Unternehmensintern lauteten die Prognosen eins zu vier.

Tatsächlich lagen die Norweger richtig und liefern aus dem Ormen-Lange-Feld längst in großem Stil durch die Langeled-Pipeline Gas ins britische Easington, von wo aus es in Haushalte und Industrie verteilt wird.

 Während die Wikinger in mehr als 40 Ländern aktiv sind, darunter deutlich auch in China, wo sie Joint Ventures im Aluminiumsegment eingingen, machen sie im niederrheinischen Mönchengladbach lediglich in Aluminium und deren Derivaten, in Hamburg verkaufen sie etwas Gas und damit verbundene Dienstleistungen.

Schwer vorstellbar, daß die wohlerzogenen Norweger je auf die Idee kämen, einem ihrer Vertragspartner den Gashahn zuzudrehen, wie es etwa Russlands Staatskonzern Gazprom imageschädigend im vorigen Winter praktizierte, obwohl auch die Norweger politische Machtausübung mittels Energie-Daumenschraube betreiben könnten.

Knapp 44% der Aktien besitzt der norwegische Staat. Etwa 17% sind in privater Hand. Die restlichen 39% der Aktien verteilen sich auf andere Staaten, von denen laut Unternehmensangaben die USA 13,8% und die Briten 13,5% halten. Daß die relative Mehrheit der Besitzverhältnisse beim norwegischen Staat liegt, hat bisher niemanden geschadet.

Norwegen, nicht Mitglied der EU, braucht sich daher im Prinzip vor den Wettbewerbskommissaren aus Brüssel nicht zu fürchten, deren Credo die Privatisierung von Staatsunternehmen oder die Aufgabe staatlicher Aktienmehrheit ist.

7 größte Anteilseigner an Norsk Hydro

Anteilseigner
Aktien
Ministerium für Handel und Industrie, Norwegen
43,8 %
JP Morgan Guaranty Trust Co of NY/Morgan Stanley Gruppe 9,4 %
Norsk Hydro ASA (Norwegen) 4,7 %
Folketrygdfondet (Volksfond; Norwegen)
3,8 %
State Street Bank & Client 2,9 %
UBS AG/UBS AG Corporate, London 2,8 %
Euroclear Bank
2,2 %
Quelle: Norsk Hydro
Tabelle: GeoWis
2007

Eher schon jene Unternehmen, die ihren Sitz in einem EU-Land haben und von Hydro ganze Produktionssparten kaufen. So nun der britische Petrochemiker INEOS, der die Polymer-Sparte für 5,5 Milliarden (Mrd.) Norwegische Kronen kaufte (ca. 670 Mio. € bzw. 451 Mio. £, Stand: 31.12.2006; ca. 696 Mio. € bzw. 471,6 Mio. £, Stand: 8.09.2007).

Wie gestern bekannt wurde, haben EU-Wettbewerbshüter noch Fragen zum Hydro-INEOS-Deal. Für beide Unternehmen, die sich bereits im letzten Jahr in wesentlichen Fragen einig geworden waren und im Mai dieses Jahres verkündeten, der Deal sei eingestielt, hat dies Folgen.

Laut Hydro sei die wasserdichte Übergabe von Hydro Polymers an INEOS fürs dritte Quartal 2007 vorgesehen gewesen. Durch das Frageaufkommen der Brüsseler Wettbewerbshüter wird sich der Abschluß bis mindestens Januar 2008 verzögern. Ob sie ihn aussetzen könnten, ist wenig wahrscheinlich. Für INEOS ist der Deal aber schon jetzt aufgrund des starken Euro um rund 20 Million Pfund Sterling teurer geworden.

 Das Unternehmen wird es verkraften können. Immerhin setzte es mit rund 15.000 Beschäftigten im vergangenen Jahr mehr als 33 Mrd. Dollar um. Und auch Hydro, das sich aufs Aluminium- und Energiegeschäft konzentrieren will - Grund für den Verkauf der Polymersparte - jammert nicht. Die Firma ist vorzugsweise in der Nordsee, aber auch ordentlich global unterwegs.

Erst vor wenigen Wochen hat sie starkes Interesse an den bisher von der Chevron North Sea betriebenen Ölfeldern Mariner und Bressay angemeldet, Felder, die zum britischen Schelf gehören und seit den 1970er und 1980er Jahren ausgebeutet werden.

Hydro geht davon aus, daß sich unterhalb des Sediments noch einiges an Öl befindet. Gegenwärtig prüfen die zuständigen britischen Behörden Hydros Begehren.

Anderorts geht manches schneller. Im Iran etwa, wo Hydro eine Ausschreibung Teherans vom Mai 2005 gewann und ein gutes Jahr später mit der National Iranian Oil Company (NIOC) eine Vereinbarung unterzeichnete, im Südwesten des Landes, in der Provinz Lurestan, im sogenannten Khorramabad Block, Probebohrungen durchführen zu dürfen.

 Vier Jahre haben die Norweger Zeit, unterhalb des knapp 7.500 qkm großen Areals, was etwa dem Fünffachen der Fläche Hamburgs entspricht, fündig zu werden.

50 Millionen US-Dollar wird die Exploration wenigstens kosten. Werden sie in dieser Zeit fündig, erhalten sie Förderrechte für ab dann zählende 25 Jahre. Finden sie nichts - Game over.

Bei einem Operationsvolumen von knapp 24 Milliarden Euro, einem Umsatz von 6,35 Mrd. und einem Gewinn von 2,1 Mrd. fallen Fehlbohrungen von 50 Mio. Dollar nicht empfindlich ins Gewicht, sind das Risiko aber allemal wert. Zumal Hydros Geologen und Ingenieure einen guten Riecher haben, wie sie mit Ormen Lange, Osenberg oder Troll bewiesen haben.

Nicht nur in der Nordsee, in Katar oder anderen Regionen waren die Wikinger risikofreudig und dann erfolgreich. Auch vor der Küstenlinie Angolas bewiesen sie Mut und engagierten sich. Vor zwei Wochen fanden sie in Block 4/05, in dem sie schon lange drillen, unerwartet weitere Ölreserven.

 Wo immer Norsk Hydro-Leute außerhalb des EU-Raums auftreten, scheint ihnen der Nimbus der Nicht-Zugehörigkeit zu dieser komplizierten Europäischen Gemeinschaft zum Vorteil gereicht zu werden. Aus Sicht afrikanischer, asiatischer, amerikanischer oder südamerikanischer Partner, die in der Regel den Bürokratismus der EU scheuen, gelten sie - wie zum Beispiel schweizerische Unternehmen - als vergleichsweise komplikationsfrei.

Für skandinavische Absolventen geowissenschaftlicher und ingenieurwissenschaftlicher Fakultäten ist das Unternehmen eine 1-A-Adresse. Und nicht nur für sie. Weltweit genießt Hydro als Arbeitgeber Anziehungskraft.

Das von Hydro suggerierte lockere Bacardi-Feeling, ganz gleich, ob in der Wüste oder auf See, gibt es nicht. Erfahrene Ingenieure aber wissen, daß man aus den Wüstenenklaven recht preiswert nach Damaskus fliegen kann, um auf seine Kosten zu kommen, oder - wenn sie auf See zu tun haben -, in den Häfen vom Prinzip her noch die gleichen Attraktionen zu finden sind wie vor 100 Jahren. Insofern stünde es der Firma gut, sich eine andere Rekrutierungskampagne auszudenken.

© Maik Mensing

© GeoWis (2007-09-08; 15:47:14)

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