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Tierische Freaks
[270]

Von hüpfenden Hunden und anderen Kreaturen

Mißgeburten unter Tieren nehmen im Zeitalter fortschrittlicher Umweltverschmutzung zu. Schuld daran ist wesentlich der wissenschaftlich ausgebildete Mensch.

Von Henning Appelt (2007-10-30)

Ihre Vorfahren aus der Ordnung der Chelonia lebten bereits vor rund 300 Millionen Jahren im Wasser und an Land und haben sich laut der World Encyclopedia of Animals seitdem kaum verändert. Die Evolution hatte es bisher mit den zur Klasse der Reptilia und des Unterstamms der Vertebrata gehörenden Tiere gutgemeint, hat kleine, mittlere und große Exemplare von ihnen hervorgebracht, mit vier Extremitäten und einem aus dem Panzer mal mehr, mal weniger weit herauslugenden Kopf. Schildkröten.

 Die an Land sich recht gemächlich fortbewegenden, sich im Wasser vorzugsweise mit der Strömung treiben lassenden Allesfresser haben im Erwachsenenalter kaum Freßfeinde. Hin und wieder verbeißen sich Haie in Meeresschildkröten und reißen ihnen Teile vom Körper ab, meist den Kopf oder Extremitäten. Die größte Gefahr besteht seit ewigen Zeiten für die Schlüpflinge auf deren Weg zum Wasser.

Längst ist auch der anthropogene Einfluß auf den Fortbestand der gepanzerten, mit ordentlichen Halsfalten versehenen Uralttiere evident. Ihr Lebensraum (Habitat) an Land wird durch moderne Infrastruktur beeinträchtigt, in den Ozeanen sind sie oft Beifang, und in manchen Ländern gelten einige Arten noch immer als Delikatesse.

Nun müssen die Schildkröten offenbar mit zwei weiteren, nicht auf sie beschränkten, im Prinzip auch anthropogenen Komponenten fertig werden. Hier die Biotechnologiefront, dort die teratogenen, negativen umweltbedingten Einflüsse auf die Reproduktion der Art.

Im Unterschied zu vorsätzlichen Eingriffen ins Genom, etwa mit dem Ziel, zwei Lebern, drei Nieren, vier Herzen oder fünf Lungen (!) bei einem Exemplar zu züchten oder es auch nur (!) zu klonen, produziert die angegriffene Evolution nun selbst zuhauf Kurioses.

 Im September konnte man in der in East Norriton, US-Bundesstaat Pennsylvania, angesiedelten Niederlassung der Aquaristik-Kette Big Al's Aquarium einen jungen Freak der Chelonia bestaunen, einen Red-eared Slider (Trachemys scripta elegans) - oder zwei (?) -, der sich mit einem Panzer und zwei Köpfen auf sechs Beinen fortbewegt.

Da der Winzling sich weder effizient vor-, noch entsprechend zurückbewegen kann, wird ihm der seitwärtige Marsch noch am ehesten bekommen. Ob die zweifelhafte Attraktion so gezüchtet wurde oder auf teratogene Einflüsse zurückzuführen wäre, ist unklar.

In Zeiten gestiegener Umweltverschmutzung vor allem in den Entwicklungs- und in den Schwellenländern scheint die Mißbildung - eleganter: Fehlbildung - bei Tieren auch ohne des Züchters Werk zuzunehmen. Auffällig oft werden tierische Freaks in China entdeckt. Mal mit zu vielen Gliedmaßen (Polydaktylie), mal mit zu wenigen (Oligodaktylie).

So blöckt etwa in der chinesischen Autonomen Region Xinjiang ein mit fünf Hörnern ausgestatteter Schafsbock seine Artgenossen an und hat rein physisch sicherlich einen Vorteil im Kampf mit seinen zweihörnigen männlichen Kollegen, wenn es ums Buhlen der Artgenossinnen geht. Andererseits könnte, ja müßte sich der Wollelieferant wie ein Ausgestoßener vorkommen, paßt er doch nicht so recht ins Bockbild der blökenden Damen.

 Wenig anders dürfte es seinem ebenfalls zur Unterfamilie der Caprinae gehörenden, allerdings meckernden, sechshörnigen Ziegenbock aus der Inneren Mongolei ergehen, der dort im August vor die Kameras gelangte. Herumgereicht wie ein Außerirdischer in so manchem Science-fiction-Film, fristet der Exot ein eher einsames Dasein.

Ob als zweibeiniger Hund in der chinesischen Provinz Hangzhou, der sich in kleinen Hüpfern känguruhartig nach vorn bewegen muß und beim Fressen meistens auf die Schnauze fällt, oder ob als dreibeiniges Ferkel in der chinesischen Provinz Zhejiang, dem das Suhlen in Matsch und Schlamm zwar wohl genauso Spaß bereitet wie vierbeinigen Artgenossen, ihm nur das Herauskommen aus dem Dreck etwas umständlich erscheinen muß; oder ob als dreibeiniges Entlein in Tancheng (chin. Provinz Shandong), das sich im Babyalter womöglich über ein drittes Standbein noch freut - es sind Freaks. Ihre Lebenserwartung reicht nicht an das ihrer uns als normal erscheinenden Artgenossen heran.

Daß der Mensch zumindest Mitverursacher dieser Mißgeburten ist, dürfte außer Frage stehen. Der weitreichende Eingriff in die Evolution, anfangs wohl gar nicht bedacht, zeitigt abnorme Ergebnisse, die manchmal noch mitleidserregend oder zur allgemeinen Belustigung in Szene gesetzt werden. Nicht immer ist klar zu ermitteln, ob so manche fehlgebildete Kreatur nicht bewußt den Weg aus Laboren in die Wildnis finden sollte. Die große Freiheit der Entwickler befindet sich allerdings längst auch auf dem politischen Prüfstand.

 2004 waren nach langen Debatten in der Stockholmer Konvention einige chemisch-biologische Substanzen der Ächtung unterzogen worden, die allesamt in Laboren entwickelt worden waren, in denen nicht etwa die auf der Isle of Man beheimateten, schwanzlosen Manx- oder die gerne in Kanada vorkommenden, nackten Sphynx-Katzen auf Steuerkarte arbeiteten, sondern richtige Menschen mit wissenschaftlichzer Ausbildung.

Auf der Negativliste stehen seitdem vor allem Chlorkohlenwasserstoffe (CKW), viele davon bekannt geworden im Rahmen der Ozonloch-Debatte aus den 1980er Jahren (FCKW/Fluorkohlenwasserstoffe), einige auch schon seit dem Chemie-Unfall im italienischen Seveso (1977), bei dem auch reichlich Dioxin freigesetzt worden waren.Eine erste Folge war das Verbot von FCKW im Jahr 1990.

Damals, als es um die nach wie vor vorhandene Gefahr erhöhten Sonnenbrands und erhöhter Hautkrebsgefahr ging, die beide durch das Schwinden der Ozonschicht unabwendbar wären, hatte man - politisch - vorwiegend noch die Gesundheit des Menschen einigermaßen im Sinn.

 Neben einer Reihe von krebserregenden und ins Erbgut von Lebewesen eingreifenden Pflanzenschutzgiften wie DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan), PCB (Polychlorierte Biphenyle) oder Pestizide wie Toxaphen kamen erst mal zwölf extrem giftige, vor allem Organismen und Zellen schädigende Substanzen auf den Index. Weitere sind vorgesehen. International wird die in Stockholm verabschiedete Todesliste unter dem Begriff Dirty Dozen geführt.

Es sind vor allem aromatische Kohlenwasserstoffe, wie etwa Benzolverbindungen, die in der Farbchemie noch immer vorkommen, und mehrfach chlorierte, wie etwa das Seveso-Gift Dioxin oder das 1984 in der indischen Stadt Bhopal in der Chemieanlage von Union Carbide (heute: Dow Chemical) freigestzte Methylcarbylamin, bei dem tausende Menschen umkamen und nochz mehr nachhaltige Gesundheitsschäden erlitten.

Überall dort, wo der einerseits unbedachte, andererseits rigorose Einsatz von Chemikalien vorkommt, beispielsweise im Agrobusiness, oder frevlerisch Industrieabfälle in Gewässer und Böden abgegeben werden, besteht Mißbildungs- und Mutationsgefahr für alle Lebewesen. Zwar existieren bei der Mehrzahl der entwickelten Nationen, auch bei vielen Schwellenländern und einigen abseits der Modernität gelegenen, Verordnungen und Gesetze, die Umweltverschmutzung unter Bußgeld oder Strafe stellen. Doch ausreichend ist all dies nicht.

 Letale Substanzen in die Umwelt ab- oder einzugeben, wird unterm Strich in beinahe allen Ländern zu lasch geahndet, wo doch einzig ein spürbarer Aufenthalt hinter Gittern gegenüber Millionen-Dollar-Strafen weitaus signifikantere Zeichen setzen könnte.

Es scheint die nachhaltige - neugriechische (!) - Tragödie unserer Zeit zu sein, daß sich weltweit politische Entscheider nicht mit Verve an jene Konzerne und deren Subunternehmer herantrauen, die durch ihr Handeln Freaks produzieren.

Verwundern kann es kaum, blickt man auf Big Al's Aquarium, in das massenhaft Mütter und Väter ihre Kinder führen, damit die sich etwa die putzige, keine große Lebenserwartung habende Rotohr-Schildkröten-Kreatur ansehen, vielleicht traurig werden, vielleicht kichern. Egal. Wichtig ist hierbei für Al's und seinesgleichen ist der Verkauf von Aquaristikprodukten und Tieren an dämliche Ach-guck-mal-wie-süß-Eltern.

Es sind die Gaffer des 21. Jahrhunderts, die es ihren Ahnen spätestens seit dem 17. Jahrundert gleichtun. Schon damals waren Mißgeburten die Attraktion auf Jahrmärkten, wurden bestaunt, begafft, verlacht. Und wer - etwa im Paris des 18. Jahrhunderts - ein paar Sous zahlte, durfte dem Mann mit der Wulst auf der Stirn einen Gegenstand an den Kopf werfen. Wenn dieser dann mitunter tot umfiel, kam der Conferencier, der Ahn aller Pressesprecher, um den Preis auszuzahlen und die Massen bei Laune zu halten oder zumindest zu besänftigen.

 Auch in Europa erblicken kaum lebensfähige Mißgeburten aus dem Reiche der Tiere immer wieder mal das Licht der Welt. So in Belgien im vergangenen Jahr ein Lamm mit sechs Beinen. Was an Tieren - auch Haus- und Nutztieren - heutzutage um uns herum mit zu vielen oder zu wenigen Gliedmaßen hinkt, krabbelt und kriecht, hat wenig bis gar nichts mit Evolution zu tun, sondern schlicht mit Barbarei, Züchter-Kälte, Forschergeist, billigend in Kauf genommene Umweltvergiftung. Ein Tier gilt nicht viel, zumindest dann nicht, wenn es kein Nutztier ist.

So wird etwa ein Tier im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) Deutschlands nicht als Lebewesen, sondern als Sache betrachtet. Sachen, etwa eine Stereoanlage, eine Kamera, ein Fenster, ein Auto oder ein Schuh gehen schon mal kaputt. Zuvor wurden sie auf ihre Strapazierfähigkeit geprüft, meist von den Technischen Überwachungsvereinen (TÜV).

Diese kämen wohl kaum auf die Idee, einem Teckel, Dobermann oder Schäferhund so lange auf den Dez zu hauen, bis dieser keinen Ton von sich mehr gäbe. Oder vielleicht doch, wenn es in Deutschland das Tierschutzgesetz nicht gäbe? Zumindest jaulten dann noch vor den Tierschützern die Tierverbände auf.

Der Forschung sind bekanntlich keine Grenzen gesetzt. Wissenschaftlichen Pharisäern ebensowenig. Nicht auszuschließen, daß sich in der Sache Forschende allein für ein Experiment dazu herabließen, einer prächtigen Deutschen Dogge bei lebendigem Leib die Geschlechtsorgane abzuschneiden, etwa um zu sehen, welche Techniken zur Fortpflanzung das Tier dann entwickelte; oder einem Amazonas-Delphin die Augen auszustechen, um dann in einer Langzeitstudie zu beobachten, wie er sich orientierte.

© Henning Appelt

© GeoWis (2007-10-30; 17:50:23)

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