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Demographie: Bekommen religiöse Frauen mehr Kinder?
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Nach dem Kirchgang ins Bett?

Inwieweit Religiösität das Geburtenverhalten beeinflußt, will eine jüngst im Jahrbuch 2007 des Vienna Institute of Demography von Caroline Berghammer und Dimiter Philipov erschienene Kurzstudie aufzeigen, zu der auch ein Beitrag im aktuellen Newsletter 'Demographische Forschung' des MPI Rostock publiziert wurde.

Von Uwe Goerlitz (2008-04-26)

Der Verdacht, wonach regiliöse Frauen mehr Kinder bekommen als nicht-religiöse, ist nicht ganz so neu. Seit den späten 1980er Jahren bis in die zweite Hälfte der 1990er Jahre wurden hierzu in 18 europäischen Ländern Erhebungen durchgeführt. Auf diese Erhebungen stützen sich die Autoren wesentlich in ihrer 35-seitigen Kurzstudie.

Vier Kernfragen wurden damals gestellt, wobei je nach Land zwischen 1228 (Estland) und 3472 (Norwegen) Frauen unter 40 danach befragt wurden, ob sie 1. religiös seien, 2. welcher Religion sie angehörten, 3. wie häufig sie religiöse Dienste in Anspruch nähmen und 4. wie wichtig Gott in ihrem Leben sei.

 In lediglich fünf Ländern waren alle vier Fragen gestellt worden (West- und Ostdeutschland, 1992; Griechenland, 1999; Ungarn, 1992-93; Slowenien, 1994-95; Spanien, 1995). In Schweden (1992-93) und Norwegen (1988-89) wurde den Damen nur die dritte Frage gestellt. Frankreich blieb komplett ausgespart.

Anhand mehrerer Schaubilder und Tabellen - aus denen sich zum Beispiel ablesen läßt, wieviele Kinder die Befragten religiösen Frauen idealerweise gerne hätten und wieviele sie tatsächlich haben, wieviel Prozent noch ein zweites oder drittes Kind möchten, oder auch wie hoch der Anteil an gläubigen Frauen pro Land ist (Polen 99 Prozent Christen, Ostdeutschland 83 Prozent keiner Kirche zugehörig) - versuchen die Autoren Rückschlüsse über die höhere Fertilität religiöser gegenüber nicht-religiöser Frauen zu ziehen.

Das gelingt nicht in dem Maße, wie man sich das nach Aussage der Autoren bzw. nach Ankündigung im Newsletter 'Demographische Forschung' des Max-Planck Instituts für Demographie (Rostock) unter der Überschrift "Mehr Nachwuchs für religiöse Mütter in Europa - Einfluss von Religion auf das Geburtenverhalten in allen Ländern zu beobachten" (Autorin: Caroline Berghammer) vorstellen könnte.

Denn obwohl die Autoren in ihrem Fazit behaupten, daß in "den meisten Ländern religiöse Frauen eine höhere Fertilität" hätten und auch im Newsletter verkündet wird, die "Ergebnisse (...) lassen darauf schließen, dass (...) Religiösität immer noch einen großen Einfluss auf das Geburtenverhalten" habe, läßt sich dies in der Studie nicht eindeutig anhand der dargebotenen Daten ablesen.

Viel näher läge der zu ziehende Schluß, daß der Unterschied im Geburtenverhalten zwischen religiösen und nicht-religiösen Frauen in den meisten Ländern eher marginal ist. Dies trifft auch auf die Kirchgängerinnen bzw. Nicht-Kirchgängerinnen zu.

Hier lassen sich ebensowenig deutliche Divergenzen ausmachen, als daß sich feststellen ließe (zitiert nach Berghammer): "Auch in Bezug auf die tatsächliche Kinderzahl ist Religiösität relevant. Regelmäßige Kirchgängerinnen bekommen insgesamt mehr Kinder als Frauen, die seltener als ein Mal im Monat den Gottesdienst besuchen." Interessant zu erfahren wäre, ob der Kirchgang Frauen zu ganz praktischen Handlungen hinsichtlich Reproduktion verleitete.

 In anderen als den 18 europäischen Ländern lassen sich Frauen offenbar nicht zwingend vom Heiligen Geist oder der Kirche inspirieren, um über ihr Geburtenverhalten nachzudenken.

Beispielsweise in Japan. Nahe der Millionenstadt Nagoya findet alljährlich im Frühjahr unter großer Beteiligung ausländischer Besucher das Honen-sai Fertility Festival statt.

Während des Festivals, das auf ein traditionelles, der Ernte und dem Nachwuchs gewidmetes Shinto-Ritual zurückgeht und am Tagata-Schrein beginnt, tragen sich den Samurai zugehörig und verpflichtet fühlende Männer enorme, drei Meter lange Phallen aus Pappmaché in einer Prozession durch die Straßen.

Kleinere, doch noch immer monströse Phallen werden von den "Unglücklichen" - den 36-jährigen Frauen - vor der Brust getragen. Die 36 gilt in Japan für Frauen traditionell als Unglücksalter, in dem es mit der Fertilität nicht mehr viel auf sich habe.

Zwar ist auch in Japan bekannt, daß hinsichtlich der Fruchtbarkeit und des Kinderkriegens mit 36 noch nicht Schluß ist, aber das Fest ist längst auch Inspiration für jüngere Frauen, die Kinderwünsche hegen und mit der Realisierung nicht bis zum Sankt-Nimmerleinstag warten wollen. Vor allem nicht bis zu ihrem 36. Geburtstag.

© Uwe Goerlitz

© GeoWis (2008-04-26)

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Wohnungsmärkte im demographischen Wandel >>

Familiengründung: Schwedinnen im Vergleich mit Österreicherinnen >>

Mexico City - Dynamische Suburbanisierung >>

Links:

Newsletter 2008, Nr. 1, Demographische Forschung >>

Dimiter Philipov, Caroline Berghammer: Religion and fertility ideals ... >>

Honen-sai Fertility Festival >>

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