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Krieg in Afghanistan: Bundestag verlängert trotz großer Ablehnung innerhalb der deutschen Bevölkerung die Stationierung deutscher Truppen am Hindukusch um ein weiteres Jahr
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Schande für Deutschland

Die Stationierung deutscher Truppen für ein weiteres Jahr in Afghanistan wurde heute vom Bundestag mit großer Mehrheit beschlossen. Mit dabei: die Sozialdemokraten. Die tatsächliche Lage wird den Deutschen auch durch sie vorenthalten

Von Tom Geddis (2009-12-04)

Acht Jahre - und damit schon zwei Jahre länger als der Zweite Weltkrieg - dauert der Krieg in Afghanistan bereits, seit der ehemalige US-amerikanische Präsident George W. Bush ihn im Herbst 2001 im Nachklang von 9/11 begann, um Osama bin Laden und seine bestens organisierten Freischärler, die Taliban, mit gewohntem militärischen Aufwand in die Knie zu zwingen. Wie inzwischen bekannt geworden ist, hatten die "Bush-Krieger" (Der Spiegel) nie ein nachhaltiges Interesse, bin Laden vor Kimme und Korn oder Gericht zu bekommen.

Wie auch bekannt ist, waren - abgesehen von der Rechtmäßigkeit - in der jüngeren Kriegsgeschichte des Westens - Indochina-Krieg, Korea, Vietnam, Irak, Balkan - kaum Erfolge zu verzeichnen gewesen. Gegen organisierte Partisanen, gegen Leute, die ihr Land verteidigen, das sie auf jeden Quadratzentimeter genau kennen, kann man nicht gewinnen, es sei denn, man würfe Nuklearbomben ab, wie es die USA 1945 über Japan praktiziert hatten.

Deutschland bleibt militärisch mittendrin und auch dabei. Dafür sorgte gestern das deutsche Parlament, untergebracht im Reichstag zu Berlin, mit einer fulminanten Mehrheit, die vor allem dadurch erreicht wurde, weil die Fraktionen der Sozialdemokratische Partei (SPD) und der Regierungsparteien (CDU/CSU/FDP) nebst einer Stimme der Fraktion der Grünen dem von der Mehrheit der Deutschen nicht befürworteten Kriegseinsatz zustimmten.

445 der insgesamt 593 bei der Abstimmung anwesend gewesenen Abgeordneten stimmten für die Verlängerung des ISAF-Einsatzes bis zum 13. Dezember 2010, 105 stimmten dagegen und 43 hatten keine Meinung, enthielten sich demzufolge. Diese große Zustimmung ist erstaunlich, musste doch in der vergangenen Woche der Ex-Kriegsminister Franz-Josef Jung von seinem Arbeitsminister-Posten zurücktreten, weil er brisante Informationen zur Bombardierung von Zivilisten angeblich nicht gelesen habe.

Offenbar zählt die Meinung der Mehrheit der deutschen Bevölkerung nichts mehr, sobald sich ihre frisch gewählten Mandatsträger im Parlament befinden. Nach den Vorkommnissen um die von einem möglicherweise überforderten deutschen Oberst herbeigerufenen US-amerikanischen Bomber, die zwei in einem Flussbett steckengebliebene Tanklastzüge - Kriegsbeute der Taliban - in Flammen und tausende Stücke bombten und gleich noch weit mehr als 140 Zivilisten zerfetzten oder atomisierten, haben die Jasager im Reichstagsparlament mit ihrem Votum eine derart gewaltige Schande über Deutschland gebracht, dass es Historikern in naher Zukunft leicht fallen wird, sie detailliert zu benennen.

Kriegsminister zu Guttenberg, der laut dem Branchenblatt journalist vor acht Jahren ein Praktikum bei dem Blatt Die Welt absolvierte, was der smarte CSU-ler in seinem Lebenslauf zu einer Tätigkeit als "freier Journalist" umdichtete¹, ruderte inzwischen in seiner kolossalen Fehleinschätzung zur Tanklastzug-Affäre - "Oberst Klein habe angemessen gehandelt" - zurück. Das kann er gut, und das musste er auch, wollte er nicht als Narr dastehen.

Die Mehrheit der Parlamentarier hat selbst dieser Massenmord - Neudeutsch: Kollateralschaden - nicht davon abgehalten, die Verlängerung des Einsatzes deutscher "Streitkräfte" (Jargon der Bundesregierung) zu befürworten. Da muss man sich fragen, was für gewissenlose und ignorante Gesellen da im Parlament hocken. Welchem Meister folgen sie so blind, um nicht erkennen zu wollen oder zu können, dass die mäßige Mittelmacht Deutschland in Kriegen nichts zu suchen hat?

Insbesondere der SPD muss man nun ins Logbuch schreiben, dass sie ganz bestimmt noch mehr Wählerzuspruch verlieren will. Die Klatsche bei der letzten Bundestagswahl hat ihr seltsamerweise noch nicht gereicht. Womöglich will sie mit allen Mitteln unter 15 Prozent kommen. Anders ist kaum zu erklären, dass sie sich in ihrem Entschließungsantrag im Kern um eine Verlängerung des deutschen ISAF-Mandats bemüht und der Fraktionsvorsitzende und untergegangene Kanzlerkandidat - Frank-Walter Steinmeier - dieser Partei weiter fröhlich in die Kameras lächelt.

Doch auch die durch Votum neu zusammengesetzte Regierung aus CDU/CSU/FDP scheint es darauf anzulegen, möglichst oft Entscheidungen gegen den Willen der Mehrheit der Deutschen zu fällen, zumal in Fragen deutscher Kriegsbeteilungen. Nassforsche Jungpolitiker - wie beispielsweise der Gelsenkirchener CDU-Schnösel und Partei-Karriereist Philipp Mißfelder -, die im Wahlkreis als Sachkundige und Innovatoren auftreten, den potentiellen Wählern aber ihre wahre Gesinnung - wenn es um Krieg oder Pazifismus geht - geschickt vorenthalten, wollen plötzlich das große Ganze vom Wesen des Krieges und seiner Notwendigkeit erkannt haben.

Seltsam, dass Gleichaltrige aus der Opposition - etwa Katja Kipping von der Linken - eine ganz andere, plausiblere Sicht der Dinge an den Tag legen, wenn sie die Kriegsbeteilung Deutschlands bewerten. Kann doch etwas nicht stimmen. Die einen befürworten die Notwendigkeit des Krieges in Afghanistan mit deutscher Beteiligung; die anderen bringen Argumente dagegen und haben auch noch die Menschenrechts-Charta auf ihrer Seite. O-ha!

Frage: Für wie doof wird die deutsche Bevölkerung von ihren gewählten Repräsentanten gehalten? Oder sollte man schlicht nur fragen, wer den Mißfelders soviel Ignoranz gegenüber dem Grauen des Krieges ins Hirn gekippt hat? Ja doch!

Er und seinesgleichen ziehen ja nicht selbst in den Krieg; er und seinesgleichen müssen sich nicht mit dem Elend vor Ort befassen; er und seinesgleichen haben offenbar überhaupt keine Ahnung vom Krieg, und vom Krieg in Afghanistan schon gar nicht. Er und seinesgleichen sind nichts weiter als parlamentarische Schreibtischtäter, die sich qua Grundgesetz - bei welcher parlamentarischen Abstimmung auch immer - stets auf ihr Gewissen berufen dürfen.

Soll später noch mal irgendein Historiker kommen und behaupten, die Deutschzen hätten von nichts gewusst! Geteert und gefedert triebe man ihn aus dem Institut; geteert und gefedert triebe man bestimmt auch die dann gealterten heutigen Jungspunde über den Parcours, die gewissenlos ihrem Gewissen gefolgt waren, um die angebliche Notwendigkeit einer Kriegsbeteiligung zu rechtfertigen.

Seit Joschka Fischer als ehemaliger Außenminister in den Krieg auf dem Balkan eintrat, ist Deutschland nicht besser als alle anderen Kriegstreiber. Es ist eine Schande, dass es soweit kommen konnte. Es ist eine Schande für Deutschland, dass es seit zehn Jahren kriegführende Regierungen hat.

Längst hat die Truppe erkannt, dass in Afghanistan der Brunnenbau nicht mehr im Vordergrund steht. Die Strucks, Jungs - und nun auch der ehemalige Journalistikpraktikant zu Guttenberg - haben sich nicht davor gescheut, die jungen deutschen Soldaten dennoch in den Hindukusch zu schicken.

Wie hoch die Suizidrate in der deutschen Truppe in Afghanistan aufgrund der Kriegserlebnisse ist, ist noch nicht bekannt geworden. Innerhalb der in Afghanistan kämpfenden US-Truppen gab es in den vergangenen 24 Monaten um 400 Selbstmorde.

¹ journalist, Ausgabe 12/2009.

© Tom Geddis

© GeoWis (2009-12-04)

Tom Geddis ist erklärter Kriegsgegner. Von ihm erscheinen gegenwärtig auf GeoWis 17 Kapitel (von 29) des 2003 erstmals als Vollversion erschienenen Romans 'Coahuila', der einen starken Bezug zu Afghanistan und Mexiko hat. Der komplette Roman wird ab Februar 2010 zum kostenpflichtigen Download erneut auf GeoWis bereitgestellt. 

Links (PDF Downloads)

Antrag der Bundesregierung zur Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes deutscher Truppen >>

Beschlußempfehlung des Auswärtigen Ausschusses >>

Entschließungsantrag der SPD-Bundestagsfraktion >>

Entschließungsantrag der Linke-Bundestagsfraktion >>

Entschließungsantrag der Bündnis90/Die Grünen-Bundestagsfraktion >>

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