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Rufe nach Leo

An Afghanistan haben sich schon viele abgearbeitet. Unter Bundesverteidigungsminister Guttenberg wird einstweilen ein Weiter-so favorisiert. Militärs und Kriegsbefürworter reden der Aufrüstung deutscher ISAF-Truppen das Wort

Von Tom Geddis (2010-04-08)

Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU), 38, der von Kriegsgegnern und Pazifisten wie seine Vorgänger Franz-Josef Jung (CDU) und Peter Struck (SPD) auch als Kriegsminister bezeichnet wird, hat dieser Tage einen schweren Stand. In der Beliebtheitsskala der öffentlich-rechtlichen Parteimedien, etwa dem Politbarometer des ZDF, abgerutscht, wird er neuerdings auch von Militärs angeschossen.

Erst beklagte der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe (SPD) im ZDF-heute-Journal vom Dienstag (6.04.2010), dass die deutschen Soldaten in Afghanistan nicht ausreichend ausgebildet und ausgerüstet seien, dann legte er in der Saarbrücker Zeitung (7.04.2010) nach, indem er dem Regionalblatt zufolge gesagt habe, dass es "absolut nicht zu akzeptieren" sei, wenn "Ausbildung erst im Einsatz" erfolge. 

Robbe verliert kein Wort darüber, inwieweit die Beteiligung deutscher Soldaten an diesem völkerrechtlich nach wie vor umstrittenen Krieg, der seit gestern laut des obersten Befehlshabers der Bundeswehr, Unteroffizier der Reserve Karl Theodor zu Guttenberg "umgangssprachlich" auch als solcher bezeichnet werden könne, gerechtfertigt wäre. 

 Aus Robbes Kritik ist dennoch unschwer herauszuhören, dass das deutsche Militärkontingent in Afghanistan nicht erfolgreich bestehen kann, wenn nicht das in Deutschland vorhandene und in alle Welt exportierte militärische Hi-Tech-Arsenal endlich auch in Afghanistan zum Einsatz kommt. Der Leo 2 muss her, vernünftige Artillerie, alles, was vom Feinsten ist, damit nicht etwa der umgangssprachliche Krieg dort gewonnen wird, sondern deutsche Soldaten sich besser wehren können.

In gewisser Weise, zumal aus militärischer Sicht, hat Robbe Recht. Wer in den Krieg zieht, sollte gut ausgerüstet sein, denn sonst kann er gleich zu Hause bleiben. Doch zogen Deutschlands Soldaten offiziell nie in den Krieg. Sie zogen offiziell aus, der nach westlichem Verständnis rückständischen afghanischen Landbevölkerung Brunnen, Kindergärten, Schulen und andere Einrichtungen zu bauen. Im Gepäck das leichte Gerät: Klappspaten, Schaufel, G-3 und Pistole, ein paar Handgranaten, Maschinenpistolen und -gewehre, Nachtsichtgeräte und so weiter, dazu Spielzeug und Süßies für die Kinder.

So hatte die Schröder/Fischer-Regierung (1998-2005) mit Verteidigungsminister Peter Struck - "Deutschland wird am Hindukusch verteidigt" (obwohl es gar nicht angegriffen worden war!) der deutschen Bevölkerung den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan vor mehr als neun Jahren verkauft. Und auch jenen Soldaten, die in den ersten Jahren in das Land geschickt wurden, an dem sich schon immer kriegerische Eindringlinge vergeblich abgearbeitet und stets eine blutige Nase geholt haben. Zuletzt die längst zerfallene Sowjetunion.

Robert Young Peltons Handbuch The World's Most Dangerous Places hatte der oberste Feldherr Struck den unter 'NATO'-Mandat willfährig Ex-US-Präsident George W. Bush in die uneinnehmbare Gebirgsknüste beorderten deutschen Soldaten zuvor nicht in die Hand gedrückt. Darin nämlich hätten sie unter der Rubrik 'Afghanistan' Peter J. Willems und Coskun Arals Beiträge und Tipps lesen können, welche Situation sie in Afghanistan erwartete.

Damit hätten sie zumindest eine andere als die von den Militärtheoretikern und Geheimdiensten gepredigte Einschätzung bzw. Länderkunde zur Struktur des Landes erhalten: zu dessen ethnischem Aufbau, der Widerstandskraft der Bevölkerung gegenüber Eindringlingen und - beispielsweise - deren tief verankertem Zusammenhalt auf lokaler, regionaler und - wenn es ums Ganze geht - nationaler Ebene.

Auch Ahmed Raschids 2001 auf Deutsch erschienenes Buch Taliban - Afghanistans Gotteskrieger und der Dschihad (Droemer Verlag) wäre ein guter Einstieg in das für deutsche Soldaten überwiegend Unbekannte in Afghanistan gewesen. Ob es seitens der Militärführung zum Lesewerk der Abkommandierten gehörte, ist bisher nicht an die Öffentlichkeit gedrungen.

Unvermeidlich aber gelangte an die Öffentlichkeit, dass bisher 39 in Afghanistan zu Tode gekommene und eine viel höhere Zahl an verletzten und schwer verletzten Soldaten zu beklagen sind. Ein von Beginn an klarerer, stringenter definierter Auftrag seitens der bisher drei deutschen Verteidigungsminister in diesem Krieg hätte möglicherweise nicht zu dieser für deutsche Kriegsbeteiligungsverhältnisse nach 1945 hohen Opferzahl geführt.

So muss man den bislang obersten Bundeswehr-Dienstherren Struck, Jung und Guttenberg anlasten, während ihrer Amtszeiten um Artikel 26 des Grundgesetzes herumgeeiert zu sein und sich per Bundestagsmandat hinter Artikel 24, Absatz 2 GG versteckt zu haben, um der US-Doktrin zu Afghanistan willfährig folgen zu können und dabei das Leben deutscher Staatsbürger aufs Sträflichste zu riskieren.

Uffz zur Reserve Guttenberg, stets in der Lage, auf ihm gestellte Fragen oder Vorwürfe messerscharf oder konziliant zu parlieren, kann als ehemals kleiner Militär mit der ihm nun qua Amt auferlegten Bürde zwar ein wenig besser umgehen als seine Vorgänger es vermochten; doch er kann - hielte er den Status quo zur deutschen Beteiligung in Afghanistan aufrecht - nur noch scheitern.

Schweres, kriegstaugliches Gerät nach Afghanistan zu schicken, bedeutete das endgültige Eingeständnis - nicht mehr nur "umgangssprachlich" -, dass Deutschland sich auch völkerrechtlich im Krieg befände. Deutsche Soldaten weiterhin in besserer Pfadfinderausrüstung ihren gefährlichen, zweifelhaften und kritikwürdigen Dienst im Land des Hindukusches schieben zu lassen, bedeutete, in Kauf zu nehmen, dass künftig weiterer Trauerdienst in der Heimat geleistet werden müsste.

Denn klar ist: Die kämpferischen und letztlich unbezwingbaren Afghanen werden es sich auch fürderhin nicht gefallen lassen, dass der Westen sie regional belagert und töten will. Das afghanische Volk hat sich in der Mehrheit längst davon abgewendet, sich auf kriegerische Art von außen helfen zu lassen - wenn es denn je Zustimmung dazu erteilt hätte.

Das interessiert die Kriegsbefürworter wie etwa Guttenberg, Kanzlerin Merkel und Außenminister Westerwelle wenig. Und auch so manchen politischen Hinterbänkler nicht. Erste Rufe nach Einsatz des Kampfpanzers Leopard 2 werden laut. Der, geht es nach dem Willen der FDP, auf den scheidenden Wehrbeauftragten Robbe abonnierte FDP-Politiker Hellmut Königshaus ist einer der Befürworter hierzu, wie er in einem Interview mit dem Wochenblatt Die Zeit (6.04.2010) zugibt.

 Der Leopard 2 ist längst in Afghanistan. So setzen ihn laut Königshaus die Kanadier ein. Da kann man schon mal eifersüchtig werden, wenn das Land, in dem der Leopard 2 entwickelt wurde (1979), ohne das Gerät dasteht.

Hardliner Königshaus beklagt zudem, dass "Steilfeuerwaffen wie Mörser" fehlen und begibt sich damit auf die Linie des Ex-Generalinspekteurs Harald Kujat (2000-02), der laut der Zeit "das Fehlen von Offensivwaffen" bemängele und etwa Panzerhaubitzen für den ISAF-Einsatz der Deutschen in Afghanistan fordere.

Von Zielen spricht schon länger niemand mehr. Weshalb befindet sich die Bundeswehr dort und was soll erreicht werden? So genau kann das auch Kanzlerin Merkel nicht mehr formulieren. Demokratie? Bullshit! Afghanen wollen wie alle Völker so leben, wie sie es für sich für richtig halten. Dafür kämpfen sie seit Jahrzehnten gegen Eindringlinge, die ihnen das aus unterschiedlichen Motiven nicht zugestehen wollen. 

Der Einsatz des Leopard 2, in neuester Version (A6) mit einer verlängerten 120-Millimeter-Glattrohrkanone, 1500 Pferdestärken, Hybridrechner für den Feuerleitbereich, Nachsichtgeräten mit Bildverstärkern und für den Richtschützen sowie Kommandanten mit Wärmebildgerät ausgerüstet, dazu über 70 km/h schnell und mit einer Geschossgeschwindigkeit von 1175 Metern pro Sekunde (Wuchtgeschosse) bzw. 1385 m/s (Hohlladung) - was etwa 4200 bis knapp 5000 km/h entspricht - in der Lage, endlich vernünftige Löcher in den Hindukusch zu ballern, könnte laut Königshaus "Leben schützen".

Das mag zwar durchaus zutreffen, doch stehen auf der anderen Seite Leben, die ausgelöscht werden können. Bei Tag und bei Nacht. Stünde der Leopard 2 den deutschen Soldaten erstmal in Kunduz zur Verfügung, ginge der bereits seit Jahren vorhandene Krieg auch für Deutschland in eine neue Phase. Denn es ist ja nicht so, dass die Taliban, der erklärte Gegner der ISAF-Truppen, nicht vielleicht auch nachrüsten könnten.

Doch selbst wenn es ihnen nicht gelingen sollte, wäre es der Hindukusch-Guerrilla jederzeit möglich, in Deutschland Anschläge zu bewerkstelligen. Das wäre dann der Preis, den Deutschland zu zahlen hätte, weil es dem längst fortgejagten Bush-Junior-Regime folgte, das Afghanistan den Krieg erklärte, nachdem die USA am 11. September 2001 von Terroristen angegriffen worden waren.

© Tom Geddis

© GeoWis (2010-04-08)

Update (2011-03-01): Karl-Theodor zu Guttenberg trat heute um 11.15 Uhr von allen Ämtern zurück.

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