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Die Kaffee-Macht

Der Einfluβ der weltgröβten Coffeeshop-Kette Starbucks wächst bedrohlich

Von Uwe Goerlitz (2007-01-05; 18:25)

Jim Donalds Gott heiβt mit Vornamen Effizienz, mit Nachnamen Struktur. Dazwischen liegt ein '&'. Donalds Ideal vom persönlichen Tagesablauf muβ sämtliche Analysten, die mit Kaffee, Tee, Kakao oder mit Starbucks im Ganzen zu tun haben, zu Freudensprüngen animieren. James Donald, gegenwärtiger CEO und Präsident des mit über 11.000 Starbucks-Coffeeshops und -Kaffeeläden in 36 Ländern vertretenen Konzerns aus Seattle, ist ein Zahlen-Freak, der selbige gern in Prozenten wiedergibt. 40-45 Prozent seiner Arbeitszeit veranschlagte er laut eines eher unorthodoxen Interviews mit CNN für Reisen; 20-25 Prozent erübrigte er fürs Personal; 8 Prozent brächte er für Rundgänge in und Besichtigungen von Starbucks Coffeeshops und Läden auf; und weitere 8 Prozent widmete er CEOs und Leitenden Angestellten. Macht zusammen 76-86 Prozent. Offen bleibt, was er mit den verbleibenden 14-24 Prozent anstellt. Immerhin rühmt er sich, monatlich um die 500 Geburtstagsemails zu verfassen.

Handelsmarke von StarbucksStarbucks, vergleichbar mit dem Hackfladenbrater McDonald's oder der Buchhandlungskette Barnes & Noble, ist eine Macht im Bereich aromatischer Genuβmittel wie Kaffee, Tee und Kakao, und setzt diese rigoros ein. Allein in den USA unterhält der Konzern knapp 6.000 Coffee- und Retailshops, davon im Groβraum Los Angeles und in San Franciscos Bay Area jeweils um 500, 456 in der Agglomeration New York, und 418 im Groβraum Chicago. Auβerhalb der USA sind Kanada (731), Japan (663), Groβbritannien (532), China inklusive Taiwan (428) und Südkorea wichtige Absatzmärkte. Klassische Teetrinker-Nationen, die von Starbucks mit dem schwarzen Gold kolonisiert werden.

Mit Kontinentaleuropa hingegen kann der Konzern nicht zufrieden sein. Ganze 26 Starbucks-Coffeeshops gibt es in Frankreich, 24 davon in Paris. Elf nur in Österreich, allesamt in Wien. Immerhin 49 in Griechenland, 44 davon in Athen, und sogar 55 in Spanien, davon 32 in Madrid. In Deutschland hat der Multi-Brüher es bisher auf 68 Einheiten gebracht. Die bisher letzte wurde im Sommer 2006 in Dortmunds Betenstraβe eröffnet.

Ein Besuch dort müβte Jim Donald Tränen aus den Augen treiben. Selbst zu Weihnachtsmarkt- und verlängerten Ladenöffnungszeiten verloren sich nur wenige Kaffeedurstige ins Starbucks. Stur, die Westfalen, aber offenbar auch Kaffeegenieβer, weshalb sie sich lieber dort das koffeinhaltige Elixier einverleiben, wo sie sich wohlfühlen und davon ausgehen, es mit Kaffee zu tun zu haben. Weniger mit einem Konzern.

Volle TasseStarbucks hat in Europa, speziell in Frankreich, Italien und Deutschland, offenbar nicht die beste Reputation. Man weiβ um die Machenschaften des Konzerns, man ist informiert darüber, unter welchem Druck die Starbuckler an den Kaffeemaschinen stehen, kennt die Niedrigentlohnung und, und das vor allem, die mitunter bescheidene Qualität des braunen Gesöffs. Auch sind die fragwürdigen Methoden und das Muskelspiel des Konzerns hier bekannt - und werden von Kaffeekonsumenten, und nicht nur denen, gewichtet.

Nachdem die äthiopische Regierung beim amerikanischen Patentamt - USPTO - Anträge auf Markenschutz ihrer Kaffeesorten Sidamo und Harar gestellt hatte, brachte die 1911 gegründete National Coffee Association/NCA nach Auskunft der NGO Oxfam America auf Druck ihres Mitglieds Starbucks zwei Letter of Protest ein (die LoPs liegen Geowis im Wortlaut vor), in denen sie argumentierte, bei besagten Sorten handele es sich um "Gattungen", die nicht schützbar seien.

Starbucks Kaffee-Werbung zu SIDAMOHier allerdings liegt der Hase im Pfeffer. Eine Sorte wäre durchaus schützbar. Jedenfalls in Deutschland. Nach Auskunft des Bundessortenamts in Hannover nämlich dann, wenn sie innerhalb eines bestimmten Zeitraums noch nicht in Verkehr gebracht wurde. Auch eine Handelsmarke ist jederzeit schützbar, unabhängig davon, ob damit bereits gehandelt wird, so das Deutsche Patent- und Markenamt in München.

Die USPTO hat sich damit zufriedengegeben, von der NCA eingereichte, wissenschaftlich kaum haltbare Quellen hinsichtlich der Klassifikation der Sorten Sidamo und Harar als Stütze ihrer Ablehnung (liegt GeoWis in Kopie vor) zu nehmen. Die Begründung, es handele sich um Gattungen, könnte geeignet sein, einer rechtlichen Überprüfung nicht standzuhalten. Äthiopien gehen durch die Ablehnung per annum rund 100 Millionen Dollar an Lizenzgebühren verloren, während Starbucks mit der Sorte wirbt.

Harar und Sidamo, wie auch Yirgacheffe, sind Arabica-Sorten. Arabica-Sorten werden in mehreren Ländern angebaut, sind daher nur eine allgemeine wissenschaftliche Kategorisierung. Sie genieβen unter Kennern aufgrund ihres Aromas und gegenüber der Sorte Robusta geringeren Koffeingehalts höhere Reputation. Dennoch unterscheiden sich die Arabica-Bohnen Costa Ricas, Mexikos, Kenias oder Äthiopiens voneinander - aufgrund klimatischer Bedingungen zum einen, aufgrund pedologischer zum anderen. Eine Arabica aus Costa Rica weist denn auch ein anderes Aroma auf als eine Äthiopiens.

Das USPTO hat sich augenscheinlich nicht die Mühe gemacht, entsprechende Experten vor der Ablehnung zu konsultieren. Die eingereichten, nach heutigen - zumindest in Westeuropa angelegten - wissenschaftlichen Maβstäben unzureichenden Quellen der NCA, von denen einige aus dem Jahr 1935 datieren, reichten der Patentbehörde dennoch.

© Uwe Goerlitz

© GeoWis (2007-01-05; 18:25:52)

© Fotos/Abbildungen: Starbucks; Starbucks Gossip; Uni San Juan, Costa Rica

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