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Bangladesch - Noch immer Not, Elend und Konflikte


Bangladesch - Noch immer Not, Elend und Konflikte

Noch immer Not, Elend und Konflikte

Vor 60 Jahren wurden Indien 25 Prozent seines Territoriums abgetrennt und unter dem Namen Pakistan in die Unabhängigkeit entlassen. 24 Jahre danach entstand der Staat Bangladesch, der schon bald durch ein außergewöhnliches Konzert in den Fokus der internationalen Öffentlichkeit geriet.

Von Henning Appelt (2007-08-11)

Alles vollzog sich vergleichsweise schnell, nachdem der britische Vizekönig Lord Louis Mountbatton am 3. Juni 1947 einen Plan zur Teilung Indiens bekanntgegeben hatte. Gut zwei Monate später, am 14. August, wurde Pakistan ins Leben gerufen. Indien, damals 4.32 Millionen Quadratkilometer (qkm) groß, verlor über eine Million qkm seines Territoriums zugunsten des neu entstandenen Staates. Mehr als 800.000 qkm bekam das islamisch geprägte West-Pakistan zugesprochen, knapp 144.000 qkm das von Bengalen dominierte Ost-Pakistan, das heutige Bangladesh.

Einen Tag später entließ die britische Krone Indien in die Unabhängigkeit, zwei Monate danach begann der Konflikt um den 76.000 qkm großen indischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir, den Pakistan einstweilen für sich entschied, der aber bis heute schwelt. Konflikte flammten auch an anderen Stellen auf. So stritten sich Indien und (West-) Pakistan lange um die Nutzungsrechte des Indus. Erst 1960 wurde ein Abkommen zur beiderseitigen Nutzung unterzeichnet.

 Zwischen dem westlichen und dem östlichen Territorium Pakistans lagen mehr als 1500 Kilometer Strecke, die entweder komplett durch Indien führte oder - verkürzt - durch einen Teil Indiens und durch Nepal. Kein Wunder also, daß das bengalische, nicht-islamische, eher demokratisch orientierte Ost-Pakistan nach Unabhängigkeit von der west-pakistanischen Regierung in Rawalpindi, dem heutigen Islamabad, strebte.

Am 26. März 1971 erklärte es seine Unabhängigkeit und gab sich den Staatsnamen Bangladesch, nachdem am Tag zuvor sein Führer Sheikh Mujibur Rahman von General Yahya Khan inhaftiert worden war. Völkerrechtlich wurde es noch nicht anerkannt.

Die Unabhängigkeitserklärung, der freie Wahlen vorausgegangen waren, wurde von West-Pakistan rigoros torpediert. Was folgte, war ein Terrorregime, angeführt von General Yahya Khan, dem um eine Million Bengalen zum Opfer fielen. Die ethnischen, teils militärisch ausgetragenen Konflikte, aber auch Überschwemmungen und partielle Hungersnöte führten zu unbeschreiblichem Elend und sorgten für Flüchtlingsströme ungeahnten Ausmaßes nach Indien.

Waren die Flüchtlinge von indischer Seite anfangs noch medizinisch und humanitär versorgt worden, etwa durch Impfungen, Reisportionen und Decken, brach die Hilfe angesichts der Masse der Flüchtlinge zusammen. Das enorme Elend veranlaßte Indien, den Ton gegenüber dem Terrorregime Pakistans zu verschärfen, schließlich handelte es sich bei den Bangladeschi um bengalische Schwestern und Brüder.

Es waren die Bengalen Ravi Shankar, Kamala Chakravarty und Alla Rakah, die Ex-Beatles Ringo Starr und George Harrison, der im November 2001 verstarb, der im Juni 2006 verstorbene Soulmusiker Billy Preston, der Vokalist Leon Russell, der Saxophonist Jim Horn, die Gitarristen Eric Clapton und Don Preston, die Bassisten Klaus Voormann und Carl Radle, der Folksänger Bob Dylan und 18 weitere Musiker, die dem Elend in Bangladesch internationale Aufmerksamkeit verschafften, indem sie sich organisierten, um im New Yorker Madison Square Garden (MSG) am 1. August 1971 ein legendäres Konzert zu geben, das als The Concert for Bangla Desh in die Musikgeschichte einging und heute als Ahne sämtlicher Aid-Konzerte gilt.

 Als George Harrison die Bühne des Madison Square Gardens betritt, kommt er zunächst nicht zu Wort, so überwältigend wird er vom Publikum empfangen. Er hält eine kurze Einleitungsrede, in der er darauf hinweist, daß es sich zwar um ein Konzert handle, der Anlaß dazu jedoch ausgesprochen ernst sei.

Dann stellt er den damals 51-jährigen Sitarspieler Ravi Shankar vor, der ebenfalls stürmisch begrüßt wird. Shankar weist seinerseits auf den traurigen Anlaß des Konzerts hin, betont, sie (Anm. d. Vf.: die Musiker) seien keine Politiker, sondern Künstler, und bittet das Publikum darum, während des Events nicht zu rauchen. Das anschließende Sitarstück, mehr als sechzehn Minuten lang, mochte sicherlich nicht jedes Ohr entzückt haben - und mag es noch heute nicht -, Shankar erhielt dennoch reichlich Applaus.

George Harrison, der politischste und konsequenteste Beatle, bar jeglicher Verlockung auf Happenings und Performances, wie sie etwa sein 1980 ermordeter Kollege John Lennon ("Give Peace a Chance") vollzog, sensibilisiert für Not und Unterdrückung seit der Beatles-Findungsreise nach Indien, war wie alle anderen zur musikalischen Hochform aufgelaufen. Seine Darbietungen While My Guitar Gently Weeps (mit Eric Clapton), Here Comes The Sun (mit Pete Ham), Awaiting On You All, Something und My Sweet Lord gibt es in diesen einzigartigen Interpretationen nur auf dem Album.

 Auch das von Mick Jagger und Keith Richards geschriebene, von Leon Russell, Carl Cradle und Don Preston im MSG vorgetragene Stück Jumping Jack Flash verzückte das Publikum. Mit fünf Stücken trat Bob Dylan auf, begleitet von Russell, Harrison und Starr. Ihm gehört auf dem Anfang 1972 als 3-LP-Box in den Handel gekommenen Album die gesamte fünfte Seite.

Es ist vielleicht die beste, zumindest ist Bob Dylan weder vorher noch nachher live so überzeugend gut gewesen. Wie bei allen Künstlern, die damals im MSG bei diesem Konzert auftraten, besonders bei den Vokalisten, vibriert der Anlaß des Konzerts in ihren Stimmen.

Not und Elend kannte man bis dahin nur aus Bildern großer kriegerischer Auseinandersetzungen und aus jenen der nigerianischen Provinz Biafra. Auch die damals verelendende Bevölkerung Biafras hätte mit einem Konzert in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden können. Doch Biafra war in den Medien bereits allgegenwärtig, Bangladesch weniger.

Daß es zu diesem Konzert im Madison Square Garden kam, liegt eher daran, daß George Harrison und Ringo Starr einige Jahre zuvor Ravi Shankar kennengelernt hatten. Hätten sie Professor Zbigniew R. Dmochowski in den 1960ern getroffen, der als Attaché Polens in Biafras größter Stadt Kano stationiert war und sich um die Beschreibung nigerianischer Architektur und des Wohnwesens verdient gemacht hat, die Augen vor dem in Biafra herrschenden Elend aber keinesfalls verschloß, wäre möglicherweise ein Concert for Biafra entstanden.

 Vielleicht auch nicht. Am 12. August 1971 überreichten die Veranstalter des Concert for Bangla Desh dem United Nations Children's Fund for Relief to Refugee Children of Bangla Desh einen Scheck in Höhe von 243.418,50 Dollar, der nach heutigen Maßstäben einen Wert von etwa einer halben Million Euro hatte, in Bangladesch aber eine Kaufkraft eines Vielfachen davon.

Und heute? Bangladesh wurde ab Dezember 1971 sukzessive völkerrechtlich anerkannt und zählt längst zu den am dichtesten besiedelten Flächenstaaten des Globus. Es kommt aus dem Dreck nicht heraus.

Regelmäßig wird es von Flutkatastrophen heimgesucht, die die fruchtbaren Böden überschwemmen, in sie eingebrachte Sämlinge von Nutzpflanzen unbrauchbar machen und immer wieder für regionale Hungersnöte sorgen. Tausende ersaufen dann, wie auch diesen Sommer wieder, und Hunderttausende sind in den vergangenen 36 Jahren ersoffen.

Not und Elend haben nicht abgenommen, Regionalkonflikte sind seit der Proklamation der Unabhängigkeit hinzugekommen. 1975, gerade mal vier Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung, übernahm das Militär die Macht, die es erst 1991 wieder abgab. Kurz vor der Machtergreifung des Militärs hatte sich 1974 eine hinduistische Rebellenorganisation gebildet, die die Unabhängigkeit dreier Provinzen im bergigen Grenzgebiet zu Indien und Myanmar und die Expatriierung bangladeschischer Moslems anstrebte.

 Nach dem Abtritt des Militärregimes kehrte auch keine Ruhe ein. 1971, als George Harrison und seine Freunde das Konzert in New York gaben, herrschte noch so etwas wie der Glaube an eine bessere Welt, verbunden auch mit der Hoffnung, die wohlhabende westliche Welt werde Maßnahmen ergreifen, um das Elend in den - damals unter der stigmatisierenden Bezeichnung Dritte Welt gehandelt - unterentwickelten Ländern zu lindern.

Dem ist in vieler Hinsicht nicht so geschehen. Zwar gab und gibt es Konzepte und Versuche - etwa Programme zur Regulierung des Bevölkerungswachstums, des Kleinkreditwesens, der Mediation in kriegerischen Konflikten -, doch bringt die Weltgemeinschaft kaum Mittel auf, um den Küstenschutz in Bangladesch zu befördern. Darum ging es beim Concert for Bangla Desh noch nicht. Das wohl bezeichnendste Lied trug Bob Dylan damals vor: A Hard Rain's Gonna Fall.

© Henning Appelt

© GeoWis (2007-08-11; 17:17:31)

© Fotos, soweit nicht bereits benannt: Spektrum der Wissenschaft ('Bangladesh 2004'); www.floodmusictheatre.com.au

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