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Das letzte Filet

Einen Monat nach der Unabhängigkeitserklärung des Kosovos von Serbien und der völkerrechtlichen Anerkennung durch westliche und pro-westliche Staaten bricht in der Region Gewalt aus.

Von Simone ten Breck (2008-03-17)

Es war absehbar, daß es sich Serbien nicht gefallen ließe, einen weiteren Landbeschnitt hinzunehmen. Daran konnte auch die vorschnelle Anerkennung des winziges Kosovos durch westliche Staaten nichts ändern. Eher sieht es aus, als wären Unruhen dergestalt, wie wir sie in diesen Tagen erleben, von den Anerkennern einkalkuliert worden.

 Die sich eben noch gegen die Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovos wehrende serbische Regierung unter Voijslav Kostunica, der am 8. März 2008 von seinem Amt zurücktrat - weshalb eigentlich? - und in einer seiner letzten Amtshandlungen Neuwahlen für den Mai des Jahres proklamierte, nimmt den oktroyierten neuen Status quo nicht hin.

Schon gar nicht die Jugend. Sie will sich weder in einem neugegründeten Staat, noch unter einer Besatzungsmacht befinden. Als nichts anderes empfinden sie die UN-Truppen, die sich nun ihrerseits mit Panzern gegen die Youngster verteidigen müssen.

Einmal mehr in der blutigen jüngeren Geschichte Ex-Jugoslawiens wird aller Welt verdeutlicht, wie wenig ratsam es ist, Provinzen souveräner Staaten völkerrechtlich anzuerkennen, vor allem wenn es sich um Provinzen handelt, die ohne dauerhafte finanzielle Unterstützung von Ausländern nicht lebensfähig sind.

Vorzugsweise aus den von Steuermitteln gefüllten Schatullen der EU, zusätzlich aber auch von EU-Staaten wie Deutschland und Frankreich, oder den Steuermitteln der US-Bürger wird ein gebirgiger, an Bodenschätzen reicher und von Tribalismus beherrschter Flecken Bauernland als eigenständiger Staat anerkannt - der künftig EU-Mitglied werden soll. In den Grundstudiumssemestern in Politikwissenschaft an deutschen Universitäten rubriziert man das unter 'strategische Option'.

Es scheint, als hätte die Europäische Union die Hegemonialpolitik der USA der 1960er und 1970er Jahre zur Doktrin erhoben. Eine Politik, die wenig nachhaltig war, wie man heute beobachten kann. Eine Politik zudem, die zu nichts anderem führt als zu Zerströrung und Kummer. Sie führt zu Destabilisierung und Bürgerkrieg, Schock, Deregulierung, Privatisierung und Wiederaufbau durch Ausländer, die ihren Schnitt machen.

Was im Kosovo derzeit geschieht, unterscheidet sich kaum von dem, was in Chinas Autonomer Provinz Tibet los ist. Für den mit den Demonstrationen einhergehenden Vandalismus und den Parolen zu größerer Unabhängigkeit, vor- und ausgetragen wesentlich durch junge Leute und buddhistische Mönche, bietet die chinesische Regierung das auf, was auch die deutsche oder jede andere Regierung aufböte: Sicherheitskräfte, Gewalt.

 Weltweit geistert in diesem Kontext seit wenigen Tagen der vom geistigen Oberhaupt der Tibeter, dem Dalai Lama, geprägte Begriff des "kulturellen Völkermords" durch die Medien. Was ist das?

Völkermord ist definiert in der Charta der Vereinten Nationen. Von 'kulturellem Genozid' steht dort nichts geschrieben. Derartiges gibt es nicht. Entweder wird Genozid verübt, oder nicht. 'Kulturelle Unterdrückung' wäre hier der adäquate Begriff gewesen.

Doch damit scheinen es die globalen Leitmedien nicht allzu genau zu nehmen. 'Völkermord', ganz gleich mit welchem Adjektiv versehen, hört sich irgendwie schlagartiger an. Dessen ist sich der Dalai Lama bewußt.

In Serbien gibt es keinen Lama, nur die orthodoxe Kirche, eine gebildete und weniger gebildete Bevölkerungsschicht und eine ganze Menge Bauern mit einem ausgeprägten Sinn für ganz normalen Patriotismus und ganz normales Nationalbewußtsein. Tugenden, die im EU-Europa ordentlich eingeebnet wurden.

Serbien zögert noch, seine Souveränität auch militärisch unter Beweis zu stellen, weil es befürchtet, allzu schnell wieder von Nato-Truppen bombardiert zu werden. China, zigmal größer und potenter, angstfrei gegenüber Nato oder den USA, greift durch. So, wie in Deutschland seit der Ermordung des Studenten Benno Ohnesorg (1967) durchgegriffen wird. So auch, wie es sich gehört für einen Obrigkeitsstaat, dem es an demokratischem Grundverständnis mangelt und dessen oberste Doktrin neoliberalen Wirtschaftsdogmen gilt.

Genau diesen Dogmen widersetzt sich Serbien und ist sich der Unterstützung Russlands sicher. Der Krake EU und seine 27 Kalfakter in Gestalt nur noch pseudonationaler Regierungen wie die Deutschlands, Belgiens, Frankreichs oder Hollands verharrt nun in Beobachtung in seiner Höhle. Kaum anzunehmen, daß er seine Entscheidung revidierte, dem vor seiner Linse umherschwimmenden Braten Ex-Jugoslawien, den er in den vergangenen 15 Jahren so blutig filetierte, das Lendenstück Kosovo nicht gänzlich zu entreißen. 

© Simone ten Breck

© GeoWis (2008-03-17)

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Update (2008-03-17; 20:13:11): Medienberichten zufolge will die NATO nun mit ihrem verlängertem Arm KFOR die Proteste der Jugendlichen mit Waffengewalt niederschlagen.

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