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Goerlitz, Uwe: Bogenschieβen - In der Ruhe liegt die Kraft

"In Ruhe treffen"

Immer mehr Menschen zieht es zum Bogenschieβen. Was ist ihre Motivation? Und was ist das Geheimnis dieser Sportart?

Von Uwe Goerlitz (2007-06-11)

In den USA ist es beinahe ein Volkssport. Fast fünf Millionen Amerikaner betreiben Bogenschieβen. Nur Football, Baseball und Tennis wird von mehr Amerikanern betrieben. Einige zehntausend Bogen-Enthusiasten sind es in Deutschland. Weltweit (ohne China und Japan) gehen bald zehn Millionen dieser Passion nach. Auf verschiedene Weise und mit unterschiedlichem Gerät.

Während in Japan das philosophisch vom Zen-Buddhismus begleitete Kyudo - Weg des Pfeils/Weg des Bogens - (kyu = Bogen, do = Weg) gepflegt wird und der Pfeil vom unteren Drittel des Bogens aus der Sehne gelöst wird, bevorzugen die meisten Bogenschützen auβerhalb Japans Recurve-, Compound-, Lang- oder Feldbögen und lösen den Pfeil aus der Mitte der Sehnenlänge.

Die amerikanische Bogenschuetzin Danyelle Reese mit erlegtem Reh, 2006.Kaum ein Kyudo-Bogenschütze käme heute noch auf die Idee, mit seinem Bogen etwa das in den USA so beliebte Bowhunting zu betreiben, bei dem es ums Töten von Tieren und Trophäensammeln geht. Alljährlich werden während der Jagdzeiten (open seasons) Hunter-Wettbewerbe abgehalten und zig tausende von Damwilden mit dem Pfeil erlegt.

Anders als in Japan oder Deutschland, ist Bogenschieβen auf in der Wildnis lebende Tiere in den USA erlaubt. Dazu zählt auch das Fischen mit dem Bogen. Mit Zen-Philosophie (chinesisch: tao) hat beides wenig zu tun. Doch genauso wie beim Kyudo oder dem Schieβen auf eine FITA¹-Scheibe geht ohne verinnerlichte Technik und Konzentration auch beim Bowhunting und Bowfishing nichts.

Vielmehr geht es ums Ein-Schuss-Prinzip, dem Kill. Mit rasierklingenscharfen Pfeilen. Trifft der erste Pfeil nicht tödlich oder landet im Unterholz, ist die Beute entweder verletzt, so dass nur der Gnadenschuss des Jägers bleibt, oder sie flüchtet. Vorzugsweise wird mit einem Compoundbogen geschossen, da dieser den Pfeil gegenüber einem traditionellen Bogen mit mehr kinetischer Energie ausstattet und dadurch mit höherer Geschwindigkeit ins Ziel treibt.

In den USA, wo es neben einer Fülle von Magazinen auch Radio- bzw. Internetsender (z. B. Petersen's Bowhunting) zum Thema gibt, sowie eine Bowhunter's Hall of Fame, ist Bogenschieβen seit Jahrzehnten durchkommerzialisiert und ein Milliarden-Dollar-Geschäft. Rund 700 Dollar gibt jeder amerikanische Bogenschütze durchschnittlich pro Jahr für sein Hobby aus. Das meiste Geld geht dabei für zerschossene oder in der Botanik verlustig gegangene Pfeile drauf.

Hartschaum-(Etafoam-)Reh am Dortmunder Asenberg, 2007.Auch in anderen Ländern ist Letzeres so. Wer sein Ziel nicht trifft, muss den Pfeil suchen. Wer ihn nicht findet, einen neuen kaufen, sich selbst einen anfertigen oder anfertigen lassen. Das geht schon mal ans Geld.

Je nach Gelände und Lichtverhältnissen passiert es auch erfahrenen Bogenschützen, dass sie sich im Unterholz nach ihrem Pfeil umsehen - auf die Gefahr hin, sich eine Zecke einzufangen - oder ihn aus einem Baumstamm herauswinden müssen.

Was aber fasziniert immer mehr Menschen, auch in Deutschland, am Bogenschieβen? Was daran, sich als Anfänger erst mal stunden- oder tagelang mit einer aus Holzhobelspänen gepressten 'Bogen-Wand' auseinanderzusetzen, die Pfeile aus zehn oder zwanzig Metern Entfernung dort hineinzuschieβen, in der Hoffnung, in einen 20 Zentimeter Durchmesser aufweisenden Strohring oder ein in Originalgröβe dastehendes Plastik-Ei zu treffen? Oder endlich eines der aus dem Hartschaum Etafoam gefertigten Tiere?

Es habe etwas mit einer Mischung aus anspruchsvoller Gestaltung der Freizeit und dem Archaischen in uns zu tun, so Michael Handick (siehe Titelfotos), Betreiber der Bogenwiese im Dortmunder Rombergpark und des etwa 35 Hektar umfassenden Trainingsareals Asenberg in Dortmund-Hohensyburg, gegenüber GeoWis.

Recurve-Bogen, 35-Kilogramm Zuggewicht. Foto: Hersteller."Leute, die in ihrem Beruf ständig unter Leistungsdruck stehen, entdecken das Bogenschieβen auch als mentalen Ausgleich", sagt Handick. Kaum ein Anfänger treffe zwar aus neun Metern in den Ring, ganz egal, wie alt der Schütze sei, welche soziale Stellung er innehabe, mit was für einer Art Bogen er schieβe oder welches Zuggewicht er benutze. Früher oder später aber seien am - nicht mit dem - Bogen alle gleich.

"Wer erstmals einen Bogen in der Hand hält, den befällt normalerweise ein Gefühl von Ehrfurcht. Der Bogen ist ja die erste bedeutende Kriegswaffe gewesen. Das erkennen viele Probanden. Jedenfalls spätestens dann, wenn ich darüber referiere."

Auf die Frage, ob man beim Bogenschieβen auch Agressionen abbauen könne, antwortet Handick: "Zum Abbau von kumuliertem Stress ist die Sportart bestens geeignet, nicht aber für Leute, die grundsätzliche Probleme mit ihrem Agressivitätspotential haben. Wir haben hier schon einige Spezialisten erlebt, die sich nicht an die Sicherheitsregeln hielten, einfach nur wuchtig Pfeile in die statischen Ziele jagten und extrem ungeduldig wurden, wenn sie nicht trafen. Solchen Leuten hilft der Bogen nicht. Diese Menschen sollten sich einer Kampfsportart widmen."

So könnte es sein, dass etwa der Berliner Gangsta-Rapper Bushido eher dem Schwertkampf als dem Bogensport etwas abgewönne. Immerhin bedeutet sein aus dem Japanischen stammender Künstlername Weg des Kriegers (bu = Kampf, shi = Krieger, do = Weg). Das Schwert, in Japan lange die bevorzugte Kriegswaffe bei den Samurai, war wie der Bogen aus China zu den japanischen Kriegern gelangt. Der Bogen aber ist viele Jahrunderte älter als diese Stahlwaffe.

Sein Alter kann zeitlich bisher bis auf die jüngere Altsteinzeit (Jungpaläolithikum) datiert werden. Ein in Mannheim ausgegrabenes bogenartiges Fragment wird auf 17.600 Jahre geschätzt. Damit hätte der Bogen seinen geographischen Ursprung in Europa. Kam der Bogen bereits als Jagd- und Kriegswaffe zum Einsatz, als Pfeile noch mit Steinspitzen versehen wurden, erhöhte sich seine Effizienz, als man Bronze- und Eisenspitzen verwenden und das Pferd einsetzen konnte.

C. Mendbayar (Mongolei), 1998. Foto: Stephen Selby.Den Kriegern zu Pferd war dabei besonderes Geschick abverlangt worden. Sie mussten ihre Pferde ohne Hand an der Zügelleine im rasanten Galopp steuern, um den Pfeil einzunocken, den Oberkörper dann in Seitenlage bringen, um den Bogen spannen zu können, und auch noch ihr Ziel treffen, ohne vom Pferd zu fallen.

Bogenschützen waren denn auch im Vergleich zur mühselig zu bewegenden Steinschleuder und bis zur Erfindung des Schieβpulvers die modernste Artillerie, die damalige Kriegsherren aufzubieten hatten. Schon zu jener Zeit machte stetes Training den Meister. Die Grundlagen sind noch heute Inhalt dieses Sports.

Zu den Koryphäen und nationalen Champions des Bogenschieβens abseits olymischer Wettbewerbe gehört der heute 48-jährige Mongole Choijelsurengiin Mendbayar, der einen Composite-Recurve-Bogen benutzt. Sein Bogen habe ein derart hohes Zuggewicht, dass Mendbayar die Sehne nicht alleine spannen könne, weshalb seine Schwester ihm beim Spannen helfe, so Stephen Selby, der Mendbayar eine Webseite widmet.

Mitunter sei Bogenschieβen ein einsames Vergnügen. Zwar solle man nicht allein auf einen Parcour gehen, weil man nicht immer die Umgebung im Blickfeld habe, in der der Pfeil unweigerlich lande, wenn man das Ziel verfehle, so Handick, doch manche hielten sich nicht daran, wohl auch aus Gründen, sich nicht mit anderen messen, sondern ihre Ruhe haben zu wollen.

Olympionikin Aya LaBrie im Schnee, 2004.So auch manche Schützen, die mit dieser Sportart Geld verdienen oder an Olympischen Spielen teilnehmen wollen. Für den Laien muten manche Trainingsgründe da schon mal skurril an.

Die Amerikanerin Aya LaBrie etwa begibt sich sommerlich bekleidet in beinhohen Schnee, um von ihrem Compoundbogen Pfeile zu lösen. Diese Übung - keine Show - macht zumindest für LaBrie Sinn.

Während die sie umgebende Lufttemperatur bei unter null Grad Celsius liegt, die Bogensehne wie auch der Bogen sich rein physikalisch zäher verhalten als unter Plus-Temperaturen und die Dame ihre aus dem Schnee herausragenden Körperteile den meteorologischen Umständen aussetzt, kneift auch der Schnee mit Eiseskälte an ihren Beinen. Motto wohl: Egal was kommt, der Pfeil muss ins Ziel.

LaBries Winterübung in stiller Natur mag aber nicht einzig dem Anspruch gewidmet sein, Wettbewerbe zu gewinnen. Viele auf der Jagd nach Medaillen im Training stehenden Bogensportler sehnen sich nach der Ruhe abseits des Trainingsareals, um endlich mal wieder einen Pfeil lösen zu können, der nicht nicht bewertet wird.

Bogenwiese im Dortmunder Rombergpark.Mit derartig Sinnmachendem haben zumindest die Trainer von Olympiamannschaften wenig gemein. Sie haben Medaillien zu bringen. Bogensport ist bei ihnen beinahe mechanisiert und damit schon seit langem wieder dort angekommen, wo er sich zu prä-philosophischen Zeiten befand: beim Krieg.

So werden etwa koreanische Kyudo-Sportler beim Bogenschieβen "zur Perfektionierung des Augenblicks" geradezu gedrillt, wie die NZZ Anfang des Jahres berichtete.

Drill aber kann nicht das Geheimnis dieser Sportart sein. Nach Gehorsam treffe zwar auch der "nach langem Üben" sein Ziel, der unter Druck stehe, keinen Spaβ an seinem Sport mehr habe und keine Leidenschaft mehr entwickle, so Handick. Drill sei der Tod jeder Leidenschaft, aber er bringe Medaillen.

Das wissen auch auβerasiatische Bogensportler, nicht nur jene, die Kyudo betreiben. Bei Olympia ist der Compoundbogen das vorherrschende Gerät, das den Pfeil auch am schnellsten ins Ziel treibt. Schwer bestückt mit Stabilisatoren, Visier und anderem Gedöns, halten die Athleten dann einen Bogen vom Gewicht eines Fahrrads mit Stahlhohlrohrrahmen in der Hand und kämpfen erst mal damit, ihn ruhig zu halten und auszubalancieren.

Etafoam-Ziele Fasan und Reh im Dortmunder Rombergpark, 2007.Bogenschieβen, konsequent betrieben, muss wohl etwas damit zu tun haben, mit sich ins Reine zu gelangen, mit dem Bogen zu verschmelzen, ihn wie einen dritten Arm hochnehmen zu können, den Pfeil instinktiv, wie in Trance, in die Sehne einzunocken, Geist, Körper und Gerät in Balance zu bringen und das Ziel so mühelos anzuvisieren, dass nichts den Pfeil von seinem Weg abbringen kann. Der ultimative Schuss und der ultimative Kick? Ist es das?

"Gut möglich", sagt Handick. "Es ist wohl wie beim Golfen. Du willst den perfekten Treffer. Golf und Bogenschieβen sind sich ähnlich, und mal abgesehen davon, dass beide Sportarten sich unter freiem Himmel abspielen: Gute Golfer und gute Bogenschützen haben gelernt, mental mit sich im Reinen zu sein und ihre Motorik bewusst zu steuern, willensstark und geradezu auf den Punkt hin. Ob dann nebenan ein Flugzeug abstürzt, interessiert sie erst hinterher, nachdem sie ihren Abschlag gemacht oder den Pfeil gelöst haben."

Vielleicht steckt aber doch noch mehr dahinter - Substantielles. Hans Joachim Stein schreibt in seinem erstmals 1985 erschienen Buch Die Kunst des Bogenschieβens - Kyudo (Zitat²): "Unsere Hilflosigkeit, Unausgeglichenheit und innere Unruhe beruhen zum gröβten Teil auf unseren lächerlichen Versuchen, unser Unzufriedensein mit immer neuen Äuβerlichkeiten zu ersticken (...). Die meisten Menschen sind (...) nicht in der Lage, sich das einzugestehen und sich nach dem zu richten, was sie eigentlich schon längst wissen: daβ (sic!) nämlich all diese oberflächlichen Zerstreuungen im Grunde zu nichts führen (...)". Das Geheimnis des Bogenschieβens lüften wir etwa Stein zufolge aus uns selbst heraus.

"Auch wir müssen Geld verdienen", sagt Handick, von Haus aus Geograph, "sonst könnten wir die riesigen Areale nicht betreiben. Aber bei uns geht nicht ums Reichwerden, sondern ums Auskommen, soweit es das Wirtschaftliche betrifft." Dabei werde dem Rechnung getragen, dass es in erster Linie "um die Menschen gehe, die zu uns kommen. Abgesehen von Schnupperkursen und Kindergeburtstagen, geht es bei uns intensiv zu. Volle Intro, jederzeit! Keine Abfertigung, wie man das ja auch schon mal bei anderen Anbietern erleben kann."

Ein Blick, ein kurzes Gespräch reiche Handick, sich ein Bild davon zu machen, ob ein Newcomer für diese Sportart das menschlich Notwendige mitbringen. Er lasse jeden erst mal den Bogen nehmen, nehme ihn so manchem aber auch schnell wieder aus der Hand. Bogenschieβen müsse man entdecken und dann aus innerem Bekenntnis betreiben.

Folgt man ihm und Gleichgesinnten, befindet man sich wahrscheinlich nicht weit entfernt von der universellen Spur des Geheimnisses vom Bogenschieβen.

¹ Fédération Internationale de Tir à l'Arc (Dach-/Weltverband des Bogenschieβens)

² Zitiert aus: Hans Joachim Stein: Die Kunst des Bogenschieβen - Kyudo. S. 81. Rowohlt Taschenbuchverlag, 1990.

© Uwe Goerlitz

© GeoWis (2007-06-11)

© Fotos/Abbildungen: GeoWis; Stephen Selby; American Archery Organisation

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