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"Mycket adrenalin"

Während Deutschlands Fußballfans und –experten sich nach dem 4:4 gegen die Tre-Kronor-Elf fassungslos die Haare raufen, feiert Schwedens Fußballwelt seine Helden von Berlin. Das Laisser-faire von Löw macht’s möglich.

Von Roman Siertes (2012-10-17)

Schwedens Sechser Rasmus Elm gab gegenüber der Tageszeitung Aftonbladet (Online-Ausgabe) einen Satz zu Protokoll, der es auf den Punkt bringt. Das sei das verrückteste Spiel, das er je erlebt habe. Elm schoss das 4:4 in der Nachspielzeit der zweiten Halbzeit. Zuvor trafen Zlatan "Ibra" Ibrahimovic (62.), Mikael Lustig (64.) und Johan Elmander (76.) für Schweden, nachdem es zunächst 4:0 für Jogi Löws Eleven geheißen hatte.

Die deutsche Elf hatte Schweden in der ersten Hälfte schwindelig gespielt und allen mitgereisten Blaugelben war klar, dass nach dem Spiel der heraufziehende Kummer nur noch in Alkohol hätte ertränkt werden können. Viermal konnte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel freuen, während ihr schwedischer Amtskollege Fredrik Reinfeldt neben ihr in Hoffnungslosigkeit versank.

Deutschland-Schweden WM-Qualifikationsspiel Berlin 2012"Sverige var chanslöst i första halvlek" (dt.: Schweden war in der ersten Halbzeit chancenlos), schreibt Aftonbladet. Niemand gab mehr auch nur einen Pfifferling auf Erik Hamréns Elf. Hätten sie so weitergespielt, wären womöglich die sprichwörtlichen Köpfe gerollt.

In der Pause habe es von Trainer Hamrén daher eine deftige Ansprache gegeben, wie neben Aftonbladet auch die Tageszeitung Dagens Nyheter (Online-Ausgabe) schreibt.

Was Jogi Löw in der Pause gesagt hat, ist (noch) nicht bekannt. Doch jeder, der sich mit Fußball ein wenig auskennt, dürfte wissen, dass ein Team mit Anspruch sich nicht abschlachten lassen will. Also machte Schweden Druck, kassierte aber erst mal das 4:0 durch Mesut Özil (55.). Danach begannen sich die Fehler im deutschen Team zu häufen.

Offenbar hatten die Schweden das Stellungsspiel der Löw-Elf endlich richtig interpretiert, vor allem das der Abwehr. Auf der linken Seite rackerte sich Kapitän Philipp Lahm (FCB) erfolgreich ab, der dort für den angeschlagenen Marcel Schmelzer (BVB) einsprang - Löw hatte sich in der Kürze der Zeit noch keinen adäquaten Ersatz schnitzen können.

Innen agierten der ungewohnt indisponierte Holger Badstuber (FCB) und der gewohnt lauffaule und staksige Per Mertesacker (Arsenal London); rechts sollte eigentlich Jerôme Boateng (FCB) die Knochen hinhalten. Alle drei Recken messen über 1,90 Meter, gewannen aber kaum einen Kopfball. In der Mitte waren Toni Kroos und Sebastian Schweinsteiger (beide FCB) zuständig für die erste Verteidigungslinie.

Hamréns Spieler erkannten, dass ihre Kontrahenten alle vorne mitspielen wollten. Was aus deutscher Sicht in der ersten Halbzeit noch gut funktioniert hatte, etwa bei Boateng, geriet in der zweiten zur Falle. Mit Pressing und einigen langen Bällen überwanden die Schweden die deutschen Abwehrreihen nahezu mühelos und schenkten Neuer (FCB), der einen rabenschwarzen Tag erwischte, aber keinen Ball, die Dinger ein.

Nach dem Spiel waren Löws Eleven - genauso wenig wie der Coach - nicht in der Lage, zu erklären, was in den letzten dreißig Minuten mit ihnen auf dem Platz geschehen war. Lediglich den Tenor, man habe nicht mehr alles gegeben, den berühmten Gang zurückgeschaltet, konnte, wer wollte, vernehmen. ARD-Experte Mehmet Scholl subsumierte, man könne das Spiel, insbesondere die zweite Halbzeit, künftig als Anschauungsmaterial verwerten.

Dazu aber bedürfte es zuvor einer Reflexion über die offenbar von Löw auf dessen Spieler übertragene Arroganz, mit der sie nach temporärer Dominanz und schnellen Toren spätestens in der zweiten Spielhälfte auftraten. Derartiges mag gegen Mannschaften aus den unteren Rängen der Weltrangliste funktionieren; gegen Teams, die - wie Schweden oder Italien - einen Ruf zu verlieren haben, schon mal robuster auftreten und die letzten Körner aus sich herausholen, um sich nicht vorführen zu lassen, kann diese Haltung - wie gesehen und geschehen - nach hinten losgehen.

Regelrecht gelebt und ins National-Team mitgebracht, wird diese überhebliche Haltung von Spielern des FC Bayern München. So stellt sich der vor noch nicht allzu langer Zeit bei Leverkusen zum Star avancierte, seit zwei Jahren beim FCB spielende Mittelfeldler Toni Kroos als Nöler dar, der unzufrieden ist, wenn er nicht in der Startelf steht, anstatt jedes Mal aufs Neue stolz darauf zu sein, dass er zum Kader gehört. Ähnlich angefressen ist der nahezu gleichaltrige FCB-Spieler Thomas Müller, wenn er nicht in der Startelf steht.

An beiden Youngsters lässt sich fast schon exemplarisch erkennen, wie infiziert sie von der beim FCB vorgelebten Chuzpe sind, stets mit Kleiderbügeln unter dem Trikot und mit Straußeneiern in den Shorts aufzutreten. Offenbar aber fehlt ihnen noch die Reife, den eingeimpften Arroganz-Habitus in München zu lassen, wenn sie mit Löw unterwegs sind. Gegen Schweden brachen die Kleiderbügel, die Straußeneier entpuppten sich als Taubeneier.

Kapitän Lahm, immer fleißig, und rhetorisch bewandert wie kein zweiter FCB-Spieler, mangelt es an Führungsqualität, weil er auf dem Platz nicht in der Lage ist, Ansagen zu machen. Die könnte man dann wenigstens von Sebastian Schweinsteiger erwarten, doch auch der um die Nationalelf verdiente Spieler vermochte dies im Spiel gegen Schweden nicht zu bewerkstelligen.

Sieben FCB-Spieler standen in der Startelf gegen Schweden, die nicht in der Lage waren, das kräftezehrende schnelle Spiel, wie es Löw mittlerweile vom BVB kopiert hat, neunzig Minuten durchzuhalten. Will Löw den ganz großen Erfolg, wird ihm nichts anderes übrig bleiben, als die FCB-Dominanz in der Nationalelf zurückzufahren. In der Liga gibt es genügend hervorragende und weniger selbstherrlich auftretende Spieler, die nominiert werden könnten.

WM-Qualifikationsspiel Deutschland-Schweden_Berlin-2012_VIPDie Länderspielbilanz gegen Schweden weist für deutsche Nationalmann-schaften in bislang 36 Begegnungen 15 Siege, 13 Niederlagen und acht Remis auf.

Zuletzt gelangen dem Drei-Kronen- Team vier Tore gegen ein deutsches A-Team am 31. März 1988 nach Elfmeter- schießen, ebenfalls in Berlin. Davor nur zweimal (4:1, 31.08.1924; 4:2, 5.10.1941).

Für die Blaugelben aus Schweden ist die Ehre daher groß, nachdem sie eine ihrer schrecklichsten ersten Halbzeiten gegen ein deutsches Team gespielt und dann ein fulminantes Remis erkämpft hatten. "Fran depp till glädje" (dt.: Vom Deppen zum Helden), heißt es auf Göteborgs Posten (Online-Ausgabe), die wie Aftonbladet und Dagens Nyheter Schlagzeilen und Kommentare aus deutschen Blättern übernommen hat. Etwa "Jogi, det var korkant" (dt.: Jogi, das war blöd!) von der Bild-Zeitung. "Mycket adrenalin" (dt.: Pures Adrenalin) sei das Spiel gewesen, sagte Jung-Star Tobias Sana, der bei Ajax Amsterdam kickt.

Am Ende jubelten nicht nur die schwedischen Spieler, deren Trainer, Betreuer und die mitgereisten Fans, sondern auch Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt, während Angela Merkel sich kaum noch rührte. Gar nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn die Nachspielzeit noch länger gedauert hätte.

© Roman Siertes

© GeoWis (2012-10-17)

 

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