GEOWIS Logo
GeoWis ONLINE-MAGAZIN
23. September 2018
Home |  Login | Kontakt | Verlag | Links   
Download-Archiv
eBook/eText Downloads
Science & Technology
Selected Portraits
Artikel & Reportagen
- Afghanistan
- Angola
- Argentinien
- Australien
- Austria
- Auto-Legenden
- Bangladesh
- Burma
- China
- Deutschland
- Dänemark
- EU
- Frankreich
- Georgien
- Griechenland
- Haiti
- Honduras
- Indonesien
- International
- Italien
- Japan
- Kuba
- Liechtenstein
- Literatur/Kunst/Musik/Medien
- Mexiko
- Niederlande
- Nigeria
- Paraguay
- Peru
- Polen
- Schweden
- Schweiz
- Serbien
- Spanien
Sport
- - Borussia Dortmund
- - EM 2008
- - EM 2012
- - WM 2014
- - WM-2010-Kolumne
- Syrien
- USA
- Venezuela
- Vietnam
- Zimbabwe
- Äthiopien
Deutsche Sprache
Meinungen
Musik
Rezensionen
Film
Interviews
Schnellsuche
 
Verwenden Sie Stichworte, um einen Beitrag zu finden.
Erweiterte Suche
Ankündigung

Kostenlose Downloads (Auswahl)

Demographie: Que sera, sera. The future's not ours to see. Die BBR-Bevölkerungsprognose in Konfrontation mit der Realität. Von Hansjörg Bucher und Claus Schlömer

Stefan Z. Dmochowski - The Olowo of Owo

Klaus von Bröckel - Djibouti: 18. März 1987

Lesetipps

Tourismus

Wohin geht die Reise? >>

Reisen im Geburtsland Makesis >>

China-Reportagen

Chongqing - Stadt im Nebel >>

Chongqings Altstadt Ciqikou >>

Carrefour in China >>

Diaoyucheng, Hechuan >>

Beijing by Bike >>

Der chinesische Traum 1 >>

Der chinesische Traum 2 >>

Der chinesische Traum 3 >>

Spanien-Reportagen

Paxe Ryanair, Iberia! >>

High Speed Tag und Nacht >>

Der Tod kommt zweimal >>

Tarragona - Baila conmigo >>

Málaga - Glut des Südens >>

Japan-Reportagen

Hakone >>

Hakone Open Air Museum - Im Reich der Skulpturen >>

Frankreich-Reportagen

Nizza - Zwischen Arm und Reich >>

Vence - Kultort der Kultur ... >>

Nizza - Champagner muss sein >>

Côte Basque - Saint-Jean-de-Luz >>

Mauerfall-Reportagen

"Ich werd' bekloppt!" >>

"Keine Ahnung, wie die lebten" >>

"Wir wollen die D-Mark!" >>

Weitere Beiträge:
Fußball-WM 2014 in Brasilien: Europäische Teams erfahren gegen lateinamerikanische ungeahnte Pleiten. Italien verliert gegen Costa Rica, England fliegt raus, afrikanische Team floppen
Fußball-WM 2014 in Brasilien: Experten, Top- und Geheim-Favoriten, Tiki-Taka, Pepe, Löws Eleven, Thomas Müller und Blabla. Spanien fährt nach einem 0:2 gegen Chile in Bälde nach Hause
Fußball-WM 2014, Brasilien: Löw und der DFB erweisen sich als Gralswächter des Konservativen, vor allem aber als Missversteher gewandelter Zeiten
2014, WM: Das 4:4 im WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland wird in Schweden gefeiert. Nie zuvor hatte das Tre-Kronor-Team eine Partie gegen Deutschland so gedreht. Ein Paradebeispiel für Willenskraft


Fußball-WM 2014 in Brasilien: Experten, Top- und Geheim-Favoriten, Tiki-Taka, Pepe, Löws Eleven, Thomas Müller und Blabla. Spanien fährt nach einem 0:2 gegen Chile in Bälde nach Hause
[1125]
wm2014_deu_por_trio_big.jpg

Indisponierte Iberer und unvorbereitete Experten

Portugal verlor mit 0:4 gegen Löws Eleven. Damit kam nach Spanien ein weiteres hoch gehandeltes Team in seinem Auftaktspiel böse unter die Räder. Ist die deutsche Elf nun schon wieder Top-Favorit, so wie auch Holland, das als erstes Team ins Achtelfinale einzieht? Und wozu brauchen wir Blabla-Experten?

Von Roman Siertes (2014-06-18)

Knapp zwölf Minuten hatte es gedauert, dann war die Elf von Portugals Trainer Paulo Bento aus dem Konzept. Thomas Müller verwandelte einen Elfmeter ins linke Toreck, nachdem Mario Götze ungeschickt gefoult worden war. Man muss so einen Elfmeter nicht geben. In der Bundesliga gibt es häufig ähnliche Szenen, doch nicht immer wird gepfiffen. Aber man kann ihn geben und das müssen die Spieler wissen, wenn sie jemandem im Strafraum ans Trikot gehen.

Das zweite Tor, geköpft von Mats Hummels, der offenbar Sergio Ramos Kopfballtore zum 1:0 und 2:0 gegen Bayern München im CL-Halbfinal-Rückspiel des vergangenen Mai genau studiert hatte, brachte Portugal auf die Verliererstraße. Pepe brachte es auf, zumal er es hätte verhindern sollen. Der ungestüme Pepe kassierte dann nach einem Foul an Thomas Müller die 12. rote Karte seiner Profi-Karriere, nachdem er dem am Boden sitzenden Überallstürmer eine Kopfnuss per Stirn verpasste. Gelb für Müller wegen seiner plötzlichen Stehaufmännchen-Qualitäten wäre dazu nicht ungerechtfertigt gewesen. Glück für Müller.

Selten aber hat sich eine portugiesische Nationalmannschaft bei einer WM so dämlich und desolat verhalten wie im Auftaktspiel der Gruppe G. Zur Halbzeit stand es folgerichtig 3:0 für Deutschland. In der zweiten Hälfte bemühte sich Portugal zwar noch 15 Minuten lang, dann aber resignierten die Jungs um den sich CR7 nennenden Cristiano Ronaldo.  Die deutsche Elf war an diesem Tag nicht zu bezwingen. Müller gelang in der 78. Minute das 4:0. Nie zuvor erlitt die portugiesische Auswahl eine solche Schlappe bei einer WM.

"Langes dünnes Müller", machte die Süddeutsche Zeitung in Anlehnung an den Bomber der Nation, Gerd Müller, ihre WM-Beilage auf. Dessen damaliger Trainer beim FC Bayern München, Zlatko 'Čik' Čajkovski titulierte ihn einst "kleines, dickes Müller". Die englische Times huldigte Thomas Müller, indem sie ihn mit CR7 verglich, und auf dessen perfekt gestyltes Haar und muskulösen Körper abhob, während Müller aussehe, als sei er gerade aufgewacht. Allein wegen der vielen Dichtereien, manche voller Häme, manche pure Poesie, lohnt sich ein großes Fußballturnier. Viel ist das angesichts der Bedeutung für Masse und Business dann aber doch nicht.

Portugal hat in diesem Spiel mit Hugo Almeida, Fabio Coentrâo und Pepe drei Leistungsträger verloren und dürfte es in den Spielen gegen die USA und Ghana schwer haben, zu gewinnen. Die taktische wie spielerische Fehlleistung gegen Deutschland wurde in der portugiesischen Presse entsprechend schonungslos behandelt. Verprügelt worden sei man, niedergewalzt, heißt es. Wie Spanien im Auftaktspiel der Gruppe B am Freitag, dem 13. Juni, gegen die Niederlande (1:5). Und? Nichts dazugelern, ließe sich hämisch entgegnen.

wm_2014_brasilien_espana_nederlande_geowisDie beiden iberischen Nationalteams, die sich nie etwas geschenkt haben, wurden ausgerechnet von zwei anderen Nationalteams vorgeführt, die ähnliche Rivalen im Weltfußball sind. Wer hätte das gedacht? Gerade von Spanien, das bei der WM 2010 in Südafrika mit seinem ermüdenden Tiki-Taka und fünf 1:0-Spielen, darunter im Halbfinale gegen Deutschland und im Finale gegen Holland, einen nervtötenden Minimalismus zelebriert und lediglich gegen Honduras ein 2:0 vollbracht hatte, damals sogar nur ein Gegentor beim 2:1 gegen Chile kassierte, hatten das die üblichen Experten nicht erwartet.

Trotz der überall in Deutschland geläufigen Redewendung Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei sind diese Experten, wie schon so oft, doch glatt davon ausgegangen, unter Trainer Vicente del Bosque und einigen mittlerweile in die Jahre gekommenen Altstars seien die Spanier gegen Louis van Gaals beinahe namenlose Elftal Favorit. Wie bereiten sich diese Experten eigentlich vor, bevor sie mit ihren Äußerungen an die Öffentlichkeit gehen?

Lassen sie sich lediglich in der Maske ein bisschen pudern und vertrauen auf ihre Erfahrung als Ex-Fußballer? Tippen sie wie Schreibsklaven auf die Schnelle irgendeinen abgestandenen Driet ein, um nur schnell online oder in Druck zu gehen? Zumindest die TV-Experten werden üppig honoriert. Da darf man erwarten, dass sie auch vernünftige Arbeit abliefern. Dazu gehört nun mal die intensive Beschäftigung mit den Mannschaften der Begegnungen, zu denen sie ihre Einschätzung abgeben sollen. Während der Anspruch der Medienbranche an die Nationalelf enorm ist, legt sie sich selbst die Hürde niedrigestes Niveau. das ist peinlich.

Spanien hat nun auch im Negativen WM-Geschichte geschrieben, indem es sich von Holland hat demütigen lassen. Van-Gaals Elftal hat eindrucksvoll demonstriert, wie man das Ballgeschiebe der Spanier ratzfatz ad absurdum führen kann. Und? Auch in Südafrika 2010 hatten die Holländer gute Spiele gezeigt, die Vorrunde mit drei Siegen beendet, im Achtelfinale die Slowakei, im Viertelfinale Brasilien und im Halbfinale Uruguay geschlagen. Jetzt aber mühten sie sich gegen die wackeren Australier ab, gewannen nur knapp mit 3:2.

Löws Eleven fegten in ihrem ersten Spiel in Südafrika die Känguruhs mit 4:0 vom Platz, verloren dann aber 0:1 gegen Serbien und gewannen knapp mit 1:0 gegen Ghana. Erst gegen England zeigten sie eine Gala, begünstigt durch einen teils blinden Schiedsrichter, der ein Tor für die Briten nicht gab, obwohl der Ball einen halben Meter hinter Linie war. Gegen Argentinien gelang den Deutschen dann ein weiteres Bravourstück , indem sie die Gauchos mit 4:0 genauso blamierten wie am vergangenen Montag Portugal. Gegen Spanien schaute sie sich das Tiki-Taka mehr an, als das sie es klever überlistete.

Das Weiterkommen der Löw-Elf, davon ist auszugehen, soll gegen Ghana gesichert werden, denn gegen die USA dürfte es schwierig werden. Klinsmanns Truppe ist zwar von der spielerischen Qualität nicht vergleichbar mit der deutschen, aber der Trainer der US-Boys ist mit Sicherheit ein besserer Motivator als Löw. Und er zeigt dabei etwas, was die US-Amerikaner - bis auf Brasilien-Fan Kobe Bryant - sehr schätzen: Emotionen.

wm2014_usa_ghana_in_opposition_to_kobe_bryantTop-Favorit ist Deutschland zwar bei den Buchmachern und den so genannten Experten. Schland-Euphorie. Dabei traten Löws Eleven gegen eine portugiesische Elf an, die an jenem 16. Juni 2014 in etwa das Niveau von Armenien an den Tag legte und völlig indisponiert war. Geheim-, Top- oder sonstige Favoriten, die gebräuchlichen Attribute, die immer dann herangezogen werden, wenn kaschiert werden soll, dass nicht klar ist, wer gewinnt, sind professionelles Blabal.

Fußball-WM ist Big Business. Brasilien soll wohl Weltmeister werden (stieß aber im Spiel gegen Mexiko an seine bislang spielerischen Grenzen). Insofern ist irrelevant, wie heiß es am Spielort ist, wie hoch die Luftfeuchtigkeit, wie laut des Nachts, wie schwer der Gegner oder wie gut die Taktik. Auf die Schiedsrichter kommt es an. Und natürlich auf den Häuptling, Sepp Blatter.

Es ist immer der Chef, der das Geschehen bestimmt. Das lernt man doch schon in der Kinderstube. Das gehört zum gesellschaftlichen Basiswissen. Der Fußball ist da nicht "out of space". Sepp Blatter, der löchrige Schweizer Käse im System Weltfußbal, unterscheidet sich von Konzernlenkern lediglich dadurch, dass er sich keiner Entlastung stellen muss. Umso mehr ähnelt er einem Diktator. Denen erging es am Ende stets schlecht.

Spanien ist in seiner Entwicklung stehen geblieben, Tiki-Taka ist Vergangenheit. Gegen Chile, als "Endspiel" von den Sportmedien dieses Landes und deutscher Medien eingestuft, sowie von den noch weiterbildungsresistenten Honorar-Moderatoren deutscher TV-Sender, brachte die Del-Bosque-Truppe erstaunlich nichts zustande und darf mit einem 0:2 die Heimreise antreten.

Tika-Take kann zwar immer noch nicht jede Elf, ist aber von so ziemlich allen ernstzunehmenden Fußballnation entlarvt. Tiki-Taka war gestern. Nur Vicente del Bosque, möglicherweise auch Pep Guardiola, scheint den Schuss noch nicht gehört zu haben. Wie auch manch so genannte Experten. Auf Welt Online heißt es am Abend: "Chile schießt schwache Spanier sensationell aus dem Turnier." Jau, supertraurig. Sensationell!

Deutschland trifft in seinem zweiten Gruppenspiel auf Ghana - auch ein so genanntes Endspiel, allerdings für Ghana. Portugal erwartet - natürlich ein Endspiel für CR7 - die Klinsmann-Elf. Lauter Endspiele in der Vorrunde. Wow! Ich dachte immer, bei einer Weltmeisterschaft gibt es nur eins.

© Roman Siertes

© GeoWis (2014-06-18)

Anzeige