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Le Fou

UEFA-Präsident Michel Platini hat die Fußball-EM 2012 nach Polen und in die Ukraine vergeben und ist nun darauf angewiesen, dass sie insbesondere in der Ukraine reibungslos über die Bühne geht. Von Korruption will er nichts wissen.

Von Oxana Nold (2012-04-19)

Wenn am 8. Juni in Warschau die Fußballeuropameisterschaft 2012 beginnt, können sich all jene, die daran organisatorisch und finanziell beteiligt sind, erst mal gemütlich zurücklehnen. Zuallerst der fett gewordene ehemalige französische Nationalspieler Michel Platini, der 1984 mit dem französischen Nationalteam die Europameisterschaft gewann.

Der zeitweise als Nationalheld Verehrte schlug sich danach noch recht gut bei der Fußball-WM 1986 (Mexiko), scheiterte aber als Trainer der Equipe Tricolore an der Qualifikation zur WM 1990 (Italien) und fuhr mit ihr bei der EM 1992 (Dänemark) bereits nach der Vorrunde wieder nach Hause. Platini war damals gerade 37 Jahre alt, doch statt seine Trainerlaufbahn im Vereinsfußball fortzusetzen, verlegte er sich aufs Verbandswesen und war Organisator der WM 1998 im eigenen Land. Frankreich holte den Titel.

Wenn man keine Lust mehr aufs Trainergeschäft hat, dem Fußball aber einkommensorientiert verbunden bleiben möchte, muss man ins Verbandswesen gehen, am besten ins nationale oder internationale. Platini hat das - besser und rigoroser als sein langjähriges deutsches Pendant, Franz Beckenbauer - getan und ist nach seinen Funktionen in der FIFA im Januar 2007 nach einer Kampfabstimmung gegen den damaligen UEFA-Chef Lennart Johansson zum Chef der UEFA aufgestiegen.

Drei Monate später - am 18. April 2007 - wurde unter seiner Regie die EM 2012 an Polen und die Ukraine vergeben, und so manche Fachleute fragten sich: Aus welchen Gründen? Polen war damals von den Kaczynski-Twins beherrscht, die Ukraine vom Moskau-hörigen Viktor Janukowytsch, der allerdings zwischenzeitlich seine Macht an Julija Timoschenko verlor, die alsdann dem System zum Opfer fiel und im Knast sitzt. Von Platini ist bisher nichts darüber bekannt geworden, dass er sich für sie eingesetzt hätte.

Er scheint die überkommene Floskel zu beherzigen, Fußball habe nichts mit Politik zu tun, ohne öffentlich anzunehmen, dass - gerade in Ländern mit bescheidenem Entwicklungsstand, defizitärem Demokratieverständnis und hohem Korruptionsgrad - Fußball sehr wohl die Politik berührt. Gerade dann, wenn die Politik von Oligarchen und willfährigen Akteuren dominiert wird. Wie in der Ukraine.

Platini schert das nicht. Er zeigte sich erst kürzlich - am 12. April - gut gelaunt mit Janukowytsch in Lwiw, dessen Fußballklub Lwiw Karpaty dem Medienunternehmer Petro Deminski gehört. Dass auch andere Fußballklubs in der Ukraine Oligarchen gehören, etwa Dnjepr Dnjepropetrowsk (Igor Kolomojskij), Dinamo Kiew (Grigori Surkis) oder Schachtar Donezk (Rinat Achmetow), kann man in Olaf Sundermeyers Artikel "Im Abseits" in der April-Ausgabe des Fachmagazins Journalist nachlesen.

In Deutschland steht für dieserart Oligarchentum Dietmar Hopp, der den Bundesligisten 1890 Hoffenheim mit Millionen von Euro unterstützt und sich herausnimmt, gleich noch fulminant mitzubestimmen. Auch die Werksklubs aus Leverkusen und Wolfsburg können in dieser Kategorie untergebracht werden.

 An Michel Platini aber kommen sie alle nicht heran. Der feiste Franzose nimmt keine Rücksicht darauf, ob sich Oligarchen in der Ukraine mit der EM 2012 die Taschen vollmachen, den Bauarbeitern Hungerlöhne für die Errichtung der Infrastruktur gezahlt werden oder im Süden von Laos Reis verrottet. Platini interessiert sich für die Einnahmenseite, und die wird stimmen.

Bereits im April 2009 bemängelte BBC News den hohen Korruptionsgrad im ukrainischen Fußball und wies darauf hin, dass der ehemalige Präsident des FC Tavriya Simferepol, Viktor Karasev, sieben Jahre Knast aufgebrummt bekam und systematisch Spiele vor allem in der 1. Liga verschoben würden. Die Vorwürfe reichen von Schiedsrichter- bis Spielerbestechung. Der Einfluss auf die UEFA-Wettbewerbe kann dabei von Bedeutung sein.

So müssen sich jene europäischen Liga-Klubs, die nicht im Verdacht von Spiele-Manipulationen stehen, ein ganzes Jahr lang abkämpfen, um in einen der UEFA-Wettbewerbe zu gelangen, während etwa ukrainische Klubs auf offenbar ominöse Weise dahin gelangen, weil statt sportlichem Wettbewerb der oligarchische herrscht. 2009 gewann Schachtar Donezk sogar die Europaleague-Trophäe.

Der Wettkampf ukrainischer Fußball-Oligarchen, die häufig auch Besitzer regional und überregional erscheinender Medien sind, herrscht vor dem sportlichen. Es geht um viel Anzeigengeld und ums Prestige. Um noch mehr Geld aber geht es bei der Euro 2012, das nicht zu allererst mit Anzeigen gemacht wird. Die große Börse liegt in der Realisierung der Infrastrukturprojekte. Im Stadionbau, im Straßenbau, in der Errichtung und Modernisierung von Hotels, in der Erweiterung und im Neubau von Umspannwerken, und so weiter.

In einer Konferenz vom 15. März 2012 stellte der Präsident der Professionellen Fußballliga, Miletiy Balchosa, laut der Organisation Human Rights Public Movement Russian-speaking Ukraine fest, dass im ukrainischen Fußball "extreme Korruption" herrsche. Mancher Politiker forderte - an Ausländer gerichtet - inzwischen sogar den touristischen Boykott der EM. Der deutsche Außenminister, für Sport nicht zuständig, widersprach Boykottbestrebungen.

Während manche Offizielle sich noch in Sprechblasen üben, haben die Quartierbeauftragten der an der EM teilnehmenden Mannschaften schon längst die Konsequenzen gezogen. 13 der 16 Teams haben ihre Vier- und Fünf-Sterne-Unterkünfte in Polen gebucht. Deutschland in Danzig (Dwer Oliwski), Dänemark in Kolberg (Marine), Spanien in Gnewin (Mistral Spa), Portugal in Opalenaia (Remes), Tschechien in Breslau (Monopol), Russland (Meridien-Bristol), Griechenland (Warszawianka) und Kroatien (Sielanka) im Großraum Warschau, die Niederlande (Sheraton), Italien (Turowka) und Großbritannien (Stary) im Krakauer Raum, Irland in Zoppot (Sheraton).

Nur drei Teams wagen es, sich im wilden Osten Europas, der Ukraine, einzuquartieren. Die mutigen Schweden, Frankreich und die Ukraine. Eine verhehrende Erkenntnis für UEFA-Chef Platini und ein Desaster für die ukrainischen Organisatoren, zeigt die Quartierbuchung doch deutlich, dass man wenig Vertrauen in die Sicherheit in diesem Land hat. Warum sollten ausländische Touristen mehr Vertrauen haben?

Für Platini wird diese EM zur Nagelprobe. Das von ihm angeführte Exekutivkomitee, in dem manches Mitglied schon seit Jahrzehnten sitzt, etwa der Türke Senes Erzik, und es sich bequem gemacht hat, misst den Erfolg zwar zu allererst an den Einnahmen, aber zu schlechte Presse, ein zu schnelles Ausscheiden der Gastgeberländer oder gar kriminelle Vorfälle größeren Ausmaßes würden Platinis UEFA-Vorsitz beenden. Er wäre - wenn er nicht schon als solcher bezeichnet werden könnte - der Narr. Die alten Säcke aber blieben auf ihren Posten.

© Oxana Nold

© GeoWis (2012-04-19)

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