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Phrasen über Phrasen

Die EURO 2012 ist gerade einmal vier Tage alt und hat bereits viele Experten aus der Sportberichterstattung überrascht.

Von Roman Siertes (2012-06-11)

Vor Beginn der Fußballeuropameisterschaft in Polen und der Ukraine waren sich beinahe alle hiesigen Sportberichterstatter einig, dass Per Mertesacker in der deutschen Innenverteidigung im Spiel gegen Portugal stehen würde, nachdem der Dortmunder Mats Hummels im Testspiel gegen die Schweiz (3:5) keine allzu gute Figur gemacht hatte und Mertesacker beim 2:0 gegen Israel zumindest die ganz großen Patzer vermied.

Kaum jemand kam auf die Idee, dass Bundestrainer Löw Hummels längst für die Startelf gesetzt haben könnte und nur noch sehen wollte, wie unfit Mertesacker sei. Umso größer war dann die "Überraschung" (Spiegel Online), dass der 20-Millionen-Verteidiger vom BVB dann gegen Portugal von Beginn an spielte und jene Leistung brachte, die ihn in der vergangenen Saison mit dem BVB das Double holen ließ.

Ähnlich überrascht gab sich der offenbar auf ausgelatschen Pfaden umherirrende schreibende und talkende Fußball-Mainstream, als Jérôme Boateng - zuvor von Löw öffentlich wegen nächtlicher Vergnügungen gerügt und immer für eine Rote Karte gut - in der Startelf stand und dann auch noch Cristiano Ronaldo weitgehend neutralisierte. Zwar ging Löws Plan, Lahm auf Links für entscheidende Impulse nach vorn sorgen zu lassen, nicht auf, weil der Kapitän eines seiner schlechteren Spiele ablieferte, aber die Verteidigungskette Boateng-Hummels-Badstuber stand.

Wie auch das Mittelfeld weitgehend stand, was allerdings weniger gewollt war. Hier zeigten Mesut Özil, Lukas Podolski, Thomas Müller und Sebastian Schweinsteiger so wenig Kreativität wie selten zuvor in Länderspielen, während Sami Khedira sich pausenlos mannschaftsdienlich abrackerte und unter Beweis stellte, dass er zu Recht bei Real Madrid spielt.

Wer dachte, dass der Bundestrainer nur Spieler aufstellt, die hundertprozentig fit seien, wurde insbesondere durch Müller und Schweinsteiger eines Besseren belehrt, und blickte sehnsüchtig auf die Ersatzspielerbank. Von dort aus durfte die Kreativabteilung - Schürrle, Götze, Reus - genüsslich beobachten, wie die Kollegen sich erfolglos bemühten.

Letztlich lieferte die Löw-Elf ein mäßiges Spiel ab, das nichts mit jenem Fußball zu tun hatte, der unter Klinsmann und ihm 2005 eingeleitet worden war und bis zum Ende der Qualifikation für diese EURO (zehn Siege in zehn Spielen) angedauert hatte. "Hauptsache drei Punkte", lautete der Tenor. Aber will man als Fußballfan, vor allem als einer, der für teuer Geld Tickets erstanden und die Reise in den wilden Osten auf sich genommen hat, Krampffußball aus der Jahrtausendwende sehen? Wohl eher nicht.

 Ähnlich dürfte es sich bei den polnischen Fans verhalten. Zwar zeigte ihr Nationalteam in der ersten Halbzeit gegen Griechenland ansatzweise ihr Potential, hörte aber in der zweiten damit auf und lud Griechenland dazu ein, in der Post-Rehakles-Ära endlich mal Angriffsfußball zu spielen. Was viele Experten überraschte. Die hatten für das zweite Spiel in Gruppe A selbstverständlich Tschechien als "Geheimfavorit" auf dem Spickzettel - wie immer.

Dass Russland - damals noch als Sowjetunion - den Titel 1960 gewonnen hatte und danach dreimal im Finale stand (1964 gegen Spanien, 1:2; 1972 gegen Deutschland, 0:3; 1988 gegen die Niederlande, 0:2) und für das aktuelle Turnier eine hervorragende Mannschaft aufbietet, schien vor Beginn der EURO keinem deutschen Sportjournalisten so richtig klar gewesen zu sein. Nachdem die Elf Tschechiens mit 4:1 geradezu vorgeführt worden war, war das Erstaunen unter der Expertenschaft groß - unter Fußballkennern nicht.

Die eingeübten Floskeln mussten auch nach dem Spiel der Elftal gegen das Danish Dynamite in den Orbit bunter Fußballweisheiten katapultiert werden. Das Oranje-Ensemble, sozusagen die Elitetruppe des europäischen Fußballs, wenn es um die Qualitäten eines jeden Mitglieds geht, ist schlicht keine Mannschaft. Es ist eine Ansammlung von egoistischen, bei europäischen Top-Klubs unter Vertrag stehenden Stars, in der keiner dem anderen auch nur ein Jota Vorteil gönnt. Das weiß man von van Persie und Huntelaar, von Robben, Heitinga und Kuit.

Bei den Dänen sieht es völlig anders aus. Im Spiel gegen die Niederlande präsentierten sie sich als Mannschaft und wurden durch das Glück des Tüchtigen belohnt. Deutschlands reportierende Fußballexperten aber hatte das Team von Morton Olsen als Kanonenfutter auf dem Zettel. Dabei ist es noch nicht so lange her, als die dänische Elf Portugal mit 2:1 besiegte (Oktober 2011) und Michael Krohn-Dehli damals das Führungstor schoss.

Von ARD-Mann Reinhold Beckmann (mit dem Fußballweisen Mehmet Scholl als Experten) bis zur ZDF-Frau Kathrin Müller-Hohenstein (mit Titan Oliver Kahn als Sowohl-als-auch-Experten) wurden bislang alle "Top-Favoriten" für den Titel benannt, wobei der Top-Top-Favorit natürlich Spanien sei. Die Steigerung der Steigerung heißt Abstieg. Und der kann bekanntlich schmerzhaft sein. Fragt sich nur, für wen?

 Jedenfalls hat das Team von Vicente del Bosque, amtierender Welt- und Europameister, im Spiel gegen Italien feststellen müssen, dass die zuvor kaputtgeschriebenen Italiener überhaupt nicht daran dachten, sich von einer Elf ohne Stürmer zum Narren halten zu lassen und ihr auf ansehnliche Weise Paroli geboten. Plötzlich - Überraschung! - gilt Italien wieder als Mitfavorit unter den Top- und Top-Top-Favoriten. Wer hätte das gedacht?

Und wie geht es weiter? So, wie bisher. Mit Phrasen über Phrasen. Wenn Löws Elf gegen die niederländische spielt, wird der bereits in Umlauf gebrachte Begriff "Endspiel" bis zum Erbrechen im Sprach-Repertoire der Berichterstatter auf Leser und Hörer niederprasseln. Wenn Dänemark gegen Portugal spielt, werden sämtliche gegen die Dänen und für die Portugiesen parat liegenden Klischees hervorgeholt.

Flippt man die Einschätzungen sämtlicher prominenter journalistischer Fußballweisen und die der als Co-Moderatoren im Bild stehenden Ex-Profis, so holt Spanien den Titel. Oder Deutschland. Auch die Niederländer wären mal wieder dran. Klar, die Italiener müsse man nun auch auf der Rechnung haben. Nicht zu vergessen - die Polen. Spielen ja im eigenen Land. Laurent Blancs Franzosen, die inzwischen neben den Engländern zu den Mitfavoriten gehören, können den Titel ebenso holen. Braucht man für ein solches Wischi-Waschi Experten?

Wenn am Ende Russland Europameister werden sollte, wird man wohl von einer haushohen Überraschung sprechen. Jedenfalls unter Experten.

© Roman Siertes

© GeoWis (2012-06-11)

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