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Von Robotern und Menschen

Die EM 2012 ist vorbei. Spanien hat den Titel geholt. Doch hinterlässt das Fußballspektakel den Eindruck, als sei es vor allem eines gewesen: eine überwiegend langweilige Show.

Von Roman Siertes (2012-07-03)

Keine Frage: Spanien hat im Finale der Fußballeuropameisterschaft 2012 seinen Gegner Italien mit 4:0 geradezu deklassiert. Gegen die nahezu roboterhaft aufspielenden und dazu noch weitgehend stürmerlos stürmenden Kicker von der iberischen Halbinsel hatten Pirlo nazionale und dessen Kameraden kaum eine Chance, zumal die Squadra Azzurra ab der 61. Minute nur noch mit neun Feldspielern auskommen musste, nachdem Trainer Prandelli kurz zuvor mit Thiago Motta den dritten Einwechselspieler aufs Feld geschickt hatte, der dann verletzungsbedingt ausfiel.

 Nach dem vierten Tor, geschossen von Juan Mata nach Vorlage von Fernando Torres, schaltete die Truppe von Trainer Vicente del Bosque, die vom überragenden Regisseur des spanischen Spiels, Andrés Iniesta, angeführt wurde, gnädigerweise einen halben Gang zurück, um die Italiener nicht vollends zu blamieren. 4:0, das höchste Endspielergebnis seit der Einführung dieses Wettbewerbs (1960), war deutlich genug. Offenbar hatte del Bosque die Kritik spanischer Medien ernst genommen, deren Tenor lautete, Spanien liefere ungeachtet des Erfolgs ein allzu langweiliges Spiel ab.

Wer gehofft hatte (wie der Verf. dieses Beitrags), Italien sei nach dem Sieg über die Löw-Elf in der Lage, die Spanier zu besiegen, der wurde am 1. Juli 2012 eines Besseren belehrt, wenn er Zeuge des geradezu fulminant aufspielenden alten und neuen Europameisters war. Respekt! Als wäre die Iñiesta-Equipo von einem anderen Planeten zum Finale angereist, spielte sie die Pirlo-Elf an die Wand. Wie Roboter, bei denen der Schalter von zuvor Effizienz und Kurzpassstaffetten auf rigorsen Angriff umgelegt worden wäre.

Für Freunde des Konjunktivs stellt sich die Frage, wie Deutschland im Finale gegen Spanien abgeschnitten hätte. Sofern die Konjuktivisten auch den Indikativ nicht vollends auschließen, darf man sagen: Null Chance für Löws Elf gegen die iberischen Fußballroboter.

Spanien hat nun binnen vier Jahren drei internationale Titel eingefahren und als erste Nationalelf einen EM-Titel erfolgreich verteidigt. Hut ab! Auf der Haben-Seite stehen mittlerweile drei EM-Titel (1964, 2008, 2012) und ein WM-Titel (2010). Damit schließen die Iberer langsam zu den ganz Großen mit internationalen Turniererfolgen auf, namentlich zu Brasilien (fünf WM-Titel), Italien (vier WM-Titel, zwei EM-Titel) und Deutschland (je drei WM- und EM-Titel).

Wie war die EM?

Für die Ausrichter Polen und Ukraine kann man das Turnier als Image-Erfolg verbuchen, für die UEFA als Goldesel und für die Realisatoren, etwa die an der Infrastruktur beteiligten Bauherren und eine Riege von Amtsträgern und Funktionären, als Segen. Vielfach aber war es eine EM der unerfüllten Erwartungen.

So vergeigten die Niederländer ihre Auftritte genauso wie die Franzosen, Polen, Schweden und Tschechen. Mitreißende Spiele waren Mangelware, und selbst die der Deutschen waren nicht überzeugend, weil Leistungsträger nicht zu ihrer Form fanden, das Trainergespann dennoch an ihnen festhielt.

 Die Squadra Azzurra, jenes Team, dem vor Beginn der EM kaum ein Experte Chancen auf das Überstehen der Vorrunde eingeräumt hatte, bot trotz der Finalniederlage überzeugenden Fußball und hat der Welt gezeigt, dass der jahrzehntelang praktizierte Catenaccio erfolgreich von Trainer Prandelli begraben wurde.

Hinsichtlich des Wettbewerbs muss also konstatiert werden, dass das spielerische Niveau überwiegend mäßig war. Wie auch das der Schiedsrichter. Der ukrainischen Elf wurde ein eindeutiges Tor im Spiel gegen England trotz Torlinienrichter nicht gegeben, wodurch die Boniek-Elf das Weiterkommen verpasste.

Nicht zuletzt wegen solcher Fehlentscheidungen wurde der Ruf nach dem Videobeweis wieder laut, wobei es den auf den Mega-Leinwänden bereits gibt, allerdings ohne Revidierungsanspruch. Doch der Videobeweis für Tor oder nicht Tor hilft nicht weiter, wenn an anderer Stelle auf dem Platz nicht genau hingeschaut wird.

Der deutsche Schiedsrichter Wolfgang Stark, vor Wochen noch auf eine harte Probe im Relegationsspiel Fortuna Düsseldorf versus Hertha BSC gestellt, bot eine peinliche Vorstellung im Spiel Kroatien gegen Spanien. Er verpfiff das Spiel zu Gunsten der Spanier, indem er Kroatien einen Elfmeter vorenthielt, nachdem Sergio Ramos den Kroaten Mario Mandzukic im Strafraum gefoult hatte.

Ähnlich übel stießen während des Spiels eingepflegte Bilder auf, von denen der Zuschauer außerhalb des Stadions annehmen musste, sie seien live. Eine weinende Düsseldorferin etwa im Spiel Deutschland gegen Italien. Für Zuschauer von ARD und ZDF wurden die Experten-Teams - wahlweise Katrin Müller-Hohenstein (KMH)/Oliver Kahn, Reinhold Beckmann/Mehmet Scholl - und die thematischen Plapperrunden Waldis Club und Markus Lanz zudem zur Geduldsprobe.

Bei Selbstdarsteller Lanz traten mehrfach die gleichen Leute auf - Lothar Matthäus und Andrea Kaiser, Gattin von Ex-BVB-Profi Lars Ricken -, um immer wieder die gleichen Platitüden von sich zu geben. Wie in Waldis Club, wo Fredi Bobic, Handballikone Stefan Kretschmar und als Dauermöbel der offenbar unvermeidliche Matze Knop Wortbeiträge brachten, die überwiegend so gehaltvoll wie ein Sack abgestandene Luft waren.

Ausblick

Fußball bis zur Sättigungsgrenze könnte es bei der EM 2016 in Frankreich geben, wenn 24 Teams antreten und 51 Spiele in vier Wochen bestreiten werden. Gegenüber 1972, als die Endrunde aus vier Teams bestand, ist das eine Versechsfachung, gegenüber 1996 eine Verdreifachung. Auf jeden Fall hätten dann so gewichtige Fußballnationen wie Malta, Luxemburg, Andorra, Moldawien oder Zypern eine Chance, in eine der sechs Gruppen zu gelangen.

 Wird für die EM in Frankreich noch Wert darauf gelegt, der Umwelt Rechnung zu tragen, indem man laut UEFA-Outlet auf emissionsarme Transportmittel zurück-greifen solle, kann man das für die darauf folgende EM getrost vergessen, sobald sich die Idee von UEFA-Chef Platini durchgesetzt hätte, ab 2020 EM-Spiele in mehreren europäischen Ländern auszutragen. Platini äußerte, dass angesichts der Verfügbarkeit von Billigflugangeboten das Reisen für Fußballfans kein Problem sei.

Funktionäre gerade in ost- und südeuropäischen Ländern dürften von Platinis Idee begeistert sein, verheißt sie doch ungeahnte Vorteile für sie. Ausgerechnet der Mann, der Fußball unbedingt von Politik trennen will, macht selbst Politik. Zum Beispiel in der Stadtentwicklung, auf die die Vergabe von Austragungsorten unmittelbaren Einfluss hat. Derartige Feinheiten interessieren Platini, der dann 65 Jahre alt ist, hingegen schon jetzt aussieht wie seine eigene Karikatur, bestenfalls am Rande. Wichtig ist ihm nur, dass keine unschönen Bilder in die Wohnzimmer gelangen.

Gleiches hat auch FIFA-Patriarch Sepp Blatter im Sinn, wenn die WM 2014 in Brasilien stattfindet. Das BRIIC-Land¹, in dessen Metropolen es ähnlich grausam und kriminell zugeht wie in denen Südafrikas oder Mexikos, wird sich von seiner besten Seite zeigen. Man darf gespannt sein, ob die übertragenden Sender Kamera-Teams in die Favelas, das Pantanal oder das von Abholzung geprägte Amazonasgebiet schicken werden.

Von den zwölf Austragungsorten liegen zwei in ökologischen Großregionen: Manaus (ca. zwei Millionen Einwohner) am Rio Negro und Amazonas, Cuiabá (ca. eine Mio. Ew.) am Rande des Pantanal, das eines der weltgrößten und artenreichsten Sumpf- und Feuchtgebiete ist und unter Naturschutz steht.

War die EM 2012 bereits eine Herausforderung für Fußballanhänger, indem sie reichlich Kilometer fressen mussten, werden WM-Touristen 2014 mit völlig anderen Dimensionen umzugehen haben. Brasilien ist mit gut 8,5 Millionen Quadratkilometern das fünftgrößte Land der Erde und damit fast so groß wie der europäische Halbkontinent bis zum Ural. Von São Paulo nach Fortaleza sind es auf dem Landweg beispielsweise 2.400 km (Flug: ca. drei Std.), von Recife nach Manaus 5.700 km (Flug: ca. sieben Std.). Wohl dem, der gerne reist!

Für die WM 2014 gelten die Spanier erneut als so genannter Top-Favorit auf den Titel - neben den europäischen Top-Teams Italien (Qualifikationsgruppe B) und Deutschland (Gruppe C). Und natürlich neben den südamerikanischen Schwergewichten Argentinien, Uruguay, Chile, deren Qualifikation bereits im Gang ist, und dem Ausrichter Brasilien. La roja, wie die spanische Elf im eigenen Land genannt wird, dürfte es dann nicht mehr so leicht haben wie bisher.

¹ BRIIC-Länder: Brasilien, Russland, Indien, Indonesien, China.

© Roman Siertes

© GeoWis (2012-07-03)

 

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