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EM 2008: Türkei im Halbfinale - gescheitert
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Helden von Wien und Basel

Nach dem Elfmeterkrimi im Viertelfinalspiel zwischen Kroatien und der Türkei steht die Mannschaft von Trainer Fatih Terim erstmals im Halbfinale einer Fußball-EM.

Von Jochen Henke (2008-06-21); Update (2008-06-26) siehe unten.

118 Minuten lang war es ein müder, leidenschaftsloser Kick, den beide Mannschaften gestern abend imErnst-Happel-Stadion zu Wien ablieferten. Dann aber gab es Fußball kurios. Erst schoß Ivan Klasnic das 1:0 in der 119. Minute, drei Minuten später glich der 25-jährige Semih Sentürk von Fenerbahce Istanbul zum 1:1 aus.

 Das darauffolgende Elfmeterschießen brachte das ganze Dilemma des technokratischen Spiels der kroatischen Nationalmannschaft zum Ausdruck.

Der hochgehandelte Mittelfeldspieler Luka Modric (22) von Dinamo Zagreb verschoß ebenso wie Ivan Rakitic (20) vom FC Schalke 04. Mladen Petric (27), außer Form geratener Stürmer bei Borussia Dortmund scheiterte an Torwart Rüstü Recher (35), der bei Besiktas Istanbul sein Geld verdient.

Ausgerechnet Rüstü, der bei der Weltmeisterschaft in Japan/Korea 2002 mit seiner Mannschaft Dritter wurde, inzwischen aber bei Trainer Terim nur zweite Wahl hinter Volkan Demirel ist, avancierte zum Helden von Wien. Mit bis dahin 115 Länderspielen auf dem Buckel gilt er als der erfahrenste Spieler in der türkischen Nationalmannschaft. Sein 116. macht ihn nun unsterblich in der Türkei.

Diese 13. Europameisterschaft seit 1960 bedeutet für die Türkei den bisher größten Erfolg seit der WM 2002. Zehnmal schaffte sie die Qualifikation nicht; 1996 scheiterte sie in der Vorrunde; 2000 verlor sie im Viertelfinale mit 0:2 gegen Portugal.

Daß am kommenden Mittwoch im Halbfinale gegen Deutschland Schluß sein könnte, glaubt niemand der türkischen Fußballfans. Dabei spricht vieles für eine Niederlage. In bisher 17 Begegnungen beider Nationalmannschaften ging die Türkei elfmal als Verlierer vom Platz. Dreimal trennte man sich mit einem Unentschieden. Auch die Torebilanz fällt mit 10:40 ernüchternd aus.

Die Türken ficht das nicht an. Zum Drittenmal hat ihre Mannschaft ein Spiel umgedreht. Im Fußball nennt man so etwas Moral; oder Kampfgeist; oder das Glück der Tüchtigen. Tatsächlich dürften es genau diese Attribute sein, vor denen das deutsche Nationalteam auf der Hut sein sollte.

 Träte es ähnlich auf wie gegen Portugal, nützten den Türken all diese Eigenschaften nichts. Verfiele das normalerweise mit breiter Brust auf den Platz gehende Löw-Team hingegen wieder in den ergebnisorientierten Verwaltungsfußball, wie es ihn gegen Kroatien und teilweise auch gegen Österreich dargeboten hatte, dürfte die Türkei obsiegen und ins Finale einziehen.

Das deutsche Team müßte gewarnt sein und die Zeichen der Zeit richtig verstanden haben. Denn mit dem Ausscheiden der kroatischen Mannschaft aus diesem Turnier verabschiedete sich einer der letzten Vertreter althergebrachter Spielmethodik. Zieht man ein Zwischenfazit, sind vor allem jene Mannschaften bereits im Sommerurlaub, deren Trainer sich modernem Fußball bislang verweigerten.

Otto Rehagels Griechen etwa; Karel Brückners Tschechen; Raymond Domenechs Franzosen; Lars Lagerbäcks Schweden; Leo Beenhakkers Polen. Daß es auch die Portugiesen getroffen hat, lag sowohl am fulminanten Spiel des Löw-Flick-Teams, als auch an der Selbstüberschätzung des Teams um Cristiano Ronaldo.

Bei näherer Betrachtung sind unter den im Turnier verbliebenen Mannschaften mit den Niederländern, den Russen und Spaniern exakt jene, die modernen Angriffsfußball spielen, schnell und systematisch verschieben. Demzufolge müßten Italien und die Türkei vor Niederlagen stehen. Den Opa-Fußball, den Kroatien einmal mehr vorgestellt hat, will niemand mehr sehen.

Auch den fußkranken Kick, den sich die Türken gegen Kroatien geleistet haben, braucht niemand. Sie müssen sich etwas Besseres einfallen lassen, wenn sie ins Finale kommen wollen. Bis zum kommenden Mittwoch (25.06.2008), 20.45 Uhr, versetzt das türkische Terim-Team als Helden von Wien erst mal seine Anhänger in Hochstimmung. Danach werden die Spieler so oder so die Helden von Basel sein. Wollen sie aber ins Finale kommen, müssen sie besser spielen als gegen Kroatien.

© Jochen Henke

© GeoWis (2008-06-21)

Update (2008-06-26): Gegen die zu großen Teilen spielerisch indisponierte deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist die Türkei gestern abend im Halbfinale mit 2:3 während der regulären Spielzeit gescheitert. Während die Deutschen ohne 'fünf' spielten - die Abwehrspieler Mertesacker, Metzelder, Jansen, sowie die Mittelfeldspieler Rolfes und Ballack (Kapitän) das Spiel neben und hinter sich zu verlaufen sahen -, traten die Türken ballsicher und angriffslustig auf und hatten insgesamt die besseren Torchancen.

Hatten bislang lediglich die deutschen Spieler in der Kritik aufgrund ihrer wechselhaften, aber lediglich im Spiel gegen Portugal gezeigten überzeugenden Spielweise gestanden, muß sich ihr DFB-Bundestrainer Joachim 'Jogi' Löw nun stellen. Das, was er seine Mannschaft gegen das türkische Team abliefern ließ, hatte nichts mehr mit der Art Fußball zu tun, wie sie die Deutschen unter Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann ablieferte.

Purer Angsthasen-Fußball, wie schon gegen Kroatien und Österreich. Löw müßte sich die Frage stellen, ob er nur die DFB-Titel-Statistik aufhübschen will - oder doch lieber ansehnlichen Fußball spielen lassen mag, auch wenn er am Ende nicht von Erfolg gekrönt sein könnte. Gestern zumindest lieferte er ein Wintermärchen ab.

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