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Rhetoriker gegen Taktikfuchs

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft trifft im Endspiel auf Spanien. Im Verlauf des Turniers konnte sie bisher keinen fußballerischen Trend setzen.

Von Nina Brenthäuser (2008-06-28)

Gegen die Türken hat eine weniger als mittelmäßige fußballerische Leistung gereicht, um in die letzte Runde, das Finale einzuziehen. Wenig überzeugend, doch die Fans milde stimmend. Die Leistung des deutschen Teams, das mit viel Glück ein Tor mehr geschossen hatte als die Türken, erinnerte an die düsteren Zeiten der Auftritte der immer noch eher als Turniermannschaft, denn als spielerisch wegweisend auftretende.

 Wollte man sie mit Häme überschütten, wüßte man kaum, wen man zuvörderst treffen wollte. Banken waren bestenfalls ein Fünftel des Kaders. Bastian Schweinsteiger etwa, Philip Lahm, Lukas Podolski, Thomas Hitzlsperger.

Ein weiteres Fünftel war gutes Mittelmaß, und einige waren entweder nach ein, zwei Spielen bereits an ihre physischen oder psychischen Grenzen geraten und blieben vorzugsweise neben jenen, die erst mal nur zuschauen sollten, auf der Bank, oder bekamen Bewährung.

Viele Fans mögen sich damit zufrieden geben, daß das deutsche Team im Finale dieser Europameisterschaft steht - "Finale, ohohoho!" - und besoffen vor Glück sein. Tatsächlich aber hat sich das Löw-Flick-Team mehr schlecht als recht durchgewurschtelt. Gegen die Türkei stand es lange kurz vor einer Niederlage. Viel schlimmer jedoch: die deutsche Mannschaft hatte fußballerisch nichts drauf und darüber hinaus beim Betrachter des Spiels nicht zwingend den Eindruck erweckt, als sei ihr Leidenschaft eine Tugend.

Den Ball hin- und herkicken oder von links nach rechts und retour schieben, wie es sich die Abwehr unter dem überforderten Abwehrchef Metzelder beim Spiel gegen die Türkei geleistet hatte, war tiefstes Drama. Nichts war zu sehen von schnellem Umschalten auf Angriff, schneller Überbrückung des Mittelfelds.

Der sich in Werbeanzeigen und Fotostrecken exponierende und für seine bis vor Beginn der EM als Abwehrgarant hervorgetretene Per Mertesacker - "der ruhende Pol" (Spiegel) - schob den Ball oft planlos von sich weg. Entweder kaum Raum gewinnend, oder irgendwie in die Höhe.

Metzelder ("Ich weiß, mein Fall ist sehr speziell") war nicht besser. Er, der Schöpfer neuer Komposita, wie im Magazin Spiegel nachgelesen werden konnte, verspielte viel "Vorschußvertrauen", ohne jedoch seine "Selbststärke" zu verlieren. Hä?

Beide aber liefen häufig zu weit über die Mittellinie - und trabten dann recht gemächlich zurück, wenn die Türken bereits ruck-zuck auf Angriff umgeschaltet hatten und vor Jens Lehmann andere als die berufmäßigen Abwehrspieler klärten oder zu klären versuchten. Es war ein Trauerspiel, was die jungen Leute unter Abwehrchef Metzelder und Kapitän Ballack ablieferten.

 Es war genauso ein Trauerspiel, was Bundestrainer Löw, ein Meister des Rhetorischen, mit diesem Spiel ablieferte. Sein Festhalten an verdienten Spielern reiht sich nahtlos ein in das Festhalten vorheriger Bundestrainer an verdienten Spielern. Löw hatte Glück, aber offenbar weniger Plan, als allgemein angenommen worden war. 

Als dünnhäutig hat er sich zudem erwiesen, nachdem der ehemalige Bundestrainer der Hockey-Nationalmannschaft der Herren, Bernhard Peters, vor dem Spiel gegen Portugal Kritik am Auftritt der Löw-Fußballtruppe geäußert hatte. "Die Kritik hat mir nicht gefallen und das wird Konsequenzen haben", sagte er am 20. Juni.

Während Bundestrainer Löw und einige wenige Spieler sprachbegabt sind, hapert es bei anderen daran deutlich. Kapitän Michael Ballack verwendet gern die Floskel 'wie gesagt' bereits zu Beginn eines Interviews, obwohl diese bezugslos ist. Lukas Podolski bringt das Spiel grundsätzlich auf den Punkt, indem er sagt: "Auf den Platz gehen, ein Tor mehr als der Gegner schießen und wieder runtergehen."

Nach dem gewonnenen Viertelfinale gegen das Team aus Portugal plapperten sie unergiebig in die Mikrophone, sie seien "jetzt im Halbfinale". Günter Netzer hatte gar "neue deutsche Tugenden wie Kampfgeist, Ordnung, Disziplin und Willenskraft" bei der Nationalmannschaft entdeckt. Offenbar etwas, was es zuvor niemals gegeben hatte, läßt man sich diese Analyse auf der Zunge zergehen.

Jaja, unsere Experten. Keiner ist so weise, wie er vorzugeben scheint. Das Spiel ist rund - oder ist es der Ball? Jedenfalls dauert ein Spiel nur noch 90 Minuten bei den Wettbüros - oder solange, bis der Schiedsrichter, dieses unberechenbare Phänomen auf dem Platz, die Partie abpfeifft. 

Im Endspiel um den EM-Pokal triff das deutsche Team nun auf jene Mannschaft, die bisher die konstantesten Leistungen auf hohem fußballerischen Niveau darbot und die meisten Tore schoß. Gegen Spanien wird bereits die Glaskugel bemüht, etwa: "Wir gewinnen immer, wenn der Gegner rote Trikots trägt." Taktikfuchs Luis Aragones, der Trainer der Selección, verordnet seinem Team deshalb bestimmt keine andersfarbigen Leibchen.

Vielleicht wird Lukas Podolski nach dem Finale aber auch folgenden Satz in die Mikrophone sprechen: "Wir sind auf den Platz gegangen, haben nicht ins Spiel gefunden, nicht genug Tore geschossen und wieder runtergegangen." Es kann aber auch anders kommen. Schließlich ist der Rasen grün.

© Nina Brenthäuser

© GeoWis (2008-06-28)

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