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Begattungstanz pur

In Italien ist Adriano Celentano immer noch ein Superstar. Charlotte Rampling hatte schon früh das Vergnügen mit ihm.

Von Jonas Littfers (2009-09-05)

Als 1973 Celentanos Dancefloor-Knüller Prisencolinensinainciusol auf den Markt kam, brachen sich selbst Italiener fast die Zunge, wenn sie dieses nichtssagende Buchstabenungetüm aussprechen wollten. Egal. Der Dschungel-Rhythmus des Songs sorgte für volle Tanzflächen, lehrte Lahme das Tanzbein zu schwingen und Scheue, aus sich herauszugehen. Das Lied wurde ratzfatz ein Welthit.

 Adriano Celentano, der 14 Jahre zuvor sein Filmdebüt in Federico Fellinis Film La dolce vita abgeliefert hatte und Mitglied der Rock'n Roll-Band Rock Boys und Gründer von I Ribelli war, war da bereits seit vier Jahren ein internationaler Star, vor allem durch seine von Paolo Conte und Michele Virano komponierte und von Conte und Vito Pallavicini geschriebene Version des Schlagers Azzuro.

Mit Prisencolinensinainciusol präsentierte sich der damals 34-Jährige den deutschen Couch-Potatoes völlig anders - als italienische Antwort auf das amerikanische männliche Sexsymbol, den Schauspieler Burt Reynolds. Im Fernsehen präsentierte er das Stück fulminant, trug einen zerknautschen Zylinder, Patchwork-Kleidung und wurde von einer Armee von choralen TänzerInnen begleitet.

Die Omas waren entsetzt, die Muttis glucksten, die Töchter und Söhne über 14 stürmten in die Plattenläden und Discos. Wer Prisencolinensinainciusol nicht auflegte, war hinter den Plattentellern fehl am Platz. 2006 hat Celentano, der durch seine Fernsehsendungen auf RAIUNO dauerpräsent ist, das Stück neu abgemischt, auf seine Anthologie L'animale (2008) gepackt und damit unter Beweis gestellt, dass er es immer noch drauf hat.

Die Muttis von damals glucksen jetzt als schmachtende Omas, die Töchter von damals sind nun Muttis und warnen ihre Töchter vor feuchten Höschen, denn das Lied bumpt noch immer, vor allem wenn Schwerenöter und Charmeur Celentano es mit Manu Chao bringt, wie im italienischen Fernsehen geschehen.

Schöne Frauen, meist Italienerinnen - aber auch Ausländerinnen waren ihm willkommen -, spielten immer eine Rolle im Leben des alten Lustknubbels, der über 40 Filme - vorwiegend Klamauk und erotische bis sexistische Komödien - gemacht und 50 Alben veröffentlicht hat. Auch heute liegen sie ihm noch zu Füßen und mit einer - Claudia Mori - ist er seit 1964 verheiratet.

 Elf Jahre später spielte Mori eine der beiden weiblichen Hauptrollen in Celentanos wohl interessantestem Film Yuppi du, einem Drama um Liebe, Armut und Hingerissenheit, das vor allem durch die wilde und erotische Sequenz von Celentano mit der britischen Schauspielerin Charlotte Rampling - die die zweite weibliche Hauptrolle spielte - für Furore sorgte und dadurch fürs damalige öffentlich-rechtliche deutsche Fernsehen nicht taugte.

Und das, obwohl die sexuelle Befreiung (der Frau) längst im Gange war, Oswald Kolle die Nation aufgeklärt hatte, in den Kinos Ernst Hofbauers Schulmädchen-Reporte (nach den Büchern von Günther Hunold) und Franz Muxeneders Sex-Schmonzetten (Liebesgrüße aus der Lederhose; Beim Jodeln juckt die Lederhose; Ach jodel mir noch einen) gezeigt wurden und der Minirock den Männern endlich Einblick in die Verschiedenartigkeit weiblicher Unterwäsche gewährte.

Aber in Westdeutschland konnte nicht sein, was tatsächlich Realität in den Straßen und Klubs der Mittel- und Großstädte war. Der gute alte Unterrock war das höchste der erlaubten Gefühle, wenn er unter dem Saum des Kleides oder des Rocks um einen Zentimeter sichtbar wurde. Mehr gestattete das betuliche Öffentlich-Rechtliche nicht. Man hatte ja noch auf die Kirche Rücksicht zu nehmen.

 Das erzkatholische Italien war öffentlich-rechtlich zwar auch kein Hort allzu direkter Aufklärung, vor allem südlich von Rom nicht, aber mitunter ein wenig weiter und thematisch rabiater und mutiger als die Filmer und Sender in Westdeutschland. Wen zum Teufel interessierte der schwarze Unterrock einer sizilianischen oder kalabrischen Mama?

Pier Paolo Pasolini etwa hatte mit Der Schweinestall (Il porcile; 1969) Decamerone (1970), Erotische Geschichten aus 1001 Nacht (Il fiore delle mille e una notte; 1974) und Die 120 Tage von Sodom (Salò o le 120 giornate di Sodoma; 1975) schon gut vorgelegt.

Dass nun ausgerechnet Celentano sein Komödiengenre verließ, um eine teils extrem erotische Dreiecksgeschichte zu drehen, in der er die männliche Hauptrolle spielt, verblüffte die Italiener.

Vergewaltigungsszenen (mit Claudia Mori als Adelaide) und ein wilder Tanz mit Charlotte Rampling - die die Rolle der suizidalen Silvia spielt -, während dem er ihr die Kleider vom Leib reißt, so dass sie am Ende beinahe nackt dasteht, faszinierte Cineasten indes gleichmaßen.

Vor allem das schauspielerische Faszinosum Charlotte Rampling, gerade 29 Jahre alt. Die grünäugige Aktress konnte bereits - neben vielen schlüpfrigen und banalen - auf einige gute Rollen zurückblicken. So spielte sie in Lucino Viscontis Die Verdammten (La caduta degli dei; 1969), Dick Richards' Fahr zur Hölle Liebling (Farewell, my Lovely; 1975) und Liliana Cavanis Der Nachtportier (Il portiere di notte; 1974).

Der Nachtportier machte Charlotte Rampling bekannt, spielte sie doch darin eine ehemalige KZ-Insassin (Lucia Atherton), die ihrem damaligen SS-Peiniger (Maximilian Theo Aldorfer; gespielt von Dirk Bogarde) gegen Ende der 1950er Jahre wiederbegegnet und mit ihm in eine sado-masochistische Beziehung gerät.

Das war ein Film so richtig gegen den Geschmack der Gralshüter des Züchtigen, und einer, der den zu jener Zeit noch eingewanzt in einflussreiche Positionen und die öffentliche Meinung und Politik in Westdeutschland bestimmenden Figuren völlig gegen den Strich ging. Schulmädchen Report hin, Jodeln in der Lederhose her - KZ-Aufseher und Ex-Insassin ging sexmäßig gar nicht, verdammt noch mal!

 Deratiges, und vor allem mit Erotik- und Sexszenen behaftetes Kino war auch in den puritanischen USA seinerzeit keine Option, weshalb Charlotte Rampling, die kein Problem damit hatte, sich für eine Rolle auszuziehen, lieber auf dem europäischen Kontinent und am liebsten in Italien drehte.

Später auch in Frankreich, und noch später wieder in den USA, nachdem in den 1990er Jahren mit 20 Jahren Verspätung dort auch endlich Sex sells angekommen war, allerdings zunächst ohne dramaturgisch herausragenden Zusammenhang.

Sich einfach nur nackig zu zeigen, war für die Rampling filmisch in den 1970ern aber schon längst keine Herausforderung mehr. Es musste thematisch und aussagekräftig sein, wenn sie blankzuziehen hatte. Das harte Programm, das Unerwartete musste sein, und klar, ohne Sinn den Po oder Busen zu zeigen, war demzufolge albern.

Allzuviel war nicht am Start. Zardoz (1974), ein Science-Fiction-Streifen von John Boorman (Deliverance; 1972), in dem auch Sean Connery mitspielte und dachte, seinen James Bond loszuwerden, machte sie, aber es war nichts, womit sie sich rühmen konnte.

Italien war gut und die Sequenz in Yuppi du war gemessen an ihren vorherigen Rollen für Rampling daher eher ein - wenn auch herausforderndes - Kinderspiel. Für Celentano weniger, wagte er mit diesem Film doch etwas, was die Oma, die glucksende Mutter und die eben noch in der Disco auf Prisencolinensinainciusol abgefahrene Tochter ihm erst mal abnehmen mussten.

Charlotte Rampling, vielsprachig, wohlerzogene Tochter eines britischen Militärs, Absolventin der Jeanne d'Arc Academie des Jeune Filles in Versailles, einem elitären Mädchen-Internat, und der St. Hilda's School im englischen Bushey - auch nicht progressiver - hatte als Model gearbeitet, bevor sie in Richard Lesters Film The Knack (1965) ihr Debüt gab.

 Sie war sozusagen eine Höhere Tochter, und wie so manche dieser Kategorie rutsche ihr das Höschen oder ihre Bluse schneller herunter als es der Saga nach bei einfachen Bauerns- oder Arbeitertöchtern angenommen wird. Ein Glücksfall für den Film, kann man heute sagen. Ein Glücksfall auch für alle Rampling-Fans.

In Yuppi du gibt die junge Rampling eine gute Figur ab und extasiert formvollendet beim Tanz mit Celentano. Es sieht aus, als hätte sie mächtig Spaß gehabt, da am Flussufer und auch beim Ausgraben. Zumindest ist es ein Film, in dem Charlotte Rampling nicht ihr später zum Markenzeichen gereichtes Mystisches darstellen musste.

Adriano Celentano, der früh als lustiger Meister des Seichten in die Filmgeschichte eingegangen ist, nahm lustig immer ernst, was auch in seinen Fernsehshows zum Ausdruck kommt. Etwa in Rockpolitik, einer im Jahr 2005 ausgestrahlten vierteiligen, jeweils zweistündigen Sendung im italienischen Staatsfernsehen RAI, in der er Italiens Präsident Silvio Berlusconi verbal vor den Sack haute.

Yuppi du, das Drama um zwei Frauen und einen Mann, ist jüngst als DVD neu aufgelegt worden. Es lohnt sich, diesen Film anzuschauen. Schon wegen des Begattungstanzes zwischen Celentano und Rampling.

© Jonas Littfers

© GeoWis (2009-09-05)

Links:

Website Charlotte Rampling >>

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