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Besser aufrecht sterben als auf Knien leben

Stanley Adams informierte die Wettbewerbskommission der EWG über illegale Preisabsprachen seines ehemaligen Arbeitgebers Hoffmann-La Roche. Er wusste nicht, worauf er sich dadurch einzulassen hatte. 

Von Uwe Goerlitz (2009-12-29)

In Seveso, einer kleinen Stadt in der Nähe von Mailand, ereignete sich am 10. Juli 1976 der bis dahin schwerste Chemieunfall Zentraleuropas und einer der bis dahin - soweit damals bekannt - auch global größten, ausgelöst bei der Produktion von TCP (Trichlorphenol) in der zu Hoffmann-La Roche (hier abgekürzt mit HLR) gehörenden Giftküche ICMESA.

 Nach einer Explosion in dieser Firma wurden große Mengen des Supergiftes Dioxin freigesetzt, ein Gift, das "70.000mal stärker" wirke als Zyanid, so Stanley Adams in seinem Buch Hoffmann-La Roche gegen Adams. Tausende Menschen wurden durch Freisetzen einer dioxinhaltigen Wolke vergiftet, bekamen Organschäden und entstellende Chlorakne; Vieh verendete, Vögel fielen tot vom Himmel, Vegetation starb ab.

ICMESA gehörte damals zum Genfer Chemieunternehmen Givaudan, an dem HLR die Aktienmehrheit hielt. Für die Produktion von TCP besaß ICMESA keine Genehmigung. Stanley Adams, der gut drei Jahre zuvor seinen ehemaligen Arbeitgeber HLR wegen illegaler Preisabsprachen im Vitaminsektor bei der Wettbewerbskommission der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) angezeigt hatte und inzwischzen um seine Reputation und Schadenersatz kämpfte, wunderte es nicht, dass HLR Profit vor das Wohl von Menschen stellte.

Am 18. August 1976 geht Hoffmann-La Roche in Berufung gegen den Beschluss der Wettbewerbskommission. In der Pharmazie- und Chemiewelt wundert man sich, war doch die Geldstrafe gegen HLR erquickend milde. Doch dem schweizer Konzern geht es ums Prinzip. Stanley Adams begreift, dass er sich nicht mit einem Unternehmen angelegt hat, sondern mit einem Staat, zumal einem, der sich auf Geheimhaltung, Korruption und Kumpanei aufs Beste versteht.

Was Adams für die Schweiz längst dämmerte, nämlich die Kohärenz zwischen Big Business und Politik, hatte er offenbar nicht für Italien in Erwägung gezogen, obwohl er es hätte besser wissen können, interessierte er sich doch eigenen Angaben zufolge für politische Geschehnisse und Zusammenhänge. Wohl auch hatte er nicht bedacht, dass die Europäische Kommission wesentlich mit Kommissaren durchsetzt war, die einerseits in ihren Heimatländern Regierungsämter innehatte, andererseits - und womöglich daraus resultierend - beste Kontakte zu international operirenden Konzernen pflegte.

Seine Äußerungen in der italienischen Presse hinsichtlich des als "Chemie-Unfall" apostrophierten Verbrechens in Seveso, wonach die Produktion von "70 Tonnen TCP pro Woche für die Parfümindustrie viel zu viel" gewesen und dass es ein Grundstoff für das im Vietnamkrieg eingesetzte Agent Orange gewesen sei, der lange auch als Unkrautvernichtungsmittel in der Landwirtschaft verwndet worden sei, rief die Politik auf den Plan.

 Vor allem den später der italienischen Mafia zugeordneten italienischen Ministerpräsaidenten Guilio Andreotti (heute 90), der zeit seines Lebens im ministeriellen System Italiens sein finanzielles Auskommen und eine schier beispiellose Karriere fand. Eine Karriere, die ohne in die italienische Unterwelt reichenden Lianen so gut wie unmöglich gewesen wäre. Andreotti, der bereits von jenem Richter in Monza beäugt wurde, der Adams im Zusammenhang mit HLR-ICMESA befragte, machte von seinem Einfluss Gebrauch.

In der Folge von Adams' Auskunftsbereitschaft gegenüber dem Richter und Journalisten, besonders gegenüber Giuliano Ferrieri vom Blatt L'Europeo, das dem Andreotti-Kumpel Andrea Rizzoli gehörte, zeigte sich die Macht der Politik, die einem tief und breit wurzelnden Baum ähnelte, den nicht jeder x-beliebige Köter anpinkeln durfte. Verleger Rizzoli verbot Chefredakteur Gianluigi Melega den Abdruck einer Story, in der Adams eine Kumpanei Andreottis zu HLR darlegte. Melega druckte die Story dennoch und flog raus.

Nicht zuletzt Andreotti, der später im Aufsichts- bzw. Verwaltungsrat von HLR sitzen und noch später von der italienschen Justiz belangt werden sollte, hatte Adams es zu verdanken, dass er die zugesagten Kredite für seine Schweinezuchtfarm nicht erhielt und lange um seine Aufenthaltserlaubnis für Italien kämpfen musste. Die erhielt er erst, nachdem der Vorsitzende des innenpolitischen Ausschusses im italienischen Parlament - Oskar Mammi - sich für ihn eingesetzt hatte.

Adams bekam zwar eine Aufenthaltserlaubnis für Italien, allerdings mit dem Sichtvermerk für ein Jahr. Dies bedeutete, dass er alljährlich einen Antrag auf Verlängerung zu stellen hatte, wollte er in Italien bleiben. Genau dies hatte er vor, weil er seine Schweinezucht hochbringen wollte. In Italien herrschte Mitte der 1970er Jahre Fleischknappheit und hohe Arbeitslosigkeit, insbesondere in strukturschwachen Regionen. Trotz der Aufenthaltsgenehmigung erhielt Adams die zuvor zugesagten Kredite nicht.

In seinem Buch benutzt er das Wort 'Verschwörung' nicht, doch heute, mehr als 30 Jahre später, kann man das, was Adams widerfahren ist, als nichts anderes betrachten. Eleganter ausgedrückt, war es eine Mélange aus Big Business, unwilligen EWG/EG-Kommissaren, willfährigen schweizer und italienischen Politikern, schweizer Strafverfolgungsbehörden, schweizer Geheimdiensten und schweizer Gerichtsbarkeit, die sich auf den Saulus Stanley Adams eingeschworen hatten und ihn unbedingt zur Strecke bringen wollten.

 Inzwischen fast pleite, wandte Adams sich an die britische Firma, die ihm über 500 Mastsauen und zwei Dutzend Eber liefern sollte, sobald er die notwendigen Gebäude (Ställe, Wohnhaus) errichtet hätte. Sie brachte ihn in Kontakt mit der US-amerikanischen Venture Capital und deren Raubrittern H. J. Heilbroner und Terry Noble. Parallel lief sein Berufungsverfahren gegen seine Verurteilung vor dem Basler Appellationsgericht. Adams machte sich keine Hoffnungen, dass dort das vorinstanzliche Urteil kassiert würde. Er hoffte aufs Bundesgericht in Lausanne.

Venture Capital stellte Adams eine Scheinbürgschaft über zwei Millionen Schweizer Franken aus, die von keiner Bank akzeptiert wurde. Zuvor griffen die gewieften Manager 15.000 Dollar Provisionsvorschuss bei ihm ab, die ihm der Sauen- und Eberzulieferer geborgt hatte. Am Ende konnte Venture Capital Adams nicht helfen und hatte es wohl von Anbeginn nicht vor. Venture Capital war ein kleverer Provisionsjäger. Um den Schein zu wahren, boten die US-Amerikaner Adams díe Niederlassungsleitung in Italien an, doch Adams lehnte verbittert ab.

Adams kam nicht mehr auf die Beine. Das Bundesgericht in Lausanne, von dem er sich einen Freispruch erhofft hatte, bestätigte die vorinstanzlichen Urteile, hob allerdings wegen Wegfall der Gründe das Einreiseverbot auf. In Italien stand ihm inzwischen ein Prozess wegen Insolvenzverschleppung ins Haus. Das skurrile italiensche Vergaberecht auf Landkauf und Bezuschussung durch Steuermittel verlangte strikte Moantspläne hinsichtlich der Bebauung, ungeachtet dessen, welche Art an Verzögerungen auftreten könnten.

Im Normalfall machten sich die Bauaufsichtsbehörden kaum Mühe, die Einhaltung der Planvorgaben zu kontrollieren, zumal sie theoretischer Natur waren. Es konnte immer etwas dazwischen kommen, das die Einhaltung des Plans verzögerte. Jeder Bauherr kennt das. In Sachen Stanley Adams nahmen sie es allerdings genau und legten strengste Maßstäbe an. Baustopp für Adams. Lieferanten und ausführende Unternehmen, die ihm zum Teil bereits beträchtlich in Vorleistung getreten waren, stellten ihre Lieferungen und Arbeiten ein. Schweinezucht ade.

Adams, dessen Pass bei den italienischen Behörden lag, hatte sich ganz legal einen aus seinem Heimatland Malta besorgt, nachdem der beschlagnahmte abgelaufen war. Letzteres entging den italienischen Behörden. Nachdem Adams kurz vor Weihnachten 1979 verhaftet worden war und auf Grund konstruierter Vorwürfe - die sich später in Luft auflösten - im Zusammenhang mit seiner Schweinezuchtfarm fast zwei Monate einsaß, reiften in ihm abwechselnd Selbstmord- und Fluchtpläne.

Während er im Gefängnis saß, organisierte er mit Hilfe seiner Anwältin Paola Piazza, die sich in dieser Zeit um seine Kinder kümmerte - Adams Schwägerin, die das sonst getan hätte, verstarb ein Jahr zuvor -, das Verbringen der Kinder zu ihrer Großmutter nach Luino an die schweizer Grenze. Nach seiner Entlassung schrieb er zum wiederholten Mal an das Europäische Parlament. Dort diskutierte der Rechtsausschuss seinen Fall und die Mindestsumme (500.000 Pfund), die Adams benötigte, um sich aller Sorgen und Schulden in Italien zu entledigen.

Der Rechtsausschuss unter Vorsitz von Georges Donnez kam in seinem als Donnez-Report bekannt gewordenen Dokument zu dem Schluss, daß Adams sofort geholfen werden müsse. Das Parlament übermittelte der EG-Kommission den Bericht und wies sie an, danach zu handeln. Das tat sie auf ihre Weise. Wissend, dass Adams dringend 20.000 Pfund brauchte, um nicht erneut in Italien wegen der immer noch im Raum stehenden Konkursverschleppung verhaftet zu werden, bot sie ihm exakt diese Summe an und knüpfte die Bedingung daran, dass dies eine abschließende Zahlung sei. Adams, den Knast vor Augen, unterschrieb.

"Ich nahm den Scheck. Ich war erleichtert, weil er mich vor dem Gefängnis rettete - und ich war bestürzt, weil die Kommission meine Angst vor dem Gefängnis ausgenutzt hatte, mir unakzeptable Bedingungen aufzuzwingen." Ein Interview mit der BBC, in dem Adams seinen Fall erläuterte, löste eine Unterstützungswelle für ihn aus. Von überall her schickte man ihm Aufmunterungsbriefe. In manchen war Geld beigelegt, hauptsächlich kleine Beträge zwischen einem und fünfzig Pfund. In der Summe war es nicht viel und half Adams nicht weiter.

 Der Belgier Marc Nelissen hatte von Adams Situation gehört und spendierte ihm im Juli 1980 ein Auto, das er ihm nach Latina kutschierte. Damit flüchtete Adams im September nach Großbritannien, das ihm einige Jahre zuvor trotz Appellation durch britische EU-Abgeordnete keine Einbürgerung erlauben wollte, um der drohenden Gefängnisstrafe in Italien zu entgehen. Zuvor schon hatte Adams konspirativ dafür gesorgt, dass seine drei Töchter in England auf Schulen gingen.

Es waren nicht ehemalige Arbeitskollegen, die ihm in seiner Not halfen. Die hatten sich bereits vor sieben Jahren von ihm abgewandt. Es waren einige Freunde, Verwandte und Leute, die er im Laufe der Zeit kennen gelernt hatte. Teils zunächst wildfremd, aber überzeugt davon, das Richtige zu tun.

Stanley Adams gab nicht auf. In Großbritannien kämpfte er mit Hilfe von Abgeordneten um eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis. In der Sache blieb er hart und verfolgte seine Rechte. Inzwischen hatte HLR-Chef Adolf Jann abgedankt. Auf ihn folgte Spezi Fritz Gerber, ein ebenso gewiefter Netzwerker wie Jann. Und ebenso wie Jann war Gerber Präsident parallel bei HLR und Zürich-Versicherungen. Man könnte annehmen, die Schweiz sei bereits zu dieser Zeit kein Staat gewesen, sondern einen Unternehmen.

Für Stanley Adams spielte das keine Rolle mehr. Er verklagte die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft auf Schadenersatz in Höhe von rund zwei Millionen Pfund und beschäftigte so die Kommissionen unter ihren Präsidenten Gaston Thorn und Jacques Delors noch eine Weile, nachdem er sich einigermaßen wieder in Sicherheit wähnte. Er hockte in einer Londoner Kleinwohnung und war mittlerweile fast im Rentenalter. Seine drei Töchter waren das einzige Glück, aus dem er Kraft zog.

Und doch war noch kein Ende in Sicht. Adams fand - seit inzwischen über sieben Jahren - keinen Job. Es wäre ein Leichtes für die Sozialisten im Europa-Parlament gewesen, ihn gemäß seiner beruflichen Qualifikationen in einem Resssort zu beschäftigen. Sie hatten sich für ihn verwandt, seinen 'Fall' mehrfach auf die Tagesordnung von Parlamentsdebatten gesetzt, waren die Kommissare massiv angegangen und hatten ihn in Hoffnung gewähnt, ihm Gerechtigkeit und Schadenersatz zukommen zu lassen. Einen Job, mit dem er seinen Lebensunterhalt hätte bestreiten können, verschafften sie ihm nicht.

In seinem Buch, einer dokumentarischen Autobiographie, die mit dem leicht abgewandelten Che-Guevara-Leitsatz "Es ist besser, aufrecht zu sterben, als auf Knien zu leben" schließt, beschreibt Adams chronologisch und detailliert die Abläufe des Geschehens um seine Person im Zusammenhang mit HLR. Immer wieder kommt seine Verbitterung durch, die darin fußt, dass sein Gewissen und Gerichtigkeitsempfinden aufs Tragischste von der EG-Wettbewerbskommission und den schweizerischen Behörden im Kern gegen ihn verwendet worden waren.

Adams hat die gewaltige Macht eines Konzerns zu spüren bekommen, der am Ende mit einer vernachlässigenswerten Geldbuße davonkam, und das rigorose Instrumentarium einer angeblich neutralen Republik, der Schweiz, deren Bürger die Karabiner nicht nur im Wand- oder Waffenschrank haben, sondern sie auch in ihrer juristischen Ausprägung jederzeit in Anschlag nehmen und einsetzen. Immer dann, wenn jemand den Verweserstaat des illegal bei ihm gebunkerten Kapitals und der heimischen Industrie Machenschaften bezichtigt.

 Hoffmann-La Roche geriet - mit anderen - Ende der 1990er Jahre erneut ins Blickfeld von Kartellwächtern. Wieder wegen verbotener Preisabsprachen im Vitaminesektor. So in Kanada, wo HLR sich vor dem Bundesgericht in Toronto für schuldig bekennt, von 1990 bis 1999 mit der deutschen BASF, der französischen Rhône Poulenc und den japanischen Anbietern Daiichi Pharmaceuticals und Eisai, und musste 60 Millionen Dollar zahlen. In den USA wurde HLR im gleichen Jahr zu rund 630 Millionen, BASF zu knapp 300 Millionen US-Dollar verurteilt. Nicht ausgeschlossen, dass HLR und andere trotzdem nichts daraus gelernt haben.

1985 verfilmte John Goldschmidt die ein Jahr zuvor beim Londoner Verlag Jonathan Cape als Buch erschienene Geschichte des Stanley Adams - Roche versus Adams - unter dem deutlich ironischen Titel A Song For Europe (US-Titel: A Crime of Honour). Der Brite David Suchet verkörperte in einer seiner bis dahin herausragendsten Rollen den tragischen Protagonisten Stanley Adams.

Als der Autor das Buch schrieb, war er 57 Jahre alt. Heute ist er 82. Als er seinen Kampf gegen das von Hoffmann-La Roche angeführte Vitaminkartell begann, war er 45. Fast die Hälfte seines bisherigen Lebens, das zu besten Zeiten höchst komfortabel war, danach umso weniger, steht im Kampf und Reputationsgewinn gegen einen schweizerischen Pharma-Multi, der längst vergessen hat, dass es Stanley Adams gewagt hatte, ihn anzupinkeln.

Die Doku-Bio von Adams, gegenwärtig als Lesewerk nur über den Gebraucht-Buchmarkt zu erstehen, ist ein Thriller, wie ihn sich Hollywoods Bél Etáge der Drehbuchautoren kaum besser hätte ausdenken können. Doch es sollte noch lange nicht das Ende von Stanley Adams Reputations- und Existenskampf sein.

© Uwe Goerlitz

© GeoWis (2009-12-29)

Teil 1: "Alles begann im März 1972" >>

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