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Bonjour tristesse

Das schwere Erdeben, das am 12. Januar 2010 unter Haiti geschah, rückt das Land auf der Insel Hispaniola endlich wieder in den Fokus der Weltöffentlichkeit

Von Tom Geddis (2010-01-14)

Es ist mal wieder die Stunde der internationalen Hilfsorganisationen. Wie nach dem Seebeben mit anschließendem Tsunami im Indischen Ozean (2004), Hurricane Katrina (2005), dem Beben von Sichuan, China, oder dem Tropensturm Nargis in der Andaman-See (beide 2008) läuft die professionelle Hilfsmaschinerie erneut auf Hochtouren. Bonjour tristesse!

Aus der ganzen Welt kommt Hilfe. Fernseh- und Radiosender sowie das Internet verbreiten rund um die Uhr Spendenaufrufe und dazugehörende Kontonummern und übertreffen sich mit sinnfreien Schätzungen zu Opferzahlen. Ausländische Regierungen schicken Medikamente, chirurgische Bestecke, Leichensäcke, Entkeimungsmittel zum Trinkwassergebrauch, Spürhunde mit Halter, schweres Gerät, Experten und Soldaten. Kostenlos ist das alles nicht, doch abgerechnet wird später.

Haiti, das sich die große Antilleninsel Hispaniola zu einem guten Drittel mit der Dominikanischen Republik (ca. 9,5 Millionen Einwohner) teilt und etwas kleiner als Nordrhein-Westfalen ist, gehört zu den ärmsten Ländern des Planeten. 2008 betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nominal etwa 6,95 Milliarden US-Dollar (ca. 4,8 Milliarden €). In Kaufkraftparität betrug es zirka 11,6 Mrd. US-Dollar (ca. 8 Mrd. €).

Bei geschätzten acht bis zehn Millionen Einwohnern - so genau weiß das niemand, da sich das Land seit Jahrzehnten keine regelmäßigen Volkszählungen geleistet hat und bereits seit über 25 Jahren mit Schätzungen gearbeitet wird - liegt das Pro-Kopf-Jahreseinkommen nominal bei knapp 800 US-Dollar (ca. 550 €) und in Kaufkraftparität bei rund 1320 US-Dollar (ca. 910 €).

Letzteres ist in etwa das, was auf China vor zwanzig und beispielsweise Mexiko vor 40 Jahren pro Kopf und Jahr zutraf. Der menschliche Entwicklungsindex (HDI = Human Development Index), der - je näher an 1,000 heranreichend, desto besser entwickelter - aus einer Vielzahl von Indikatoren errechnet wird, betrug im Jahr 2007 beschämende 0,532 Punkte und weist Haiti damit den 149. Rang zu. (Zum Vergleich: China hat einen HDI von 0,777 (81.), Mexiko 0,855 (51.) und Deutschland 0,947 (22.).

Die nun angelaufene Hilfe ist - wie meistens nach Naturkatastrophen - nicht auf Nachhaltigkeit angelegt. Katastrophenhilfe kann Derartiges gar nicht leisten. Es geht ums Suchen, Finden, Versorgen, Unterbringen und Beerdigen. Erstmals bei einem solchen Ereignis sind auch viele Mitarbeiter von Hilfsorganisationen - so der UNO - ums Leben gekommen, darunter Planer, Koordinierer und viele brasilianische Blauhelme der Stabilisierungsmission auf Haiti (MINUSTAH) der Vereinten Nationen.

Dass nicht nur das gemeine Volk von diesem Erdbeben aufs Tragischste betroffen ist, sondern auch Vertreter und Organisatoren von im Lande stationierten Hilfsorganisationen und UN-Friedenstruppen, ist - so pietätlos es klingen mag - möglicherweise ein Glücksfall, betrachtet man ihn vor der enormen sozialökonomischen und politischen Rückständigkeit des Landes.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon gab sich ob der Minustah-Opfer zwar geschockt. Doch nach außen transportiertes Entsetzen hilft keinem weiter. Die UN-Mitarbeiter wähnten sich in angeblich solide gebauten Gebäuden sicher, ebenso Haitis Präsident René Préval, dessen Palast in sich zusammenbrach. Das Beben, dessen Ausgangstiefe das Geoforschungszentrum Potsdam mit zirka 20 Kilometer beziffert, gehörte mit einer Magnitude von 7,0 nicht zu den kräftigsten.

Sein Impuls allerdings schon. Er hat neben Longitudinalwellen (Wellen in Längsrichtung) Transversalwellen (Wellen in senkrechter Richtung analog zur Ausbreitungsrichtung) in Gang gesetzt, deren Impuls- und Schubkraft auf die statisch liederliche Architektur einwirken konnten wie ein gewaltiger Tritt vor ein Gummiboot, in dem sich Porzellanfiguren befinden.

Niemand kann rückblickend mit Gewissheit sagen, ob bei dieser Impulskraft nicht auch 'erdbebensicher' gebaute Gebäude und Behausungen eingestürzt wären. Nimmt man aber die architektonischen und bauingenieurlichen Konsequenzen zur Referenz, die sich aus den starken Beben von Mexico City (19. September 1985) und Kyoto (17. Januar 1995) ergaben, so darf man annehmen, dass das Haiti-Beben weniger Gebäudezusammenbrüche und wenige Todesopfer gefordert hätte.

Doch das arme Land, das lange Zeit eine Sklavenkolonie zuerst unter den Spaniern, dann unter den Franzosen gewesen war und offiziell vor 206 Jahren nach einem 13 Jahre lang währenden Befreiungskrieg - geführt von zuvor auf die Insel deportierten afrikanischen Sklaven -, die politische Unabhängigkeit erzielen konnte, kam nie wirklich aus seiner historisch angelegten Misere hinaus.

Der Clan der Duvaliers - berühmt-berüchtigt hier: François 'Papa Doc' Duvalier -, der es verstand, das Land kleptokratisch zu beherrschen, die Bevölkerung zu unterdrücken und sie in prä-zivilisatorischen Verhältnissen festzuhalten, hatte für Ausgaben zur Infrastruktur und solide Architektur nichts übrig. Für Demokratie erst recht nichts.

Dieser 'Lack of Civilization and Development' (Mangel an Zivisilation und Entwicklung) kommt das Land nun in einer seiner größten Notsituationen teuer zu stehen. Gebeutelt von jahrzehntelangen Befreiungs- und Bürgerkriegen, von permantenten gewalttätigen regionalen Unruhen und exponentiell nach unten weisendem wirtschaftlichen und sozialen Niedergang, erfährt es nun auf Grund einer Naturkatastrophe, wie schier unglaublich abseits es von den Maßstäben des Fortschritts steht.

Die Weltgemeinde erfährt es zum Glück und zur Schande auch. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon kann noch so viel jammern - es gibt noch viele Haitis.

© Tom Geddis

© GeoWis (2010-01-14)

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