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Haiti-Hilfe: Die Bostoner Hilfsorganisation Partners in Health leistet effektive medizinische Versorgung. Das hat sich unter Künstlern und Unternehmen herumgesprochen und verleiht der Organisation Kultstatus
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"Whatever it takes"

Partners in Health (PIH) ist seit 23 Jahren in Haiti aktiv. Besonders unter Künstlern genießt die Organisation einen hervorragenden Ruf

Von Liz Bremer (2010-01-27)

Das Motto von Partners in Health (PIH) ist, alles daranzusetzen, Menschen in Not medizinisch und moralisch zu helfen. Um an Mittel zu gelangen, geht die Organisation Klinken putzen, was das Zeug hält. Bei politischen Entscheidern ebenso wie bei Pharma-Unternehmen. Eigener Aussage zufolge setze man mehr auf Solidarität als auf Charity.

 Vor 23 Jahren von Paul Farmer, Thomas J. White und Todd McCormack in Boston gegründet, um in Cange, einer Kleinstadt im Hochland Haitis nahe der Grenze zur Dominikanischen Republik die dortigen Mediziner bei ihrem Kampf gegen Aids zu unterstützen, ist PIH heute in sieben Ländern aktiv (Peru, Russland, Ruanda, Malawi, Lesotho, Haiti, USA) und unterstützt Projekte in Mexiko und Guatemala.

Vier Jahre zuvor, 1983, waren der damalige Harvard-Medizinstudent Farmer - heute UN-Sonderbeauftragter für Haiti - und die 18-jährige Ophelia Dahl bereits in Cange, um die Entwicklungshilfe von Father Fritz und Yolande Lafontant zu unterstützen, die sich auf Schulbildung und Gesundheitsvorsorge konzentrierte. Sie gründeten ein kommunales Gesundheitsprojekt, das sie gemäß des Haitisch-Kreolischen Zanmi Lasante nannten (Partners In Health).

1985 errichteten sie die Zwei-Zimmer-Klinik Bon Sauveur, aus der im Laufe der Jahre ein kleines, voll ausgestattetes Krankenhaus wurde. Zuvor aber lebte die Mini-Hilfsorganisation, die offiziell noch keine war, von der Hand in den Mund und konnte nicht so viel leisten wie sie leisten wollte. Um dies zu ändern, gründeten die Beteiligten PIH in Boston. Mit von der Partie war auch der Harvad-Medizinstudent Jim Yong Kim.

Aus der Mini-Organisation - Ophelia Dahl, Tochter des Romanciers Roald Dahl (1916-90), ist ihre gegenwärtige Direktorin -  ist inzwischen eine der angesehensten Hilfsorganisationen der USA geworden, die in Haiti beispielsweise Schulen und zehn kleine bis mittlere Kliniken betreibt, medizinisches Personal vor Ort schult, medizinisch-soziale Aufklärung vornimmt und alles dokumentiert. Aus einer dieser Dokumentationen entstand 1992 das Buch Aids and Accusation: Haiti and the Geography of Blame ('Aids und Anklage: Haiti und die Geographie der Schande') von Paul Farmer.

 PIH beschäftigt einheimisches Personal und genießt in ihren Operationsgebieten einen sehr guten Ruf. In Haiti hat sie einen Standortvorteil, der der vom Erdbeben betroffenen Bevölkerung nun zugute kommt. Feldlazarette sind schnell eingerichtet worden, der geschrumpfte Medikamentenstock kann dank vieler Spenden schnell aufgefüllt werden. Zwölf Flugzeuge, vollgepackt mit Medikamenten, medizinischer Ausrüstung und anderen Hilfsgütern, konnte PIH chartern.

Möglich machen dies vielfach kleine und große Spenden aus der vermögenden und weniger vermögenden Künstlerszene der USA, und die von Unternehmen, bei denen PIH seit Jahren Klinken putzen geht. So bedenkt die Schauspielerin Jennifer Aniston mit ihrer 500.000-Dollar-Spende, die sie kürzlich bei der Spenden-Gala Hope for Haiti Now machte, PIH, AmeriCares und Doctors Without Borders.

Der Bostoner Folksänger, Gitarrist und Komponist James Taylor und der Cellist Owen Young (Boston Symphony Orchestra) haben letzten Freitag bei zwei Konzerten für Einnahmen und Spenden von 480.000 $ gesorgt. Taylor legte noch 78.000 $ drauf. Alles geht an die Haiti-Hilfe von PIH.

Microsoft-Gründer Bill Gates gab 500.000 $ an PIH für Haiti, die Studentenvereinigung Theta Chi der Tufts University in Medford, Boston, sammelt unter dem Motto 'Tufts for Haiti' Geld ein, das sie an PIH weiterleiten, und viele Künstler aus der Boston-Gegend tun das Gleiche.

So die richtig angesagte Adam Ezra Group (AEG), die einen anständigen Folk, Blues und teils recht flotten Rock (z. B. Half A Hero; Katie) mit Garageneinfluss spielt und etwa Tom Hamilton von Aerosmith für ihre Version von Bob Dylans All Along The Watchtower gewinnen konnte. Das Party-Konzert zu ihrem neuen Album am 19. Januar 2010 funktionierten sie kurzerhand zu einem Benefizkonzert für Haiti um. Der Erlös geht an PIH.

Auch die Bostonerin Eilen Jewell, die im September vergangenen Jahres mit ihrer Band erstmals in Deutschland war und in Essen und Marburg Konzerte gab, hat ein paar Leute zusammengetrommelt, um Geld für die Haiti-Hilfe von PIH einzusammeln. Neben lokalen und regionalen Größen kommt am 7. Februar auch die Autorin und Pulitzer-Preisträgerin Tracy Kidder auf die Veranstaltung.

 Kidder hat Paul Farmers Arbeit in Haiti in ihrem Buch Mountains beyond Mountains: The Quest of Dr. Paul Farmer festgehalten und ihm damit ein Denkmal gesetzt.

Sie gilt als einer seiner größten Bewunderer und wird eine Rede zur Situation in Haiti halten und zu PIHs langem und strukturellem Wirken in dem nun vom Erdbeben gepeinigten Land referieren.

Viele aufgeklärte Amerikaner betrachten die Partners in Health schon lange als die wahre Verkörperung einer Non-Profit-Organisation, und wäre es nicht der immerwährende traurige Anlass, der zur Gründung dieser Organisation geführt hat - Entwicklung der immens und unerhört Unterentwickelten -, müsste man ihr Kultstatus zusprechen.

Zwar gibt es eine Vielzahl von Non-Profit-Organisationen in und um Boston - Oxfam America hat ihren Sitz hier -, doch keine ist so beliebt wie PIH. Hier scheinen Idealisten am Werk, eine Spezies, die mitunter als ausgestorben gilt (und vorzugsweise in Deutschland kaum noch Gehör findet).

Was auch damit zu tun hat, dass in den USA, vor allem in der Boston-Gegend, diesbezüglich die studentischen sozial engagierten Netzwerke schon früh gegriffen haben. Boston ist, was das angeht, ein Dorf. Wie San Francisco. Einst. Denn in den vergangenen Jahren hat es die amerikanische Ostküsten-Metropole geschafft, der Lieblingsstadt der Kalifornier und Provinz-Amerikaner in Sachen Kultur, Musik und sozialem Engagement den Rang abzulaufen.

 Dass sich in der und um die Metropole Boston derart viel soziales Engagement gerade unter Künstlern herausgebildet hat, ist ein gutes Zeichen. Die dortige Szene besteht auch aus vielen Zugereisten die vielleicht der ersten Strophe des alten Dave Loggins-Songs Please Come To Boston gefolgt sind. Manche sind sicherlich der zweiten (... come to Denver ...) und der dritten (... come to L.A. ...) gefolgt.

Wie auch immer: In Haiti werden fast nur noch Leichen gezählt. Um die 180.000 seien es inzwischen. Bisher seien nicht mal 200 Lebende aus den Trümmern gezogen worden. Rund zwei Millionen physisch und psychisch Verletzte - fast ein Fünftel der Bevölkerung - sind zu beklagen.

Die öffentliche Ordnung ist völlig zusammengebrochen. Das US-Militär wird der Lage nicht Herr. Und wie es in den ruralen Regionen aussieht, kann man sich jetzt noch gar nicht vorstellen. Umso wichtiger ist es, Organisationen wie Partners in Health zu unterstützen. Denn die UN können gar nicht leisten, was sie gerne leisten möchten.

Insofern ist jede Spende und jedes Charity-Konzert für PIH im Moment Pflicht. Die Root- und Americana-Musiker aus Boston und Umgebung sind sich hierin einig.

© Liz Bremer

© GeoWis (2010-01-27); updated: (2010-01-29)

Website der Haiti-Hilfe von PIH >>

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