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Vor 25 Jahren wurde Schwedens Regierungschef Olof Palme erschossen. Mit ihm starb das Vertrauen in den ehemaligen Musterstaat. Bis heute sind die intellektuellen Autoren der Tat nicht ermittelt


Vor 25 Jahren wurde Schwedens Regierungschef Olof Palme erschossen. Mit ihm starb das Vertrauen in den ehemaligen Musterstaat. Bis heute sind die intellektuellen Autoren der Tat nicht ermittelt
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Ein Inside-Job?

Der Mord an Olof Palme erschütterte die politische Welt und veränderte Schweden. Die Akte ist noch nicht endgültig geschlossen.

Von Uwe Goerlitz (2011-02-28)

Es war nichts Ungewöhnliches, dass Olof Palme ohne Begleitschutz ausging. Er tat dies häufig, denn er vertrat den Standpunkt, dass man sich in einem freien Land frei bewegen können müsse. Das gelte auch für Politiker. Am 28. Februar 1986, einem Freitag, stand für Palme und seine Frau Lisbet sowie deren Sohn Marten mit Freundin der Besuch der Abendvorstellung von Die Gebrüder Mozart (Bröderen Mozart) - ein Film der schwedischen Regisseurin Suzanne Ostens - auf dem Programm.  

Man traf sich um 21.00 Uhr an der Kasse des Grand-Kinos (Biografen Grand), das an der Sveavägen, eine der innerstädtischen Hauptverkehrsadern im Zentrum Norrmalm, liegt. Palme kaufte für sich und Lisbet Karten, sein Sohn hatte für sich und Freundin bereits im Vorverkauf welche besorgt. Die Vorstellung begann um 21.15 Uhr. Nach Ende des knapp zweistündigen Films spazierten Olof und Lisbet Palme die Sveavägen rechtsseitig in südlicher Richtung und wechselten zwei Blocks weiter an der Kreuzung zur Adolf Frederiks Kyrkogata auf die andere Seite, um weiter südlich zu spazieren.

An der nächsten, einen Block weiteren Kreuzung Tunnelgatan, die nach Westen stark befahren, nach Osten aber von der Sveavägen nur über eine kleine Treppe zugänglich ist und Gassencharakter hat, lauert Palmes Mörder. Er feuert um 23.21 Uhr zwei Schüsse ab. Der erste trifft Palme tödlich in den Rücken, der zweite verletzt seine Frau am Rücken. Der Täter flüchtet die Treppe hinunter auf die Tunnelgatan und überquert die Mallmskillnadsgatan zur David Bagares Gata. Ab dort verliert sich seine Spur.

 Der Mord am schwedischen Ministerpräsidenten löste in Schweden und der Welt Entsetzen aus, das in der Folge noch gesteigert wurde, weil die polizeilichen und staatsanwaltlichen Ermittlungen sich als Farce gestalteten. Unter Stockholms Polizeichef Hans Holmér (1930-2002) kam es zu gravierenden Fehlern bei der Spurensicherung und zu ermittlungstaktischen Widersprüchen. Ein Jahr später reichte Holmér seinen Rücktritt ein.

Während die Suche nach dem Täter - trotz zahlreicher Zeugenaussagen und eines mit Hilfe des deutschen Bundeskriminalamtes erstellten, am 6. März 1986 veröffentlichten Phantombildes - zunächst erfolglos blieb, ging man von einem politischen Motiv aus und warf eine Reihe unterschiedlicher Täterkreise in den Lostopf, denn Palme, der in der Bevölkerung beliebt war und bei den Wahlen vom September 1982 über 45% der Wählerstimmen für die Sozialdemokraten einsammelte, hatte viele Feinde im Innern und im Ausland.

Als Anfang Oktober 1982 ein sowjetisches Atom-U-Boot vor den Schären von Stockholm aufgebracht wurde, war er zwar mächtig sauer auf Moskau; seine Verstimmung traf aber auch das schwedische Militär, das offenkundig nicht in der Lage gewesen war, das U-Boot frühzeitig zu entdecken. Ohnehin war er als erklärter Friedensaktivist und -internationalist kein Freund des Militärs.

Anders als etwa der damalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD), lehnte Palme den NATO-Doppelbeschluss, der die Stationierung US-amerikanischer Pershing-II-Raketen als Antwort auf sowjetische SS-20 vorsah, ab und trat - gemeinsam mit der DDR-Führung - für einen atomwaffenfreien Korridor in Europa ein, womit er die westdeutsche Bundesregierung, die USA und die Sowjetunion brüskierte.

Ermittelt wurde auch in Richtung der kurdischen Arbeiterpartei PKK, die damals weder in Schweden noch in der Bundesrepublik verboten war. Die Ermittlungen ergaben keine Erkenntnisse zum Mord an Palme. Im Lostopf befand sich zudem das Apartheid-Regime Südafrikas, gegen das sich Palme stets vehement ausgesprochen hatte. Man vermutete einen von dort gesandten Auftragskiller, um den erklärten Sozialisten und Freund des Vorsitzenden der Sozialistischen Internationalen, Willy Brandt (1913-92), zu ermorden.

Palme, der während seiner ersten Amtszeit als Ministerpräsident (1969-76) den Vietnamkrieg heftig verurteilte, hatte im Gegensatz zu einem seiner späteren Nachfolger im Amt, dem der konservativen Zentrumspartei angehörenden Carl Bildt, wenig Freunde in den USA, weshalb auch der CIA für den Mord infrage kam. Indes, es ließ sich niemandem etwas nachweisen. Das traf auch auf die schwedische Sicherheitspolizei Säpo (Säkerhetspolisen) zu, der man zuschrieb, rechtsnational unterwandert zu sein. 

Bald drei Jahre nach dem Mord präsentierte das Ermittler-Team - nun unter Ulf Karlsson - plötzlich den Drogenkriminellen Christer Pettersson (1947-2004) als Hauptverdächtigen. Pettersson wurde 1989 in erster Instanz am 27. Juli 1989 des Mordes an Olof Palme für schuldig befunden und erhielt eine lebenslange Haftstrafe. In der Berufungsinstanz wurde er jedoch am 2. November 1989 freigesprochen, nachdem ans Licht gekommen war, dass Ermittler Palmes Frau Lisbet zur Gegenüberstellung mit Pettersson beinflusst hätten.

Christer Pettersson erhielt 300.000 Kronen Entschädigung und tingelte fortan mit seiner Story durch die Medienlandschaft, während die Ermittlungen mal mehr, mal weniger weitergingen. Erst nachdem Pettersson am 29. September 2004 an den Folgen eines Treppensturzes verstorben war, schien das Rätsel um das Attentat gelöst zu sein. Pettersson hatte zum Glück für die Ermittler seiner Lebensgefährtin den Mord an Palme in Briefen gestanden. Angeblich habe Pettersson aber eine andere Person erschießen wollen.

Es blieben Zweifel an Petterssons Eingeständnis. Weshalb auch sollte er jahrelang seine Story von der Nichttäterschaft verkauft haben, um später das Gegenteil zu behaupten? Der Treppensturz - Unfälle passieren zuweilen - und die Hintergründe dazu sind nie restlos aufgeklärt worden. Wer die Kriminalromane von Sjöwall/Wahlöö gelesen hat, vor allem Die Terroristen (Terroristerna, 1975; dt. 1977), in dem ein schwedischer Regierungschef ermordet wird, und die Millennium-Trilogie von Stig Larsson, der glaubt nur schwer daran, dass Pettersson der Mörder Palmes war.

Tatsächlich könnte es sich um einen Inside-job gehandelt haben. Davon aber will der inzwischen mit dem Fall betraute Chefermittler Stig Edqvist (noch) nichts wissen, obwohl der schwedische Kriminologieprofessor Leif GW Persson genau diese Vermutung hegt und Pettersson nicht für den Mörder hält. "Ganz falsch", sagte er vor wenigen Tagen laut dem schwedischen Aftonbladet. Der Mörder sei "unter uns" zu finden.

130 Augenzeugen, 3600 Aktenordner und eine halbe Milliarde Kronen Ermittlungskosten umfasst der Mordfall Olof Palme bisher laut Aftonbladet. Schweden ist seit diesem Mord ein anderes Land geworden. Einst als Paradebeispiel für ein Modell aus demokratischem Sozialismus, Fürsorge und Kapitalismus gelobt, passte es sich nach dem Tod Palmes erst sukzessive, dann radikal - befördert durch Carl Bildt - der veränderten, vom damaligen US-Präsidenten ausgerufenen neuen Weltordnung an, was besonders den maßgeblichen Industriellen-Clans Schwedens von Nutzen war und ist. Palme war deren demonstrativer Stachel im Fleisch. 

Womöglich wird - wie beim Mord an John F. Kennedy oder dem am mexikanischen Präsidentschaftskandidaten von 1994, Luis Donaldo Colosio - nie zweifelsfrei geklärt werden können, wer Palme auf dem Gewissen hat. Kriminologe Persson ist der Meinung, dass der Täter nur jemand gewesen sein könne, der "polizeilichen oder militärischen Hintergrund" habe. Christer Pettersson hatte nichts dergleichen. Die Akte 'Palme' ist insofern noch offen.

© Uwe Goerlitz

© GeoWis (2011-02-28) 

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