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Ernährung: China unterstützt Entwicklungsländer bei Hybridreisproduktion. Zum Leidwesen von Saatgut-Konzernen, zur Freude des Erfinders dieser Reissorte, Yuan Longping
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Der alte Mann und der Reis

Yuan Longping gilt als 'Vater des Hybridreises'. Seine Technik hilft China seit drei Jahrzehnten, und nun auch Entwicklungsländern. Zum Leidwesen von Saatgut-Konzernen

Von Hao Feng (2009-12-16)

1997 erschienen in der Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft zum Thema Welternährung unter anderem zwei Beiträge zur Ernährungssituation und Getreideproduktion Chinas.¹ Der eine stammt von Lester R. Brown, der sich unter dem Titel Der China-Faktor kritisch mit dem steigenden chinesischen Bedarf an Getreide auseinandersetzte und beispielsweise anmerkte: "Ein Land, das im wesentlichen Selbstversorger war, muß sich nun künftig auf einen massiven Mangel an Getreide einstellen, und das nach einem vierzig Jahre währenden Fortschritt in der Landwirtschaft."

Den anderen hat der damalige Regierungschef Li Peng unter dem Titel China - eine wichtige Kraft für die weltweite Ernährungssicherung verfasst. Li kontert: "Chinas Pro-Kopf-Getreideproduktion, die von 209 kg im Jahr 1949 auf 386 kg im Jahr 1995 stieg, erreicht bereits den Weltdurchschnitt. Zur Zeit produziert China pro Kopf etwa 41 kg Fleisch, 21 kg Wasserprodukte (Fisch, Algen; d. Vf.), 14 kg Eier, 35 kg Obst und 198 kg Gemüse - jede einzelne Zahl liegt über dem Weltdurchschnitt."

1997 betrug die Getreideproduktion in China dann 480 Millionen Tonnen (pro Kopf: 400 kg) Bis 1999 stieg sie auf 508,4 Millionen Tonnen (pro Kopf: 423,7 kg). Li ging davon aus, dass sich dieser Trend "trotz der verheerenden Überflutungen in einigen Teilen Chinas" fortsetzen würde. Diese Annahme bestätigte sich in den folgenden Jahren leider nicht. Obwohl das Bevölkerungswachstum moderat verlief, sank die Getreideproduktion insgesamt wie auch pro Kopf deutlich. Lester Browns Prognose trifft - bisher - zu.

Getreide wird in China wie überall auf der Welt für eine Vielzahl von Zwischen- und Endprodukten verwendet - Brot, Gebäck, Nudeln, Teigmischungen, Baotse, Futtermittel für Tiere. Zwar sind Chinesen keine großen Brotesser, umso mehr aber essen sie Reis. Auch hier ging die absolute wie die Pro-Kopf-Produktion in den vergangenen Jahren zurück, von 165 kg (pro Kopf) im Jahr 1999 auf knapp 139 kg im Jahr 2007.

Sie läge noch um zwanzig bis dreißig Prozent niedriger, hätte nicht der heute 79-jährige Agrarwissenschaftler Yuan Longping Mitte der 1960er Jahre damit begonnen, sich um Chinas Basisgericht Reis zu kümmern. Aus seinen Forschungen ging Mitte der 1970er Jahre der Hybridreis hervor, eine agrarwissenschaftliche Neuerung, die Millionen Chinesen fortan vor Reisknappheit zu bewahren begann. Seitdem genießt der Mann aus Beijing allerhöchstes Ansehen in China. Und in Asien. Selbst in der restlichen Welt.

Bei Yuan Longpings Invention handelt es sich um eine gentechnikfreie Kreuzung aus Kurz- und Langhalmreis, die einen bis zu einem Drittel höheren Ertrag pro Hektar ergibt. Saatgut wird auf traditionelle Weise generiert, weshalb Yuans Verfahren in der bio- und gentechnologischen Welt der Saatgutkonzerne nicht das höchste Ansehen genießt.

Während etwa Bayer CropScience und Bayer BioScience - Ableger des Leverkusener Chemiekonzerns Bayer - wie andere multinationale Saatgutkonzerne, etwa Monsanto, längst auf gentechnologische Weise Saatgut für Nahrungspflanzen in Entwicklungsländer wie Vietnam und Thailand verkaufen, kommen sie beim Saatgut für Hybridreis in China (noch) nicht so recht weiter.

Zwar bewirkt auch das artifizielle Saatgut aus den Alchimistenstuben der Konzerne höhere Erträge pro Hektar, der Nachteil aber ist, dass die Bauern auf Grund der Verträge, die sie mit den Saatgutproduzenten und deren Verkaufsrepräsentanten eingehen müssen, keine Samen aus der Ernte zurückbehalten bzw. aussäen dürfen. Stattdessen sind sie gezwungen - einmal darauf eingelassen -, alljährlich teures Saatgut der Multis einzukaufen.

In größerem Stil hat sich im September 2006 Vietnam auf so einen unsäglichen Deal eingelassen, nachdem das vietnamesische Landwirtschaftsministerium drei Monate zuvor die Zulassung erteilt hatte. Zwei Jahre zuvor, 2004, haben bereits Aussaaten im vietnamesischen Teil des Mekong-Deltas stattgefunden. Bayer CropScience reüssierte hier mit seinem Hybridsaatgut Arize®B-TE-1.

Frederic Arboucalot, General Manager Rice von Bayer CropScience, sagte hierzu: "Mit der Einführung unseres Hochertrags-Hybridreis-Saatguts Arize® in Vietnam wollen wir zu einem führenden Anbieter nachhaltiger, profitabler Lösungen für die vietnamesischen Reisbauern werden. Die Entwicklung unseres Hybridreis-Saatgutgeschäfts in Vietnam zeigt, dass wir uns den vietnamesischen Reisbauern verpflichtet fühlen."

Eine nur wenig euphemistische Umhüllung für eine Saatgutknechtschaft, der die Lehren und Techniken von Yuan Longping entgegen stehen. In Changsha, Hauptstadt der chinesischen Provinz Hunan, gibt es seit 1999 das staatliche Yuan Longping High Tech Agriculture Training Center, in dem die Hybridtmethodik des Altmeisters gelehrt wird.

 Nun will man diese Methode auch an Entwicklungsländer weitergeben. In den kommenden zehn Jahren sollen 5.000 Fachleute damit vertraut gemacht und zehn Zuchtzentren etabliert werden.

Zudem wolle man mit Yuans Methode nach Übersee expandieren und Entwicklungsländern technische Hilfe im Hybridreisbau "auf deren eigenem Boden" gewähren, wie Wang Xiusong, Direktor des Training Centers in Changsha heute der Zeitung China Daily mitteilte.

"Ohne ausgebildete Techniker und gut informierte Regierungsbeamte könnte die Hybridreiszucht und deren Kultivierung nicht in der Welt verbreitet werden und würde zwangsläufig zu Engpässen führen", so Wang. Gestern waren Vertreter Madagaskars zu Besuch in Changsha, um sich über die Methodik zum Hybridreisbau zu informieren.

Der madegassische Agraringenieur Rabesoa Maximin nimmt nun mit 43 anderen Trainees aus 27 Ländern an einem dreiwöchigen Training in dem nach Yuan benannten Institut teil. "Madagaskar hat beste Voraussetzungen für den Reisbau", lässt er sich vernehmen. "Wenn wir die Hybridmethode im ganzen Land anwenden, gehen wir davon aus, binnen zwei Jahren unseren Reisertrag zu verdoppeln und künftig zu einem Reisexporteur zu werden."

Im Sinne der Saatgutkonzerne ist diese Haltung nicht. Im Sinne der Verbraucher aber definitiv. Und hier hat Li Peng recht: "Unter der Voraussetzung, daß alle Länder gemeinsame Anstrengungen unternehmen und ihre Kooperation verstärken, kann das Ziel der weltweiten Ernährungssicherung erreicht werden. Davon sind wir fest überzeugt."

Vielleicht hätte Li Peng noch hinzufügen sollen, dass die industriellen Saatgutkonstrukteure explizit nicht gemeint waren, sondern die Lehren und Methoden des Herrn Yuan präferiert werden sollten.

¹ Spektrum der Wissenschaft, Dossier: Welternährung. Dossier 2/97, S. 95-99. Heidelberg, 1997.

© Hao Feng

© GeoWis (2009-12-16)

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