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Persisch für deutsche Soldaten? Was ist dran an der Meldung, der das Blatt junge Welt einen Beitrag mit Spekulation auf einen Waffengang nach dem Iran widmete?
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Kein Einsatz geplant

Die Tageszeitung junge Welt veröffentlichte gestern einen Beitrag unter dem Titel Persisch für deutsche Soldaten und untertitelte "Offenbar Bundeswehreinsatz nach Waffengang gegen Iran geplant". GeoWis wollte mehr darüber wissen

Von Hubertus Molln (2009-12-30)

Der Beitrag von Jürgen Cain Külbel unter dem Titel Persisch für deutsche Soldaten ist ungwöhnlich. Er suggeriert, daß die Bundeswehr im Rahmen eines UNO-Friedenskräfte-Einsatzes irgendwann in naher Zukunft im Iran miteinmarschieren würde. Diesbezüglich lernten deutsche Soldaten inzwischen Persisch. Als Beweis für diese Mutmaßung führt Külbel den "Persisch-Sprachführer für die Bundeswehr" und dessen Inhalte an.

GeoWis fragte heute beim Bundesverteidigungsministerium an, inwieweit es zutreffe, daß laut junge Welt ein "Waffengang gegen Iran geplant" sei und erhielt als Antwort, daß nichts dergleichen geplant sei. Dies habe man auch dem anfragenden Redakteur der Zeitung junge Welt am 28.12.2009 mitgeteilt.

Es erscheint erstaunlich, daß Külbel dennoch spekuliert, ein Waffengang nach dem Iran stehe unter Beteiligung deutscher Soldaten in Aussicht, nur weil Teile der Truppe Persisch lernten. Wie GeoWis erfuhr und auch Külbel in seinem Beitrag nicht unterschlägt, sei das Bundessprachenamt, angesiedelt im rheinischen Hürth, als Dienstleister aller Bundesbehörden und -ministerien zuständig.

Wolfgang Sender, Pressesprecher des Bundessprachenamtes teilte GeoWis gegenüber mit, daß man den Sprachunterricht für alle Ministerien und Bundesbehörden leiste und keinen Unterschied mache, ob es dabei sich um Botschafts-, Konsulats-, Innen-, Außen- oder Verteidigungsangehörige handele.

Abgesehen davon, daß ein paar Phrasen Persisch nicht schaden können, wenn man offiziell in Afghanistan, Tadschikistan, Usbekistan, Pakistan, Bahrain oder Turmenistan unterwegs ist und sich dabei des Sprachführers bedient, in dem auf Persisch etwa steht "Wir gehören zu den UNO-Peacekeeping-Kräften", läßt sich daraus nicht zwingend ableiten, ein Waffengang oder eine Friedensmission nach dem Iran seien geplant.

Genau das aber will Külbel nicht glauben, indem er den Satz wie folgt interpretiert: "Soll heißen, deutsche Soldaten marschieren mit Mandat der Vereinten Nationen auf iranischem Boden und erklären den »befreiten« Einheimischen, daß man hier in »Friedensmission« unterwegs sei."

Daß das Mullah-Regime des Irans Teilen der westlichen Welt ein Dorn im Auge ist, insbesondere Israel und den USA, steht außer Frage. Im April 2008 drohte Hillary Clinton Irans Präsident Ahmadinedschad zwar mit einem Atomschlag, sollte er Israel angreifen, doch hier sollten die Konjunktive mal berücksichtigt werden. Es erscheint unsinnig, den Iran angreifen zu wollen, selbst wenn man Nuklearwaffen ins Kalkül zieht.

Jeder einigermaßen vernünftige Politstratege sollte wissen, daß der Iran in etwa so uneinnehmbar wie China ist. Was nicht heißt, daß doch irgendein unbedachter US-Präsident es mal versuchen wollte. Der müßte dann aber noch dümmer sein als der ehemalige US-Präsident George W. Bush, der sich immerhin nicht mit dem Iran angelegt hatte.

Inzwischen mäandert Külbels Mutmaßung durchs Internet, wofür er selbst fleißig gesorgt hat. So findet man den Beitrag unkommentiert im Original etwa auf womblog.de; greyhunter.blog.de, linkezeitung.de und europnews.de verlinken darauf; auf campaigniran.org stellt Külbel den Beitrag ebenfalls ein. Soviel Eifer kann auch schon mal übers Ziel hinausschießen.

© Hubertus Molln

© GeoWis (2009-12-30)

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