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Ausflug in die Ruhe

Zehn Tage waren GeoWis-Redakteure in Japan unterwegs. Viel zu kurz, um umfangreich berichten zu können. Teil 1

Von Xiang Chen und Amy Li (2010-01-25)

Es dauert zwischen anderthalb und zwei Stunden, um von Tokio mit dem Zug nach Hakone zu gelangen. Die schnellste Verbindung ist der Tokaido-Shinkansen, der in Tokios Hauptbahnhof abfährt und über die erste, zu den Olympischen Spielen 1964 eröffnete Hochgeschwindigkeits- strecke Japans und der Welt fährt, die bis Osaka (Bahnhof Shin-Osaka im Stadtbezirk Yodogawa) reicht. Nach knapp 77 Kilometern steigt man in Odawara um und kann wahlweise mit dem Bus oder der Bergbahn (Hakone-Tozan-Bahn) die 15 Kilometer bis Hakone weiterfahren.

 Etwas länger dauert es, wenn man vom Tokioter Bahnhof Shinjuku, dem - gemessen an seinen Passagierzahlen - größten Bahnhof der Welt, mit einem Romance Car genannten Expresszug der Odawara-Linie fährt. Bis Odawara sind es dann knapp 83 Kilometer. Allerdings wird die Odawara-Linie größtenteils von Pendlern benutzt, weshalb es schon mal eng werden kann.

Beide Linien schlängeln sich nach Südwesten durch die größte Metropolitanregion des Planeten, und sobald man diese und auch Odawara (ca. 200.000 Ew.) hinter sich gelassen hat, beginnt sich Japan von einer anderen Seite zu zeigen.

Mögen Tokioter das in der Präfektur Kanagawa liegende Städtchen Hakone (ca. 14.000 Ew.) und dessen Teil der zum Fuji-Hakone-Izu-Nationalpark gehörenden Region als Naherholungsgebiet betrachten, in das sie regelmäßig vorzugsweise an Wochenenden entfliehen, hat sich bei Japanern aus weiter entfernten Regionen und bei ausländischen Touristen längst herumgesprochen, dass man auf dem Weg zum Fujisan, Japans höchstem Gipfel (3776 m), unbedingt einen Halt mit Übernachtung in der Hakone-Gegend machen sollte.

Auch bei internationalen Hotelketten ist angekommen, dass sich gutes Geld in Hakone machen lässt. So hat die Hyatt-Gruppe mit dem Hyatt Regency Hakone Resort and Spa einen modernen Hotelblock in die wunderbare Landschaft unweit des Ashinokosees (Lake Ashi) gestellt und verlangt für eine Einzelbelegung zwischen 44.600 und 109.300 Yen (€ 350-860); für ein Doppelzimmer zwischen 47.400 und 118.700 Yen (€373-935).

Wohlhabende Touristen, vorwiegend Ausländer, sorgen dafür, dass es fast immer ausverkauft ist. Das Hotel bietet jeglichen erdenklichen Komfort in verwestlichtem japanischen Stil. Es hat geräumige, gut eingerichtete Zimmer mit schönem Ausblick, ist dekorativ bestückt mit Artefakten und Designerleuchten, hat eine westlichem Standard entsprechende Bar - mit Karaoke - und bietet eine Reihe europäischer Kaffee-Kreationen an. Was ihm fehlt, ist Flair und japanische Tradition.

 Beides findet man im Senkyoro, dem ältesten Haus am Platz. In diesem auf einer ordentlichen Anhöhe gelegenen Hotel, einem Flachbau, eröffnet 1870 und seitdem regelmäßig ohne allzu große Kompromisse modernisiert, ohne das Traditionelle in den Hintergrund zu rücken, steht der ultimative Wohlfühlfaktor im Verbund mit kulinarischer Rafinesse und japanischer Bescheidenheit Vordergrund.

Jedem Zimmer ist eine Betreuerin zugeteilt ('Mama-san'), die sich um alles kümmert - vom Frühstück bis zum Abendessen, vom Auftragen bis zum Abräumen, vom Bettenmachen bis zu Blumenbestecken.

Sie trägt stets einen perfekt sitzenden klassischen Kimono und wahlweise aus Pflanzenfasern gepflochtenen und gekettelten Sandalen - Waraji - oder Geta (Holzsandalen). Es hat etwas Anmutendes, Reines und Stolzes, das es so in diesem Berufsbild - Zimmermädchen, Zimmerfrau - in keinem anderen Land der Welt gibt.

Mama-sans Freundlichkeit ist nicht gespielt - sie ist verinnerlicht. Sie macht nicht nur einen Job, sie lebt ihn. Und dennoch ist es nicht leicht, sich ihr zu nähern, sie etwa dazu zu bewegen, sich fotografieren zu lassen. Sie hat neben ihrer Freundlichkeit auch die in Japan vorherrschende Hierarchie verinnerlicht, die Frauen eine dienende Rolle zuweist.

Das Senkyoro, dessen Übernachtungspreise pro Person zwischen 14.700 und 25.000 Yen (€ 116-197) liegen, bietet keine europäischen Kaffee-Kreationen an. Es bietet überhaupt nichts Europäisches, Amerikanisches oder Chinesisches an. Alles ist pur japanisch - ohne Karaoke. Hingegen bietet es die Ruhe selbst.

Es ist keine Gegend für die typische Anmache, wie sie etwa in Diskotheken oder Karaoke-Bars Usus ist. Was nicht bedeutet, dass man keine Leute kennenlernen kann. Der schrille Teil der japanischen Jugend, der in den 1980er Jahren auf Tamagochis abfuhr und seitdem immer neue Spielzeuge entdeckte und daraus Kulte machte, ist in Hakone nicht zu finden. Jedenfalls nicht im Senkyoro im Januar 2010. 

 Herrliche Blumengestecke in den Räumen, Geschichten erzählende Kalligraphien und Malereien in Rahmen eingefasst an den Wänden, gesunde Mahlzeiten - kunstvoll drapiert auf Tellern, Platten und in Schalen aller Größen - und weitere, die Sinne ansprechende Annehmlichkeiten machen den Aufenthalt in dieser Herberge zu einem Erlebnis besonderer Art.

Zu den Annehmlichkeiten gehören auch Thermalquellen (Onsen) vulkanischen Ursprungs und durch sie gespeiste Bäder. Im Senkyoro beträgt deren Wassertemperatur 41°C, die vor allem im Winter erst richtig genossen werden können, während im Sommer, wenn die Außentemperaturen über 30°C steigen, eher von einem Schwitzbad gesprochen werden muss.

Zwischen Sounzan und Togendai verkehrt die Hakone-Seilbahn, die zu den am meisten frequentierten Seilbahnen der Welt gehört und diesbezüglich sogar einen Eintrag im Guiness-Buch der Rekorde aufweisen kann. Mit 18 km/h werden die bis zu 18 Personen Platz bietenden modernen Kabinen im ersten Abschnitt bei Start in Sounzan (Ausgangshöhe 767 Meter ü. NN) 1,2 Kilometer lang bis Owakudani auf eine Höhe 1044 Meter ü. NN gezogen.

Auf diesem Abschnitt dringt einem der Geruch fauler Eier in die Nase, der aus dem 'Großen kochenden Tal', dem Owakudani, aufsteigt. Dichte, aus dem Boden entfliehende Schwefelschwaden kündigen an, dass der Vulkan noch längst nicht tot ist. Die hiesige Spezialität sind schwarze Eier (Kuro-tamago), die in den heißen schwefelhaltigen Quellen gekocht werden, wodurch ihre Schale eingeschwärzt wird. Ihr Verzehr verspricht Langlebigkeit.

Der nächste Halt ist 1,2 Kilometer weiter Ubako (878 Meter ü. NN). Hier bietet sich ein Spaziergang zwischen Zederngewächsen und Buchsbäumen an. Das letzte und mit 1,6 Kilometern längste Stück führt hinab nach Togendai (740 Meter ü. NN) und bietet bei klarem Wetter einen prächtigen Blick auf den Ashinokosee, der, wenn es aufwindet, gefährliche Wogen bildet, wie auch auf den Fujisan.

 Erst aus der Höhe bekommt man eine Ahnung davon, dass sich das Hakone-Tal und der Ashinoko, ein Kratersee, in einer gewaltigen Caldera befinden.

Ein Blick auf die paläogeologische Geschichte zeigt, dass hier einst ein Vulkankomplex aktiv war, der nach mehreren Ausbrüchen die Halkone-Caldera hinterließ.

Der erste große Ausbruch wird auf den Zeitraum von vor 180.000 Jahren datiert und sorgte für die erste Caldera; der zweite soll vor 49.-60.000 Jahren stattgefunden und für die zweite Caldera gesorgt haben, die sich mit der ersten überlagerte, so dass eine große entstand, wie das Global Volcanism Program ausweist.

Nach weiteren Eruptionen des Vulkankomplexes füllte sich vor zirka 3.000 Jahren die tiefste Schlucht mit Wasser. Der heute ungefähr 15 Kilometer lange und im Mittel 2,5 Kilometer breite Ashinokosee entstand. Wie tief er ist, konnte uns niemand genau sagen. Die Äußerungen variierten von "tief" bis "sehr, sehr tief". 

Die in den Ashinokosee reichenden Stege und Anlegestellen sind dieser Tage vereist. Auf den Decks der im traditionellen Piratenlook über den See fahrenden Touristen-Dschunken ist es zugig. Innen ist es warm. Es weht eine Brise, der See ist rauh, doch schon bald beruhigt sich das Wetter und er liegt still da. 

Man kann das im See direkt am Ufer platzierte, in Rot gehaltene Tor (torii) des Hakone-Schreins sehen. Der Schrein, abseits des Ufers im Zedernwald gelegen, ist ein Muss für jeden Japaner, der nach Hakone kommt und der Shinto-Religion zugeneigt ist (Schintoismus). Wie auch der Motomiya-Schrein, der auf dem Gipfel des Komagatake-Bergs liegt und zu dem man bequem mit der Seilbahn (Komagatake Ropeway) gelangt.

 An den Wasserstellen, hüfthohe, auf der Tempelanlage platzierte Troge, nimmt man eine Kelle in die Hand und schöpft sich damit kaltes Wasser über die Hände. Das soll Glück verheißen. Es ist ein Ritual, um das man nicht umhinkommt.

Nach einem solchen erfüllten Tag, der früh mit einem Frühstück begann, freut man sich auf ein entspannendes Bad in einem Thermalbad. Was dann folgt, ist in der Regel ein mehrgängiges Abendessen - bis zu 12 Gänge. Dann naht die Nacht.

© Xiang Chen, Amy Li

© GeoWis (2010-01-25)

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