GEOWIS Logo
GeoWis ONLINE-MAGAZIN
09. September 2010
Home |  Login | Kontakt | Verlag | Links | Banner   
Download-Archiv (52)
eBook/eText Downloads (11)
Fortsetzungsroman (17)
Science & Technology (77)
Selected Portraits (21)
WM-2010-Kolumne (18)
Artikel & Reportagen (419)
- Afghanistan (9)
- Angola (1)
- Argentinien (1)
- Australien (3)
- Austria (1)
- Bangladesh (1)
- Brasilien (1)
- Burma (2)
- China (40)
- Deutschland (127)
- EU (7)
- Frankreich (5)
- Georgien (2)
- Griechenland (2)
- Haiti (2)
- Honduras (1)
- Indonesien (2)
- International (34)
- Italien (3)
- Japan (10)
- Kanada (1)
- Kuba (1)
- Liechtenstein (1)
Literatur/Kunst/Musik/Medien (79)
- Mexiko (7)
- Niederlande (1)
- Nigeria (1)
- Paraguay (1)
- Peru (1)
- Polen (4)
- Schweiz (3)
- Serbien (2)
- Spanien (5)
- Sport (33)
- USA (23)
- Venezuela (1)
- Äthiopien (1)
Rückblick 2009 (6)
Was noch? (56)
Meinungen (27)
Rezensionen (91)
Film (30)
Verstorben (9)
Interviews (7)
Schnellsuche
 
Verwenden Sie Stichworte, um einen Beitrag zu finden.
Erweiterte Suche
Ankündigung

Kostenlose Downloads (Auswahl)

Tom Geddis - Coahuila (Roman, Kapitel 1-17). Hier klicken >> 

Hansjörg Bucher: Regionale Auswirkungen der demographischen Alterung. Hier klicken >>

Demographie: Que sera, sera. The future's not ours to see. Die BBR-Bevölkerungsprognose in Konfrontation mit der Realität. Von Hansjörg Bucher und Claus Schlömer. Hier klicken >>

Stefan Z. Dmochowski - The Olowo of Owo. Hier klicken >>

Klaus von Bröckel - Djibouti: 18. März 1987. Hier klicken >>

Spanien-Reportage

Teil 1: Paxe Ryanair, Iberia! Hier klicken >>

Teil 2: High Speed Tag und Nacht. Hier klicken >>

Teil 3: Der Tod kommt zweimal. Hier klicken >>

Teil 4: Tarragona - Baila conmigo. Hier klicken >>

Teil 5: Málaga - Glut des Südens. Hier klicken >>

Japan-Reportage

Teil 1: Hakone. Hier klicken >>

Teil 2: Hakone Open Air Museum - Im Reich der Skulpturen. Hier klicken >>

Mauerfall-Reportage (9. November - Der Tag, der die Welt veränderte)

Teil 1: "Ich werd' bekloppt!" Hier klicken >>

Teil 2: "Keine Ahnung, wie die lebten" Hier klicken >>

Teil 3: "Wir wollen die D-Mark!" Hier klicken >>

Lese-Empfehlungen

Interview mit Tom Geddis, Teil 1: Hier klicken >>

Interview mit Tom Geddis, Teil 2: Hier klicken >> 

Weitere Beiträge:
Düsseldorf: Lars Krückeberg inszeniert Marc Beckers 'Weltuntergänge'
Hamburg: Fotoausstellung der besonderen Art: Photo meets Manga
Rabatte für Journalisten - eine Sache des Nehmens und Gebens?
In eigener Sache: Betriebsurlaub ist zu Ende. Ein Fazit: Zeitung zu lesen, lohnt sich
In eigener Sache: Auszeit ist angesagt - wir machen Betriebsferien. Time off is needed - we are going on vacation
East West European Jazz Orchestra TWINS 2010 beim Sommergelee in Arnsberg-Neheim
Nachfolge von Horst Köhler: Christian Wulff, Joachim Gauck und Luc Jochimsen sind nominiert fürs höchste Staatsamt. Ob Christian Wulff das Rennen macht, steht in Frage. Sein Hausblatt, die Hannoversche Allgemeine, verstieg sich in Hofberichterstattung
Neue Supergroup am Rock-Firmament: John Paul Jones, Josh Homme und Dave Grohl rocken mit ihrem Projekt Them Crooked Vultures generationenübergreifend die Festivals und Konzerthallen der Welt
Dortmund: Missing Steel - Eine Fotoausstellung im Hoesch-Museum mit Arbeiten von Eva Horstick-Schmitt, Heike Reinemann und Ralf Neuhaus, die Huldigung, Abgesang und Sexappeal in Verbindung mit Koks, Kohle und Stahl verkörpert
Dortmund: Cancer Positiv - Häutungen durch den Krebs. Tirzah Haase fotografiert von Eva Horstick-Schmitt. Eine Foto-Reportage, ausgestellt im Museum für Kunst und Kulturgeschichte
Pop-Knüller aus Dänemark: Aura Dione steigt mit ihren Songs 'I Will Love You Monday' und 'Song For Sophie' in Deutschland zum Pop-Himmel auf. Ihr Album 'Columbine' ist ein Renner
Wenn sich als seriös verstehende Medien Boulevard machen, kommt dabei nur Trash heraus. Geschuldet ist der Niedergang einst glaubhafter Online-Medien wie Spiegel oder Stern dem Klick-Verständnis und den Vorgaben ihrer Konzerne
Der Film zur Denke in Konzernen, Beratungsfirmen und vielfliegenden Managern: Up in the Air von Jason Reitman
Geld korrumpiert und macht nicht glücklich. Oder doch? Stephen Milburn Andersons Film Ca$h gibt darauf eine Antwort
Neu und gut: Ellis Paul - The Day After Everything Changed
Alt und gut: Mike Batt lieferte mit Schizophonia ein Album ab, das bahnbrechend war und auch im Orient ankam. Vor allem in Marokko
Debatte zu Helene Hegemanns Roman Axolotl Roadkill: Fräulein Hegemanns Gefühl für Sprache. Susanne Alberti rühmt und warnt ihre junge Kollegin
Schon wieder geklaut? Plagiatsvorwürfe gegen den Autor Jens Lindner
Jung-Autorin Helene Hegemann sieht Plagiatsvorwürfe zu ihrem Roman Axolotl Roadkill eher locker. Hört sich nach Brot - oder Brikett - an
Portrait: Adam Ezra Group
Persisch für deutsche Soldaten? Was ist dran an der Meldung, der das Blatt junge Welt einen Beitrag mit Spekulation auf einen Waffengang nach dem Iran widmete?
"Blair mag keine gewöhnlichen Menschen". New Model Army-Frontmann Justin Sullivan im Gespräch mit GeoWis, in dem es nicht nur um Musik geht
Paid Content: Droht im Internet bald das Ende der Umsonstkultur für das geschriebene Wort?
Eilen Jewells erstes Konzert in Deutschland
Buchmesse Frankfurt: Eklat und peinlicher Ablauf bei Symposium
Portrait: Steve Harley & Cockney Rebel
Dortmund: BVG fährt Friedensfest mit Bob Geldof in die Parade
Portrait: New Model Army brillieren mit Today is a Good Day
Portrait: Hape Kerkeling - Weltstar aus Recklinghausen
Dortmund: Micro!Festival floppt
Chairlift liefern mit Bruises verspäteten Sommerhit 2009
WAZ Mediengruppe heuert Stefan Aust und andere teure Köpfe an
Michael Jackson - Great Man Gone (Part 2)
Michael Jackson - Great Man Gone (Part 1)
Portrait: Blue For Two - Alter Schwedenhappen
Paul Grignon: Money as Debt - Aussteiger erklärt das Geldsystem
Portrait: Eilen Jewell - Starke Stimme aus New England
Interview mit Eilen Jewell
Deutsche Welle: Ulrich Wickert rehabilitiert Zhang Danhong
Radio Rock Revolution von Richard Curtis
Kerner wechselt die Seiten. Endlich!
Portrait: Johnny Depp - Hunters bester Freund
Max von der Grün: Erste Bände der Werkausgabe liegen vor
Politisch inkorrekt: Gran Torino von und mit Clint Eastwood
Public-Relations: Dissonanzen um Kandidatur für GPRA-Vorsitz
Noch'n Gedicht zum 100. Geburtstag von Heinz Erhardt
GeoWis: In eigener Sache
Verlage: Aufbau zieht nach Kreuzberg um
'Zeitungszeugen' auch in Dortmund beschlagnahmt
Revitalisierung eines Klassikers: Somewhere over the Rainbow
Anzeige


Jung-Autorin Helene Hegemann sieht Plagiatsvorwürfe zu ihrem Roman Axolotl Roadkill eher locker. Hört sich nach Brot - oder Brikett - an
[640]
roadkill_big.gif

Brote und Briketts

Kaum hat das Feuilleton Helene Hegemanns Roman Axolotl Roadkill auffallend lobend besprochen, stehen Plagiatsvorwürfe im Raum. Inzwischen liegen recht verblüffende Stellungnahmen von Autorin und Verlag vor

Von Hubertus Molln (2010-02-08)

Bereits im vergangenen Jahr war Helene Hegemann, damals 16 Jahre alt, für ihren Kurzfilm Torpedo, den sie mit 15 Jahren drehte, und ihr Regiedebüt über den grünen Klee gelobt worden. Für die recht autobiographische Milieustudie erhielt sie den Max-Ophüls-Preis. In Nicolette Krebitz' Film Deutschland 09 spielt sie die Hauptrolle.

Dennis Demmerle beschrieb die junge Autorin in der Frankfurter Rundschau (17.03.2009) so: "Hegemann formuliert mutig, aber nicht übermütig. Sie argumentiert provokativ und thesenreich, aber nie platt. Große Worte, etwa dass der »Film das Theater abgelöst hat, wie die Fotografie die Bildende Kunst abgelöst hat«, sprudeln druckreif aus ihr heraus."

Vorvergangene Woche erschien ihr Roman Axolotl Roadkill im Ullstein-Verlag (Berlin) als gedrucktes Werk, als E-book und als Hörbuch. Spiegel Online feiert sie als "neue, radikale Stimme der Literatur", Nadine Lange schwelgt in der Online-Ausgabe der TAZ, dass sich "an Axolotl Roadkill dieses Jahr wohl alle deutschsprachigen Debüts messen lassen müssen", Cosima Lutz (Die Welt) hält das Buch für "verblüffend klug, angenehm grotesk und herrlich sprachgewandt" und Mara Delius (FAZ) glaubt, Axolotl Roadkill kann man als großen Coming-of-age-Roman der Nullerjahre lesen".

Das deutsche Pendant zum norwegischen Literaturrebell Matias Faldbakken also? Weit gefehlt. Wie sich nun herausstellt, hat die Autorin für ihr Buch abgeschrieben, dessen nahuatl-aztekisch-englischer Titel in etwa bedeutet, dass Lurch(larven) auf der Straße überfahren werden. An die Öffentlichkeit hat dies Deef Pirmasens in seinem Blog Die Gefühlskonserve (gefühlskonserve.de) gebracht.

Es soll sich um eine Seite und mehrere Passagen und Redewendungen aus dem im SuKulTur-Verlag (Berlin) von dem pseudonymen Autor Airen 2009 erschienenen Roman Strobo handeln. Dies bestätigte inzwischen auch Ullstein-Verlegerin Siv Bublitz. Am vergangenen Wochenende gaben Hegemann und Bublitz zum Plagiatsvorwurf Stellungnahmen ab, die in der Online-Ausgabe des Branchenmagazins Buchmark publiziert wurden.

Während manche Medien, vor allem jene, die Hegemann ob ihres Werkes gelobt haben, wohlwollend von einer Entschuldigung der Autorin schreiben oder seltsame Vergleiche ob dieses Urheberrechtsverstoßes unter die Leute bringen - so Daniel Haas in Spiegel Online, der in hanebüchenem Zusammenhang der Autorin Abschreiben mit ähnlichen Verfehlungen etwa von Thomas Mann, John Dos Passos, Alfred Döblin, Thomas Pynchon oder William S. Burroughs zu relativieren versucht -, liefert die Jung-Autorin mit ihrem Statement eine Kostprobe ihrer offenbar unlektorierten Sprachgewalt.

 Von Entschuldigung oder gar Sprachgewalt Hegemanns kann nach der Lektüre gar keine Rede sein. Vielmehr bekennt sich Hegemann zum Abschreiben und legt dabei eine erstaunliche Naivität an den Tag, die diametral zu dem steht, wofür sie bisher gelobt wurde: ihren Film und ihren Roman.

Zu den Plagiatsvorwürfen fällt ihr nichts Besseres ein als: "(...) also wie das juristisch ist, weiß ich leider nicht so genau. Inhaltlich finde ich mein Verhalten und meine Arbeitsweise aber total legitim und mache mir keinen Vorwurf, was vielleicht daran liegt, dass ich aus einem Bereich komme, in dem man auch an das Schreiben von einem Roman eher regiemäßig drangeht, sich also überall bedient, wo man Inspiration findet. Originalität gibt’s sowieso nicht, nur Echtheit.

Starke Worte. Und schwer zu glauben. Die Siebzenjährige, die im Internet-Zeitalter sozialisiert wurde und spätestens seit ihrer Regie-Arbeit zu Torpedo wissen müsste, dass es ein Urheberrechtsgesetz gibt, in dem auch lang und breit von Urheberrechtsverletzungen die Rede ist, scheint sich auf ihre Minderjähringkeit zu stützen. Wie fatal, aber auch frech.

Abgesehen davon, dass sie die Arbeitsweisen und Techniken eines Romanciers fälschlicherweise mit denen eines Regisseurs gleichzusetzen versucht - was allein schon von gewisser Unkenntnis gepaart mit Chuzpe zeugt -, gibt sich die junge Dame altklug, nassforsch und recht uneinsichtig. "(...) mir ist es völlig egal, woher Leute die Elemente ihrer ganzen Versuchsanordnungen nehmen, die Hauptsache ist, wohin sie sie tragen."

Verantwortlich dafür macht sie in ihrer Stellungnahme in Manier einer Westentaschenphilosophie ihre Geburt, für die sie nichts kann: "Von mir selber ist überhaupt nichts, ich selbst bin schon nicht von mir (dieser Satz ist übrigens von Sophie Rois geklaut) - ich habe eine Sprache antrainiert gekriegt als Kind und trainiere mir jetzt immer noch Sachen und Versatzstücke an, aber mit einer größeren Stilsicherheit. Das sind Formulierungen und Weltanschauungen und auch einfach bestimmte Floskeln, die mich prägen und weiterbringen in dem, was ich äußern und vermitteln will, und da beraube ich total schonungslos meine Freunde, Filmemacher, andere Autoren und auch mich selbst."

Soll man das entschuldigen, indem man die schwierigen Familienverhältnisse für der Autorin forsche Uneinsichtigkeit heranzieht? Bestenfalls bedingt. Im Kern aber nicht. Offenbar haben vor allem die Lehrer der jungen Dame nicht vermitteln können, was Recht und was Unrecht ist. Und auch ihre Literaturagentin und ihre Verlegerin Bublitz nicht. Die Vermarkter haben ihre Public Relation und ihr Business gesehen und Hegemann als etwas verkaufen wollen, was diese vielleicht gar nicht ist: ein neuer Popstar im Literaturbetrieb mit griffigem Verkaufsslogan unter dem Stichwort 'Nullerjahre'.

Zu Recht argumentiert Hegemann in ihrer Stellungnahme: "Wenn da die komplette Zeit über reininterpretiert wird, dass das, was ich geschrieben habe, ein Stellvertreterroman für die Nullerjahre ist, muss auch anerkannt werden, dass der Entstehungsprozess mit diesem Jahrzehnt und den Vorgehensweisen dieses Jahrzehnts zu tun hat, also mit der Ablösung von diesem ganzen Urheberrechtsexzess durch das Recht zum Kopieren und zur Transformation."

Niemand scheint Hegemann beigebracht zu haben, dass es einen Unterschied zwischen 'Copy & Paste' und Recherche gibt; dass im Internet oder gedruckten Medien gefundene Informationen als solche kenntlich gemacht werden müssen; dass es Zitierweisen gibt; dass Recherche-Ergebisse in eigener Sprache wiedergegeben werden sollten, um eine kreative Leistung sein Eigen nennen zu können. Doch die junge Frau hätte auch mal selbst ein wenig Erkundigungen einziehen können, wie es sich denn damit verhält, wenn man einfach abschreibt. Das, zumindest, verbieten Lehrer bereits ab dem ersten Schuljahr.

Im kommerziellen Leben steht es unter Strafe. Da hilft es wenig, wenn Hegemann in ihrer Stellungnahme im Buchmarkt ihre Seele öffnet: "Ich selbst habe den Roman als »Lüge« bezeichnet, das ist er auch, aber nur über die Lüge kommen wir der Wahrheit nahe. Das, was wir machen, ist eine Summierung aus den Dingen, die wir erleben, lesen, mitkriegen und träumen. Es gibt da ziemlich viel, was mit meinen Gedanken korrespondiert und sich in mein Gehirn einschreibt, dadurch aber gleichzeitig auch etwas komplett anderes wird. Ich bin nur Untermieter in meinem eigenen Kopf."

Ach so! Doch da irrt die Autorin, die ernst genommen werden will, gewaltig. Untermieter in seinem eigenen Kopf ist man nur, wenn man nicht mehr selber denkt, bewusstlos durch die Welt - und sei es nur durch die verschrobene, auf den Nabel fixierte Berliner Szene - mäandert. Wenn man nichts mehr merkt, ist man Brot - oder Brikett.

In jedem Fall hätte es ihrer Agentin und der Ullstein-Verlegerin Siv Bublitz auffallen müssen, dass eine Sechzehnjährige keinen Einlass in einen Klub erhält, in den laut Deef Pirmasens "nicht mal Leute, die auch nur aussehen wie unter 21-jährig" eingelassen" werden. Vor allem Bublitz', zu deren Tagesgeschäft das Urheberrecht gehört wie das Ei zum Frühstück für die meisten in diesem Land, argumentiert in ihrer Stellungnahme nun bedenklich kläglich, indem sie sich auf eine Minimalpflicht beruft.

In der im Buchmarkt veröffentlichten Stellungnahme sagt sie: "Natürlich haben wir Helene Hegemann vor Drucklegung ihres Buches gefragt, ob sie Quellen oder Zitate verwendet hat. Sie verwies lediglich auf ein Zitat von David Foster Wallace, für das wir eine Abdruckgenehmigung eingeholt haben. Offenkundig hat sie die Tragweite dieser Frage unterschätzt und ist auf Quellen und Zitate aus dem Netz - wie etwa den Blog von Airen - nicht eingegangen."

Offenkundig hat Bublitz ihre Hausaufgaben nicht gemacht und Dagobert-Duck-Augen bekommen, als sie das Manuskript der Jung-Autorin vorliegen hatte. Anders ist kaum nachvollziehbar, weshalb Verlegerin Bublitz, die auch schon mal beim Verlag Wunderlich arbeitete, nicht tiefer nachgefragt hatte. Ihr lauwarmes Statement gibt im Kern das wieder, was Hegemann für sich in Anspruch nimmt. "Über die Verantwortung einer jungen, begabten Autorin, die mit der "sharing"-Kultur des Internets aufgewachsen ist, mag man streiten."

Schnell noch rudert Bublitz nach, um sich an der jungen Autorin womöglich schadlos zu halten. "Die Position des Ullstein Verlages ist eindeutig: Quellen müssen genannt und ihre Verwendung muß vom Urheber genehmigt werden. Wir haben uns bereits an den SuKuLTuR Verlag gewandt, um diese Genehmigung nachträglich zu erlangen. Sollte es weitere betroffene Rechteinhaber geben, werden wir auch sie kontaktieren und die Genehmigung zum Abdruck einholen."

Klarer ist da schon das, was Hegemann in ihrer Stellungnahme im Buchmark von sich gibt. "Airen, von dem ich insgesamt eine Seite, ohne sie groß verändern zu müssen, regelrecht abgeschrieben habe, ist ein großartiger Schriftsteller, dessen Blog im Internet einen Teil der alternativen Lebensweise, über die ich berichten wollte, auf den Punkt gebracht hat, und mit dem ich über das Buch auch ein Stück weit versuche, in Kommunikation zu treten."

Es sieht ganz so aus, als hätte der deutsche Literaturbetrieb nebst den allsamt bekannten Feuilletons mal wieder ein Brikett oder Brot gefunden, die es straflos im Kachelofen Berliner Wohnstuben verheizen könne. Das Urheberrecht aber spricht eine andere Sprache. Da kann man noch so Brot oder Brikett sein.

© Hubertus Molln

© GeoWis (2010-02-08)

Anzeige