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Brook, Timothy: Vermeers Hut. Rezensiert von Wolfgang Körner
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Vom Glanz und Elend des Fernhandels

Pelze aus Kanada für wohlhabende Niederländer, Porzellan aus China für ihre Frauen. Timothy Brooks Buch Vermeers Hut ist ein Glanzstück realistischer Erzählung

Von Wolfgang Körner (2010-02-16)

Veröffentlichungen zur Wirtschaftsgeschichte sind leider meistens so speziell und spröde, dass sie nur von Historikern und Ökonomen mit Erkenntnisgewinn gelesen werden können. Da ist es ein seltener Glücksfall, dass der kanadische Hochschulprofessor, Historiker und Sinologe Timothy Brook nicht nur eine schier unübersehbare Zahl von Daten und Fakten zum Warenaustausch über die Weltmeere zusammenträgt, sondern sie so interessant und spannend aufzubereiten vermag, wie es meines Wissens zuvor noch niemand vermochte. Ja, man muss wohl genial und zugleich ziemlich durchgeknallt sein, um sieben Bilder niederländischer Maler aus dem Delft des 17. Jahrhunderts zu analysieren und, von ihnen ausgehend, zu erzählen, wie der Welthandel begann.

 Diese Ölgemälde, die meisten von Johannes (Jan) Vermeer, werden zu Fenstern, durch die der Autor seine Leser in die Anfänge der Neuzeit der Globalisierung blicken lässt. Er schreibt gelegentlich über die Maltechnik des Trompe-l'œil, aber noch viel mehr interessieren ihn die dargestellten Personen und deren Kleidung und Statussymbole, die schon damals so stolz vorgezeigt und abgebildet wurden wie es vielfach bei nicht wenigen Zeitgenossen noch heute der Fall ist.

Das ermöglicht es dem Autor beispielsweise, vom eindrucksvollen Filzhut - für den man Biberfelle benötigte - eines niederländischen Soldaten ins Jahr 1603 zu springen. In jenem Jahr unternahm der Franzose Samuel Champlain eine Expedition ins heutige Kanada, um Handelsbündnisse mit dort lebenden Eingeborenenstämmen aufzubauen. Diese Stämme waren untereinander sehr zerstritten.

Champlain beeindruckte einen der Stämme, indem er drei Häuptlinge der Mohawk mit seiner Arkebuse, einer der in Europa gängigen Hakenbüchsen, erschoss. Danach war das zuvor gewachsene Gleichgewicht zwischen den Stämmen Kanadas zerstört. Mit einer geschickten Bündnispolitik schob der Franzose seine Handelsstützpunkte immer weiter zur Hudson Bay vor. Dabei ging es nicht nur um Felle.

Viele Europäer träumten von einem kürzeren, transkontinentalen Seeweg nach China. Er war bekanntlich nicht möglich, aber die Begegnung und der Handel mit Europäern kostete unzählige, inzwischen vielfach christlich getaufte, Irokesen, Mohawk und Huronen das Leben. Diese Vorgänge erzählt der Autor auf kurzweiligen 25 Seiten des 270-Seiten-Werks so unterhaltend, detailreich und spannend, dass allein sie den Erwerb des Buches rechtfertigten. Aber es enthält sieben weitere, nicht minder lesenswerte Kapitel.

Von der Rivalität der Engländer, Portugiesen, Spanier und Niederländer im Handel mit China und Südostasien wird ebenso fakten- und kenntnisreich berichtet, ja erzählt, wie von der allmählichen Verbreitung des Rauchens von Tabak in Europa und China. Oder vom Handel mit afrikanischen Sklaven, die von europäischen Großkaufleuten über die Meere in die Amerikas geschafft wurden, wo man Silber erwarb, für das Chinesen gern zum Beispiel jene Porzellanschale hergaben, die sich heute in einem Museum in Delft befindet. Dabei ist Timothy Brook von Details besessen und erzählt anekdotisch an unzähligen damals agierenden Figuren entlang.

 Was denkt und wie entscheidet ein chinesischer Mandarin, wenn chinesische Soldaten schiffbrüchig gewordene Europäer berauben und einige von ihnen köpfen, weil sie unerwünschte Ausländer sind? Weshalb duldeten europäische Staaten Silber als Zahlungsmittel vielfach nur dann, wenn es zu Münzen geprägt war, während Chinesen nichts gegen Silberbarren hatten? Weshalb wurde das in China längst bekannte und als Heilmittel gebräuchliche Opium erst zur soziale Strukturen gefährdenden Suchtdroge, nachdem es mit Tabak vermischt geraucht wurde?

Der Austausch von Waren zwischen den Kontinenten wuchs im 17. Jahrhundert in einem Maße, das es durchaus rechtfertigt, von einer ersten Welle der Globalisierung zu sprechen, unter deren Wirkungen in Jahrhunderten gewachsene gesellschaftliche Strukturen verändert und vielfach zerstört wurden. Allerdings, von der gegenwärtigen, weiter fortschreitenden Globalisierung unterscheiden sich die vielschichtigen damaligen Entwicklungen erheblich.

Obgleich umfänglich christliche Missionare, meist Jesuiten, auf den Schiffen der Händler zu den angeblich Ungläubigen reisten und ihnen Religion und Weihwasser zu verkaufen versuchten, obgleich Händler aus Europa immer wieder bestrebt waren, Handelsstützpunkte zu errichten, was besonders China lange Zeit wirksam verhinderte - damals waren es nur Warenströme, die über die Ozeane transportiert wurden. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, erledigten die Händler und Missionare ihre Geschäfte in fernen Ländern und kehrten, so ihre Schiffe nicht untergingen oder gekapert wurden, in ihre Heimat zurück.

Heute, und auch das macht dieses vorzügliche Buch zusätzlich lesenswert, weil der Autor eine kohärente Brücke dazu schlägt, sind es Menschen, die in Massen in die reichen westlichen Industrieländer einzureisen versuchen, und diese Menschen wollen bleiben. Kein Wunder, dass man jetzt dort sich und die eigene Kultur vor den Fremden zu schützen und bewahren versucht wie vor dreihundertfünfzig Jahren die klugen Chinesen. Es verwundert nicht, dass dieses Buch nun in der zweiten Auflage vorliegt.

© Wolfgang Körner

© GeoWis (2010-02-16)

Timothy Brook, Vermeers Hut. Das 17. Jahrhundert und der Beginn der globalen Welt. 270 Seiten, 8 mehrfarbige Kunstdrucke sowie zahlreiche Land- sowie Seekarten. Broschur. Deutsche Erstveröffentlichung 2009 in der Edition Tiamat. Herausgegeben von Klaus Bittermann im Verlag Klaus Bittermann, 2. Auflage. Berlin, 2009.

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