An American Soul
Jüngst ist das 15. Album von Ellis Paul erschienen. Möglich wurde dies vor allem mit Unterstützung seiner Anhänger
Von Jochen Henke (2010-02-19)
The Day After Everything Changed, erschienen auf Black Wolf Records, ist Ellis Pauls erstes Studioalbum seit fünf Jahren und das erste, an dem seine über den Globus verteilten Anhänger großen Anteil haben. Die Anhängerschaft hat sich Paul, seit er vor 21 Jahren in der Bostoner Musikszene mit seinen Roots- und Folkballaden und kernigen, durchaus gitarrelastigen Folkrockstücken reüssierte, auch mit seinen aussagekräftigen Lyrics geschaffen.
Es gehört zur Singer-Songwriter-Tradition Bostons, dass ihre Protagonisten mit Hilfe ihrer Musik immer auch kleine, nicht selten bewegende Geschichten erzählen. Ganz in der Roots-Tradition, ganz in der Woody Guthrie-Tradition, ganz in der Tradition sozialer Graswurzeln.
Das kleine Label Black Wolf passt ebenso in diese Roots-Szene wie die Musiker. Geld ist immer knapp. Paul rief seine Fans um Unterstützung auf, um ein neues Album aufnehmen zu können. Dass seine Anhänger dann zuhauf Beträge überwiesen, habe ihn "völlig überrascht". Er sei dann ins Studio gegangen, um "das bestmögliche Album" einzuspielen. Es ist dem 45-Jährigen gelungen.
Fünfzehn saubere und kräftig gefühlvolle Songs hat Paul, der 14 Boston Music Awards sein Eigen nennen darf und kürzlich von den Hörern des Radiosenders WUMB hinter Bob Dylan auf Platz zwei gewählt wurde, auf The Day After Everything Changed unter den Produzenten und Bandmitgliedern Thad Beaty (Gitarre, Banjo, Harmonium) und Jason Collum (Drums und Percussion) im Sorted Noise-Studio in Nashville hingelegt.
Kristian Bush, der an fünf Songs mitgeschrieben hat - neben dem Titelstück an The Lights Of Vegas, Once Upon A Summertime, River Road und Paper Dolls -, bekennt: "Ellis hat eine so starke Stimme, dass du sie sofort erkennst, wenn sie aus dem Radio ertönt. Seine Musik und Lieder sind eine Wiedergeburt des 'American sound' und zwingen mich, wieder auf Konzerte zu gehen."
Doch damit des Lobes nicht genug. Schon vor längerer Zeit äußerte Nora Guthrie, Tochter des US-amerikanischen Folk-Nationalhelden Woody Guthrie (1912-67) und Bruder von Arlo ('City of New Orleans'; 'Alice's Restaurant') zu Ellis Paul: "Weise, sanft, brilliant und bissig - Ellis ist einer unserer besten Kompasse (...)." Und dann sagt sie in Bezug auf seine Songs: "Ellis, ich gehe dorthin, wohin du gehst."
Es ist schon ein großartiges Album, das Ellis Paul zu Stande gebracht hat. In einer intelligenten wie harmonischen musikalischen Choreographie - sprich: klugem Arrangement - hat er die eher rockig angehauchten Stücke Annalee, River Road, Heaven's Wherever You Are, Sometime, Someplace, The Lights Of Vegas und Walking After Midnight/Change zwischen so einfühlsame Balladen wie Rose Tattoo, Hurricane Angel, Dragonfly oder Nothing Left To Take gepackt. Zu diesen gehört zweifelsohne auch Waking Up To Me, das von der seit einiger Zeit Fachleuten auch als beachtenswerte Solokünstlerin bekannten Antje Duvekot stimmlich begleitet wird.
Noch ist das Album in Deutschland nur über den Import erhältlich. Übers Internet aber ist es kein Problem, es zu bestellen.
© Jochen Henke
© GeoWis (2010-02-19)
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