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Libyen: Staatschef Gaddafi verliert mit seinem Aufruf zum Dschihad gegen die Schweiz jedes Maß an Diplomatie
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Oberster Beduine völlig von der Rolle

Libyens Herrscher Muammar al-Gaddafi empört mit seinem Aufruf zum Dschihad (Heiliger Krieg) die Weltöffentlichkeit

Von Hubertus Molln (2010-02-26)

Mit seinem Aufruf an arabische Fanatiker, den Dschihad gegen die Schweiz zu beginnen, begibt sich Libyens unberechenbarer und cholerischer Herrscher Ghaddafi in die Isolation, zumal er in der arabischen Welt für seinen Aufruf wenig Rückhalt findet.

Der Anlass für den undiplomatischen Wutausbruch des libyschen Diktators sei die im vergangenen Jahr per schweizer Volksentscheid ergangene Ablehnung zum Bau neuer Minarette im Land der Eidgenossen gewesen (GeoWis berichtete), wie die meisten deutschen Medien heute unter Berufung auf Agenturmeldungen berichten. Schon damals hagelte es Proteste aus den Reihen muslimischer Organisationen.

Auch in den europäischen Nachbarstaaten schüttelte man über die Schweizer den Kopf. Letztlich blieb jedoch alles im Rahmen, denn immerhin hatte hier eine - wenn auch knappe - Mehrheit der zum Volksentscheid gepilgerten Schweizer ihr souveränes und demokratisches Recht in Anspruch genommen, über den Neubau von Minaretten zu entscheiden. 

Gaddafi, Vater von acht Kindern und Herrscher eines riesigen Sandkastens, der knapp die fünffache Fläche Deutschlands beträgt, ist offenbar noch immer mächtig verstimmt über die Schweizer, die ihn aus seiner Sicht wohl gedemütigt haben, als sie seinen fünftältesten Sohn Motassim Bilal 'Hannibal' Gaddafi nebst dessen Gattin vor anderthalb Jahren rechtsstaatlich ins Gebet genommen hatten, nachdem diese zwei ihrer mitgebrachten Hausangestellten - ein Marokkaner und eine Tunesierin - in ihrer Genfer 5-Sterne-Luxusabsteige Président Wilson schwer misshandelt haben sollen.

Des Sohnemanns Suite wurde von einem Polizeikommando gestürmt. Bilal und seine Gattin wurden verhaftet und hatten zwei Nächte im Gefängnis verbringen müssen. Welch Frevel aus der Sicht eines sich selbst zur Kaste der Wohlgeborenen Zählenden, der in seinem Verhalten hingegen niedrieger erscheint als ein ehrenwerter Kameltreiber! Da dreht dann ein Vater wie Gaddafi schon mal durch. Gegen Zahlung einer Kaution von einer Million Franken kamen sie dann auf freien Fuß.

Der oberste Beduine Libyens ließ hernach schweizer Geschäftsleute in seinem Wüstenstaat unter dem konstruierten Vorwurf des "Verstoßes der Einreisebestimmungen" festnehmen. Offenbar ein reiner Racheakt. Schließlich hat der Papa vor dem Sohn das Gesicht zu wahren, oder?

Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) schreibt heute zum Aufruf Gaddafis: "In der Schweiz schlug die Nachricht, Ghadhafi rufe zum heiligen Krieg gegen die Schweiz auf, große Wellen in den Medien. In der arabischen Welt nimmt man sie gelassen zur Kenntnis. »Ghadhafi ist kein Scheich und darf den Jihad gar nicht fordern«, meint ein ägyptischer Scheich. »Der Kerl spinnt, das ist doch bekannt«, meinten Ägypter lachend auf der Straße."

Gut, dass es noch ausreichend vernünftige und gemäßigte Kräfte in der arabischen Welt gibt. Schlecht, dass der Ober-Libyer wohl genug Dumme finden könnte, die seinen Aufruf ernst nehmen. Die Schweiz, zumindest, ist gewarnt. Entsprechend restriktiv werden ihre Einreisekontrollen gegenüber arabischen Touristen und Geschäftsleuten von nun an sein.

© Hubertus Molln

© GeoWis (2010-02-26)

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