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Wiemer, Carl: Der Literaturverweser. Ein Stück über Vernichtungsgewinnler. Rezensiert von Klaus Berthold
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Bestechend genaues Psychogramm eines Egomanen

Für die Theaterbühne geschriebene dramatische Texte sind kaum juristisch wegen angeblicher Verletzung von Persönlichkeitsrechten angreifbar. Carl Wiemer hat klugerweise für seine Darstellung des deutschen Literaturbetriebs die Form des Theaterstück gewählt.

Von Klaus Berthold (2010-04-01)

Die Ähnlichkeit seiner Figuren mit Martin Walser und seiner Familie erscheint keinesfalls nur zufällig. "Alle glücklichen Familien gleichen einander. Jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Art unglücklich", sagt Leo Tolstoi in seiner unvergänglichen Anna Karenina. Carl Wiemers Stück bestätigt diese zeitlose Wahrheit einmal mehr.

In bestechend genauen Dialogen lässt er den Leser einen Tag aus dem Leben des in einem großen Haus an einem großen See lebenden deutschen Schriftstellers Alwin Raser mit seiner Familie erleben. Diese Familie, Rasers Ehefrau Frigga, sowie seine gleichfalls schriftstellernden Töchter Clarissa, Elvira und Freya, werden von dem monomanischen Großschriftsteller derart tyrannisiert, dass man Mitleid mit ihnen bekäme, wären sie nicht Teil dieses Familienbetriebs, in dem jede der Töchter zur Verwertung der Raserschen Literaturproduktion angehalten ist.

Dabei ist der Vielschreiber Raser ungemein fleißig. Die Verkaufszahlen seiner Romane (hier übertreibt Carl Wiemer) werden nur von den Büchern Heinz Konsaliks übertroffen. Zusätzlich darf sich Alwin Raser, im Kulturbetrieb gut vernetzt, dad heißt mit Verlegern und Redakteuren befreundet, zu jedem halbwegs wichtigen Ereignis deutscher Geschichte und Politik äußern. Eine Edelfeder, die damit erhebliche Honorare erwirtschaftet. Sie seien ihr gegönnt, denn glücklich ist dieses schreibende Monster keineswegs.

 Er, Raser, hat zwar nahezu sämtliche deutschen Literaturpreise erhalten, die jetzt nach und nach seinen drei Töchtern verliehen werden, und sein Verlag hat eine zwölfbändige Werkausgabe seiner Arbeiten auf den Markt gebracht, doch der hoch angesehene Goethepreis wird ihm, jedenfalls bei Beginn des Stückes, noch vorenthalten. Das bohrt wie ein Stachel in seinem Fleisch, und an jenem Tag, an dem der nächste Preisträger auserkoren wird, lässt uns der Dramatiker Carl Wiemer in diese Horrorfamilie blicken.

Da werden von Frau und Tochter sämtliche Preise aufgezählt, die Raser bereits zuteil wurden. Er räsoniert und führt diese Missachtung seines Werkes auf seine kleinbürgerliche Herkunft zurück. Er schwadroniert über seinen in Vorbereitung befindlichen nächsten Roman, in dem er mit einem Literaturkritiker abrechnet, ergeht sich immer wieder in dümmstem Antisemitismus, liest begeisternde Leserbriefe vor und brilliert vor einem Fernsehteam, das ihm ein Interview mehr abverlangt.

Eine sehr genaue Kenntnis des Werkes Martin Walsers und dessen Familie, die zu dem hier besprochenen Text angeregt haben dürfte, wird durchgängig erkennbar. Obwohl der Gegenstand des Stückes, der deutsche Literaturbetrieb, in Dialogen darzustellen ein ungemein schwieriges Unterfangen ist - Carl Wiemer meistert es mit Bravour, wie er auch den Schluss überzeugend ausgestaltet. Am Ende des Stückes räsonieren Goethe, Shakespeare und Dante über den Kandidaten Raser, den sie nicht auf dem literarischen Olymp neben sich sehen wollen, und sorgen dafür, dass ihn der Kronleuchter in der Villa Raser erschlägt, als ihm der Goethepreis zugesprochen wird.

Alles in allem ist dieser Theatertext eine hervorragende Bestandsaufnahme des deutschen Literaturbetriebs, der man jene Beachtung wünscht., die sie selbstverständlich nicht finden wird. Der Kulturbetrieb, so heißt es, sei zwar angeblich fähig, sogar Glas zu verdauen, aber wer seine Korruption darstellt, darf auf keinen Beifall hoffen. Jens Walthers "Abstieg vom Zauberberg", eine ähnlich respektlose Darstellung von Vorgängen im Suhrkamp-Verlag, (1997 bei Eichborn, Frankfurt/M) wurde weitgehend ignoriert und verschwand nach einer zweiten Auflage aus dem Buchhandel. Ein ähnliches Schicksal dürfte diesem intelligenten, an Aphorismen, Anspielungen und Respektlosigkeit reichen Text vielleicht nicht beschieden sein.

© Klaus Berthold

© GeoWis (2010-04-01)

Carl Wiemer: Der Literaturverweser. Ein Stück über Vernichtungsgewinnler. 96 S., Paperback, ISBN 978-3-89320-144-0, Edition Tiamat im Verlag Klaus Bittermann, Berlin, März 2010.

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