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Hammy auf der Suche nach Glück

Nicht aufzugeben, ist offenbar eine japanische Tugend. Yu Onoe beherrscht sie bestens. Teil 2

Von Uwe Goerlitz (2010-08-07)

Yu hat alles dabei, was der moderne Mensch auch auf Urlaubsreisen zu brauchen glaubt. Tagebuch war gestern. Yu reist mit einem State-of-the-Art Apple Notebook, drei Blackberrys und jeder Menge Zubehör für diese Instrumente. Einen Hauch von Romantik, ja von Vor-PC-Zeit aber hat sie sich erhalten. Sie nennt ein Moleskine-Notizbuch und einen Füllfederhalter ihr Eigen.

 Im Zimmer des Hotels Guiseppe ist sie zunächst fasziniert vom Mobilar, wobei sie der Schrank - Gründerzeit -, besonders interessiert. Sie untersucht ihn Zentimeter auf Zentimeter, lässt die Türen knirschen, schaut nach den Scharnieren, zieht die Laden heraus und sagt: "So etwas ist in Japan sündhaft teuer."

Das sei auch das Dilemma mit Japan: entweder seien die Dinge teuer und überteuert oder es sei Ramsch, den niemand wolle, aber kaufen müsse, weil für das Teure das Geld fehle.

Sie packt ihre Blackberrys aus. Eines sei für Japan, eines für die USA und eines für Europa. Das für die USA habe einen Defekt. Auf die Frage, weshalb sie nicht einfach die SIM-Karte wechsle, antwortet sie: "Blackberry hat eine totale Verschlüsselung. Das geht nicht so einfach." Deswegen habe sie noch Sims von T-Mobile und Orange.

Zwei Bestecke mit unterschiedlichen USB- und anderen Adaptern packt sie aus, ebenso zwei Solarladegeräte, ein Gestrüpp von Kabeln und sonstigem Zubehör. Dann beginnt Yu, alles zu entwirren und herauszufinden, was wie womit zusammenpassen könnte. Immer wieder wirft sie einen Blick auf die Steckdosen in der Wand. Hier, das ist klar, hat sich die EU noch nicht normativ durchgesetzt.

Yu nimmt sich Zeit. Sie spricht kein Wort, konzentriert sich, wundert sich darüber, dass A nicht mit B zusammenpasst und blendet die Welt um sich herum komplett aus. Sie ist auf Weltreise, doch was ist so eine Weltreise schon wert, wenn man sich der Welt nicht mitteilen kann, weil die Akkus leer sind? Die junge, umtriebige Dame ist auf vielen Social Networks unterwegs.

"Auf Linkedin und anderen, auch auf Flickr", sagt sie und weist darauf hin, dass dort ein umfangreiches Fotoalbum von ihr einzusehen sei. "Das gehört doch dazu." Sie sei einigermaßen mit dem Internet aufgewachsen und liebe es, es sich zu Nutze zu machen. Wie sonst sollte jemand in der Welt außerhalb Hamamatsus erfahren, dass es sie, Yu Onoe, gebe? Wie sonst sollte sie neben dem Althergebrachten - Bewerbung verschicken, Inserate schalten - der Welt klarmachen, was sie drauf habe, wie sie aussehe, was für eine Persönlichkeit sie sei?

 Und der Datenschutz? "Das ist doch sowieso überwiegend Illusion, zumal, wenn jemand ein iPhone benutzt. Steve Jobs ist doch der größte Datensauger, den es gibt." Danach kommen, lasse man mal die Diktaturen beiseite, doch schon England, und Deutschland mit der Telekom. "Meine persönlichen Daten sind bei Blackberry gut aufgehoben."

Dafür spreche doch auch, dass neuerdings Länder gerade die Nutzungseigenschaften von Blackberry-Usern unterbinden, weil sie die Kodierung nicht knacken und somit auch nicht zensieren, mitlesen oder lauschen können.

Tatsächlich haben Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate gerade erst verkündet, Blackberry-User von der Welt abzuschneiden, wie das italienische Blatt Corriere della Sera am 2. August 2010 vermeldete. "Den Rest gebe ich freiwillig preis. Ich mache ja keine ungesetzlichen Sachen. Ich will nur Gutes tun und mein Auskommen haben. Und hierzu nutze ich die Möglichkeiten, die es gibt."

Von Zeit zu Zeit betätigt sie sich als Video-Reporterin in ihrer Heimatstadt. Zu sehen sind einige dieser Vids auf Youtube unter 'Hammy News'. Das stehe für die Abkürzung von 'Hamster', "weil ich beim Essen meinen Mund wie ein Hamster bewege", erklärt sie. "Aber klar, es ist zweideutig, weil es auch eine Abkürzung für Hamamatsu sein könnte." Sie grinst und kneift dabei die Augen fast zu. Auch mit ihrem besten deutschen Freund, dem Cello, ist sie auf Youtube unterwegs. Vorzugsweise mit Sonaten von Bach und Brevel.

Yu ist beeindruckend. Ein ganze Frau. Sie kann sich echauffieren und dabei lächeln; sie kann aber auch stundenlang Kabel entwirren und zwischendurch Fragen beantworten. Und sie kokettiert: "Ich bin ein Mädchen und möchte wenigstens manchmal wie eine Prinzessin behandelt werden." Das sei wohl nicht zu viel verlangt, oder? "Die Franzosen können das nicht." Die seien zu blasiert.

Vor sechs Jahren hat sie während ihres Studiums ein Praktikum bei L'Oreal Japan gemacht. Seit April ist sie selbstständig, mit festem Kundenstamm. Einige davon sind frühere Arbeitgeber. Sie sei zufrieden, auch wenn es manchmal schwierig sei, Aufträge hereinzuholen. Erfolgreiches Verkaufen basiere auf wenigen Grundregeln: Produktverständnis, sympathisches Auftreten, Überzeugungskraft, Zuverlässigkeit.

So ist Yu nicht nur auf Weltreise, sondern auch in Sachen Kommunikation und Geschäftsanbahnungen unterwegs. Da liegt es nahe, dass sie auch während dieser Zeit Kontakt zu ihren Geschäftspartnern in Japan und sonstwo auf dem Globus hält. Und natürlich zu ihrer Familie, ihren Freunden und ihren Bekannten.

 In Japan fühle sie sich nicht zu hundert Prozent wohl. Klar, sie habe dort ihr Auskommen, Freunde, ihre Familie, aber seit sie fünf Jahre alt gewesen sei, habe sie sich nicht so sehr japanisch gefühlt.

"Ich war vielleicht immer schon zu rational für ein japanisches Mädchen, und Hamamatsu ist auch eine schöne Stadt, aber letztlich lebe ich auf einer Insel. Deshalb wollte ich schon immer von dort fort und inzwischen kann ich es mir leisten, mich umzusehen. Frankreich wird aber nicht meine neue Heimat werden."

Wenn das der Neo-Napoleon Nicolas Sarkozy, Frankreichs mit Zuwendungen von L'Oreal-Erbin Liliane Betancourt amtierender Staatspräsident, zu hören bekäme. Gut ausgebildete, dazu noch solvente Japanerin wird wie ein Stück Scheiße in seinem Land behandelt und sucht sich lieber ein anderes Domizil. "Am liebsten in Italien", sagt Yu. Auch hier habe sie ein 14-tägiges 10.000-Euro-Sprachkurspaket mit Unterkunft gebucht - und bereits bezahlt -, das am 2. September in Rom beginne.

Der Nachmittag in Ventimiglia wird am Strand verbracht. Yu ist in bester Stimmung und mag es, fotografiert zu werden. Sie könne zwar schwimmen, habe aber jetzt keine Lust darauf. Von Bali und Hawaii gebe es von ihr Bikini-Fotos auf Flickr. Sie wolle jetzt mal ohne Bikini aus sich herausgehen. Einfach so. "Heute ist mein schönster Tag in Europa", sagt sie. "Ich fühle mich sehr gut."

Zwei Stunden später fühlt Yu sich nicht mehr gut. Am Morgen habe sie Wasser aus dem Hahn ihres Hotelzimmers getrunken. Vielleicht sei das der Grund, weshalb sie sich jetzt elend fühle. Sie darbt, schaufelt allerdings ein halbes Kilo Risotto ohne Beilagen in sich hinein und trinkt einen halben Liter Wasser dazu. Die Pommes Frites lässt sie kalt werden und unangetastet.

Sie ist plötzlich nur noch ein Häufchen Elend, allerdings eines mit Haltung. Sie spricht nicht viel, bedient gelangweilt ihr Notebook und versendet ein paar SMS über ihr Blackberry. Dann windet sie sich, gibt leichtes Stöhnen von sich und will nur noch schlafen. In der Nacht übergibt sie sich mehrfach und am Morgen sieht sie so aus wie sie sich abends zuvor gefühlt hat.

 Es stellt sich heraus, dass sie sich einen Sonnenstich eingefangen und zu viel Wasser entsprechend ihres Körpergewichts zu sich genommen hatte. Sechs Liter mögen ein wenig zu viel sein für eine 45-Kilo-Grazie.

Dazu noch üppig Reis. Der Stress in Nizza - und womöglich auch der ihrer bisherigen Reise - hatte sie zusätzlich belastet. Yu war platt. Einen Arzt wolle sie nicht aufsuchen. Mittelchen aus der Apotheke sollten doch ausreichen.

Diese Einschätzung bestätigt sich nur bedingt. Im Zug nach Milano bedient sie weder ihr Blackberry noch war sie ansprechbar. Erst als sie im Hotel Century in Milano eincheckt, der Hotelboy ihr Gepäck nimmt und ein funktionierendes WiFi/WLan bestätigt wird, hellt sich ihr Gemütszustand auf. "Vier Sterne", sagt sie lächelnd und zwinkert.

Über'n Berg ist sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Einige Tage später schickt sie GeoWis eine E-Mail. Es gehe ihr gut, sie beginne, sich in Milano zu entspannen. 

© Uwe Goerlitz

© GeoWis (2010-08-07)

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