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"Das Leben genießen"

An der Côte d'Azur tummeln sich nicht mehr nur russische Oligarchen mit ihren Millionen. Auch die sich für Mittelschicht haltenden Russen urlauben längst dort. Die Intelligenzija lässt indes noch auf sich warten.

Von Jochen Henke (2010-08-16)

Liliana schwärmt noch, nachdem sie längst aus dem Gummiboot gestiegen ist, auf dem sie mit drei ihr unbekannten jungen Touristen lag und sich mit 15 Knoten von einem Sportboot eine halbe Stunde lang über die strandnahe Zone des Mittelmeers vor Nizza hatte ziehen lassen. "So much fun", stammelt sie und hat dabei leuchtende Augen. "So much fun. So good."

 Ihr Englisch sitzt, ihr Bikini-Oberteil nicht mehr ganz. An Französisch kann sie kaum mehr als 'Merci' und 'Au revoir'. Liliana ist 24 und noch unverheiratet. Das ist - gemessen an der traditionellen Heiratsfreudigkeit junger Russinnen - beinahe eine Ausnahme, an der Côte d'Azur aber keine Seltenheit.

Viele Russen seien hier, aber die meisten, vor allem Männer, hätten keinen Stil, sagt sie. Auch den meisten, die zu Reichtum gekommen seien, fehle es an Benimm.

Den jungen Männern, die altertümliches Macho-Gehabe an den Tag legten, ebenso wie den für sie eher nicht in Frage kommenden Neureichen, die sich auf die Schnelle "Kultur reingezogen" hätten. Sie stehe nicht auf russische Männer, eher auf europäische. Franzosen, Italiener, Deutsche und Briten lägen ihr. Die seien irgendwie "naturelle" gebildeter. Deshalb lebe sie seit einiger Zeit in London, studiere Ökonomie. Aha!

Sie urlaube hier mit ihrer Freundin und deren Mann, sagt Liliana, die eigentlich schon längst hätten erschienen sein müssen. "Sie liegen bestimmt noch im Bett." Auf die Frage, wie sie das als Studentin finanziere, lächelt sie zunächst, sagt aber dann: "Ich arbeite neben dem Studium und verdiene ganz gut." Was sie arbeitet, verrät sie nicht. "Aber ich will das Leben genießen."

Woher aus Russland sie stamme, wollen wir wissen. "Aus Nowosibirsk", sagt sie und rückt ein wenig zu auffällig und so gar nicht 'naturelle' ihr Oberteil zurecht, das ihre üppige Oberweite anschließend trotzdem nur spärlich bedeckt. Die junge Dame hat alles an Figur, was Männer für gewöhnlich ins Schwärmen geraten lässt, und natürlich weiß sie das.

 Gegen Mittag erscheint ihre Freundin Nathalie, mit der sie sich eine Massage von einer polnischen Masseuse verabreichen lässt, und deren Mann Dennis, der vorgibt, Öl-Ingenieur bei Rosneft, Russlands größtem Ölkonzern, in Samara zu sein.

Das Unternehmen, erst 1993 gegründet, steht international im Verdacht, von Russlands ehemaligen KGB-Offizier, späterem Präsidenten und heutigem Ministerpräsidenten Wladimir Putin ferngesteuert zu sein. Sein ehemaliger engster Berater Igor Iwanowitsch Setchin ist Vorstandsvorsitzender des Konzerns.

Offenbar verdienen Öl-Ingenieure bei Rosneft fürstlich, denn Dennis, 32, ist mit seiner Gattin im Palais de la Méditerranée untergekommen, eine Woche für 7000 Euro inklusive Flug ab Samara und zurück. Schwer vorstellbar, dass Dennis sich von seinem Gehalt als Ingenieur so eine Reise plus üppiger Nebenkosten leisten kann.

Dennis ordert Muscheln, Pommes Frites und Rosé für die Damen. Der Beachboy, der auch kellnert, bringt einen Tisch und platziert ihn direkt am Wasser. Im Verlauf des frühen Nachmittags kommen weitere Russinnen hinzu. Dennis ordert Champagner.

"Okay", beginnt Liliana angesichts der Hinzugekommenen, die sich flugs mit Nathalie und Dennis unterhalten. "Meine Eltern haben hier eine Ferienwohnung und die nutze ich gerade. Aber heute nächtige ich im Le Méridien." Nachfragen dazu lächelt sie charmant weg, nippt an ihrem Rosé. Sie müsse jetzt mal telefonieren. Man könne sich ja heute Abend in der Bar des Negresco treffen. Sie nimmt ihr iPhone und beginnt ein Telefonat auf Russisch.

Das Negresco, eine inzwischen Fünf-Sterne-Unterkunft, ist das teuerste Hotel in Nizza. Für ein Einzelzimmer muss man schon mal bis zu 2500 Euro aufbringen. Pro Nacht. Das Frühstück kostet dann noch läppische 30 Euro. Hier steigen Film-, Wirtschafts- und Politikgrößen ab, wenn in Cannes oder Monaco/Monte Carlo nichts mehr geht, oder auch osteuropäische Neureiche. Eher selten Journalisten.

 Attraktive Russinnen wie Liliana urlauben zuhauf an Frankreichs Mittelmeerküste. Vorzugsweise an der Côte d'Azur. Sie sind einerseits sehr offenherzig, wenn es darum geht, zu erzählen, wie ihnen der Urlaub gefällt, wo sie untergekommen sind, was ihnen Spaß macht; andererseits sind sie trotz knapper Oberteile sehr zugeknöpft, wenn sie Auskunft darüber geben sollen, wie sie sich das teure Nizza leisten können.

Im Vergleich zu westeuropäischen Studentinnen steht Liliana bestens da, können sich doch die meisten von ihnen in der Hochsaison keine Unterkunft für € 525 pro Nacht leisten. Frühstück nicht inbegriffen. Liliana mag darüber nicht diskutieren. Sie sei im Urlaub. Das allein zähle. Und was habe sie mit anderen zu tun? Sie wolle Spaß haben, sich erholen - und an Russland keinen Gedanken verschwenden.

Und Dennis, der angebliche Öl-Ingenieur? Er sei schon mal verheiratet gewesen, aber jetzt, mit seiner neuen Frau, sei es besser. Gefragt danach, was er vom BP-Problem im Golf von Mexiko halte, sagt er lapidar: "Die haben nicht die richtige Technik und verarschen die Leute. Russland könne das besser." Ob er die Verarsche meint oder den Umgang mit dem Problem, lässt er offen. Dennis aber scheint tatsächlich etwas mit der Branche zu tun zu haben. Nur was?

© Jochen Henke

© GeoWis (2010-08-16) 

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