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Klimawandel: An der Überschwemmungskatastrophe im Sommer 2010 in Pakistan zeigte sich, dass die Weltgemeinschaft an ihre Grenzen stößt. Warner gibt es seit mehr als 40 Jahren
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Am Scheideweg

Nie zuvor, seit der Mensch Zeitung liest oder fernsieht, gab es abgesehen vom Tsunami 2004 eine so einschneidende Überschwemmungskatastrophe wie in Pakistan im August 2010, von der mehr als ein Neuntel der nationalen Bevölkerung betroffen war. Vor einer solchen Naturkatastrophe war lange zuvor in Szenarien gewarnt worden, doch Politik und Industrie scherten sich nur wenig darum.

Von Uwe Goerlitz (2010-08-20)

Als 1972 in Stockholm die erste internationale Umweltkonferenz stattfand, gab es im Kern dafür die gleichen Gründe wie beim Umweltgipfel - auch bekannt als UN-Klimakonferenz - im Dezember 2009 Kopenhagen: die anthropogenen, also vom Menschen verursachten Sünden zur Umweltzerstörung und zum Klimawandel. Intellektueller Wegbereiter für die Umweltkonferenz war der 1968 von dem italienischen Industriellen und China-Beauftragten des Autobauers Agnelli (FIAT), Aurelio Peccei (1908-84), mitgegründete Club of Rome. Der andere Mitgründer war der von der britischen Krone geadelte Wissenschaftler Alexander King (1909-2007). 

 Gegründet wurde der Klub in der Villa von Nelson Aldrich Rockefeller am Comer See, Italien. Von Beginn an haftete dem Klub ein esoterischer Touch an, und der Vorwurf, sich als Superreiche mit einem ganzheitlichen neuen Weltansatz zu beschäftigen, der zum Nachteil der Massen sei, zumal er neben dem Umweltschutz auch apologetisch die Begrenzung des Bevölkerungswachstums verfolgte. Bis heute konnte der Klub diesen Vorwurf nicht entkräften.

Der vermögende Klub gab an die damaligen Youngsters Donella und Dennis Meadows und Jorgen Randers, Umweltwissenschaftler und Systemanalytiker am Massachusetts Institute for Technology (MIT), eine Studie in Auftrag, die als 1. Bericht an den Club of Rome unter dem Namen The Limits to Growth (Die Grenzen des Wachstums) 1972 international Furore machte, auch hinter dem Eisernen Vorhang. Im Wesentlichen beschäftigten sich die beauftragten Wissenschaftler - Meadows/Meadows waren 31/30, Randers war 27 Jahre alt - mit den bis dahin bekannten Rohstoff-, Energie- und Nahrungsmittel-Ressourcen und deren Verbrauch im Hinblick auf das globale Bevölkerungswachstum und entwickelten diesbezüglich Zukunftsszenarien.

Hernach machten Phrasen wie 'Wir müssen den Gürtel enger schnallen' die Runde, ohne dass die Politik das Engerschnallen des Gürtels auf die Vermögenden bezog. Visionäres in der Umweltpolitik, das heute längst in Gesetze eingeflossen ist, schalt der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt hanseatisch-salopp einst: "Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen."

Nach Stockholm 1972 trat in Deutschland 1974 das Bundesimmissionsschutzgesetz in Kraft. In den USA, Schweden und einigen anderen Ländern wurden Kraftfahrzeuge nach und nach auf Bleifrei umgestellt und Katalysatoren zur Verringerung der Autoabgase entwickelt. Gewässerschutzverordnungen und -gesetze wurden auf den Weg gebracht, auch in der damaligen Bundesrepublik, ebenso wie Abgasverordnungen für Industriebetriebe, die sich im Laufe der Zeit stetig verschärften.

 In der seinerzeit vorherrschenden tripolaren Welt - auf der einen Seite die kapitalistischen Staaten, auf den beiden anderen die kommunistischen und sozialistischen unter der Vorherrschaft der Sowjetunion (UdSSR) und Chinas, die ihre Konflikte in den unterentwickelten Staaten austrugen -, war das Thema Umweltschutz eine einseitige Veranstaltung.

Während in diesen Ost-Blöcken hinsichtlich des Umweltschutzes so gut wie gar nichts geschah, griff China zumindest das Thema Bevölkerungswachstum auf und verfolgte ab Mitte der 1970er Jahre rigoros die Ein-Kind-Politik, die dem Land heute neue Probleme bereitet: Es gibt erheblich mehr Männer als Frauen. 

Ein Umdenken in den Ost-Blöcken begann erst nach der 20 Jahre nach Stockholm abgehaltenen zweiten internationalen UN-Umweltkonferenz, die in Rio de Janeiro stattfand und die - obwohl über 12.000 Delegierte aus offizieller Politik, politischen Parteien, Nicht-Regierungsorganisationen, Wirtschaftsvertretern und Medien zusammenkamen - einen ersten weltumspannenden Ansatz formulierte.

Die Tripolarität - in den meisten Medien ist immer von Bipolarität die Rede, weil China mit in den Topf geworfen wird - war seit der Wiedervereinigung der beiden Deutschlands und dem kollabierten System der UdSSR de facto vorüber, zumal dadurch auch die zuvor zu den beiden Lagern gehörenden unterentwickelten Staaten auf der Suche nach Neuorientierung waren und Delegierte nach Rio entsandten.

Das große Thema in Rio war die so genannte nachhaltige Entwicklung, die in der Agenda 21 in Leitsätzen festgehalten und spezifiziert ist und in lokale Agendas 21 dekliniert wurde. Der Deutsche Geographentag 1993 (Bochum) stellte sie unter das Motto: "Think global, act local." Zwei Jahre zuvor hatte man in Deutschland die Mülltrennung installiert und mit dem Dualen System eine privatwirtschaftlich organisierte Institution geschaffen, die den 'Grünen Punkt' auf Verpackungen vergeben durfte und seitdem Millionen damit macht.

Wenige Jahre vor der Konferenz in Rio war eines der großen Themen das Ozonloch, das Meteorologen in der Atmosphäre über der Südhalbkugel lokalisiert hatten und dafür die Emission von Fluorchlorkohlenwasserstoffen verantwortlich machten. Das Treibhausgas, jahrzehntlang in Rasierschaum, Sprays und anderen Verbrauchsprodukten als Antriebsmittel verwendet, wurde sukzessive verboten und verschwand in den folgenden Jahren fast ganz vom Markt.

 Doch der umweltpolitische Durchbruch war Rio 1992 nicht. Der damalige US-Präsident Bush - der Ältere -, von Haus aus schwer im Ölgeschäft tätig mit besten Verbindungen zur Bin-Laden-Dynastie, war erst gar nicht angereist. Der Vorsteher der - pro Kopf - größten Energieverbraucher und Umweltsünder blieb auf Abneigungskurs gegenüber der globalen Gemeinschaft - wie auch China und Russland.

Während letztere beiden Nationen ökonomische und soziale Entwicklung nachzuholen hatten und damit Präferenzen setzten, hatte Bush sr. lediglich die Bequemlichkeit von John Doe, die manifeste Unbeweglichkeit der USA-AG und seine eigenen Interessen im Fokus. Damit stand er auf einer Linie mit dem 1982 aus dem Amt geschiedenen West-Kanzler Schmidt, der Utopisten etwa die Grünen, als politische Spinner abtat, und dem schwachen, später als Wiedervereinigungskanzler apostrophierten deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl, den Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik auch nur wenig interessierte.

1992 legten Meadows/Meadows/Randers nach, indem sie ihr Buch Beyond the Limits vorlegten, das auf Deutsch seltsamerweise den Titel Die neuen Grenzen des Wachstums trägt, anstatt z. B. 'Über die Grenzen hinaus'. Betrug die Weltbevölkerung zwanzig Jahre zuvor zirka 3,8 Milliarden, waren es 1992 zirka 5,2 Milliarden. Seit 1960, als sie drei Milliarden betrug, wuchs sie im Mittel alle dreizehn Jahre um eine Milliarde. 2012 wird die Sieben-Milliarden-Schwelle überschritten.

Meadows/Meadows/Randers nehmen in der Studie von 1992 nicht einfach ein Vergleich zur 1972er vor; sie beschäftigen sich mit weiteren Problematiken, die in der ersten nicht ausreichend Raum bekommen hatten. Etwa der Nahrungsmittelproduktion auf geringer werdenden Anbauflächen, der Überfischung der Meere, dem Rückgang der bewaldeten Flächen und bekräftigten ihre Thesen zu Nachhaltigkeit und Gleichgewicht.

Es folgten weitere UN-Umweltgipfel. Zunächst in Berlin Ende März 1995. Dieser Gipfel war als Nachfolgekonferenz zu Rio deklariert worden. Inzwischen waren Bill Clinton in den USA, Boris Jelzin in Russland und Peng Li in China an der Macht. In Deutschland herrschte noch Helmut Kohl als Bundeskanzler. Kernthema dieser auch als Klimakonferenz bezeichneten Zusammenkunft war der Treibhauseffekt und damit verbunden die Reduzierung von Kohlendioxidausstößen.

Zweieinhalb Monate zuvor war Japan von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht worden, das vor allem in der Metropole Kobe für große Schäden sorgte. Zwar entstehen Erdbeben nicht durch anthropogene Einflüsse, es sei den, man zündet unterirdisch bzw. submarin Atombomben, doch längst war den Gipfelteilnehmern klar, dass der Einfluss des Menschen auf die Umwelt und das Klima evident sei, zumal etwa der Meteorologe Paul Crutzen, der 1995 den Nobelpreis für Chemie erhielt, sechs Jahre zuvor klipp und klar sagte, was Sache sei.¹

Indes, man versteckte sich noch hinter jenen Wissenschaftlern, die zur damaligen Zeit in der Mehrzahl nicht ausreichend Mut besaßen, Klartext zu reden, sondern eher von Anomalien sprachen, hingegen weniger von Trends. Die Unsicherheit der Geowissenschaftler war zum Teil auch darauf zurückzuführen, dass es noch keine umfangreich leistungsfähige Software und Rechnerkapazität gab. 

Aber es gab damals schon die Münchner Rück (heute: Munich Re), der Welt größter Rückversicherer, der über umfangreiche Daten zu Naturkastastrophen verfügt. Und natürlich existierten tausende von Studien zum Treibhauseffekt, Klimawandel und ungleichgewichtigem wirtschaftlichen Handeln des Menschen. Was fehlte, war der nationenübergreifende politische Wille und die dazugehörige Durchsetzungskraft etwa gegenüber einflussreichen Industrie- und Branchenvertretern.

Stattdessen beugten sich die Regierungen den Ideen und Konzepten der Privatwirtschaft und wurden großenteils von ihr infiltriert. Das von Bill Clinton (Amtsantritt: Januar 1993) herausposaunte Motto einer neuen Weltordnung erhob freien Welthandel, Privatisierung von Staatsunternehmen und Deregulierung von Finanzmärkten zum Mantra. Umweltschutz und die Reduktion von Treibhausgasen waren in dieser neuen Weltordnung lästige Kostenfaktoren.

Wie die Hasen im Wettlauf mit den Igeln machten sich Nationen und Staatenverbünde daran, die Voraussetzungen für die neue Weltordnung zu schaffen. In Europa wurde der Maastricht-Vertrag unterzeichnet, der der EU-Kommission weitreichende Entscheidungen zur Deregulierung und Privatisierung gegenüber den EU-Mitgliedsstaaten einräumte. In Nordamerika trat das Freihandelsabkommen NAFTA zwischen den USA, Kanada und Mexiko in Kraft (1. Januar 1994).

Damit der Freihandel und die Deregulierung auch überall eingehalten werden, richteten die OECD-Staaten eine Überwachungsinstanz ein: die Welthandelsorganisation (WTO) mit Sitz in Genf. Sie nahm am 1. Januar 1995 ihre Arbeit auf und verfügt "als oberstes Weltgericht in Handelsfragen"² über ein Arsenal an Befugnissen, wie es bis dahin bestenfalls nur souveräne Staaten hatten. Wer Handelshemmnisse nicht abbaut oder neue errichtet, etwa in Form von Zöllen, Verordnungen, Erlassen, zu strengen Grenzwerten oder Kontrollen, kann bestraft werden. Auch rigoroser Umwelt- und Klimaschutz kostet Geld, verteuert Produkte und Lebenshaltungskosten. Nichts davon ist im Sinne der WTO.

Was Kritiker damals bereits befürchteten, nämlich dass der - auch unter dem Begriff Globalisierung subsumierte - freie Welthandel zu mehr Raubbau an der Umwelt und damit verbundenen negativen Wechselwirkungen auch fürs regionale und globale Klima führt, ist längst eingetreten, blickt man beispielsweise auf die Überschwemmungen in Pakistan, von denen sich das seit ewigen Zeiten in kriegerischen Konflikten befindende Land auf Jahrzehnte hin nicht wird erholen können. 

 Weitere Umwelt- und Klimakonferenzen wurden abgehalten. 1996 in Genf, die nichts einbrachte; 1997 in Kyoto, wo immerhin das Kyoto-Protokoll entstand, das 2005 - nach acht weiteren Konferenzen von Bonn bis Buenos Aires - endlich in Kraft trat. Seitdem gab es sechs weitere (Montréal 2005: Fortschreibung des Kyoto-Protokolls über 2012 hinaus; Nairobi 2006: Einrichtung eines Fonds für afrikanische Länder; Bali 2007: nur Forderungen, keine Ergebnisse; Posen 2008: ergebnislos; Kopenhagen 2009: ergebnislos, jedoch Absichtserklärung, das die Zwei-Grad-Klimaerwärmung die Obergrenze sein soll).

Doch von einer Systemänderung, wie Meadows/Meadows/Randers sie thematisiert hatten, wenn Situationen wie nun in Pakistan und regionale oder globale Nahrungsmittel- und Ressourcenknappheit vermieden werden wollten, und beispielsweise auch Paul Harrison sie in seinem 1996 auf Deutsch erschienen Buch Die Dritte Revolution³ angemahnt hat, genauso wie in einigen Ansätzen Ernst Ulrich von Weizsäcker³ in dessen Buch Erdpolitik, kann bisher keine Rede sein.

Wenn in Pakistan Millionen von Menschen abzusaufen drohen, könnten Zyniker unter den Geowissenschaftlern und Politstrategen sich sogar freuen und insgeheim geneigt sein, der Katastrophe etwas Gutes abzugewinnen: ein erheblicher Teil der reproduktionsfreudigen muslimischen Bevölkerung dieses Landes wäre eliminiert. Gut für die globale Bevölkerung.

Selbst wenn dies im globalen Maßstab sogar zuträfe, wäre der Zynismus eine kurzatmige Haltung. Denn Pakistan ist lediglich ein erschütternder Vorbote für das, was uns allen noch bevorsteht. Ob da die Lilypads des belgischen Architekturvisionärs Vincent Callebaut tatsächlich auch einen realistischen Ausweg für die Vermögenden dieser Welt bieten, darf bezweifelt werden. 

¹: Paul J. Crutzen, Michael Müller (Hg.): Das Ende des blauen Planeten? Der Klimakollaps - Gefahren und Auswege. Beck, München, 1989.

²: Klaus Wardenbach: Das Weltgericht des Freihandels. Die WTO als Graue Eminenz der Globalisierung. In: iz3w, blätter des informationszentrums 3. welt, Ausgabe 224, S. 28-30. Freiburg i. Br., Oktober 1997. 

³: Paul Harrison: Die Dritte Revolution. Antworten auf Bevölkerungsexplosion und Umweltzerstörung. Suhrkamp, Frankfurt/Main, 1996. Ernst Ulrich von Weizsäcker: Erdpolitik. Ökologische Realpolitik an der Schwelle zum Jahrhundert der Umwelt. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1994.

© Uwe Goerlitz

© GeoWis (2010-08-20)

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