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Müller, Michael (Hrsg.): Die leise Diktatur - Das Schwinden der Freiheit. Rezensiert von Hubertus Molln
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Aachener Jambalaya

Zwischen Meinung, Glaube und Rationalität gibt es definierte Unterschiede. Die leise Diktatur - Das Schwinden der Freiheit vermengt alles miteinander.

Von Hubertus Molln (2010-09-17)

"Den Autoren dieses Bandes reicht es! Sie haben genug von Parteien und Medien, die uns aufzwingen, wie zu denken und zu reden ist. Sie wehren sich gegen Kirchenfeindlichkeit, die Einschränkung ihrer Religionsfreiheit als Christen, Abtreibung und Euthanasie sowie gegen den neuen Antisemistismus der Linken, gegen eine ausufernde Kriminalität, gegen Islamisierung und Überfremdung und den verschämten Umgang mit der eigenen Kultur und Identität", so der dritte Textabschnitt auf der Rückseite des von Michael Müller herausgegebenen Buches Die leise Diktatur.

21 AutorInnen lassen ihren Gedanken darin freien Lauf. Was schon mal nicht schlecht ist, und nur deshalb funktioniert, weil sie sich wie jeder in diesem Land Publizierende auf Artikel 5 Grundgesetz berufen können, der die Meinungsfreiheit garantiert. Fast jeder Beitrag in diesem 540 Seiten umfassenden Konvolut bedient eine Weltsicht, die normalerweise an Stammtischen herrscht oder in erzkonservativen und radikalliberalen Zirkeln diskutiert wird.

Das Buch, vorwiegend aus Traktaten, Pamphleten, irritierenden Essays und Aufzählungen bestehend, zielt darauf ab, die gebeutelte bürgerliche, die neoliberale, die christlich-konservative und die ängstliche Mitte zu bedienen, und auch jene, die sowieso gegen alles sind, was gesellschaftliche wie kulturelle Vielfalt ausmacht. Manchen AutorInnen unterlaufen dabei eklatante handwerkliche Fehler; einige Aussagen sind schlicht unrichtig.

Etwa wenn Michael Müller schreibt: "Niemand schrieb (...) über Jörg Haider ohne den mit seinem Namen verbundenen 'Titel' »Rechtspopulist«, von einem »Linkspopulisten Oskar Lafontaine« spricht niemand." Da irrt Müller gewaltig und hat offenbar nicht sauber recherchiert. Der Berliner Historiker Rafael Seligmann schalt Lafontaine als Linkspopulisten (rp-online v. 16.09.2008); ebenso der Focus (Online-Ausgabe v. 13.09.2008), die Neue Zürcher Zeitung (17.11.2009) und sogar de.wiktionary.org. Häufig wird über Lafontaine sogar mit dem Zusatz 'Demagoge' und dem Adjektiv 'demagogisch' berichtet.

Müller hat offenbar kein Problem damit, Tatsachen zu verdrehen, was auch an folgenden seiner Aussagen erkennbar ist: "Wenn 50 verspinnerte, unappetitliche Rechtsradikale die Fäuste recken, ruft der Staat den Notstand aus. Zünden autonome Linke Autos an oder schmeißen Molotowcocktails auf Polizisten, so dient dies letztlich der 'guten Sache'.

Offenbar hat der Autor hier etwas falsch verstanden. Bisher war es überwiegend so, dass Demonstrationen von Rechtsradikalen in Deutschland genehmigt wurden, wenn bisweilen letztlich durch richterlichen Entscheid. Und bisher war es auch stets so, dass bei Straftaten von Gegendemonstranten oder Molotow-Cocktail-Werfern die Staatsanwaltschaft ermittelte. Wer brennende Autos als "gute Sache" bezeichnet haben soll, lässt Müller offen.

Ohnehin ist das Machwerk eines ohne Quellenangaben und Sachwortregister. Das, so darf man mutmaßen, hätte vielleicht den in Worte gefassten Redefluss der AutorInnen nur gestört und ihnen zusätzliche Arbeit bereitet. Das Buch ist voll von kruden und böswilligen An- und Absichten und lässt das jüngst von Thilo Sarrazin verfasste Traktat Deutschland schafft sich ab fast wie Poesie aussehen.

Zu Beginn des Kapitels eins, Politik und Medien, darf sich Anna Pabst auslassen, die bisher "zwei Bücher und viele Artikel über Gott und die Welt" verfasst habe. Sie behandelt die Gesundheitskarte, das Steuerprogramm Elster und das Datenübermittlungsprogramm über Beschäftigte, ELENA, indes auf eine Weise, die geeignet ist, diese drei Datenkraken schon wieder liebzuhaben. Denn was Papst da wie von sich gibt, ist wenig geeignet, ernst genommen zu werden. Dabei sind alle drei Themen eine ernste Sache.

Immer wieder mischen die Autoren Fragmente in ihre Texte, die auch außerhalb der Stammtische und nationalkonservativen Zirkel Zuspruch finden. So den fortschreitenden Machtzuwachs der EU und den damit verbundenen Souveränitätsverlust ihrer Mitgliedsstatten; die Meinungshoheit von Konzernmedien; die Abgehobenheit der Politik gegenüber dem Volk. Doch es sind einerseits Stil und Sprache, andererseits der krude, indifferenzierte Mix der Inhalte, die das Machwerk beinanhe als unlesbar erscheinen lassen, wenngleich auch an Universitäten längst das bürokratische Monster EU und die Mainstream-Medien in den Fokus der kritischen Analyse geraten sind.

Man könnte annehmen, dass im hier vorliegenden Buch die Public Relation-Abteilung des Vatikans die Federn geführt hätte, zumal das Buch im erzkatholischen mm-Verlag zu Aachen verlegt wurde, dessen Inhaber Michael Müller ist. Zumindest dürfte es im Sinne von Josef Ratzinger - a.k.a Papst Benedikt XVI - sein, der gerade auf Missionierungstournee in Großbritannien unterwegs ist. Vorstellbar ist auch, dass dieses Schriftwerk im Sinne des rechten Intellektualismus, Heimat Vatikan, ist.

Man muss kein Atheist sein, um dieses Machwerk schon aufgrund seiner teils boshaften, teils desintegrierenden, gegen muslimische und andersdenkende Minderheiten gerichteten Beiträge nicht zu mögen. Auch aufgeklärten Katholiken und Christen müsste es Tränen aus den Augen treiben - vor Lachen, oder vor so viel Stümpertum und Dogmatismus. Gegenüber aufgeklärten Christen kann diese Ansammlung von Texten inhaltlich gar als Affront, als Frechheit oder als Unverschämtheit aufgefasst werden.

Ein gutes Drittel der AutorInnen schreibt für das vom niederrheinischen Grevenbroich aus betriebene, radikkaliberale Online-Blatt 'eigentümlich frei', das von André F. Lichtschlag betrieben wird, der mit zwei Beiträgen im vorliegenden Buch aufwartet ( Die Piratenpartei; Markt und Moral), die sogar noch zu den lesenswerten gezählt werden können, wenn man vier Augen zudrückt.

'Die leise Diktatur' ist ein textliches Jambalaya mit Zutaten und Einlagen, die nicht für jeden geeignet sind, sie zu verdauen. Das Buch ist zu schlecht geschrieben, als dass es für eine breitere Diskussion taugte. Es ist polemisch, herrisch, naiv, und - das vor allem - unseriös.

© Hubertus Molln

© GeoWis (2010-09-17)

Michael Müller (Hrsg.): Die leise Diktatur - Das Schwinden der Freiheit. Hardcover, 540 S.; ISBN 978-3-928272-91-9; mm-Verlag, Aachen, Juli 2010.

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