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Portrait: Camila Morgado. Ob Olga, Malu, May oder Cacilda - die brasilianische Schauspielerin ist eine der vielseitigsten ihres Fachs
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In der Tradition von Fernanda

Camila Morgado gehört zu den Publikumslieblingen in Brasiliens Fernseh-, Film- und Theaterbranche. Hierzulande wurde sie vor allem durch den Film Olga bekannt.

Von Jonas Littfers (2010-09-30)

Zwei Männer sind bisher für die Schauspielkarriere von Camila Morgando maßgeblich gewesen. Der Eine ist der regimekritische brasilianische, neben anderen auch mit deutschem Reisepass ausgestattete Dramatiker, Theatermacher und Opernregisseur Gerald Thomas Sievers, der vielfach Werke von Samuel Beckett und Heiner Müller in den USA und Brasilien aufgeführt hat, ein Anhänger von Hélio Oiticica, Marcel Duchamp und Saul Steinberg ist und 1987 in Sao Paulo die Dry Opera Company gründete. 

 Der Andere ist der brasilianische Film- und Fernsehregisseur Jayme Monjardim Matarazzo, der Morgado in der Fernsehserie A Casa das Sete Mulheres (dt.: Im Haus der sieben Frauen) besetzte und damit dem brasilianischen Fernsehpublikum bekannt machte.

Kurz danach gab der renommierte Regisseur ihr die Hauptrolle im Kinofilm Olga, der auf der Biographie über die politische Aktivistin von Fernando Morais beruht und im August 2004 in Morgados Heimat, zwei Jahre später auch in Deutschland in die Kinos kam.

Als Olga Benário Prestes lieferte Morgado eine der stärsten Leistungen ab, die man einer bis dahin vornehmlich durch Fernsehen und Theater bekannt gewordenen Schauspielerin wohl kaum zugetraut hätte, und rückte dadurch auch europäischen Cineasten ins Blickfeld. Wer sie in Olga erstmals sah, der konnte erkennen, dass selten zuvor jemand einen weiblichen kommunistischen Kader facettenreicher gespielt hatte als Morgado.

Als wäre ihr die Rolle auf den Leib geschrieben worden, verkörpert sie die 1908 in München als Olga Guthmann Benário in gehobenes Bürgertum geborene - Vater Anwalt mit Kanzlei in München, Mutter aus wohlhabendem jüdischen Geschlecht - Deutsch-Brasilianerin, die bereits im Alter von 17 Jahren der Linken zugeneigt gewesen war und sich von ihren Eltern lossagte, vor allem von ihrer offenbar das Dekadente pflegenden Mutter.

Benário zog zu ihrem Freund Otto Braun, der der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) angehörte und zuvor in München als aktiver Kommunist gewirkt hatte, nach Berlin, wo sie für den Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD), die KPD und die sowjetische Handelsmission arbeitete. Dort wurden sie und Braun bald wegen Hochverrats verhaftet. Benário kam später frei, Braun wurde wegen dieses Hochverrats angeklagt.

 Während der Verhandlung soll Olga im Verbund mit Genossen Braun in einer bewaffneten Aktion befreit haben und mit Hilfe von KPD-Kadern über die Tschechoslowakei nach Moskau gelangt sein.

Benário ging in der UdSSR durch die militärisch-politische Kaderschulung und wurde - vor allem nach der Trennung von Otto Braun - von der KPDSU als Agentin in unterschiedlichen Missionen in Europa eingesetzt und bewährte sich stets.

1934 wurde sie dazu abkommandiert, den brasilianischen Militär und Kommunisten Luís Carlos Prestes, der in Moskau weilte, als Personenschützerin zurück nach Brasilien zu begleiten. Prestes sollte gegen Diktator Getúlio Vargas eine Revolution vorbereiten. Benário und Prestes reisten unter falschem Namen per Schiff und getarnt als Ehepaar und verliebten sich.

Der Putsch und die geplante Revolution scheiterten. Beide wurden inhaftiert. Während Prestes dem Tod entging und in seiner Zelle sein Dasein fristete, wurde Olga - inzwischen schwanger von Prestes - von Hitler-Deutschland angefordert und vom nazifreundlichen Vargas an die Gestapo ausgeliefert. Sie kam ins Konzentrationslager und wurde 1942 dort mit Gas ermordet.

Für diese Rolle habe sie sich intensiv und aktiv mit militärischem Drill auseinandergesetzt, bekannte Camila Morgado gegenüber brasilianischen Medien. In einem Interview mit Jana Muschick vom August 2007 für das 'Online Magazin für Frauen', Aviva, gestand sie: " Die psychologische Situation der Figur ist sehr schwierig und hat mir viel abverlangt. Olga hat viele Probleme und lebt wie in einem Dampfkochtopf, der kurz vor dem Explodieren ist."

 Morgados schauspielerische Leistung, die durch enorme Wandlungsfähigkeit geprägt ist - von der aufmüpfigen, die Dekadenz und die Unterdrückung der Arbeiterklasse verabscheuenden Jugendlichen, zunehmend zu einem Kader reifenden, dann als konsequente Kommunistin operierenden, danach unvermittelt in Liebe fallenden, schließlich im KZ landenden, kahlgeschorenen Todgeweihten - wurde seinerzeit belohnt.

Sie erhielt vier verschiedene nationale Filmpreise, darunter auch die renommierteste brasilianische Auszeichnung für Schauspieler, und kann somit den Prèmio Contigo, den Prèmio Conta Mais, den Prèmio Qualidade Brasil und den Grande Prèmio Brasil de Cinema Brasileiro für ihre Rolle als Olga ihr Eigen nennen.

Jayme Monjardims Olga gehörte zu den 52 eingereichten Werken, die sich bei den 77. Academy Awards um einen Oscar bewarben. Doch der Film wurde nicht einmal nominiert. Die fünf Nominierten waren seinerzeit Yesterday (Südafrika; Regie: Darrell Roodt), Så som i himmelen (Schweden; R.: Kay Pollak), Les Choristes (Frankreich; R.: Christophe Barratier), Mar adentro (Spanien; R.: Alejandro Amenabar), Der Untergang (Deutschland; R.: Oliver Hirschbiegel).

Mar adentro (dt.: Das Meer in mir), mit Javier Bardém in der Hauptrolle, gewann. Weshalb anstatt Olga ausgerechnet das Führerbunkerdrama Der Untergang mit Bruno Ganz in der Hauptrolle nominiert worden war, weiß man zwar nicht, doch es liegt nahe, dass eine kommunistische Heldin, ganz egal wie gut die schauspielerische Leistung dargeboten wird, nicht in die politische Landschaft passte. Indes, Monjardims Film ist deutlich intensiveres Drama als der Hirschbiegel-Film.

 Es wäre erst das zweite Mal gewesen, dass eine brasilianische Filmproduktion für einen Oscar nominiert worden wäre. Erstmals gelang das Walter Salles 1999 mit seinem Film Central do Brasil, der bereits zuvor auf der Berlinale drei Preise abräumte. Fernanda Montenegro, die Grande Dame des brasilianischen Schauspiels, wurde als beste Schauspielerin für einen Oscar nominiert. 

"Es war eine der schwersten Rollen meines Lebens", gestand Camila Morgado im Interview mit Jana Muschick. "Ich habe im Laufe der Dreharbeiten viele Veränderungen durchgemacht, auch, was meine persönliche Entwicklung angeht." Sie habe sich erst Muskelmasse antrainiert und dann zehn Kilo abnehmen müssen, wie sie brasilianischen Medien erzählte.

Den dauerhaften internationalen Durchbruch erlangte die 1975 in Petrópolis, 60 Kilometer nördlich von Rio de Janeiro geborene und als Camila Ribeiro da Silva getaufte Aktrice nicht. Was sie möglicherweise gar nicht vorhatte. Sie spiele gern Theater und auch Fernsehrollen, sagt sie. Hierbei reicht ihr Spektrum von Komödie über Drama bis Schnulze.

Morgados Karriere begann im Theater. Zweiundzwanzigjährig schloss sie ihre Ausbildung im CAL (Casa de Arte das Laranjeiras) in Rio ab und nahm dann in São Paulo weiteren Schauspielunterricht bei José Alves Atunes Filho, einem der großen brasilianischen Theatermacher mit Schwerpunkt aufs Klassische.

 Es dauerte, bis sie ins Geschäft kam. Ähnlich wie bei ihrem großen Vorbild Fernanda Montenegro musste sie Mitte zwanzig werden, bis die ersten Engagements kamen. Der nationale Durchbruch gelang ihr mit 28, nachdem Jayme Monjardim sie in der TV-Mini-Serie A Casa das Sete Mulheres in der Rolle der Manoela besetzte. 

Obwohl sie darin vorwiegend hübsch und verliebt ist, auch Nacktszenen hat, aber ihr schauspielerisches Talent kaum unter Beweis stellen kann, besetzte Monjardim sie für das große Drama und gab ihr die Hauptrolle in Olga, nachdem Morgado als Cacilda Becker in der TV-Mini-Serie Um Só Coração neben vielen Schönen die wichtigste Schöne spielte.

Immerhin verkörperte sie Rolle und Namen einer Ikone des brasilianischen Theaters. Cacilda Becker (1921-69) war eine angesehene Schauspielerin, die auch mit Fernanda Montenegro zusammengearbeitet und etwa zum TBC (Teatro Brasileiro de Comédia) gehört hatte - einem der renommiertesten Theater-Ensemles in Brasilien. 

Stücke von Samuel Beckett, Tennessee Williams, Friedrich Dürrenmatt, Eugene O'Neill, Schiller, Dumas, Sartre oder Rodriguez gehörten zum Aufführungsrepertoire im TBC, und das ist heute noch so. Camila Morgado kann Drama, Komödie, alles. Auch hierin folgt sie Montenegro, wenngleich deren Fußstapfen noch groß zu sein scheinen für eine Fünfunddreißigjährige.

Mit ihrem Filmpartner aus Olga, Caco Ciocler, spielte sie in 133 Folgen die Rolle der May in der Telenovela América (2005) - eine Dreiecksgeschichte, in der zwei Frauen den gleichen Mann lieben. Ebenfalls mit Ciocler und einer Reihe anderer Schauspieler liest sie in der Dokumentation Vinícius (2005), die das Leben und schöpferische Wirken der Bossa-Nova-Legende Vinícius de Moraes zum Thema hat, Gedichte des Meisters. 

 Als linke lesbische Journalistin Ana Rosenberg wirkte sie in der von Maria Adelaide Amaral und Alcides Nogueira geschriebenen TV-Miniserie JK ab der zweiten Staffel mit. Die politische Serie (47 Episoden; in Brasilien freigegeben ab 16 J.) befasst sich mit Leben und Arbeit des als fortschrittlich in die Annalen eingegangenen brasilianischen Präsidenten Juscelino Kubitschek, der das Land von1956-61 regierte und verantwortlich für die Gründung der neuen Hauptstadt - Brasilia - zeichnet, die von Oskar Niemeyer und dessen Angestellten entworfen worden war.

In der seit September 2009 an fünf Tagen pro Woche im brasilianischen Fernsehen ausgestrahlten Serie Viver a Vida, in der nahezu die komplette nationale Schauspielriege zu Auftritten kommt, spielt sie in 42 Episoden die Rolle der Journalistin Malu Trinidade. Ein Jahr zuvor stand sie in Marília Pêras musikalischer Komödie Doce Deleite als Mariaângela mit Reynaldo Gianecchini regelmäßig im Teatro dos Quatro in Rio auf der Bühne.

Dann ging sie mit Doce Deleite (dt.: Süßes Entzücken) auf Tournee, unter anderem nach Belo Horizonte, Campo Grande, Porto Allegre, Curitiba und vielen kleineren Orten. Am 11. September vergangenen Jahres hatte das Stück, das eine Hommage ans Theater und seine Protagonisten ist, Premiere im Teatro Raul Cortez in São Paulo und lief durchgehend bis zum 9. November. In dem Zwei-Personenstück, in dem Gianecchini und Morgado eine Vielzahl an Rollen spielen, kommt einmal mehr die Vielseitigkeit der Aktrice zum Vorschein.

Aufs Fernsehen, auf Telenovelas, die in Brasilien durchaus sozialkritisch und politisch sein können, lässt sich Morgado, die von sich sagt, ihre tiefe Stimme passe nicht zu ihrem jugendlichen Aussehen, nicht reduzieren. Theater sei wichtig. So steht sie in der Tradition von Schauspielikone Fernanda Montenegro, die seit Beginn ihrer Karriere ebenfalls in allen drei Genres - Bühne, Fernsehen, Film - zuhause ist.

 Dass Morgado auch außerhalb dieser Genres eine gute Figur macht, bewies sie Anfang 2010. In der Februarausgabe des brasilianischen Playboys stand sie in verschiedenen Posen zur Besichtigung.

Inzwischen ist auch die Werbeindustrie auf sie aufmerksam geworden. In einem Commercial für den Mobilfunkanbieter Nextel läuft sie - mit tiefer Stimme erzählend - in hellem Sommerkleid über eine Staubpiste; in einem anderen wirbt sie für das Duftwasser Génifique des Kosmetikmultis Lancôme.

Was jetzt noch fehlt, ist eine erneute Hauptrolle in einem großen Film. Offiziell ist diesbezüglich noch nichts bekannt.

Jonas Littfers

GeoWis (2010-09-30)

Trailer Olga (Originalton) >>

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