GEOWIS Logo
GeoWis ONLINE-MAGAZIN
23. Juni 2017
Home |  Login | Kontakt | Verlag | Links   
Download-Archiv
eBook/eText Downloads
Science & Technology
Selected Portraits
Artikel & Reportagen
Deutsche Sprache
Meinungen
Musik
Rezensionen
- Unterhaltung
Wissenschaft/Sachbuch
Film
Interviews
Schnellsuche
 
Verwenden Sie Stichworte, um einen Beitrag zu finden.
Erweiterte Suche
Ankündigung

Kostenlose Downloads (Auswahl)

Demographie: Que sera, sera. The future's not ours to see. Die BBR-Bevölkerungsprognose in Konfrontation mit der Realität. Von Hansjörg Bucher und Claus Schlömer

Stefan Z. Dmochowski - The Olowo of Owo

Klaus von Bröckel - Djibouti: 18. März 1987

Lesetipps

Tourismus

Wohin geht die Reise? >>

Reisen im Geburtsland Makesis >>

China-Reportagen

Chongqing - Stadt im Nebel >>

Chongqings Altstadt Ciqikou >>

Carrefour in China >>

Diaoyucheng, Hechuan >>

Beijing by Bike >>

Der chinesische Traum 1 >>

Der chinesische Traum 2 >>

Der chinesische Traum 3 >>

Spanien-Reportagen

Paxe Ryanair, Iberia! >>

High Speed Tag und Nacht >>

Der Tod kommt zweimal >>

Tarragona - Baila conmigo >>

Málaga - Glut des Südens >>

Japan-Reportagen

Hakone >>

Hakone Open Air Museum - Im Reich der Skulpturen >>

Frankreich-Reportagen

Nizza - Zwischen Arm und Reich >>

Vence - Kultort der Kultur ... >>

Nizza - Champagner muss sein >>

Côte Basque - Saint-Jean-de-Luz >>

Mauerfall-Reportagen

"Ich werd' bekloppt!" >>

"Keine Ahnung, wie die lebten" >>

"Wir wollen die D-Mark!" >>

Weitere Beiträge:
Cardoso, Bill: Rummel im Dschungel. Eine Reportage aus Kinshasa. Muhammad Ali gegen George Foreman. Rezenziert von Hubertus Molln
WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (Hg.): Schnee
Russell, Peter & Senta Slingerland (Eds.): Game Changers. The Evolution of Advertising. Rezensiert von Uwe Goerlitz
Cloos, Hans: Gespräch mit der Erde. Welt- und Lebensfahrt eines Geologen. Rezensiert von Tom Geddis
Nippoldt, Robert und Hans-Jürgen Schaal: Jazz - New York in the Roaring Twenties. Englischsprachige Ausgabe. Rezensiert von Hans Schreiber
Nordhoff, Charles: The Communistic Societies Of The United States. Rezensiert von Liz Bremer
Ochs, Michael: 1000 Record Covers. Rezensiert von Niels Baumgarten
Salgado, Sebastião: Genesis. Rezensiert von Uwe Goerlitz
Potthoff, Rolf, und Achim Nöllenheidt (Hg.): Nylon, Pütts und Rock'n Roll. Rezensiert von Klaus Berthold
Vollmer, Manfred: Mein Revier - Ein Vierteljahrhundert im Bild. Das Ruhrgebiet von 1965 bis 1989. Rezensiert von Jonas Littfers
Paulo, Joaquim und Editor Julius Wiedemann: Jazz Covers. Rezensiert von Niels Baumgarten
Taschen, Benedikt (Hg.): Chinese Propaganda Posters. From the Collection of Michael Wolf. With Essays by Anchee Min, Duo Duo and Stefan R. Landsberger. Rezensiert von Uwe Goerlitz
Hotze, Nils (Hg.): Gelbfieber - Wie Dortmund Fußballhauptstadt wurde. Rezensiert von Roman Siertes
Robeck, Ulrike: Egon Erwin Kisch in Essen. Rezensiert von Hubertus Molln
Noske, Henning: Journalismus - Was man wissen und können muss. Rezensiert von Simone ten Breck
Kaminske, Volker: Die räumliche Wahrnehmung. Grundlagen für Geographie und Kartographie. Rezensiert von Maik Mensing
Populär-Physiker Michio Kaku subsumiert mit 'Physics of the Future - The Inventions That Will Transform Our Lives' nichts Neues. Das kann er gut
Willems, Martin (Hg.): Ich schrieb mich verrückt - Texte von Wolfgang Welt 1979-2011. Rezensiert von Uwe Goerlitz
Gibler, John: Sterben in Mexiko - Berichte aus dem Inneren des Drogenkriegs. Rezensiert von Tom Geddis
Baumeister, Roy F.: Is There Anything Good About Men? How Cultures Flourish By Exploitating Men. Rezensiert von Wolfgang Körner
Kiberd, Declan: Ulysses And Us. The Art Of Everyday Living. Rezensiert von Klaus Berthold
Cooper Ramo, Joshua: The Age of the Unthinkable. Why the new World Disorder constantly surprises us and what to do about it. Rezensiert von Hubertus Molln
Achten, Udo (Hg.): Nicht betteln, nicht bitten. Moabiter Streikunruhen 1910. Rezensiert von Martin Jasper
Swanberg, W. A.: Luce and His Empire. Rezensiert von Uwe Goerlitz
Smith, Laurence C.: Die Welt im Jahr 2050. Rezensiert von Ralf Mai
Sargant, William: Der Kampf um die Seele. Rezensiert von Hubertus Molln
Boorstin, Daniel J.: The Image - A Guide to Pseudo-Events in America. Rezensiert von Wolfgang Körner
Seidel, Hans-Christoph: Der Ruhrbergbau im Zweiten Weltkrieg. Zechen - Bergarbeiter - Zwangsarbeiter. Rezensiert von Uwe Goerlitz
MacLean, Alex: OVER - Der American Way of Life oder Das Ende der Landschaft. Rezensiert von Ralf Mai
Heatley, Michael: Das Mädchen aus dem Song. Rezensiert von Ralf Mai
Goldman, William: Wer hat hier gelogen? Oder: Neues aus dem Hollywood-Geschäft. Rezensiert von Tom Geddis
Müller, Michael (Hrsg.): Die leise Diktatur - Das Schwinden der Freiheit. Rezensiert von Hubertus Molln
Kunstler, James Howard: The Long Emergency. Surviving the End of Oil, Climate Change, and Other Converging Catastrophies of the Twenty-first Century. Rezensiert von Wolfgang Körner
Wisnewski, Gerhard: Drahtzieher der Macht. Die Bilderberger - Verschwörung der Spitzen von Wirtschaft, Politik und Medien. Rezensiert von Tom Geddis
Kraemer, Brigitte: Die Bude - Trinkhallen im Ruhrgebiet. Herausgegeben von Dietmar Osses. Rezensiert von Jonas Littfers
Hand, Richard J.: Terror on the Air! Horror Radio in America, 1931-1952. Rezensiert von Hubertus Molln
Conrad, Peter: Orson Welles - The Stories of His Life. Rezensiert von Hubertus Molln
Tsunamis: Geographische Rundschau bringt Themenheft zum 'Küstenrisiko Tsunami'. Rezensiert von Uwe Goerlitz
Gresh, A., Radvanyi, J., Rekacewicz, Ph., Samary, C., Vidal, D. (Hg.): Le Monde diplomatique - Atlas der Globalisierung. Rezensiert von Uwe Goerlitz
Wieczorek, Thomas: Die verblödete Republik. Wie uns Medien, Wirtschaft und Politik für dumm verkaufen. Rezensiert von Mariam Backes
Ortlepp, Renate: Geographie für Touristiker. Rezensiert von Uwe Goerlitz
Müller, Wolfgang: Die großen Wirtschaftslügen. Rezensiert von Jochen Henke
Napoleoni, Loretta: Die Zuhälter der Globalisierung. Rezensiert von Simone ten Breck
Taleb, Nassim Nicholas: Fooled by Randomness. Rezensiert von Uwe Goerlitz
Reinhardt, Stephan: Verrat der Intellektuellen. Rezensiert von Wolfgang Körner
Vilenkin, Alex: Kosmische Doppelgänger. Rezensiert von Peter Riepe
Genske, Dieter D.: Ingenieurgeologie. Rezensiert von Iris Feldmann
Baer, Robert: See No Evil. Rezensiert von Hubertus Molln
Wisnewski, Gerhard: Verheimlicht, vertuscht, vergessen. Rezensiert von Hubertus Molln
Stiglitz, Joseph/Linda Bilmes: The Three Trillion Dollar War. Rezensiert von Uwe Goerlitz


Boorstin, Daniel J.: The Image - A Guide to Pseudo-Events in America. Rezensiert von Wolfgang Körner
[753]
booerstin_cover_big.gif

Big Bubbles - Das Verdrängen von Wirklichkeit durch virtuelle Realitäten

Die hier besprochene Sammlung von Essays wurde erstmals vor 49 Jahren veröffentlicht. In unserem Zeitalter der Reizüberflutung durch Konsumwerbung, politischer Gehirnwäsche sowie von Massenmedien zu Giganten aufgebauschten „Stars und Superstars“ erscheint sie aktueller denn je.

Von Wolfgang Körner (2010-10-18)

Nein, begeistert waren amerikanische Medien keinesfalls, als 1962 Daniel Boorstins Essays im Buch The Image veröffentlicht wurden, das zunächst den Untertitel What Happened To The American Dream? trug. So schrieb das Time Magazin in seiner Besprechung zu The Image, dass der Autor vor Veröffentlichung dieser "Verleumdung", wie es hieß, Amerikas das Land verlassen hat.

Dass Boorstin lediglich, keinesfalls zum ersten Mal, einen Lehrauftrag im Ausland wahrzunehmen hatte, blieb - journalistisch handwerklich verwerflich - unerwähnt. Dabei war der 1994 verstorbene Jurist und Historiker längst nicht mehr dem politischen linken Spektrum zuzuordnen. Ganz im Gegenteil.

Zwar war er in den 1930er Jahren kurze Zeit Mitglied der Kommunistischen Partei der USA, aber spätestens seit seinem Auftritt vor dem McCarthy-Ausschuss für unamerikanische Umtriebe (1953), mit dem er kooperierte, gehörte er zweifellos zu den Konservativen. Allerdings zu jenen Wertkonservativen, die den Werten der amerikanischen Verfassung verpflichtet sind und sich laut melden, wenn ihnen diese Werte gefährdet erscheinen. Aus dieser Richtung hatte dem Establishment Boorstins fundierte Analyse und Kritik besonders missfallen, denn sie ließ sich kaum als unamerikanisch diffamieren.

Kern seiner Kritik und Beobachtung ist, dass Massenmedien nicht nur über tatsächliche Vorkommnisse berichten -was ihre Aufgabe wäre - , sondern mehr und mehr über Pseudo-Ereignisse, die vorwiegend planmäßig veranstaltet werden, damit die Medien darüber berichten.

Zu solchen Pseudo-Ereignissen gehören zum Beispiel Presse-Informationen, in denen oft unerhebliche Events, Behauptungen und Ansichten zu wichtigen Ereignissen aufgeblasen werden, wie auch gesellschaftliche Ereignisse, etwa Pressebälle oder obskure Auszeichnungen, die vorwiegend der Berichterstattung und Selbstbeweihräucherung dienen. Jüngst bestens auf Kosten von Gebührenzahlern des öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehens mit der Veranstaltung zum Deutschen Fernsehpreis und dazugehöriger Sendung dargestellt. Dasselbe Prinzip gilt für zahlreiche Interviews von Politikern wie für so genannte prominente Film-, Pop- und Literaturstars bis hin zu so genannten Wirtschaftsgrößen. Hier knüpft der zweite Essay dieses Bandes, From Hero to Celebrity. The Human-Pseudo-Event, an.

Vor der Erfindung des schnellen Rotationsdrucks war der Ruhm eines Menschen meist das Ergebnis seiner Leistung oder erheblich herausgehobenen sozialen Stellung. Was immer man von Militärs wie Napoleon Bonaparte, Pionieren wie dem Atlantik-Überflieger Charles Lindbergh, Wissenschaftlern wie Albert Einstein oder Malern wie Pablo Picasso halten mag: ihr Ruhm ist das Ergebnis eigener herausragender Leistung. Er wuchs allmählich, überdauert dann aber Jahrzehnte und Jahrhunderte.

 Gänzlich anders verhält es sich mit dem angeblichen Ruhm von Pseudo-Persönlichkeiten, die von Massenmedien ge- und erschaffen werden und von ihnen, oft nach einer Saison, wieder in jener Obskurität und Versenkung verschwinden, in der sie ihr Leben lang verblieben wären. Wenn William Shakespeare heute lebte, meint Boorstin sinngemäß, würden sich viele nach seinem Presseagenten erkundigen.

Mit dem Medium Zeitung entstanden die „Celebrities“, Personen, "die für ihren Bekanntheitsgrad bekannt sind". Nach der Einführung des Fernsehens ist ihr Bekanntsheitsgrad sogar unter den Analphabeten gewährleistet. Andy Warhol untertrieb gewiss, als er äußerte, jeder könne heutzutage für 15 Minuten berühmt sein. Manchmal reichen schon zwei Minuten. Doch wer einen fähigen Medienagenten zu bezahlen vermag, bleibt durchaus länger in der Öffentlichkeit präsent, denn der Agent wird für regelmäßige Pseudo-Ereignisse sorgen, die Massenmedien der Berichterstattung wert sind.

Unproblematisch ist ein solcher Celebrity-Status allerdings durchaus nicht. Gewiss kann sich eine durch Massenmedien bekannt gemachte männliche Person durchaus des gesteigerten weiblichen Interesses erfreuen - oder umgekehrt. Das kann zu durchaus unerfreulicher Berichterstattung führen, sobald Massenmedien einen Anlass dafür finden.

Wenn etwa lustige Fotos eines Ministers erscheinen - wie bei Ex-Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping, der sich mit seiner Gräfin im Planschbecken vergnügt, ist das nur schlechte Öffentlichkeitsarbeit. Wenn ein der Vergewaltigung angeschuldigter Meteorologe – wie im Falle des Jörg Kachelmann - vor Gericht landet, ist seine Existenz zerstört. So bereitwillig Massenmedien jede Imagekampagne unterstützen - eine die Auflage oder Einschaltquote fördernde Berichterstattung zu unterdrücken, vermag gewöhnlich der fähigste Medienagent nicht.

Was Boorstin zu den Methoden der Werbeagenturen ausführt, ist spätestens nach Vance Packards The Hidden Persuaders (1957; dt. Die geheimen Verführer, 1958) weithin bekannt. Sicher, noch immer kaufen einfältige Verbraucher Produkte, die eine Celebrity empfiehlt, doch da sind inzwischen die Methoden der Verführer raffinierter geworden.

Ähnliches gilt für Boorstins Untersuchung des Massentourismus', der es - zumindest bei der Gruppenreise mit Reiseführer - nahezu unmöglich macht, dass ein Tourist ein fremdes Land wirklich kennen lernt. Nach wie vor überzeugend erscheint mir Boorstins Analyse des Starsystems, in der er sich auch ausführlich zu Bestsellerlisten äußert, die es (in den USA) seit 1897 gibt. Er hält auch sie für Pseudo-Ereignisse und definiert Bestseller als "a book which somehow sold well because it was selling well".

The Image ist ein noch immer höchst lesenswertes und lehrreiches Buch, nach dessen Lektüre der Leser die von Massenmedien ge-hypte Pseudo-Ereignisse ebenso durchschaut wie von zu Ikonen aufgeblasene Personen, die dafür bekannt sind, bekannt zu sein. Dass sich virtuelle, künstlich geschaffene Welten immer mehr mit natürlich entstandener Wirklichkeit vermengen, ist postmoderne Einsicht. Das bereits vor 50 Jahren erkannt und dargestellt zu haben, ist und bleibt das Verdienst Boorstins.

© Wolfgang Körner

© GeoWis (2010-10-18)

Daniel J. Boorstin, The Image. A Guide to Pseudo-Events in America. Tradecover, ISBN der hier besprochenen Ausgabe: 0-679-74180-1, Vintage, Randomhouse, New York, September 1992. Die 1987 veröffentlichte 25. Jubiäumsausgabe des Titels ist als Vintage Paperback noch immer im Handel. Die deutschen Lizenzausgaben von 1964,1984,1991, erschienen bei Rowohlt, sind nur noch antiquarisch erhältlich.

Lesen Sie auch in GeoWis:

Tittytainment, Teil 1: Ich Gaukler, du Kunde (Zurück zum Testbild) >>

Tittytainment, Teil 2: Pseudo-Events (Ich bedanke mich bei ...) >>

Anzeige