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England: Wie kam der britische Biowaffeninspekteur David Kelly ums Leben? Justizminister Kenneth Clarke ließ nun als zuvor geheim eingestufte Dokumente publizieren. Dennoch bleiben Fragen
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Britische Märchenstunde

Um den Tod von David Christopher Kelly ranken sich viele Geheimnisse. Nun hat der britische Justizminister Kenneth Clarke Dokumente ins Internet stellen lassen, die Verschwörungstheoretikern den Wind aus den Segeln nehmen sollen. Sie werfen mehr Fragen auf, als dass sie Antworten gäben.

Von Nina Brenthäuser (2010-10-23)

David Kelly (1944-2003) war ein illustrer Wissenschaftler, Mikrobiologe von Haus aus, mit speziellem Fokus auf Virologie und während seiner letzten Lebensjahre auch Biowaffenspezialist und Berater des britischen Verteidigungsministeriums. Zudem war er für die Vereinten Nationen als (Bio-)Waffeninspekteur von 1994 bis 1997 im Irak tätig. Spätestens ab 2002 soll er auch für den britischen militärischen Geheimdienstes gearbeitet haben.

Doch das ist längst nicht alles. Kelly soll dem britischen Autor und Kenner der westlichen Geheimdienstszene - Gordon Thomas - zufolge ab 1995 auch für den israelischen Geheimdienst Mossad gearbeitet haben. Thomas verneint zwar, dass Kelly zum britischen MI5 oder MI6 gehörte, doch ist diese Einschätzung umstritten. Thomas weist aber darauf hin, dass Kelly "über Daten und Wissen verfügte, über das jeder Geheimdienstler froh gewesen wäre."

In jedem Fall wurden Kellys Forschungsergebnisse von allerlei Diensten und Behörden abgeschöpft, zumal er sich auch mit dem berüchtigten, Milzbrand verursachenden Anthrax beschäftigte, das kurz nach den Anschlägen auf das World Trade Center von New York am 11. September 2001 als Pulver in Briefumschlägen an Politiker (z. B. an Tom Dashle) und andere verschickt worden war und eine Hysterie unter der US-amerikanischen Öffentlichkeit auslöste, weitgehend befördert durch unzureichend recherchierende Reporter von Mainstream-Medien.

Am 17. Juli 2003 war der Wissenschaftler nackt in einem Waldstück in Oxfordshire wenige Kilometer von seinem Haus mit aufgeschnittenen Pulsadern und einer neben ihm liegenden Packung barbiturativer Tabletten aufgefunden worden. Die Kriminalpolizei ging schnell von Selbstmord aus, was die später vom damaligen Premierminister und Irak-Krieg-Befürworter Tony Blair eingesetzte, vielfach umstrittene Untersuchungskommission unter Lord James Brian Edward Hutton (Hutton-Kommission) bestätigte.

Gordon Thomas, ehemaliger Bestseller-Autor etwa von Büchern wie Gideon's Spies, The Assassination of Robert Maxwell oder Shipwrecked, und in den vergangenen Jahren häufig auch im britischen und deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen als Experte zu Wort gekommen, wenn es um mysteriöse Tode, Morde und Spektakel im politisch-geheimdienstlichen Milieu ging, insbesondere wenn der Mossad involviert war - wie in der Doku The Spy Machine -, hat wie viele Briten von Anfang an nicht an die Selbstmord-These geglaubt.

Die nun veröffentlichten Dokumente - Pathologiebericht vom 25. Juli 2003, erstellt von Nicholas Charles Alexander Hunt, Forensic Pathologic Services; Toxikologiebericht vom 21. Juli 2003, erstellt von Allan Alexander Richard, Home Office Forensic Science Service - verifizieren die bereits von der Hutton-Kommission in die Öffentlichkeit getragene Version, Kelly habe Selbstmord begangen.

Ausgeräumt ist die Skepsis zur Todesursache Kellys damit nicht - auch wenn etwa die zum ehemaligen Nachrichtenmagazin Der Spiegel gehörende Online-Seite SpOn von "Erhellung" spricht -, zumal längst nicht alle klassifizierten Dokumente veröffentlicht wurden. Mögen die sachverständigen Beurteilungen zu den publizierten Dokumenten noch neutral sein, dürfte die Interpretation indes Spielraum lassen - vor allem, wenn man sich Kellys Arbeitsergebnisse, Verantwortung und öffentlich verbreitetes Statement vor dem Hintergrund eines unbedingten Einmarsches der US-Streitkräfte unter dem Oberbefehl von George W. Bush und seines 'Pudels', Tony Blair, vor Augen hält.

 Kelly hatte im Irak in seiner Eigenschaft als UN-Waffeninspekteur keine Hinweise auf Bio- oder Massenvernichtungswaffen (MVW) des Saddam-Hussein-Regimes gefunden und dies in seinem Bericht an die UN auch festgehalten.

Auch der von der UN vor Beginn des Einmarsches als Waffeninspekteur eingesetzte ehemalige schwedische Außenminister Hans Blix fand keine Hinweise auf MVW im Irak. Dass die Befunde nicht in das auf kriegerische Invasion in den Irak ausgerichtete Konzept der damaligen US-Administration und der britischen Regierung unter Herrschaft von Tony Blair passte, liegt inzwischen seit Jahren auf der Hand.

George W. Bush und Tony Blair stützten die von ihnen propagandistisch vorgetragene Notwendigkeit des Einmarsches in den Irak auf das Vorhandensein von MVW aus fragwürdigen Quellen. Mutmaßliche al-Quaida-Mitglieder hätten unter Folter ausgesagt, dass Saddam Hussein derartige Waffen hätte. Wäre Kellys früher und hernach Hans Blix' späterer Befund von den ausgeflippten Kriegsherren Bush & Blair verinnerlicht worden, hätte es den Krieg gegen den Irak schon aus diesem Grund nicht geben dürfen, womöglich gar nicht gegeben. 

Michael Powers, ehemaliger britischer Gerichtsmediziner, glaubt nicht daran, dass David Kelly am Blutverlust durch Aufschneiden der Pulsadern gestorben ist. Seiner Auffassung nach hebe Kelly viel zu wenig Blut verloren, um daran sterben zu können, sagte er im Januar 2010 der Daily Mail. Auch der Pathologe und frührere Leitende Wissenschaftler des britischen Gesundheitsministeriums, Peter Fletcher, hält nichts von der These des Todes durch Blutverlust, wie er dem britischen Daily Express im Juli 2010 sagte. 

Dass die britische Regierung unter David Cameron, seit 11. Mai 2010 im Amt, nun an der Volksverblödung festhalten will, indem sie Kenneth Clarke zwei Dokumente veröffentlichen lässt, die zunächst für 70 Jahre als geheim eingestuft worden waren, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Cameron, der im Wahlkampf das New Labour ad absurdum stellte und erfolgreich Gordon Brown, unbeholfener Nachfolger des aus der Welt entrückten Tony Blair, beerbte, kommt jetzt mit den gleichen unglaubwürdigen Geschichten um die Ecke.

Weshalb aber sollte David Kelly sich umgebracht haben, zumal bei Selbstmord die Lebensversicherung nicht zahlt? Weshalb solte er sich seiner Kleidung entledigen, wenn er sterben will? Weshalb sollte er sich den mühseligen Tod durch Aufschneiden der Pulsadern antun, dazu noch Pillen schlucken, wenn er sich doch viel leichter mit irgendeinem biologischen Giftstoff - etwa Anthrax - hätte töten oder sich eine Kugel in den Kopf jagen können?

Kelly war zwar Teil des militärisch-wissenschaftlichen Systems Großbritanniens, möglichweise auch - folgt man Gordon Thomas - des israelischen, doch er war auch von den Vereinten Nation beauftragt worden, im Bereich biologischer und atomarer Vernichtungswaffen im Irak für Klarheit zu sorgen. Genau das hat er getan und stieß auf Ignoranz auf höchster Ebene. Kaum anzunehmen, dass er sich deshalb - wenige Jahre vor dem Rentenalter - freiwillig das Leben nahm.

Hartnäckig hält sich unter Kritikern und Zweiflern an der Selbstmordversion die Theorie, Kelly sei ermordet worden, weshalb die Causa in Großbritannien immer noch ein großes Thema ist. Rational ist der Suizid Kellys nicht erklärbar und auch nicht nachvollziehbar. Hingegen bietet sich die Mordthese geradezu an, hatte Kelly doch nach dem Einmarsch der Truppen (17.03.2010) und dem Ende des Boden-Luftkriegs sechs Wochen später, nachdem George W. Bush auf einem Flugzeugträger fröhlich in die Kameras log: "Mission accomplished", zweimal Gelegenheit, im Irak auf Inspektion zu gehen (19.05.2003; 5. - 11.06.2003).

Beide Male fand er keine Hinweise auf MVW. Am 22. Mai 2003 traf er sich mit dem BBC-Reporter Andrew Gilligan, dem er sagte, es gebe weder mobile Einheiten mit MVW, noch sonstige. "Es ist genau so, wie die Iraki es immer gesagt haben: Die mobilen Einheiten seien lediglich für die Produktion von Wasserstoff eingerichtet, um Ballons zu füllen." Kelly merkte im Gespräch mit Gilligan auch an, die britische Regierung habe manipulativen Einfluss auf ein vom britischen Geheimdienst erstelltes Dossier zu den nicht vorhandenen MVW genommen.

 Eine Woche später brachte die BBC die Story - die von der Mail on Sunday aufgegriffen wurde -, ohne Kelly beim Namen zu nennen, und versetzte das Blair-Regime in Aufregung.

Auf Druck von Blair und Konsorten gab die BBC ihre Quelle preis. David Kelly versuchte sich in Schadensbegrenzung, indem er seinem Arbeitgeber, dem britischen Verteidigungsministerium, zu verstehen gab, er sei überzeugt davon, nicht die einzige Quelle in dieser Sache zu sein. 

Kelly war als Whistleblower diffanmiert und von seinem Arbeitgeber dahingehend gewarnt worden, dass - sollte er weitere Details ausplaudern - man auch zu anderen Maßnahmen greifen würde. Vielleicht wäre er seinen Beamtenstatus und seine Pension losgeworden. Doch hätte das den Mann kaum in Armut gestürzt. Mit seinen Fähigkeiten hätte er überall auf dem Globus einen guten Job bekommen. Womöglich als Held, denn seine Einschätzung zu den MVW im Irak war - wie sich später herausstellte - richtig. 

Dank umfangreicher wissenschaftlicher Publikationen, Dokumentationen im TV und Insiderberichten ist längst bekannt, wie Selbstmorde zustande kommen, wenn sie politisch erwünscht sind. Es gehört auch zur Allgemeinbildung, dass Geheimdienste sich Provokateuren (etwa bei Demonstrationen) und Killern bedienen, wenn es darum geht, allzu fähige Kritiker loszuwerden.

David Kelly war ein Stachel im Fleisch der gegen den Irak angetretenen Kriegstreiber Bush & Blair. Dann ging er im Wald spazieren, zog sich angeblich aus und brachte sich angeblich um. Wer soll das glauben? Gordon Thomas schrieb kaum ein halbes Jahr später ein Drehbuch (das GeoWis vorliegt) unter dem Titel The Biology of Death dazu, das bis heute nicht verfilmt wurde. Vielleicht müsste er es umschreiben.

© Nina Brenthäuser

© GeoWis (2010-10-23)

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