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Vor 50 Jahren wurde die Dortmunder Gruppe 61 gegründet. Eine Ausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte widmet sich ihr in historischem Kontext
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Zehn Jahre

Vor 50 Jahren wurde die offene Autorenvereinigung Dortmunder Gruppe 61 gegründet. Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte würdigt deren Werk und Verdienste mit einer geschichtsträchtigen Ausstellung.

Von Uwe Goerlitz (2011-02-19)

Vielleicht wäre es nie zur Gründung der Gruppe 61 gekommen, wenn 1959 der damals 33-jährige Max von der Grün den Direktor der Dortmunder Stadtbibliothek, Fritz Hüser, nicht aufgesucht hätte, um ihn "nach Kontakten zu schreibenden Arbeitern" zu fragen, wie es im 418 Seiten starken Begleitband zur Ausstellung heißt. Die Geschichte der deutschen Literatur nach 1945 wäre eine andere.

 Hüser, der wie von der Grün der Arbeiterschaft entstammte, auf Grund eines Berufsunfalls aber umsatteln musste, Bibliothekar wurde und es bis zum Direktor der Städtischen Volksbüchereien (ab 1970: Stadtbücherei Dortmund, später Stadtbibliothek Dortmund) brachte, ist gerade im Begriff, ein Archiv für soziale Literatur und Literatur der Arbeitswelt aufzubauen.

Deutsche Texte und Literatur von Arbeitern und über sie und ihre Lebenswelten existieren in größerem Stil seit Beginn des 20. Jahrhunderts und der frühren Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs. Vielfach behandeln sie die sozialen und Arbeitsbedingungen in den seinerzeit herrschenden Bergbau- und Industriewelten. Zu ihren damals regional bekannten Protagonisten gehören etwa Bruno Gluchowski (Der Durchbruch, 1937 als Theaterstück, Hörspiel), zu den überregional und sogar international bekannten etwa B. Traven (Die Baumwollpflücker, 1928).

Die Arbeiterschaft war traditionell überwiegend links eingestellt, was in der Natur der Sache zwischen Ausbeuter und Ausgebeuteten lag, seit die Sozialdemokratie, der Deutsche Arbeiterbund und die kommunistisch orientierten Bewegungen und Parteien ihre Mitglieder aufklärten. Fritz Hüser hatte seine Arbeiterwurzeln selbst in später exponierter Stellung nie abgelegt. Max von der Grün muss so etwas wie eine Initialzündung bei ihm bewirkt haben.

Am Karfreitag 1961 gründeten Hüser, von der Grün, der Kohlen-Goethe genannte Willy Bartock, Josef Büscher, Bruno Gluchowski, Artur Granitzki, Walter Köpping, Heinz Kosters, Josef Redig, Gustav Schäcke, Edgar Struchhold, Günter Westerhoff, Elisabeth Wigger und Hildegard Wohlgemuth die Dortmunder Gruppe 61, deren Namensgebung in Analogie zur vierzehn Jahre zuvor von Hans Werner Richter ins Leben gerufenen Gruppe 47 steht, in der sich Literaten wie Günter Grass, Walter Jens, Wolfdietrich Schnurre, Martin Walser und andere aufmachten, der Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Richtung und Dynamik - und jungen Autoren ein Forum - zu geben.

 Während sich die 47er der Literatur als Gattung widmeten und dabei vielfach und vehement - zumindest in den ersten 15 Jahren - die verlorenen Jahre 1933-45 und dadurch entstandene Schicksale, Umwälzungen und geistig-intellektuelle Kastrierung thematisierten, war der Ansatz der 61er ein komplett anderer. Ihnen ging es um die Arbeiterliteratur, ein Begriff, den Walter Fähnders im Begleitband zur Ausstellung als Oberbegriff von "Literatur von, für und über Arbeiter" trefflich interpretierbar definiert.

Es ist den Literaturwissenschaftlerinnen Gertrude Cepl-Kaufmann und Jasmin Grande - die die Ausstellung im Dortmunder MKK mit Hilfe der Leiterin des Fritz-Hüser-Instituts, Hanneliese Palm, und vielen weiteren Mitarbeitern auf die Beine gestellt haben - zu verdanken, dass die sozialpolitischen und gesellschaftlichen Anliegen der Autoren der Gruppe 61 wieder in ein Licht gerückt werden, in dem sie dereinst standen und unter das sie auch heute noch gehören.

Mit allen Widersprüchen. Denn es waren in der Gruppe 61 nicht nur Arbeiter, die über ihre oder ihrer Kollegen Arbeit, über die Arbeitsbedingungen, das hierarchische Gefüge und das soziale Innenleben und Drumherum schrieben, sondern auch Angestellte und - wie man damals schon sagte - Studierte, denen die klassische Arbeiterwurzel fehlte. Kurzum: Es waren Proletarier und Intellektuelle in der Gruppe 61.

Naturgemäß beschreiben häufig jene, die nicht der Arbeiterschaft entstammen, aber viel von ihr halten und viel für sie übrig haben, diese Klasse mitunter romantisierend, während jene, die tagtäglich den Buckel hinhalten, von Arbeiterromanitik erstens nichts wissen wollen, weil sie nie stattfindet, und sie zweitens nicht nachvollziehen wollen oder können, weshalb der Begriff der Romanik im nicht-literarischen Sinne in der Welt des Proletariats überhaupt nicht konnotativ ist.

Die offene Autorengruppe aus dem deutschsprachigen Raum, die sich wesentlich an Karfreitagen und Buß- und Bettagen in Dortmund traf und im Laufe ihres zehnjährigen Bestehens einer Fülle von zuvor unbekannten herausragenden und weniger herausragenden AutorInnen ein Forum gegeben und manchen als Sprungbrett gedient hatte, scheiterte letztlich an genau dieser Diskrepanz und an einer dadurch bedingten, etwa zur Mitte ihres Bestehens einsetzenden Erosion des Anspruchs.

 So schreibt etwa Steffen Stadthaus im Begleitband zur Ausstellung in seinem auf Wolfgang Körners bezogenen Roman Nowack im Beitrag Blow up im Ruhrgebiet unter Berufung auf Keith Bullivant, dass die Gruppe 61 in eine methodologische Sackgasse geraten sei und führt an: "Die Front verlief zwischen Autoren, die eine am Literaturmarkt orientierte Professionalisierung präferierten und denjenigen, die für eine kompromisslos engagierte Haltung und stärker basisorientierte Programmatik eintraten."

Wolfgang Körner, der Mitte der 1960er Jahre zur Gruppe 61 stieß und als kommunaler Angestellter und Beamte so gut wie keinerlei proletarische Wurzeln vorweisen konnte, indes als einer der seinerzeit herausragenden deutschen Autoren mit romanesker und essayistischer gesellschaftlicher Kritik seinen Weg machen sollte, beschreibt im Gespräch mit GeoWis den Sachverhalt im Hinblick aufs Ende der sich binnen zehn Jahren auf gut vierzig Autoren und zahlreichen Gastautoren und Kritikern ausgeweiteten Gruppe kurz und knapp: "Es gab diese Zweiteilung."

Sie sei schleichend gewesen, doch irgendwann so evident, dass es früher oder später zu unüberbrückbaren Konflikten kommen musste, die in letzter Konsequenz zur Auflösung der Gruppe 61 führten. "Da wurde von einigen vehement das Konzept des Bitterfelder Wegs verfolgt", sagt Körner. Erika Runge (Bottroper Protokolle, 1968), Erasmus Schöfer, Anne Voigtländer und Peter Schütt hätten für intellektuelles Spaltungspotential gesorgt. Seine Person, die realpolitisch konträr zu den Genannten steht, nimmt Körner in diesem Zusammenhang nicht aus.

 "Die wahre neue (deutschsprachige) Arbeiterliteratur jener Jahre stammte nun mal - jedenfalls aus orthodox-marxistischer Sicht - aus der DDR." Für Körner machte es wenig Sinn, die Verhältnisse in Westdeutschland literarisch-politisch mit veralteten Stilmitteln anzugehen. Er, der knapp 30 Jahre alt war, als er zur Gruppe 61 stieß, distanzierte sich von Dogmatikern wie Erika Runge, Peter Schütt, der Lektorin und Redakteurin Anne Voigtländer oder Erasmus Schöfer, die kompromisslos die 'Arbeiterliteratur' politisch zu instrumentalisieren versuchten.

Während viele Autoren der Gruppe 61 häufig den literarischen Weg des Deskriptiven und der Dokumentation gingen, ein Weg, den der Werkkreis Literatur der Arbeitswelt später weiter beschritt, forderte Körner in einem 1967 gehaltenen Vortrag vor der Gruppe den "Aufbruch zu neuen Wirklichkeiten" ein, was zu "hitzigen Diskussionen" geführt habe.

Für Körner bedeutete dieser Aufbruch, sich den gesellschaftlichen Veränderungen zu stellen und ihnen literarisch zu begegnen. Steffen Stadthaus schreibt dazu: "Körner hat sich wie kein anderer Autor der Gruppe intensiv mit diesen gesellschaftlichen Wandlungsprozessen (...) auseinandergesetzt." Diese Auseinandersetzung musste nicht zwangsläufig gegen die zehn Grundsätze der Gruppe 61 verstoßen, deren erster lautete: "Die Gruppe 61 will unter Benutzung aller Kommunikationsmöglichkeiten Sachverhalte der Ausbeutung ins öffentliche Bewusstsein bringen."

Ausbeutung, ein Begriff, der in keinem Werk so oft verwendet wird - wenngleich in kolonialpolitischem Zusammenhang - wie in Frantz Fanons ein halbes Jahr nach Gründung der Gruppe 61 veröffentlichtem Werk Die Verdammten dieser Erde, traf auch auf die so genannten Nicht-Arbeiter zu, zu denen Körner gehörte. Angestellte und Beamte standen schließlich ebenso unter einem Joch wie Arbeiter. Indes, sie hatten bessere Arbeitsbedingungen und waren weniger gefährdet, während der Arbeit ihr Leben zu verlieren. Daran hat sich bis heute wenig geändert.

War es also utopistisch von Fritz Hüser, sich neun Jahre lang in der Gruppe 61, einem "soziologisch differenzierten Feld", wie Gertrude Cepl-Kaufmann sie beispielsweise nennt, zu engagieren, wenn sich am Ende für die Arbeiterschaft nur wenig geändert hat? Mitnichten. Hüser habe eine "Traditionslinie" fortgeführt, so Cepl-Kaufmann. Klar ist, dass ohne die Gruppe 61 der deutschen Literatur nach 1945 ein bedeutsames Element gefehlt hätte.

 Denn fraglos hat die Gruppe 61 eine Reihe von wichtigen und erfolgreichen Autoren produziert. So Erika Runge, Max von der Grün, Günter Wallraff, Peter-Paul Zahl, Wolfgang Körner oder Angelika Mechtel.

Darüber hinaus bot sie ein Kontrastprogramm zur Gruppe 47, in der sich eher das Schöngeistige versammelte, das schriftstellerische Bürgertum, dessen Texte teils Pflichtlektüre in deutschen Schulen wurden. Doch auch zahlreiche Texte von Mitgliedern der Gruppe 61 gelangten in die Rahmenlehrpläne für den Deutschunterricht.

Es ist aber für Leser dieser Texte im Allgemeinen von nachrangiger Bedeutung, welche Ursachen dazu führten, dass sich die Gruppe 61 aufgelöst hatte. Jasmin Grande geht einen Schritt weiter, indem sie konstatiert, dass es "verfehlt" wäre, sie "ausschließlich aus der Perspektive ihres Endes zu betrachten." Natürlich wäre das verfehlt, geht es doch allererst um das, was die Gruppe und ihre AutorInnen geschaffen haben.

Im Rahmen einer Ausstellung ist es hingegen von besonderer Bedeutung und im Interesse des Publikums, hierzu umfangreich Informationen zu liefern, zumal die Hintergründe ebenso spannend sein können wie die produzierte Literatur. Diesem Anspruch wird in der Austellung vor allem in Kombination mit dem hervoragenden Begleitband Rechnung getragen. Die von Grande in Zusammenarbeit mit der Fritz-Hüser-Gesellschaft herausgegebenen Briefe des Protagonisten zum 100. Geburtstag 2008 - darin erfährt man etwa, mit welchen Autoren Hüser sich duzte und welche er siezte - runden das Profil dieser Schau ab.¹ 

 Den Ausstellungsmachern² ist es gelungen, die Gruppe 61 in ihren zeitgeschicht- lichen gesellschaftlichen Kontext einzubinden. Hierzu haben sie eine Fülle von Exponaten - Bilder, Plakate, Zeitschriften, Bücher - zusammengetragen, die bereits auf den ersten Blick erahnen lassen, dass sich die Autoren in einer Zeit gesellschaftlichen Umbruchs und Wandels befanden und mit ihren Texten gegen eine Wirklichkeit anschrieben, die mit der Arbeitswelt nichts zu tun hatte.

¹ Fritz-Hüser-Gesellschaft/Jasmin Grande (Hrsg.): Fritz Hüser 1908-1979. Briefe. Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt, Dortmund, 2008.

² Die Ausstellung 'Schreibwelten - Erschriebene Welten. Zum 50. Geburtstag der Dortmunder Gruppe 61' läuft bis 1. Mai 2011 im Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Dortmund, Hansastraße (Innenstadt).

© Uwe Goerlitz

© GeoWis (2011-02-19)

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