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Plagiatsdebatte zu Guttenberg: Im Land der Einfaltspinsel und Jecken
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Realsatire

Die Debatte um Verteidigungsminister zu Guttenbergs Copy-and-Paste-Bestnoten-Dissertation weckt bei Gutti-Groupies Schutz- und Mutterinstinstinkte und zeigt, dass Deutschland zu Recht in die intellektuelle und bildungspolitische Diaspora driftet.

Von Jochen Henke (2011-02-22)

"Aus jedem Zitat müssen sich der Autor und die Quelle (...) klar ergeben", schreibt Umberto Eco in seinem Standardwerk Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt in Regel 4 (von 10). Gegen diesen wissenschaftlichen Grundsatz, und, wie sich inzwischen zeigt, noch eine Reihe anderer Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens, hat Karl-Theodor zu Guttenberg verstoßen. Aber hey! Wen interessiert, was Eco neben seinem Roman Der Name der Rose schrieb? Lieschen Müller und Hans Meier haben auch Jahrzehnte später noch nicht erkannt, dass Ecos Roman lediglich ein Nebenprodukt dessen wissenschaftlicher Arbeit war.

Umfragen zufolge sei die hochgerechnete Mehrheit der Deutschen - nach Ermittlungen des Bielefelder Emnid-Instituts 68% - der Auffassung, dass der smarte, schneidige und stets korrekt gekleidete Sonnyboy der deutschen Politik und gleichzeitige Hoffnungsträger der CSU im Amt bleiben solle. Zustimmung, im Amt zu bleiben, findet er vor allem auf seiner 'Gefällt-mir-Facebook-Seite', und dort vorzugsweise von Frauen.

Dort kann man auch den Eindruck gewinnen, dass manche sich ihm bedingungslos mit ihrer an seine Brust schmeißen oder quetschen würden, und auch den, dass ein Teil der weiblichen Wählerschaft es einfach nicht hinnehmen mag, wenn der möglicherweise attraktivste Bundesminister ever wegen irgendwelcher vergessener Fußnoten, Zitiervergehen und Urheberrechtsverletzungen von der (politischen) Bühne abträte. Getreu des Mottos: Was interessieren mich Fußnoten und Wissenschaft, wenn ich davon träume, von ihm flachgelegt zu werden.

 So können Frauen denken, vor allem jene, die sich wenig für Politik, indes umso mehr für Steherqualitäten interessieren. Gutte Krawatte, guttes Hemd, gutter Anzug, gutter Schneid, gutter Sprech, immer gutte Haltung, guttes Lendenpotenzial und vor allem gutte Partie. Da muss man den Gutti-Anhängerinnen in etwa den Intelligenzquotienten einer notgeilen Wüstenmaus oder statussüchtigen Dämlackin attestieren und normalerweise Klage einreichen, mit dem Ziel, die Damen allesamt zu entmündigen.

In einer Demokratie wie der unseren geht das natürlich nicht, und Frauen zu diskriminieren verpönt sich seit einigen Jahren sowieso, zumindest, wenn die Kritik von Männern kommt. Falsche Fußnote, geklaute Texte und fehlende Kenntlichmachung als Zitat derselben hin oder her. Der Gutti ist Muttis und der Fräuleins Liebling.

Jedenfalls der von jenen Muttis und deren Töchtern, die irgendwie noch nicht begriffen haben, dass sich ein anderer Teil ihrer Zeitgenossinnen schon im 21. Jahrhundert befindet und sich Kerle aussucht, die zwar nicht selten auch schwindeln oder sogar lügen, die sich aber meist nicht die Mühe machen, sich einen Doktortitel zu erschleichen. Wäre ja auch Hochstapelei. Sie halten es mit Bescheidenheit, indem sie sagen, sie schrieben gerade an einem Buch, Song oder Theaterstück, und hoffen, die Damenwelt damit beeindrucken zu können.

Die Mutti der Nation, Kanzlerin Angela Merkel, hält an Gutti fest. Doch nicht etwa, weil sie sich davon verspricht, auch ihre Tutti mal oder bald mal an dessen Brust pressen zu dürfen, sondern weil sie nicht noch einen Gesinnungsgenossen verlieren möchte, nachdem ihr schon etliche Kerle von der Fahne gelaufen sind. Da muss der Gutti sich geradezu geehrt fühlen, dass er so viel Rückhalt von einer bekommt, die einst als Kohls Mädel gehandelt wurde. Immerhin hat sie als Kader-Physikerin eine Doktorarbeit eingereicht, der wohl eigene Erkenntnisse zu Grunde liegen.

Der Gutti ist natürlich auch bei Männern beliebt. Zum Beispiel beim skandalerprobten CSU-Chef Horst Seehofer. Der hatte ihm laut Süddeutscher Zeitung Ende vergangener Woche geraten, "durchzuhalten." An der Kommunikationsfront pro Gutti baute sich gleichfalls der rhetorisch noch nicht umfassend versierte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt auf. Letzten Freitag versuchte er alle Nicht-Gutti-Fans im Hinblick auf die Plagiatsvorwürfe mit der Feststellung zu überzeugen, Karl-Theodor zu Guttenberg habe "alles Notwendige erklärt."

Was genau der Mann meinte, der die Bundestagsfraktion der Linken vor einem Monat noch mit "Liebe Kommunisten" begrüßt hatte, ist irgendwie niemandem, der denken kann, klar geworden. Also ging er ins Detail. Die Opposition solle ihre "Vorverurteilungen" einstellen, sagte er und legte damit Zeugnis ab, dass er offenbar nur die rechtsparteipolitischen Agit-Prop-Blätter Bild und Bayernkurier liest. Zählte er auch andere Zeitungen zu seiner Lektüre, dann hätte er als gelernter Soziologe sicherlich festgestellt, dass Guttis Dissertation richtige Plagiate enthält und der Begriff "Vorverurteilungen" irgendwie nicht dazu passt.

Egal. KT, einst interner, inzwischen öffentlich gewordener Spitzname von Gutti, hatte die Marschrichtung - zwei links, zwei rechts, dann geradeaus und wieder zurück - irgendwie bestimmend vorgegeben. "Meine Dissertation ist kein Plagiat, und den Vorwurf weise ich mit allem Nachdruck zurück", erklärte er am vergangenen Freitag vollmundig. Zuvor hatte er noch davon gesprochen, die Vorwürfe seien "abstrus." Mit Fremdwörtern sollte man der Lehre nach nur um sich werfen, wenn man auch in Kenntnis des dazugehörigen deutschen Begriffes ist.

Der CSU-Sekte aus dem Südosten Deutschlands ist das - getreu des Mottos, da müsste man ja auch den Papst kritisch betrachten - zu hoch. Der semantisch offenbar im bayrischen Mischwald sozialisierte Generalsekretär des Zentralkomitees der CSU, Dobrindt, glaubte da noch immer an die Redlichkeit des Ministers, obwohl inzwischen die Schwarmintelligenz des Internets sich die so genannte Doktorarbeit Guttis auf den Seziertisch legte und Zeile für Zeile dahingehend überprüfte, wo KT abgeschrieben hatte. "Jeder sollte jetzt die erklärte Bereitschaft von Karl-Theodor zu Guttenberg anerkennen, den Sachverhalt gemeinsam mit der Universität Bayreuth zu erörtern", sagte Dobrindt.

Da konnte der arme Kerl noch nicht wissen, dass sich sein Idol KT übers Wochenende die ominöse Doktorarbeit endlich vornahm, um nachzulesen, was darin geschrieben steht. Gut, Gutti wusste diesen Akt der Überwindung am vergangenen Freitag auch noch nicht vorauszusehen. Wahrscheinlich hatte er sich überlegt, dass es nicht schaden könne, mal reinzulesen. Und Dobrindt, der Sprecher der CSU-Sekte, hatte plötzlich die Arschkarte. Ist aber bei der CSU kein Makel.

Übers Wochenende muss bei Gutti der Plan gereift sein, die - eines Verteidigungsministers würdige - Flucht nach vorn anzutreten und sie der Öffentlichkeit als Offensive zu verkaufen. Wer jetzt gedacht hätte, er, der Master of Desaster, mache einen auf Dr. Dieter Wedel, der in der sonntagabendlichen Plauderrunde Anne Will jüngst zu Protokoll gab, er habe sich in seiner Dissertation bei nicht belegbaren "Vermutungen" damit beholfen, auf den Zweiten Weltkrieg zu verweisen, in dem die Quellen untergegangen seien, der lag falsch. 

Mit dem Zweiten Weltkrieg wollte Gutti, immerhin Jurist mit 1. Staatsexamen und verantwortlicher Verweser deutscher Truppen im Afghanistankrieg, nicht aufmachen. Selbstkritik wollte er vermitteln. So nutzte er das gestrige parteipolitische Heimspiel im hessischen Kelkheim, um der versammelten Stammwählerschaft schneidig-schnöselhaft zu eröffnen, was er übers Wochenende an Erkenntnisgewinn zu seiner Doktorarbeit zu vermelden hat.

"Ich habe diese Arbeit selbst geschrieben. Ich stehe dazu, aber ich stehe auch zu dem Blödsinn, den ich geschrieben habe", verkündete er nervös und um Haltung bemüht. Das Publikum spendete ihm Ovationen - wofür, ist dem außenstehenden Betrachter nicht klargeworden. Immerhin bezieht sich Merkels letzter Protagonist nur auf das von ihm Geschriebene, Blödsinn also, und nicht auf das Abgeschriebene. Das muss man anerkennen. 

Den Gutti-Groupies aller Altersklassen wird dessen skurriler Auftritt in Kelkheim wahrscheinlich Schweißperlen in der Lendengegend verursacht haben, denn es ist ja nicht zu einer Rücktrittsankündigung gekommen, sondern nur zu einem Eingeständnis, dass er nicht geeignet sei, wissenschaftlich zu arbeiten. Ansonsten ist an dem Mann noch alles dran. Aufmerksame Beobachter und Interpreten des Ganzen stürzten sich unbestätigter Mdienberichte zufolge wie Lemminge von südwestenglischen Küsten ins Meer, ohne Abschiedsbriefe zu hinterlassen.

Doch jenen Frauen, die auf den Showmaster der Politik stehen, ist es offenbar gleichgültig, dass er, der Gutti, der Kt, der Wow-what-a-man in Kelkheim ziemlich milchgesichtig und verunsichert wirkte. Vergleiche zu Damen, die sich von Heiratsschwindlern blenden lassen und hinterher, nachdem sie aus ihrer Verzückung und Verblendung erwacht sind und zur Polizei laufen, um den zuvor Angeschmachteten wegen Diebstahls ihrer Würde, ihres Schmucks und Erleichterung ihrer Bankonten anzuzeigen, verbieten sich natürlich.

Mal ehrlich: Die eigene Blödheit anderen anzulasten, geht doch nicht. Man sollte es sportlich nehmen oder wie die Jecken halten. Die hatten gestern in Aachen Anlass, sich zu amüsieren. Dort wurde der Orden Wider den tierischen Ernst verliehen - an Karl-Theodor zu Guttenberg, der aber nicht anwesend war, weil er in Kelkheim verkündete, seinen Doktortitel zurückzugeben. Letzteres ist schon jeck genug, denn einen Doktortitel kann man nicht zurückgeben. Er kann einem nur aberkannt werden. Hier sei gegenüber KT jedoch Nachsicht angebracht, denn er ist kein Volljurist. Wäre er einer, wüsste er das.

Der Jeckenvollversammlung, angeführt von Jürgen Beckers und Rolf Gerrads - Schlachtruf: "Wanka, wanka" -, wohnten der ehemalige sauerländische Mofa-Rocker und Ex-CDU-Finanzfachmann Friedrich Merz ebenso bei wie der Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedekind, der Ex-Ministerpräsident Thüringens und Rheinlad-Pfalzes, Bernhard Vogel (CDU), FDP-Generalsekretär Lindner, die Ex-Ministerpräsidentin Schleswig-Holsteins, Heide Simonis, Hessens MP Volker Bouffier und weitere hochkarätig abgehalfterte oder zweifelhafte Persönlichkeiten.

 Sie labten sich an den nur zeitweise lustigen, ansonsten platten Plattitüden von Beckers, Gerrads und eingeladenen Narren, zu denen etwa der Ex-Ministerpräsident der NRW-CDU, Jürgen Rüttgers, gehörte, der gleich mal unter Beweis stellte, weshalb er abgewählt wurde. Müßig, das Dummdeutsch von Rüttgers hier noch zu zitieren. Der ehemalige Pseudokämpfer für Opel Bochum, der sich auf Steuergelder einst nach den USA aufmachte, um dort nichts für die Opelianer zu erreichen, war allerdings einer der Knüller unter den rechtsgerichteten Aachener und in Aachen anwesenden Jecken.

Immerhin bekam Gutti den ehrlich erarbeiteten Orden verliehen. Das ist zwar kein Ersatz für einen Doktortitel, trifft es aber besser. So kann der Mann, dessen Berufserfahrung sich laut des Buchs von Eckart Lohse und Markus Wehner - Guttenberg, Biographie - wesentlich aus Praktika speist, immerhin als (politischer) Narr aus der Affäre ziehen. Als wissenschaftlicher Schwindler aber nicht.

Also müssen die weiblichen Groupies ran, denn von den männlichen kann man außer Politpropaganda nichts erwarten. Die feminine Ureigenschaft, das Trösten, ist angesagt; in Schutz nehmen lautet die Losung. Der arme Kerl zu Guttenberg, noch keine 40 und schon so unbeholfen, kann sich selbst ja nicht mehr helfen, will aber im Amt bleiben und sich fürderhin gegenüber wackeren Generälen als Vorsteher behaupten. Das ist so, als wollte das Kudu gegen ein Rudel Löwinnen oder wie die Feldmaus gegen den Mäusebussard bestehen. Illusorisch.

Klar, der KT orientiert sich nicht an unausweichlichen Determinanten. Wäre ja auch ziemlich wissenschaftlich. Er will das über ihn wie aus heiterem Himmel Hereingebrochene politisch überstehen, und Groupies aller Geschlechter wollen ihm dabei behilflich sein. Denn es gilt, einen in der Tradition politischer Dinosaurier verhafteten noch jungen Mann im Amt zu halten, der völlig überfordert ist.

Das aber ist zum Scheitern verurteilt, denkt man an die KT-Linie. Geologen bezeichnen diese als den Übergang von der Kreidezeit zum Tertiär. Diesen Übergang haben die meisten Dinosauerier gleich welcher Altersstufe nicht überlebt. Da mag man sich gar nicht ausdenken wollen, wie viele Lendenregionen der Gutti-Frutti-Fans zum Austrocken bestimmt wären, wenn den Sonnyboy der politische Absturz ereilte und er endlich mal richtige Berufserfahrung sammeln müsste. Der Nachfolger von Thomas Gottschalk zur ZDF-Show Wetten dass ...? ist bislang noch nicht benannt.

© Jochen Henke

© GeoWis (2011-02-22)

Update (2011-03-01): Karl-Theodor zu Guttenberg trat heute um 11.15 Uhr von allen Ämtern zurück.

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