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Sendai-Beben - Japan erlebt die schwerste Erdbebenkatastrophe der Neuzeit. Es war das erwartete große Beben. Nun müssten global einzigartige, aber beispielhafte Konsequenzen gezogen werden
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Leben am Abgrund

Das Erdbeben (Sendai-Beben) vom 11. März 2011 ist das katastrophalste, das Japan je erlebt hat. Japanische Seismologen hatten es seit langem erwartet. Nun müsste eine Zeit gigantischer Umsiedlung beginnnen.

Von Martin Jasper (2011-03-11)

Nachdem am 17. Januar 1995 für 20 Sekunden die Erde im Großraum der japanischen Metropole Kobe, Präfektur Hyogo, gebebt hatte, waren anschließend etwa 100.000 Gebäude zerstört und eine halbe Million stark beschädigt. 300.000 Menschen waren obdachlos geworden. Zu den markantesten Bildern, die damals um die Welt gingen, gehörten jene, die den Zusammenbruch eines kilometerlangen Teils der Stadtautobahn zeigten, deren Fahrbahn auf Stahlbetonsäulen gebaut war. Das Kobe-Beben mit Magnitude 7,3 forderte mehr als 6400 Tote und fast 45.000 Verletzte. Sein Epizentrum befand sich lediglich 20 Kilometer vom Stadtzentrum der 1,5-Millionen-Metropole entfernt; das Hypozentrum lag in 16 Kilometern Tiefe.

Seit dem Kobe-Beben gab es eine Reihe von schweren Erdbeben mit zigtausenden von Toten und Verletzten. Zu den verheerendsten zählen die Beben von Haiti (13.04.2010, über 300.000 Tote), Sumatra, Indonesien (26.12.2004/ über 230.000), Sichuan, China (12.05.2008/über 87.000), Jogjakarta, Java, Indonesien (17.05.2006/über 86.000), Bam, Iran (26.12.2003/über 31.000), Gujarat, Indien (26.01.2001/über 20.000), Badakshan, Afghanistan (30.05.1998) und Gölcük, Türkei (17.08.1999/über 17.000).

Überwiegend sind Länder und Regionen betroffen, die kaum in der Lage sind, mit den katastrophalen Folgen von Erdbeben umzugehen. Es fehlt ihnen an finanziellen und technischen Mitteln, manchmal auch an Bereitschaft. Hilfsgelder und -güter kommen teils oder komplett nicht dort an, wo sie benötigt werden; bürokratische Hürden und politische Dissonanzen - oft klassische Muster von Korruption - erschweren ausländische Hilfe. Diese Phänomene treten stets nach Naturkatastrophen auf.

Das einzige Land, das seiner geographisch-geologischen Lage seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Hinblick auf Erdbeben gerecht geworden ist, dessen Folgen ernst nimmt und vorbildlich Konsequenzen gezogen hat, ist Japan, drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das 140-Millionen-Einwohner-Land, das traditionsbehafteter als andere zum Westen zählende Staaten ist, geologisch betrachtet langfristig aber zum Untergang verurteilt ist, hat wie kein anderes das Bauingenieurwesen beflügelt.

In städtischen Regionen herrschen die schärfsten Bauvorschriften der Welt. Jedes Hochhaus muss 'erdbebensicher' konstruiert werden. Hunderte Kilometer Küstenlinie und alle wichtigen Hafenstädte sind mit Betonwällen als Tsunami-Schutzvorrichtungen versehen worden, und schon im Kindergarten üben die Knirpse das Verhalten bei Erdbeben und werden theoretisch mit diesen vertraut gemacht.

Doch nun ist Nippon heute um 14.46 Uhr Ortszeit von einem Beben - und einem darauf folgendem Tsunami - ereilt worden, dessen zerstörerisches Ausmaß in die Kategorie Haiti (2010) und Sumatra (2004) zu zählen ist. Hatte die US Geological Survey (USGS) zunächst von einer Magnitude 7,9 gesprochen - was schon katastrophal genug wäre -, berichtigte sich die USGS später und gab eine Magnitude von 8,9 an. Das Epizentrum lag zirka 130 Kilometer südöstlich Japans zwölftgrößter Stadt Sendai (ca. 1,1 Mio. Ew.), Präfektur Miyagi, 25 Kilometer unter dem Pazifik.

 Sendai und die in der Präfektur Miyagi und die in der angrenzenden Präfektur Fukushima liegenden Städte und Ortschaften wurden vom Beben und dem Tsunami, der bis zu zehn Meter hoch gewesen sein und sich bis zu zehn Kilometer ins Landesinnere geschoben haben soll, am heftigsten getroffen. Neben landwirtschaftlichen Nutzfläfchen, der verkehrlichen Infrastruktur - Straße, Schiene, Flughäfen -, Wohn- und Bürogebäuden und Industrieparks, wurden auch Areale der so genannten kritischen Infrastruktur zerstört oder stark beschädigt.

In Chiba flog eine Gas-Raffinerie in die Luft. Fünf Atomkraftwerke Japans wurden notabgeschaltet. In zwei Atomkraftwerken sanken trotz Abschaltung die Kühlwasserpegel auf kritisches Niveau. Die Shinkansen-Hochgeschwindigkeitsstrecke (Tohoku-Shinkansen) von Shin-Aomori über Sendai und Fukushima nach Tokyo wurde beschädigt, der Zugverkehr eingestellt. 

In der von Sendai 325 Kilometer entfernten japanischen Hauptstadt Tokyo, wo das Beben stark zu spüren war, brach auf Grund von Stromausfällen und fluchtartigen Verlassens von Gebäuden Chaos aus. Der Nahverkehr wurde aus Sicherheitsgründen eingestellt. Nichts ging mehr. Mehrere Millionen Pendler saßen auf den Bahnhöfen und in den U-Bahnhöfen fest; Kaufhäuser schlossen; das urbane Leben an der Ostküste wurde durchgerüttelt.

Während die politischen Entscheider und die Helfer vor Ort mit unglaublicher Problembewältigung zu kämpfen haben, ist die Bevölkerung im Land der aufgehenden Sonne erstmals seit den Abwürfen der US-Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wieder in Schockstarre. "Es ist unfassbar", übermittelt GeoWis-Autorin Yu Onoe. "Ich bin froh, dass Hamamatsu nicht betroffen ist."

Das reiche, von überbordenden Staatsschulden geplagte Japan erlebt derzeit die größte Erdbebenkatastrophe seit 111 Jahren. Eine Katastrophe, deren Folgen es nicht allein bewältigen kann. Regierungschef Naoto Kan hat den Notstand ausgerufen. Die internationale Hilfe ist angelaufen. Die Erzfeinde China und Russland, und die politisch mit Japan verbündeten USA haben ihre Hilfsmaschinierien angeworfen, um dem noch bevorstehenden großen Leiden des Landes zu helfen. Hilfe aus Deutschland, Frankreich und der EU kommt langsam in die Gänge.

Das Sendai-Beben ist das von japanischen Seismologen seit Jahren erwartete Giga-Beben. Ihre Erwartungen waren begründet, denn Japan liegt - wie viele Pazifik-Inselstaaten, etwa Indonesien - an einer gefährlichen Subduktionszone. Am Japangraben schiebt sich die Pazifische Platte mit einer durchschnittlichen Strecke von 83 Millimeter pro Jahr unter die Nordamerikanische Platte. Das hört sich an, als wäre es nicht viel, und gemessen in Kilometern pro Stunde sind es viele Stellen hinter der Null-Komma-X - unvorstellbar langsam.

Doch die schiere Masse der Platten sorgt dafür, dass dieser knappe Zentimeter - der oberflächlich schon mal als Kontinentaldrift bezeichnet und gelehrt wird - einen Ruck verursacht, der neben der Veränderung von Landschaftsräumen und der Erdoberfläche (Relief) auch Staaten verschwinden lassen kann. Das ist die Dimension, um die es bei einem Beben, wie es Japan heute getroffen hat, geht. 

Japaner, und alle Bewohner pazifischer und Anrainerstaaten, leben am geologischen Abgrund. Es ist lediglich eine Frage der Zeit, wann sie ihre Bevölkerungen umsiedeln müssen, wenn sie überleben sollen. Genaugenommen hat die Zeit noch weitreichender Konsequenzen bereits begonnen. Alle Staaten, die auf und in der Nähe von Bruch- und Subduktionszonen auf der Landkarte existieren, stehen vor enormen Herausforderungen.

Sie müssen ihren Bevölkerungen geologische und tektonische Gesetzmäßigkeiten erklären und ihnen daraus resultierende Handlungsoptionen vor Augen halten - und sie darauf einschwören, dass es sie jederzeit von der Landkarte wischen kann.

© Martin Jasper

© GeoWis (2011-03-11)

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