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Bin Laden wurde hingerichtet und die kritische deutsche Öffentlichkeit sieht das kaum anders. Wer es nicht wahrhaben will, ist etwa Henryk M. Broder. Er legt sich mit Jakob Augstein an und bleibt seiner längst rechtslastigen Linie treu
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Richard Löwenherz gegen die Sarazenen

Henryk M. Broder, der Haudrauf der deutschen Publizistik, regt sich über Jakob Augstein, Verleger der Wochenschrift Der Freitag, auf und schreckt dabei nicht davor zurück, Akteure des untergegangenen "Dritten Reiches" zu bemühen.

Von Tom Geddis (2011-05-07)

Es gab eine Zeit, da konnte man den im polnischen Kattowice geborenen Autor Henryk Marcin Broder ernst nehmen. Das war vor dreißig, vierzig Jahren, als er erste Beiträge für die St. Pauli-Nachrichten und Pardon verfasste. Er war erklärter Linker, und als Linker durfte man durchaus für frivole Blätter schreiben.

In den frühen 1980er Jahren, nachdem er aus Isreal zurückgekommen war - wohin er angeblich aus Protest auf Grund eines Artikels in Emma vorübergehend ausgewandert war -, spätestens jedoch, als er gegen das Fassbinder-Stück Der Müll, die Stadt und der Tod agitierte, das Mitte der 1980er Jahre in Frankfurt am Main aufgeführt werden sollte, aber auf Grund jüdischen Einspruchs nicht aufgeführt werden durfte, mutierte Broder zu einem reflexionslosen Agit-Prop-Verteidiger des Judentums und spuckte verbal auf jeden, der an Israel etwas zu bemängeln hatte.

 In der Folge mäanderte Broder durch nahezu sämtliche deutschen Mainstream-Medien, die sich mit seiner Polemik, USA-Freundlichkeit und Verteidigung des Staates Israel schmücken wollten. Er schrieb für die Zeit, Die Woche, die Süddeutsche Zeitung und ankerte schließlich Mitte der 1990er Jahre als Vorzeigepolemiker bei Spiegel Online. Fünfzehn Jahre durfte er dort gegen jeden hetzen, der des Antisemitismus verdächtig war oder versuchte, die Anschläge von 9/11 abseits der offiziellen Version zu beschreiben. Wer gar auf Ausgleich mit der muslimischen Welt bedacht war, erhielt von Broder ebenfalls eine Watsch'n.

Broder, personifizierter Schwarzer Kanal der gesamtdeutschen Mainstream-Medien und gewissermaßen ein verbalakrobatischer Richard Löwenherz im Kampf gegen die Sarazenen und ihrer Verteidiger, ist nie in den Sinn gekommen, dass es sich bei 9/11 um einen Inside job gehandelt haben könnte. Ebenso wenig kommt ihm, der Mitinhaber und Mitherausgeber des Partisanen-Online-Magazins Die Achse des Guten ist und ein paar Semester Jura studiert hat, in den Sinn, das Handeln US-amerikanischer Killerteams kritisch zu hinterfragen. 

Ich habe über die vergangenen zwei Jahrzehnte viele von Broders brandstifterischen Beiträgen gelesen, viele seiner Auftritte in verschiedenenen Talkshows mitangesehen und auch seine unmittelbar nach den 9/11-Anschlägen auf Spiegel Online publizierten, durchaus dogmatischen Artikel gelesen. Ich hatte damals sogar von Mexiko aus einen Leserbrief an SpOn zu einem Broder-Beitrag verfasst und abgeschickt, aus dem hervorgeht, welche Freudentänze nicht wenige Mexikaner über den Angriff auf den Dritte-Welt-Dominator USA aufgeführt hatten.

Das mexikanische Politmagazin Proceso setzte beste Autoren ein und widmete den Terroranschlägen in seiner Ausgabe 1298 (16.09.2001) 80 seiner 100 Seiten. Auf der Grundlage des von Roland Jacquard verfassten Buches Au nom d'Oussama Ben Laden lieferte Anne Marie Mergier eine Reportage über die Verbindungen bin Ladens zur CIA, amerikanischen Geschäftsleuten und Politikern ab (La historia secreta de Osama bin Laden); Homero Campa befasste sich kritisch mit dem Heiligen Krieg gegen "die große Macht" (La Guerra Santa contra la gran potencia); Jaime Martínez Veloz lieferte Einsichten des "alten Bekannten der CIA" (Un viejo conocido de la CIA); Enrique Maza fragte umfangreich, wie es möglich gewesen sei, dass Flugschüler Jets in die Twin Towers steuern konnten (Matar inmolándose).

Der Sozialpsychologe Jorge Mendoza García schrieb einen Essay über die "Kultur der Gewalt", die er strukturell von den USA ausgegangen sieht (La cultura de la violencia), und über dem Beitrag von Hugo Hiriart (Un martes (no cualquier martes) en Nueva York) wurde Hegel zitiert: "Hinter der politischen Macht steht die Förmlichkeit des Todes (Detrás del poder pollítico está la solemnidad de la muerte)." Die Proceso-Ausgabe 1298 ist ein Highlight gepflegter kontroverser politischer Analyse und Auseinandersetzung mit 9/11 und bin Laden.

Broder ist ein sensibler Mensch, und einer der austeilt, es aber gar nicht gut findet, wenn er oder sein Israel kritisiert werden, und ihm missfällt es meist, wenn die USA von Deutschland aus kritisiert werden. Das ist verständlich, sind die USA doch Schutzmacht Israels, des einzigen Staates im Nahen Osten, der über Atombomben verfügt und wesentlich aus diesem Grund als Stachel im Hintern aller Muslime in der Region empfunden wird. 

 Broder weiß darum, doch es käme ihm nie über die publizistische Lippe. Er versteht einfach keinen Spaß, wenn es im Ernst um Israel und dessen Schutzpatron USA geht. Da ist es ihm egal, ob die USA das Völkerrecht mit Füßen treten und durch eine militärische Spezialeinheit die Symbolfigur des internationalen Terrorismus, Osama bin Laden, hinrichten lassen. Er stellt sich nicht einmal die Frage, ob eine derartige Spezialeinheit nicht prädestiniert wäre, ein solches Symbol unblutig, zumindest aber lebend festnehmen zu können.

Stattdessen pinkelt er auf welt.de, der Online-Ausgabe von Die Welt, den Herausgeber der Wochenschrift Der Freitag, Jakob Augstein, mit Unterstellungen an, weil der es gewagt hatte, in seiner Kolumne für Spiegel Online (warum er sich dort aufhält, weiß auch nur Augstein selbst) die Hinrichtung bin Ladens zu kritisieren. "Unsinn" schreibe Augstein für seine Leser, die er "aus der Restekiste der DDR" übernommen habe.

Starker Tobak, indes: Broder knüppelt weiter auf Augstein und scheut sich nicht, krudeste Vergleiche zu den Greueltaten der Nazis, deren Protagonisten, Konzentrationslagern - und auch zu den Kreuzrittern - zu ziehen, etwa zu dem seinerzeitigen Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop. Das ist mehr als peinlich. Dies umso mehr, als der publizistische Paradiesvogel sich gar nicht mehr in seiner Aufregung über Augsteins SpOn-Beitrag stoppen kann.

Er führt absurde Vergleiche an. Kostprobe (Zitat): "Würde man Augsteins Logik folgen, müsste man sagen: Diese KZ-Bilder werden für immer neben den brennenden Straßenzügen von Dresden, Hamburg und Köln stehen." Folgte man Broders Logik, hätten die USA in Korea, Vietnam, Grenada, Afghanistan und dem Irak genauso alles richtig gemacht wie Israel in seinen regionalen Kriegen und der Unterdrückung der Palästinenser.

In Broders politischer Weltsicht, die er in den Springer-Medien offenbar unredigiert unters Volk bringen darf - was ein bitteres Bild auf deren Publikationen abseits von Bild und B.Z. wirft - scheint Kritik an den USA und Israel sakrosankt zu sein. Er geriert sich als rechtspopulistischer Dogmatiker allererster Güte. Allerdings: Gegen die Monty-Python-Themen-Abende auf Arte, die vor einigen Tagen liefen, hat er noch nicht gestänkert. Dabei wäre Das Leben des Brian doch ein Broder-Thema.

Tom Geddis

GeoWis (2011-05-07) 

Links:

Jakob Augsteins Beitrag auf Spiegel Online >>

Jakob Augsteins Beitrag (Langform) auf Der Freitag >>

Henryk M. Broders Beitrag auf welt.de >> 

Obama setzt sich über das Völkerrecht hinweg >>

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