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Grillen, Schwimmen, Wandern, Hasenalarm - Der Frühsommer in Deutschland und weiten Teilen Europas sorgt für volle Innenstädte, Biergärten, Parks und Strände
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Paarungszeit

Das seit drei Wochen anhaltende sommerliche Wetter in weiten Teilen Europas sorgt für gute Stimmung, volle Innenstädte, Biergärten, Freibäder, Strände und Parks. Die Paarungszeit ist angebrochen.

Von Jochen Henke und Antonio Morales (2011-05-10)

Ganz gleich, wo man sich in den vergangenen drei Wochen in West-, Zentral- oder Südeuropa aufhielt: überall lockte das prächtige frühsommerliche Wetter die Menschen aus ihren Wohnungen und Häusern hinaus in Biergärten, an die Flussufer, Strände, in die Freibäder, Parks, Höhenlagen.

Das Sommerwetter, das diesmal - etwa in Deutschland - bereits kurz vor Ostern begann, wenngleich noch mit kühlen Temperaturen zum Abend hin und in der Nacht, ruft bei jenen, die mit Landwirtschaft wenig oder gar nichts zu tun haben, Freude, Lust- und Freizeitgefühle hervor. Bei den Landwirten und Agrarunternehmen naturgemäß nur dann, wenn genügend Niederschläge fallen. Dies ist seit Wochen nicht der Fall, weshalb diese Berufsgruppe über das Wetter eher klagt, da Ernteausfälle - und dadurch steigende Lebensmittelpreise - drohen.

 Alle anderen hingegen freuen sich. Kinder, weil sie endlich wieder in irgendeinem Gewässer plantschen können; Frauen, weil sie endlich wieder ihre meist als unvorteilhaft wirkenden Winter- oder Übergangsklamotten im Schrank lassen und stattdessen in luftige, häufig knappe Outfits schlüpfen können; und Männer, weil sie sich hinaustrauen, um nachzusehen, was das weibliche Geschlecht heuer spazieren trägt.

Je nach dem wie reizvoll das - auch gegenseitig - ist, steigen die Testosteronspiegel, weshalb mitunter auch von Hasenalarm die Rede ist, womit nicht die Langohren gemeint sind, sondern die Mädels und Jungs, Männer und Frauen, die sich vor lauter optischer Reizüberflutung kaum retten können und dadurch schnell in Geberlaune geraten. Zur Freude von Biergarten-, Fressbuden-, Tretbootverleihern, Touristikunternehmen und Restaurantbetreibern.

Da interessiert kaum jemanden Obama, Osama, die FDP, die Bundeswehrreform oder Merkels und Röslers Machtspiele; kaum jemanden interessiert bei solch sommerlichen Temperaturen auch, was der spanische Regierungschef Zapatero plappert, ob Griechenland aus der Euro-Zone austreten oder hinausgetreten wird, ob in England die Änderung des Wahlsystems gescheitert oder ob in China ausnahmsweise mal kein Sack Reis umgefallen ist.

Es ist prädestinierte Paarungszeit für den Homo sapiens, zumal für jene davon, die die triste Spätherbst- und Winterzeit nicht genutzt haben. Dazu müssen sie nun raus aus der Hütte und schauen, dass sie Spaß mit oder ohne Folgen bekommen. Bundes-, ach was! europaweit wird sich dieser Tage wieder gepaart, was das sprichwörtliche Zeug hält. Im Bett? Klar, auch. Vorzugsweise aber überall sonst und gerne auch im Freien.

 Nicht auszudenken, welche politische Revolution da im Verborgenen liegt und erruptierte, wenn das seit Jahrzehnten anhaltende Waldsterben und der Klimawandel weiter fortschritten. Dann müsste der Paarungsdrang - auch wenn er nur simuliert wäre, schließlich hält inzwischen so gut wie jede Partei und jede noch so kleine Organisation mit (Eigen-)Werbung bedruckte Kondome bereit, und verteilt sie -, womöglich kanalisiert werden. 

So weit ist es noch nicht. Das schöne Wetter wird - in jeder Hinsicht - genutzt, auch auf dem Land abseits agrarwirtschaftlicher Präferenzen. So an der Mecklenburgischen Seenplatte und an der brandenburgischen Müritz samt See; in der Eifel, am Titisee unweit Freiburgs im Breisgau, an den bayrischen Seen, an den Talsperren der Nation. Und in den Großstädten.

Seit Ostern werden die Wasserlöcher und Flussauen zum Beispiel in Düsseldorf (Unterbacher See, Blauer See/Ratingen, Baggersee Angermund/Kaiserswerth, Rheinauen), Bochum (Kemnader See), Köln und Bonn (Rheinauen), Essen (Baldeneysee, Kettwiger Stausee, Werdener Brehm-Halbinsel), Berlin (Wann-, Griebnitz-, Schlachten-, Nikolas-, Teufels- und Müggelsee, Spreeauen), München (Englischer Garten, Isarauen), Haltern (Halterner See), Hamburg (Binnenalster, Elbauen) und viele andere massenhaft von Sonnen- und Freizeithungrigen frequentiert.

An den deutschen Stränden der Nord- und Ostsee und deren Inseln tummeln sich Hunderttausende, obwohl das Wasser noch keine Wohlfühltemperatur erreicht hat. Ähnlich sieht es bei den west-, nord- und osteuropäischen Anrainerstaaten der beiden Meere aus: in Litauen, Estland, Lettland, Russland, Finnland, Schweden, Polen, Dänemark, Belgien, Holland fliehen die Menschen, sobald sie können, meist an Wochenenden, ihre Domizile und gehen ans Wasser. Hasenalarm auch dort und jederzeit.

 In Südeuropa - die immersonnigen Inseln wie Malta und Zypern mal ausgeklammert -, insbesondere in Griechenland, Italien, Frankreich, Spanien und Portugal sieht es nicht schlechter aus. Eher besser. Hundertausende waren über die Osterferien dort zu Besuch und an den Stränden. 

Zwar ist das Mittelmeer auch noch nicht wohltemperiert - an der Cote d'Azur im Raum Nizza ist das Meer selbst im August noch kühl, wie auch an der französischen Biskaya -, aber das schreckt die Sonnen- und Wasserhungrigen nicht ab, und hindert sie erst recht nicht daran, sich frühsommerlichem Strandleben hinzugeben. 

In St. Jean de Luz, einem beschaulichen Ort mit kilometerlangem Sandstrand am Rande der französischen Pyrenäen an der Biskaya, sehr familienfreundlich und nicht von Hunnen und Ostgoten überlaufen, friert es hinsichtlich der Wassertemperaturen noch, allerdings wärmt die Luft dermaßen, dass sich neben dem männlichen auch das weibliche Geschlecht oberhalb des Bauchnabels dazu verleitet sieht, freie Brust zu tragen.

Gut so, denn auch im Süden Europas, demographisch im Hinblick auf seine Fertilitätsraten auch nicht gerade vorzeigehaft, müssen von beiderlei Geschlecht Anreize gesetzt werden, um die Nachwuchsquote zu erhöhen. Da kommt gutes Wetter gerade recht.

Ernstgemeinte Paarungsabsichten, wie sie an der französichen Biskaya, dem portugiesischen, spanischen und griechischen Inland wohl häufiger anzutreffen sind als an der französischen Riviera und ihren Äquivalenten, wo stets nicht nur ein Hauch von, sondern auch wahres Luxusgehabe stattfindet, unterliegen in diesen frühsommerlichen Tagen natürlich auch der Präsentation der Paarungswilligen.

 In den beschaulichen Orten fällt diese weniger prätentiös aus als in den urbanen Naherholungsgebieten, Stadtstränden und touristischen Hot spots. Wer ernsthafte Absichten hat, sollte nach Saint Jean de Luz oder an die nur von Einheimischen besuchten Strände der Mittelmeeranrainerstaaten gehen und dabei nicht vergessen, sich zuvor ausreichende Sprachkenntnisse anzueignen. Dann geht was.

Auch hier, in Deutschland. So manche Europäer aus Polen, den Niederlanden, Frankreich oder Spanien haben längst bemerkt, dass in Deutschland häufig gutes Wetter herrscht, es ausgezeichnete Gegenden gibt und die Paarungswilligkeit höher ist als etwa in Italien. 

Sie wissen, dass man an Nord- und Ostsee und an den deutschen Binnengewässern locker nackig am Strand liegen kann, am Strandbad Müggelsee ein FKK-Bereich eingerichtet ist, in Düsseldorf-Kaiserswerth oder am Kemnader See Sichtschutz gewährende Büsche vorhanden sind, man sein Bier nicht in einer Tüte verstecken muss - was vor allem Nordamerikaner zu schätzen wissen - und das Wort Prüderie seit ungefähr 60 Jahren nicht mehr zieht.

Viele Nordamerikaner - und Touristen aus anderen prüden Ländern - kommen gerade wegen der in Europa existierenden Freizügigkeit hierhin. Und das so früh wie möglich. Sie wissen: In Europa ticken die Uhren anders, ticken sie gemütlicher und intensiver, ticken sie so wie ich mir das für mein Land wünschte.

Und dann kommen sie dieser Tage zum Beispiel nach Deutschland und sehen neue Dinge. Etwa Grillinseln - runde Schlauchboote mit nach außen klappbaren Grills - an der Spree am Treptower Park (Berlin); jede Menge aufeinander liegende Pärchen in gelbschwarzer Bekleidung im Westfalenpark (Dortmund); barbusige Schönheiten und frontrasierte Adonisse im Englischen Garten (München), Feierbiester in jenen Städten, die Fußballvereine in der 1. und. 2. Bundesliga haben, und so weiter.

 In der Provinz Deutschlands erleben sie Open-Air-Musikfestivals (z.B. Rock am Ring), radikale Weinfeste (z. B. Ingelheim, Rheinland-Pfalz), entdecken die Moselorte und deren Weinstuben, die Bierhochburgen (Düsseldorf, Dortmund, München), die - ja genau - totale Freude und Ausgelassenheit dieses Frühsommers. Die beste Zeit wohl, um sich zu reproduzieren.

Die Hitze kann dabei den Kopf schon mal verwirren, auch bei Tieren. Essen-Werdener Enten könnten da ein Lied von singen, wenn sie singen könnten. Die faulen, indes stets paarungsfreudigen Wasservögel verlieren gelegentlich aus reinem Übermut die Orientierung nach einem Ausflug aufs Festland. Während sie nach links zur S-Bahn blickt, hat er den Blick zur Ruhr. Bis beide dort angelangen, können Stunden vergehen. So viel Zeit muss - bei allen sommerlichen Einflüssen - sein. 

Angenehme Temperaturen haben schon immer dafür gsorgt, dass die Menschheit nicht ausstirbt. In modernen Zeiten ist das nicht anders. Tagsüber fließen da schon mal harte Cocktails, etwa die unscheinbaren Caipirinhas, die Biere, die eiskalten Weißweine, die Softdrinks, die Kurzen; abends wird unterschiedlich nachgeladen. Am Ende des Tages fallen viele durchs Rost, die keinen Paarungs- oder Spaßpartner gefunden haben und rüsten sich für den kommenden.

Die Ausgaben, die für Spaß und die Suche nach Paarungspartnern aufgewändet werden, sind noch nicht prognostizierbar. Im Fußball-EM-Jahr 2008 setzte das deutsche Restaurant- und Gaststättengewerbe laut dem Bundesamt für Statistik 26,8 Milliarden Euro um und beschäftigte 834.000 Menschen. Ingesamt ein knappes Prozent mehr als im WM-Jahr 2006. 2010 - keine Fußball-EM, keine Fußball-WM - sank der Umsatz zwischen zwei und vier Prozent (je nach Quelle).

 Allein die sechs tourismusreichsten Länder des Kontinents (Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland, Österreich) mit zusammen rund acht Millionen Betten verzeichneten 2008 laut Eurostat 493 Millionen Übernachtungen, davon die große Mehrzahl private Reisen und Ausflüge. Gut eine halbe Billion Euro wurden so umgesetzt.

Auch der vor allem bei Belgiern und Niederländern beliebte Caravaning- und Camping-Tourismus sorgt für hohe Umsätze. Auf den mehr als 26.000 Campingplätzen Europas (EU 27), davon etwa 15 Prozent in Deutschland, und zusätzlichen 4.000 Stellplätzen für Wohnmobile außerhalb von Campingarealen, übernachteten 2010 laut Angaben des Caravaning Industrieverbands (CVID) 443 Millionen Urlaubs- und Freizeitorientierte und spülten knapp 16 Milliarden Euro in die Platzbetreiberkassen und geschätzte 500 Milliarden in die der Nahrungs- und Genussmittelverkäufer.

Ist das nicht gut? Ja, das ist richtig gut. Vom Spaß, der Freizeitgestaltung, des wohl- oder unüberlegten Müßiggangs, der Partnersuche, Paarungsbereitschaft, Reisefreudigkeit und allem, was dazu gehört, leben Kommunen, Regionen und so manches Land. Mehr Sonne bitte, und für die Landwirtschaft zwischendurch auch mal ein paar Tage Regen!

© Jochen Henke und Antonio Morales

© GeoWis (2011-05-10)

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