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Smith, Laurence C.: Die Welt im Jahr 2050. Rezensiert von Ralf Mai
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Mal sehen, was kommen könnte

Es hat die Menschen schon immer - meist mehr als die Vergangenheit - das Morgen interessiert. Laurence C. Smith wagt mit seinem jüngst erschienenen Buch Die Welt im Jahr 2050 - Die Zukunft unserer Zivilisation einen Ausblick.

Von Ralf Mai (2011-06-18)

Die Boomregionen der Zukunft findet man rund um den Nordpol. Auf diesen kurzen Nenner könnte man das 400 Seiten starke Sachbuch von Laurence C. Smith bringen. Der Autor ist für eine solche Aussage unzweifelhaft Experte: er ist Geographie-Professor an der University of Los Angeles und Berater der US-Regierung und war maßgeblicher Mitautor des vierten UN-Klimaberichts.

Smiths Buch ist nach seinen Worten ein „Gedankenexperiment“. Er beschreibt seine Vorstellung des Jahres 2050 auf der Basis von vier Mega-Trends, die die Zukunft bestimmen werden: Demographie, Nachfrage nach natürlichen Ressourcen, Globalisierung und Klimawandel. Anhand von Analysen zahlreicher Studien und eigenen Ergebnissen entwirft er ein Bild der Welt für die kommenden 40 Jahre. Was sind die wesentlichen Entwicklungen, was die wesentlichen Herausforderungen, und wie soll man darauf reagieren – und vor allem: wo auf dem Globus findet all dies dann statt?

Prognosen sind jedoch so eine Sache. Sie wollen ein möglichst genaues Bild der Zukunft liefern. Wie realistisch das Gemälde wird, hängt aber entscheidend von der Qualität der Annahmen und dem gewählten Zeitraum ab. Realistische Annahmen sind aber über einen Zeitraum von 40 Jahren schlechterdings kaum möglich. Smith behilft sich daher mit vier „Regeln“, die er zu Beginn als Grundannahmen festlegt:

1. Keine technischen Wunder

2. Kein Dritter Weltkrieg

3. Keine „bösen Flaschengeister“ (unvorhersehbare Ereignisse)

4. Das Modell ist ausreichend gut.

Mit diesen Annahmen kann man keine Prognose wagen. So ist Smiths Gedankenspiel denn auch eher eine Vision, ein Was-Wäre-Wenn-Spiel. Vor allem unvorhersehbare Ereignisse können kaum über 40 Jahre ausgeschlossen werden (die zweite Annahme hoffentlich schon). Trotzdem erscheinen viele Zukunftsszenarien, die Smith entwirft oder aus der Wissenschaft ableitet, plausibel und wahrscheinlich.

So ist sich heute die Fachwelt in groben Zügen über den Klimawandel einig. Auch der demographische Wandel ist mittlerweile in der Mainstream-Diskussion angekommen und wird kaum ernsthaft bestritten. Doch selbst für diesen, der ja vergleichsweise gut vorhersagbar ist, gilt: je länger der Prognosezeitraum, desto unsicherer die Ergebnisse. Immerhin macht Smith vorsichtige Schritte und baut keine Luftschlösser.

Die Themen des Buches sind so vielfältig wie die Herausforderungen der Zukunft. Ob Urbanisierung oder Überbevölkerung, ob alternative Energieformen und Atomkraft, ob Permafrost, Grundwasserspiegel, die Hadley-Zelle, die indigenen Völker der Polarregion oder das La-Niña-Phänomen – Smith erklärt all dies und noch einiges mehr in einer für den Laien meist gut verständlichen Weise. Eindeutiger thematischer Schwerpunkt sind die Veränderungen im polaren Norden der Erde.

 Ihnen widmet der Autor mehr als die Hälfte des Buches. Dort sieht er gravierende Veränderungen auf uns zukommen: das ganze Ökosystem wandelt sich, Permafrost taut auf und das Klima wird milder; das Nordmeer und der Nordpol werden zumindest im Sommer eisfrei, Bodenschätzevorkommen werden erreichbar und Schifffahrtsrouten durchgängig befahrbar. Die angrenzenden Regionen erfahren so einen Wirtschafts- und Zuwanderungsboom, wenngleich die Polargebiete nicht gerade zu den Top-Zielen potenzieller Zuwanderer zählen.

Smith hat ein faszinierend detailreiches Sachbuch vorgelegt, das man mit wachsendem Appetit verschlingt. Es werden jede Menge interessante, wichtige und weniger wichtige Fakten und wissenschaftliche Ergebnisse präsentiert. Etwa, dass Lissabon pro Kopf und Jahr neun Tonnen an materiellen Gütern „hinzugewinnt“ (Städte behalten also auch Ressourcen – in Form von Neubauten, Geländeauffüllungen); dass 2006 der erste Hybrid zwischen einem Grizzly und Polarbär erlegt wurde (ein „Pizzly“?); dass die gesamte Weltproduktion an Solarstrom nur der Produktion eines großen Kohlekraftwerks entspricht; dass der Handel mit virtuellem Wasser wichtiger wird. Oder dass das Französische Viertel in New Orleans von der Hurricane-Katastrophe verschont wurde, weil es in der Region die erste Siedlung war, die auf einer kleinen Anhöhe errichtet wurde. Hochaktuell: die Beschreibung der Kernenergie und alternativer Energiequellen. Faszinierend sind zudem die Ausführungen zu Hydrologie und (sauberem) Trinkwasser als dem eigentlichen Hauptproblem der Menschheit als Folge von Bevölkerungs- und Industriewachstum. Und und und…

Smith kann gut erzählen und hat auf den Punkt treffende Formulierungen. Die Detailfülle ist manchmal eine Schwäche, wenn er sich darin verliert. Auf der anderen Seite hat er meistens eine Anekdote oder persönliche Erlebnisse parat, die die manchmal trockenen wissenschaftlichen Erkenntnisse gut lesbar machen. Man vermisst aber des Öfteren eine stärkere Verknüpfung der einzelnen Argumentationsstränge. Ihre Wechselwirkungen werden nur angedeutet.

Natürlich unterlaufen ihm – wie anderen Autoren ebenso - auch inhaltliche Fehler oder Ungenauigkeiten. So begann die Globalisierung nicht erst 1944 in Bretton Woods, sondern hat tiefe historische Wurzeln. Das Konzept der historischen Bevölkerungsentwicklung (Geburten- und Sterblichkeitsrückgang) heißt nicht „demographischer Wandel“, sondern „demographischer Übergang“. Und das Bruttoinlandsprodukt bis 2050 zu schätzen, ist Kaffeesatzleserei (als Zitat einer Goldman-Sachs-Studie). Schließlich kommt immer wieder die typisch amerikanisch-positive, abwägende Grundeinstellung zum Ausdruck, die die Aussagen zuweilen etwas in Unschärfe bringt. Auch beim Thema Umweltschutz scheint Smith eher pragmatisch eingestellt zu sein; Energiesparen als wichtige Ressource kommt bei ihm nur am Rande vor. Und für ein Buch eines Geographen könnten mehr (gute) Karten enthalten sein.

Doch alles in allem ist die Arbeit gespickt mit aktuellem Material und Wissen. Allein die Endnoten umfassen etwa 60 Seiten. Hervorzuheben ist auch Smiths auf Langfristigkeit ausgelegte Sichtweise. Ihm geht es nicht um kurzfristige Phänomene. Er hat die wesentlichen Entwicklungen im Blick. Und genau diese Perspektive ist nötig, um die Auswirkungen, aber auch die angemessen Reaktionen auf die Mega-Trends der Zukunft im globalen Maßstab zu kennen. Zu Hilfe kommt ihm sein Hintergrund als Geograph und Geowissenschaftler – keine andere akademische Disziplin könnte besser für dieses Thema geeignet sein. Denn hier muss man im übergeordneten Rahmen als „Generalist“ denken und Verbindungen knüpfen. Smith gelingt dies einwandfrei.

© Ralf Mai (Unser Autor und Freund verstarb am 16. März 2012 im Alter von 41 Jahren. Er hinterlässt Frau und Kind.)

© GeoWis (2011-06-18)

Laurence C. Smith: Die Welt im Jahr 2050. Aus dem Englischen von Martin Pfeiffer und Udo Rennert. Hardcover mit Schutzumschlag, 480 Seiten, mit Abbildungen. ISBN: 978-3-421-04401-3. DVA, München.


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