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Fazit zur Frauen-Fußball-WM 2011: Japans Prachtnelken haben es allen gezeigt und sind Weltmeisterinnen. Doch die WM hat auch grandiose Verlierer, an vorderster Stelle so genannte Experten
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On higher Ground

Drei Wochen lang konnten sich Fußballfreunde anschauen, was die Frauen auf dem Platz zu bieten haben. Drei Wochen konnten sie sich auch anhören, was das öffentlich-rechtliche Expertentum wert ist, und konnten lesen, wie es ums schreibende steht.

Von Roman Siertes und Amy Li (2011-07-20)

Die weibliche japanische Fußballnationalmannschaft ist Weltmeister 2011. Durch Elfmeterschießen mit einem abschließenden 5:3 haben die als Prachtnelken bezeichneten Damen aus Nippon das Team aus den USA besiegt und sich darüber für japanische Verhältnisse schon überschwänglich gefreut. Ganz gegen ihre Art mussten sie sich von wildfremden Funktionären auch noch drücken lassen. Egal. Für die kommenden vier Jahre ist ihnen der Titel nun sicher.

 Von Anbeginn dieser WM hatten sie öffentlich geäußert, Weltmeisterinnen werden zu wollen - und wurden von unseren deutschen Experten entweder gar nicht wahrgenommen oder schlicht belächelt. Teilweise so stark, dass unabhängige Experten wie wir früh am Sachverstand der abhängigen Experten zu zweifeln begannen und ihre kommentatorische Expertise entsprechend würdigten (siehe Links unten).

Denn es ging um Fußball, nicht um Frauen. Es ging um sachliche Analyse, um das Erkennen, dass es sich um eine Sportart handelt, die von Männern dominiert ist und von Frauen gern gespielt wird. Es ging ums Spiel an sich, nicht um Vergleiche, obwohl die beinahe drei Wochen lang gezogen wurden und sogar in Talkshows Einzug erhielten. Meist ohne entsprechende Würdigung. Und uns ging es bei Japan auch um Huldigung.

Immer den Männerfußball vor Augen, der international wie in den jeweiligen nationalen ersten und zweiten Ligen jahrein, jahraus nicht stets, aber oft grausames Gekicke vollbringt, was nicht selten dazu führt, dass irgendwelche Dummbatze, Suffköppe oder sonstwie Neben-sich-Stehende - sich auch noch als Fans verstehende - Krawallos für Randale sorgen und sich damit dem Wesen und Grundgedanken des Sports verschließen, fielen viele Journos und Kommentatoren vor allem damit auf, dass sie ihren Job nicht richtig verstanden, indem sie der Dummbatze Klischees bedienten.

Man erinnere sich nur an den Abstiegskampf der vergangenen Bundesligasaison ab Platz zehn. Klubs wie Schalke 04, Wolfsburg, Eintracht Frankfurt, Werder Bremen lieferten unterirdischen Fußball ab, der - im Vergleich - dem der Nigerianerinnen, Norwegerinnen und Äquatorial-Guinearanerinnen während der WM in nichts nachstand. Fußball, den man nicht sehen will, es sei denn, man ist eingefleischter Fan der jeweiligen Mannschaft und verzeiht es ihr regelmäßig, dass sie nicht Fußball spielen kann.

 Die Fußballweltmeisterschaft der Frauen des Jahres 2011 hat vieles zu Tage gefördert, von dem man gar nicht wusste, dass es existierte. Etwa, dass es friedlich zuging, Familien mit Kleinstkindern in die Stadien strömten, das - nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft - so genannte neutrale Publikum sich am Spiel der anderen Teams labte, applaudierte, pfiff, Spaß hatte, La ola in Gang setzte.

Mitnichten saßen zigtausende Experten auf den Rängen, sondern hauptsächlich Menschen, die sich für das Spiel interessierten und sich dabei ohne Besessenheit einen schönen Nachmittag oder Abend machen wollten.

Im Vergleich zu den Spielen von Männermannschaften macht dies bereits einen fulminanten Unterschied aus, indem trotz allen Ernstes eine neue Leichtigkeit durch die Zuschauerränge raunte - und spätestens nach dem Ausscheiden von Silvia Neids Team auch Anerkennung für die anderen Teams zum Ausdruck kam.

Doch nicht unbedingt bei den ZDF- und ARD-Moderatoren-, Kommentatoren- und Reportern. Die lieferten, subsumiert, drittklassige Arbeit ab, ungefähr auf dem Level von Äquatorial-Guineas und Nigerias Team. Egal wen sie aufboten, sie taten sich ausgesprochen schwer, die 32 Spiele vernünftig und unvoreingenommen zu kommentieren. Mit Claudia Neumann wurde zudem eine nervige Radiostimme auf die Fernsehzuschauer losgelassen.

Sie, die Experten, machten aus ihrer Voreingenommenheit keinen Hehl, setzten auf Deutschland - klar -, Brasilien - auch klar -, die USA - sowieso klar -; sie setzten auf die Schwedinnen - warum auch nicht? -, die Norwegerinnen - sicher. Auf die Japanerinnen setzten sie nicht. Die aber lieferten von Anfang an den besten Fußball. Das blieb offenbar all den so genannten Experten irgendwie verborgen.

Erst ab dem Halbfinale schwenkten manche um, sprachen davon, völlig überrascht zu sein. Dabei schließen sich Überraschtheit und Expertentum generell aus. Entweder man ist Experte und selbstverständlich nicht überrascht, oder man ist ein Dampfplauderer, der natürlich schnell überrascht ist, wenn große Namen, die als Top-, Geheim- oder sonstige Favoriten gehandelt werden, das Nachsehen haben.

 Dann ist von unglücklichem Ausscheiden die Rede, von einem rabenschwarzen Tag oder zu großem Druck. Die Leistung des als Sieger vom Platz gegangenen Gegners, jenem Spielverderber, der nicht ins Denkschema der Experten passt, wird dadurch auf despektierliche Weise relativiert.

So war es bei den Matildas aus Australien, die beherzten und schön anzuschauenden Fußball darboten; so war es lange Zeit bei den Französinnen, die als einziges europäisches Team modernen Kombinationsfußball zeigten; und so war es bei den Japanerinnen, die den Französinnen geschickt aus dem Weg gingen, indem sie gegen England verloren und sich somit das deutsche Team vorknöpfen konnten. 

Wer die Berichterstattung während der WM verfolgt hat, konnte sehen, dass Welt, FAZ, TAZ, WAZ, Spiegel Online und Stern Experten an die Fußballfront entsandten, die sich gar nicht oder bestenfalls spärlich mit den Frauenschaften beschäftigt hatten. Die halblinke TAZ ließ gar den Qutotentürken Deniz Yücel mit einer Kolumne auf die Leser los, die sich im sprachlichen Ausdruck einen niveaulosen, obszönen und höchst peinlichen Wettstreit mit der BILD lieferte. Satire sollte es sein, heißt es. Doch Satire geht anders.

Plädoyers für den Frauenfußball, Plädoyers der besseren Art, hielten Thomas Hahn ("20 Elfen"), Kathrin Steinbichler ("Verbeugung am Ende einer langen Reise") und Holger Gertz ("Der Reiz des Spiels") in der Süddeutschen Zeitung¹. Auch die Berichterstattungen der Online-Ausgabe des Kicker und die auf der Webseite der FIFA zur WM zeugten von fußballerischem Sachverstand.

Der Sieg der Japanerinnen über die US-Girls kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, zeigt er doch, dass selbst das Team mit dem besten Fußball herkömmlicher Art - die US-Girls -, zu dem der lange und hohe Pass und die Flanken von links oder rechts gehören, die Prachtnelken nicht bezwingen konnte. Die Japanerinnen spielten drei Wochen lang nahezu perfekt, wie auf einer anderen Ebene, wenngleich sie im Finale eine Stunde lang große Mühe hatten.

 Aber das Team behielt die Ruhe, als es in Rückstand geriet, warf dann nicht alles nach vorne, sondern vertraute auf die Kraft seines Systems und legte beseelt noch eine Schippe drauf, als es in die Verlängerung ging.

Die US-Girls hatten alles versucht, zahlten aber den Preis für ihr aufwändiges Spiel. Kraftlos gingen sie ins Elfmeterschießen und schossen unpräzise, während die Japanerinnen ihre Dinger - bis auf einen von der bei Turbine Potsdam spielenden Yuki Nagasato vergeigten Ball - reinmachten.

Folgerichtig räumten sie ab, was es abzuräumen gab. Homare Sawa wusste gar nicht wie ihr geschah, als sie eine Trophäe nach der anderen entgegenzunehmen hatte: Goldener Fußballschuh, Goldener Ball und schließlich den Weltmeisterinnenpokal.

Auf der Tribüne freuten sich die deutschen Spielerinnen Nadine Angerer, Kim Kulig und Annike Krahn schon vorher über Japans Spielweise, und selbst Bundestrainerin Silvia Neid riss die Arme hoch, nachdem Japan gewonnen hatte. Man kann nur hoffen, dass sie sich viel abgeguckt hat, denn sonst machte es keinen Sinn, die Nationalmannschaft weiterhin zu trainieren. Da kann DFB-Präsident Theo Zwanziger noch so dünnhäutig auf Kritik reagieren. Auch er muss erkannt haben, dass die Nadeshiko neue Maßstäbe im Frauen-Fußball gesetzt haben. Wie es sich für einen Weltmeister ja auch gehört.

Die US-Girls hatten es jedenfalls schnell kapiert. Nur kurz hingen sie ihren vielen vergebenen Torchancen nach und betrauerten ihre Niederlage. Dann erwiesen sie sich als große Sportsfrauen und würdigten die Leistung der Weltmeisterinnen. "Japan spielte gut. Sie gaben nie auf", sagte etwa Abby Wambach, die den Bronzenen Schuh und den Silbernen Ball erhielt, in die FIFA-Mikrophone. Sie, die Untröstliche ("Es bricht mir das Herz") hatte alles richtig gemacht.

 Torfrau Hope Solo drückte die große kleine Aya Miyama und gestand später: "Die japanische Mannschaft spielte mit so viel Leidenschaft und kämpfte so sehr - ich sage das nicht zu allen Mannschaften, aber vor dieser japanischen Auswahl habe ich den größten Respekt."

Die Weltmeisterinnen blieben bescheiden. Homare Sawa, die beste Spielerin des Turniers, sagte der Associated Press: "Wir rannten und rannten. Wir waren fix und fertig, aber wir rannten weiter." Am Dienstagmorgen landeten die Spielerinnen in Tokyo. Auf dem Rollfeld spritzten Löschzüge Wasserbögen, im Flughafen kreischten mehrere hundert Fans. Japans Staatspräsident Naoto Kan verbeugte sich vor den Prachtnelken. Die Zeitungen druckten Sonderauflagen.

13.000 Euro nachverhandelte Siegprämie gibt es für die im ganzen Land wie Rockstars gefeierten Heldinnen. Ein Taschengeld. Aber ums Geld ging es den Nadeshiko bei dieser WM nie.

¹ SZ vom 18.07.2011 und 19.07.2011. 

© Roman Siertes; Amy Li. Illustrationen: Yu Onoe

© GeoWis (2011-07-20)

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