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Oskar Lafontaine ist wieder fit. Gut für die Linke, unberechenbar für die restlichen Parteien
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Not am Mann

Veritable Gerüchte um eine Rückkehr Oskar Lafontaines auf die Bundesbühne machen derzeit die Runde. Seine Gegner bringen sich vorsichtshalber schon mal in Stellung. 

Von Simone ten Breck (2011-10-05)

Jüngst war Oskar Lafontaine wieder bundesweit auf Sendung. Beim Jauch, dem Günter. Der Allzweckwaffe des deutschen Fernsehens. Jauch, der nach außen darum bemüht ist, ideologieneutral zu glänzen - Job ist Job -, ist das Komplementäre zu Lafontaine, und doch haben beide etwas gemeinsam: sie haben den Nimbus des Retters. Jauch gerade für die ARD am Sonntagabend, Lafontaine für die Linke.

Während Jauch - wie auch die Linken-Spitze Lötsch/Ernst - so erotisch-elektrisierend wirkt wie ein Schafsdarmkondom zu mittelalterlichen Zeiten, versprüht Lafontaine wieder die von ihm gewohnte Energie, Klarheit und Schärfe. Wie sonst niemand von den Oppositiospolitikern - offiziell ist er keiner, weil er sein Bundestagsmandat niedergelegt hat - nimmt er sich wieder der Sachthemen an und knöpft sich die Regierungspolitik vor. 

Indirekt auch die eigene Parteispitze, die von Regine Lötsch und Klaus Ernst verkörpert wird. Lötsch ist in ihrer Funktion bisher kaum nachhaltig positiv in Erscheinung getreten, verhedderte sich stattdessen in kommunistische Findungstheorien; Ernst fiel vor allem durch Mehrfachgehälter und holprige Rechtfertigungen dieser auf. Die ungleiche, höchst unspannende und sachverwalterische Doppelspitze der Linken wäre wahrscheinlich auch gut in der untergegangenen DDR zurechtgekommen. 

Fünf Prozent hat die Linke seit der Bundestagswahl 2009 an Wählerstimmen verloren. Von den damals knapp zwölf Prozent sackte sie auf gegenwärtig sieben ab. Bis zum gesundheitsbedingten Rückzug Lafontaines hatte sie gerade ein bis zwei Prozent eingebüßt. Dabei dürften nicht einzig die innerparteilichen Querelen und Ernsts gehobener Lebensstil bzw. dessen Einkommensstruktur ursächlich sein, sondern im Wesentlichen das Verpuffen des Spannenden und der Verlust ihres charismatischen Vordenkers.

Niemand in der Linkspartei vereint auch nur annähernd so viel Sachverstand, Analysevermögen, Charisma, politische Erfahrung und Durchsetzungsfähigkeit wie Oskar Lafontaine. Und niemand innerhalb dieser Partei vermag dem Publikum komplexe Sachverhalte derart zu verdeutlichen, wie "der Oskar". Kadergeschwafel, von Eitelkeiten getriebene Richtungskämpfer, sozialpolitische Umfaller (Berlin) und auf guten Posten sitzende Pharisäer nagen an der Glaubwürdigkeit der Linken. Der reinste Kindergarten ohne Aufsicht.

Inzwischen gräbt die Piratenpartei der Linken Wähler ab. Noch erstaunlicher aber: die Piraten schafften es bei der jüngsten Landtagswahl zu Berlin, bisherige Nichtwähler an die Urnen zu bewegen und fuhren sieben Prozent ein. Inzwischen kämen sie Umfragen zufolge auf bundesweit acht. Die Piratenanhänger haben zuvor links, gar nicht, grün, sozialdemokratisch und - manche - liberal gewählt. Lafontaine hat dies erkannt und nimmt die Piratenwähler und deren Partei ins Kalkül für eine vereinigte Politposition, die nicht auf den Darmausgang von SPD und Grünen ausgerichtet ist, sondern aufs Sachliche, auf soziale Gerechtigkeit und eine radikale Umkehr in der gegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzpolitik.

Bei der Linken herrscht Not am Mann. Die Parteispitze muss sich dessen bewusst sein, wie sie sich auch eingestehen müsste, dass sie überfordert ist, den komplexen politischen Geschehnissen und Zusammenhängen im Sinne nicht nur ihrer Wählerschaft, sondern aller in Deutschland wohnenden Bürger Rechnung zu tragen. Lötsch/Ernst, dazu Ramelow und Gysi und manch andere Halblinksprominenz haben sich eingerichtet im politischen Alltag und Versorgungssytem. 

Deshalb auch fürchten sie Oskar Lafontaines Rückkehr, wie schon die Sozialdemokraten ihn seit 1990 gefürchtet hatten. Denn er ist der Typ, der die Dinge auf den Punkt bringt, sie erklärt und dabei die Illners, Jauchs, Maischbergers und wie sie alle heißen an die Grenzen ihrer Moderatorengeduld bringt. Und natürlich ist er ein Feindbild der Mainstream-Medien, die sich bereitsi Stellung bringen. Zu alt sei er, und die Linke leide an Überalterung (Spiegel Online); eine Rückkehr an die Parteispitze seien Armutszeugnis und Offenbarungseid (Tagesspiegel).

Das häufig unsubstantiierte Anti-Lafontaine-Geschwätz drückt nichts weiter als die Befürchtung aus, der Mann könnte die blasse SPD-Troika Gabriel/Steinmeier/Steinbrück verbal auseinandernehmen. Was nicht schwer wäre. SPD-Parteichef und Ex-Bundespopmusikbeauftragter Gabriel müht sich programmatisch ab, statt sich am keineswegs veralteten Grundsatzprogramm - ausgearbeitet von Lafontaine - von 1990 zu orientieren; Steinmeier gibt immer noch den Verwaltungsangestellten; Steinbrück, gegenwärtig 64, ist die bessere Merkel.

Auch die Grünen, gerade von Klaus Wowereit vor die Tür gesetzt, sind sieben Monate nach Fukushima entzaubert, nachdem Merkel ihnen mit dem Atomausstieg den Wind aus den Segeln genommen hat. Lafontaine könnte sie als Partei der Besserverdienenden und Hartz-IV-Bewahrer stigmatisieren und sie mit Hilfe der Piraten wieder schrumpfen. Das Wichtigste aber ist: Er gilt derzeit als der einzige, der in der Lage ist, das Profil seiner Partei wieder zu schärfen und Wähler zu mobilisieren.

© Simone ten Breck

© GeoWis (2011-10-05)

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