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Bundespräsident: Während sich der Hauptkandidat in Umfragehochs sonnt, gab die Linkspartei ein verheerendes Bild bei der Findung einer Alternative zu Gauck ab. Mit Beate Klarsfeld gelang ihr ein Nominierungs-Coup
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Veritable Konkurrenz

Nach dem Herumgeeiere der Linkspartei auf der Suche nach einer Alternative zum Bundespräsidentschaftskandidaten Joachim Gauck hat sie eine geeignete Kandidatin gefunden, die internationales Format hat: Beate Klarsfeld.

Von Simone ten Breck (2012-02-29)

Joachim Gauck hat sich offenbar am vergangenen Wochenende im niederrheinischen Hamminkeln mit der CDU versöhnt. Der radikalliberale Kandidat fürs höchste Amt in Deutschland hatte einen ordentlichen Auftritt, der den nordrhein-westfälischen CDU-Chef Norbert Röttgen beinahe ins Schwärmen gerate ließ. "Es hat einen wirklich starken Eindruck gemacht, was Joachim Gauck hier heute gesagt hat", zitiert ihn die in Düsseldorf erscheinende Westdeutsche Zeitung

Gauck, auf diffiziler Umarmungstour zur CDU, sah es etwas nüchterner, und der Soester Anzeiger schrieb: "Nach gut zwei Stunden bei der CDU schiebt Gauck sich wieder durch die Wartenden nach draußen und schüttelt eilig die Hände von Umstehenden. Er habe jetzt keine Zeit, Fragen zu bantworten, er müsse ein Flugzeug erreichen."

Freiheitstheoretiker Gauck übt bereits Bundespräsident. Er vertraut darauf, dass er am 18. März 2012 ins höchste Amt gewählt wird. Es müsste für den angeblichen Bürgerrechtler schon mit dem Teufel zugehen, würde er seiner nun der von der Linkspartei nominierten Gegenkandidatin Beate Klarsfeld unterliegen. Aber wer weiß schon, wie modern die Wahlmänner und -frauen sind?

Die Linkspartei hatt sich vorerst mächtig blamiert bei ihrer Kandidatensuche. Die ordentlich in die Jahre gekommene Bundestagsabgeordnete Lukrezia Jochimsen (76) stand ernsthaft auf ihrem Spickzettel; auch der renommierte Sozialwissenschaftler Christoph Butterwegge (61), der ebenfalls absagte. Linke-Chefin Gesine Lötsch hat der Blamage dann Einhalt geboten und Beate Klarsfeld (73) proklamiert. Zum Leidwesen Oskar Lafontaines, der sich von der hälftigen Parteispitze - die andere Hälfte stellt Wolfgang Ernst, Lafontaines stets verbal radebrechender Spezi -, übergangen fühle, wie der Mainstream kolportiert.

Mit Beate Klarsfeld als Gegenkandidatin zum mittlerweile in Arroganz und prä-präsidialer Potenz abgedrifteten Gauck hat die Linkspartei geradezu einen Coup gelandet. Beate Klarsfeld ist nicht nur die Person, die als erste einen deutschen Bundeskanzler - den längst verstorbenen Nazi und Ex-Kanzler Kurt Georg Kiesinger - geohrfeigt hat und dafür verurteilt wurde. Sie ist vor allem eine Grand Dame des Widerstandes und der Aufklärung. Und - das ist diesertage besonders wichtig - sie hat keine auf irgendeine Korruption hinweisenden Leichen im Keller. Kann Gauck das von sich auch behaupten?

Würde Klarsfeld, die internationales Format besitzt, bei der Wahl obsiegen, wäre dies ein demonstrativer Gewinn für die Reputation Deutschlands, insbesondere im Hinblick auf die hiesigen neonazistischen Auswüchse der vergangenen Jahre. Ein klareres Zeichen gegen Rechtsextremismus kann es gar nicht geben. Eine Bundespräsidentin Klarsfeld könnte zudem völlig ohne Zweifel von israelischer Seite in Jad Vashem auftreten und wahrscheinlich auch in der Knesset.

Immerhin besteht ihr Lebenswerk aus der Verfolgung von Nazi-Schergen. Sie hat dafür gesorgt, dass der Schlächter von Lyon, Klaus Barbie, 1983 vor den Kadi kam; sie hat bewirkt, dass Adolf Eichmanns Stellvertreter, Alois Brunner, 2001 zu lebenslanger Haft (in Abwesenheit) verurteilt wurde. Dagegen wirkt das, was Joachim Gauck geleistet hat, fast schon bescheiden, wenn nicht gar unmutig.

Der Mainstream - FAZ, Tagesspiegel, Süddeutsche Zeitung, etc. - hämt unterdessen zur Nominierung Klarsfelds. Ein deutliches Zeichen dafür, dass Klarsfeld eine veritable Konkurrenz zu Gauck ist, die nur mit komplizierten Konstruktionen anzugreifen wäre. Gut möglich, dass die nicht fraktionsgebundenen Wahlfrauen und -männer der Bundesversammlung am 18. März ganz anders wählten, als es sich deren Entsender aus SPD, CDU, CSU, FDP und Grünen bislang vorstellen. Schließlich sind sie kein bloßes Stimmvieh wie so manche Parlamentarier.

© Simone ten Breck

© GeoWis (2012-02-29)

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