GEOWIS Logo
GeoWis ONLINE-MAGAZIN
16. August 2017
Home |  Login | Kontakt | Verlag | Links   
Download-Archiv
eBook/eText Downloads
Science & Technology
Selected Portraits
Artikel & Reportagen
Deutsche Sprache
Meinungen
Musik
Rezensionen
Unterhaltung
- Wissenschaft/Sachbuch
Film
Interviews
Schnellsuche
 
Verwenden Sie Stichworte, um einen Beitrag zu finden.
Erweiterte Suche
Ankündigung

Kostenlose Downloads (Auswahl)

Demographie: Que sera, sera. The future's not ours to see. Die BBR-Bevölkerungsprognose in Konfrontation mit der Realität. Von Hansjörg Bucher und Claus Schlömer

Stefan Z. Dmochowski - The Olowo of Owo

Klaus von Bröckel - Djibouti: 18. März 1987

Lesetipps

Tourismus

Wohin geht die Reise? >>

Reisen im Geburtsland Makesis >>

China-Reportagen

Chongqing - Stadt im Nebel >>

Chongqings Altstadt Ciqikou >>

Carrefour in China >>

Diaoyucheng, Hechuan >>

Beijing by Bike >>

Der chinesische Traum 1 >>

Der chinesische Traum 2 >>

Der chinesische Traum 3 >>

Spanien-Reportagen

Paxe Ryanair, Iberia! >>

High Speed Tag und Nacht >>

Der Tod kommt zweimal >>

Tarragona - Baila conmigo >>

Málaga - Glut des Südens >>

Japan-Reportagen

Hakone >>

Hakone Open Air Museum - Im Reich der Skulpturen >>

Frankreich-Reportagen

Nizza - Zwischen Arm und Reich >>

Vence - Kultort der Kultur ... >>

Nizza - Champagner muss sein >>

Côte Basque - Saint-Jean-de-Luz >>

Mauerfall-Reportagen

"Ich werd' bekloppt!" >>

"Keine Ahnung, wie die lebten" >>

"Wir wollen die D-Mark!" >>

Weitere Beiträge:
Pynchon, Thomas: Bleeding Edge. Rezensiert von Wolfgang Körner
Körner, Wolfgang: Nowack. Rezensiert von Jochen Henke
Bottländer, Reinhard: Infam - und tödlich. Rezensiert von Wolfgang Körner
Michener, James A.: Texas. Rezensiert von Tom Geddis
Earle, Steve - I'll Never Get Out Of This World Alive. Rezensiert von Hansjörg Bucher zum 90. Geburtstag von Hank Williams
Queen, Ellery: The American Gun Mystery. Empfohlen von Liz Bremer
einzlkind: Gretchen. Rezensiert von Wolfgang Körner
Treeck, Dieter: "und wieder zieht das Elchgespann" - das wahn-sinnige Weihnachtsbuch. Mit Zeichnungen von Henryk Bzdok. Rezensiert von Mariam Backes
Schramm, Julia: Klick mich. Bekenntnisse einer Internet-Exhibitionistin. Rezensiert von Hubertus Molln
Niven, John: Kill Your Friends. Rezensiert von Wolfgang Körner
Thompson, Hunter S.: Kingdom of Gonzo. Interviews. Rezensiert von Wolfgang Körner
Leuthner, Roman: Nackt duschen streng verboten. Die verrücktesten Gesetze der Welt. Rezensiert von Maja Neldner
Laing, Ronald D.: Liebst du mich? Rezensiert von Jochen Henke
Bittermann, Klaus: Möbel zu Hause, aber kein Geld für Alkohol. Rezensiert von Uwe Goerlitz
Denart, Klaus: Mr. Globetrotter - Meine Reisen, mein Leben. Rezensiert von Tom Geddis
Bittermann, Klaus: The Crazy Never Die - Amerikanische Rebellen in der populären Kultur. Rezensiert von Hubertus Molln
Korman, Gordon: Born to Rock. Rezensiert von Silke Reinhardt
Kunstler, James Howard: The Witch of Hebron. A World Made by Hand Novel. Rezensiert von Uwe Goerlitz
Göhre, Frank: Der Auserwählte. Rezensiert von Klaus Berthold
Karinthy, Ferenc: Das goldene Zeitalter. Rezensiert von Mariam Backes
einzlkind: Harold. Rezensiert von Wolfgang Körner
Wiemer, Carl: Der Literaturverweser. Ein Stück über Vernichtungsgewinnler. Rezensiert von Klaus Berthold
Brook, Timothy: Vermeers Hut. Rezensiert von Wolfgang Körner
Tosches, Nick: Hellfire - Die Jerry Lee Lewis Story. Rezensiert von Hansjörg Bucher
Osborn, David: Jagdzeit (Open Season). Rezensiert von Hubertus Molln
Robbins, Tom: B Is for Beer. Rezensiert von Wolfgang Körner
Wenner/Seymour (Hg.): Gonzo: The Life of Hunter S. Thompson. Rezensiert von Liz Bremer
Zippert, Hans: Die 55 beliebtesten Krankheiten der Deutschen. Rezensiert von Klaus Berthold
Perry, Paul: Das sagenhafte Leben des Hunter S. Thompson. Rezensiert von Mariam Backes
Bunker, Edward: Lockruf der Nacht. Rezensiert von Hubertus Molln
Welt, Wolfgang: Doris hilft. Rezensiert von Klaus Berthold
Roncagliolo, Santiago: Roter April. Rezensiert von Hubertus Molln
Maier, Corinne: No Kid. Rezensiert von Wolfgang Körner
Pynchon, Thomas: Gegen den Tag. Rezensiert von Uwe Goerlitz
Walser, Martin: Ein liebender Mann. Rezensiert von Susanne Alberti
Sorokin, Vladimir: Der Tag des Opritschniks. Rezensiert von Wolfgang Körner
Steen, Marguerite: Die schwarze Sonne. Rezensiert von Hubertus Molln
Walker, Michael: Laurel Canyon. Rezensiert von Hansjörg Bucher
Schramm, Georg: Lassen Sie es mich so sagen ... Rezensiert von Mariam Backes
Faldbakken, Matias: Macht und Rebel. Rezensiert von Niels Baumgarten
Pincio, Tommaso: Die Außerirdischen. Rezensiert von Frank Simonis
Ratte, Günter: Der Grass. Rezensiert von Klaus Berthold
Dunning, John: Das Geheimnis des Buchhändlers. Rezensiert von Simone ten Breck
Lange, Sascha: DJ West Radio. Rezensiert von Maja Neldner
Havaii, Kai: Hart wie Marmelade. Rezensiert von Mariam Backes
Bräunig, Werner: Rummelplatz. Rezensiert von Mariam Backes
Reinerová, Lenka: Das Geheimnis der nächsten Minuten. Rezensiert von Mariam Backes
Lem, Stanislaw: Solaris (Hörspiel). Rezensiert von Martin Jasper
Pierre, DBC: Bunny und Blair. Rezensiert von Wolfgang Körner
Sittenfeld, Curtis: Eine Klasse für sich. Rezensiert von Mariam Backes


Thompson, Hunter S.: Kingdom of Gonzo. Interviews. Rezensiert von Wolfgang Körner
[906]
hunter_stockto_big.gif

"Wir sind in der Dekadenz"

Mit Kingdom of Gonzo – Interviews mit Hunter S. Thompson liegt seit einigen Monaten die deutsche Übersetzung von Ancient Gonzo Wisdom (Hrsg. Anita Thompson, 2009) vor. 18 Interviews, die Hunter S. Thompson erstrangigen US Medien gewährte. Eins erhellender als das andere.

Von Wolfgang Körner (2012-04-23)

Ende 2005 war mir, als hätte ich einen Schlag in die Magengrube bekommen. Ich saß mit Renate am Frühstückstisch, als mich die Nachricht zusammenzucken ließ. Hunter S. Thompson, der geniale schreibende Acid Head, hatte sich in Woody Creek bei Aspen, Colorado, erschossen. Die nächsten vierzehn Tage verbrachte ich damit, fast alles nochmals zu lesen, was er geschrieben hatte, sofern es zwischen zwei Buchdeckeln veröffentlicht worden war.

Thompson war ein Waffennarr, der mit der Whiskyflasche - oder unter dem Einfluss von anderen Drogen - in der einen, und einer .45er in der anderen Hand wild in der Gegend herumballerte. In den Jahren vor seinem Freitod absolvierte er, oft sturzbetrunken, eine Reihe von Auftritten, bei denen er sich - gegen herausragende Honorare - bewundern ließ, was ihm mit zunehmendem Alter sichtlich immer schwerer gefallen war.

Hunter Thompson hat viel geschrieben, vor allem für den Rolling Stone, dessen Herausgeber Jann Wenner ihm auf ambivalente Weise zu Füßen lag, und nach seinem Tod wurde viel über ihn geschrieben. Er war auch redselig, gab ungezählte Interviews, von denen die meisten nie auf Deutsch erschienen.

Er antwortet meist kurz und knapp, erzählt, wie es war, mit Hell's Angels unterwegs zu sein, jenen Bikern, die er für Angehörige der Unterschicht hielt, und die - noch heute - ihre Ohnmacht in Gewalt umzusetzen versuchen. Er berichtet über die Zeit der Präsidentschaft Carters und bezweifelt, dass der "die Bibel auf Spanisch" lese und dazu Bob Dylans Highway 61 höre.

 Für Richard Nixon, den er 2003 in einer "Session im Haschischnebel" gegenüber Marty Beckmann im Vergleich mit George Bush II inzwischen nahezu für einen Liberalen hielt, hatte er sich 1974 im Interview mit dem Playboy noch gewünscht, sich "eines schönen Morgens" eine Zeitung mit der Schlagzeile "Richard Nixon hat letzte Nacht Selbstmord begangen" kaufen zu können.

Wir erfahren auch, das es ihm unmöglich gewesen sei, "mit Drogen im Kopf zu schreiben" - was wie HST-Früh-Satire klingt - und er nur "Wild Turkey und Tabak" als einzige Drogen "regelmäßig" nehme. Ansonsten verlässt er sich auf körpereigene. "Ich bin ein Adrenalin-Junkie."

Thompson gibt Auskunft über sein Spesenkonto beim Rolling Stone, das er arg strapazierte, "um mit Jann gleichzuziehen", verteidigt die Sixties, verachtet die 1980er, klassifiziert die 1990er als dekadente "neue Welt" und prophezeit, dass es "kein Jahr 2000 geben" werde. Und er gibt zu, dass Drogen - LSD, Kokain – Kreativpotential haben.

Er war Teil der Gegenkultur eines anderen, besseren Amerikas. Seine Vorstellung von Freiheit aber war spätestens nach 9-11, vermutlich aber schon mit Richard Nixons Watergate, dem Vietnamkrieg und den Morden an den Kennedys ad absurdum geführt worden. 

Die Interviews sind hinsichtlich Thompsons Lebensweise, Arbeitsmethoden und Philosophie höchst aufschlussreich und seine Kommentare zur Entwicklung der USA erschreckend auf den Punkt gebracht. Der Abbau von Freiheit und "von allem, wofür wir (…) seit dem Zweiten Weltkrieg gekämpft haben", habe mit Reagan begonnen. Dieser Abbau ist inzwischen so offenkundig, dass der Anschlag auf das World Trade Center nicht mehr als eine zwangsläufige Folge der Strukturen dieses Imperiums sind. "Das amerikanische Jahrhundert", sagt er im Interview mit Matt Higgins (2003), "ging mit dem Jahr 2000 zu Ende."

Renate und ich sehen das anders, und der gute Hunter möglicherweise auch, weilte er noch unter uns. Denn die "Bastarde", wie er die Bush-Clique bezeichnete, müsse man ernstnehmen. Die seien "nicht so leicht zu knacken wie Nixon." Wenn er sähe, dass sich alles immer noch steigern lässt, würde er sich wohl noch mal erschießen.

© Wolfgang Körner

© GeoWis (2012-04-23)

Edition Tiamat (Hrsg.): Kingdom of Gonzo. Interviews mit Hunter S. Thompson . Aus dem Amerikanischen von Carl-Ludwig Reichert. Deutsche Erstveröffentlichung, Berlin, 2011.

Anzeige